Zimmerreise Nachschlag

Gegen den verregneten Herbst zum Trotz: The Kingpins – Plan of Action (2008)…

      (2 alte Jpgs von einer Ärmeligen Wallfahrt zu Dichters Ort)    


Zimmerreisen mögen manchen Menschen zu banal oder vielleicht auch zu nervenaufreigend erscheinen. Für diese Zeitgenossen, denen überhaupt die frische Luft, gutes Schuhwerk und Ausdauer näher liegen, habe ich als kleinen Nachtrag den Vorschlag zu einer Fernwanderung.
Und wenn ich gestern schon die Zeit vor zwei Jahrhunderten erwähnte, bleiben wir der Einfachheit gleich in dieser Epoche. Während in den uralten Zeiten vornehmlich Pilger, Klosterangestellte und Kaufleute die Strapazen und erheblichen Risiken einer Fernreise auf sich nahmen, änderte sich das in der Zeit vom 18. ins 19. Jahrhundert. Ob Vergnügungsreisen seinerzeit wirklich vergnüglich waren, sei dahingestellt. Goethes „Italienische Reise“ (1786) inspirierte viele seiner Nachfolger. Seine Erlebnisse hat er 1813 publiziert. Vielleicht auch deshalb, weil der Erfolg eines bereits 1802 erschienenen Werkes ihn dazu veranlasst hat. Einer der Fernwanderer, der bis heute das Publikum anregt, war Johann Gottfried Seume (1763-1810). Er machte sich am 6.12.1801 in Grimma bei Leipzig zu Fuss auf den Weg nach Syrakus / Sizilien. Den Rückweg nahm er über Paris und erreichte am 24.8.1802 und ungefähr 6000 Kilometern (davon ca. 4800km zu Fuss) Grimma. Noch heute impulsiert er Nachahmer. Es gibt Fotografen auf seinen Spuren, pensionierte Lehrer, Radfahrer und Teiletappenwanderer. Ohne seinen Reisebericht „Mein Spaziergang nach Syrakus im Jahre 1802“ wäre der Mann wahrscheinlich längst vergessen.
Man kann allerdings auch noch heute von verwegenen Fussgängern hören und lesen. Christoph Rehage beendete sein Studium der Sinologie im Jahr 2007 in Peking. Offensichtlich sass er zu lange in der Kammer über seinen Büchern und suchte nun nach körperlicher Betätigung, denn er fasste den Plan, von Peking zu Fuss ins heimische Bad Nenndorf (ca. 12000km) zurückzukehren. Zeitgemäss startete er dazu seinen Blog „The longest Way“. Anfangs verfolgte ich seine Berichte gelegentlich, dann riss der Faden. Heute beim ausmisten meines Browers von toten Lesezeichen stiess ich wieder auf seine Seite. Er hat seinen Weg offensichtlich an der Grenze zu Kasachstan nach einem Jahr und rund 4500km beendet. Hat danach Bücher veröffentlicht und das tolle Video „Teh longest Way 1.0“ ins Netz gestellt.

  
Im letzten Jahr war er wieder unterwegs in China. Bei JuhTjuhp präsentiert er ein weiteres Video „The longest Way 2.0“, das ich ebenfalls sehr sehenswert finde.
Wer also die Haferlschuhe frisch poliert und kein Vergnügen an einem flauen Herbst hat, der schnüre seinen Ranzen und befolge den Hinweis, den Christoph Rehage Leuten gibt, die ihm wegen seines langen Marsches geschrieben haben: „It doesn´t matter what dream you choose to follow, as long as you have one. Go follow your dream and laugh while you´re doing it.“

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8 Gedanken zu „Zimmerreise Nachschlag

  1. Wahnsinnsreise!!!
    Erinnert mich an Reisekünstler Irgendlink (in meiner Blogroll genau unter Herrn Ärmel), der reist mit Rad, über seine „Rund-um-die-Nordseereise“ von 2012 gibt es z.B. dieses Video:

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  2. Ja, bekloppt sowas. Und total genial dass es Bekloppte gibt, die so etwas machen. Neulich hab ich einen Film gesehen über Zwillingsbrüder, die mit dem Fahrrad von Berlin nach Peking geradelt sind (oder umgekehrt), hat mich auch für eine Stunde an die Glotze gefesselt.
    Aber selber machen? Dafür war ich nie bekloppt genug *g*

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  3. Nee das war schon Sportgerät. Shanghai – Berlin war das, krasse Strecke, menschenleere Gegenden, Berge, da würde ich nur mit reichlich Reservekanistern und Offroader fahren, aber nicht mit dem Fahrrad, zumal die auch öfter völlig bekloppte Wege abseits der Straße genommen haben, weil sie gucken wollten was hinter dem nächsten Berg ist.

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