Letzte Chance vor Weihnachten: Werbeblocker im Hirn einschalten

Besinnlich, heiter und leicht alkoholisiert? Da passt hervorragend ein Hörbuch: Horst Janssen liest Hinkepott (1999)…

      (Foto anklicken und Weihnachtsgesang anstimmen)

Der Fernseh ist schuld. Ganz eindeutig. Ich wollte mich mit vorweihnachtlichen Posts zu weihnachtlichen Themen zurückhalten in diesem Advent. Allenfalls in aller Ruhe meiner Frage nachgehen nach den möglichen sinnstiftenden Bedeutungen des Wortes Advent (lat. advenire – ankommen). Das alltägliche Bewusstsein der Menge sieht gewöhnlich im Kontext des Adventes das hoffentlich bald ankommende Ende des ganzen Weihnachtsbrimboriums. Endlich alles eingekauft, nach Hause transportiert, verpackt, verteilt, ausgepackt, gefreut oder geärgert (je nachdem), Verpackunsmaterial in die gelbe Tonne gestopft, die Küche wieder sauber und aufgeräumt, den Teppich im Wohnzimmer gesaugt und alle lästigen gesellschaftlichen Begegnungen überstanden. Puuh! Jetzt nur noch die Endweihnachtsfrist bis endlich Anfang Januar der kommunale GrünabfallLKW die dürre Weihnachtsbaumleiche in seinem Kübel wegschreddert hat. Und spätestens nach einem schiefen Blick auf die Abrechnung der Kreditkartenfirma platzt es heraus: Nächstes Jahr wird alles anders. Bis zum 30. November jedenfalls. Denn spätestens dann wird das vertraute Weihnachtshamsterrad wieder hervorgekramt.
Brauche ich nicht, mache ich nicht – ich bin verschont. Ich leiste mir die Musse darüber nachzudenken, ob Advent nicht nur meinen könnte, was da auf mich zukommen mag, sondern auch, wie mein Ankommen aussehen mag. Einen Prozess von seiner aktiven Seite bedenken statt von einer passiven.
Für den Riss in meinem Plan gebe ich dem Fernseh die Schuld. Dort sah ich einen Bericht über Weihnachtsmärkte. Wollte ich garnicht, hatte auch den Zappfinger schon an der Taste. Aber Horrorfilme haben das Unangenehme, dass sie den Blick der Zuschauer an den Schirm bannen. Weihnachtsmärkte also. 
Nach zehn Minuten hatte ich aus den Antworten der Befragten den Eindruck gewonnen, dass alle diese Menschen unter Zwang hier waren. Fast alle hatten Ausreden für ihre Anwesenheit. Die Freiwilligen sind statistisch wohl zu vernachlässigen. Die Mehrheit ist hier wegen der Freunde, der Kinder oder anderen weitaus abstruseren Gründen. Geschubst und gestossen werden, in Schlangen stehen für zuckermiesen warmen Wein, überteuertes ungesundes Schnellessen oder weihnachtlich anmutende Plastikschnitzereien aus China. Und das alles unter dem freundlich sanften Zwang der „Anderen“. Wie kanns auch anders sein, wenn mittlerweile selbst das Christkindlein (mit falschem Apostroph) im Glühweinhaus eingesperrt und Knecht Ruprecht Nikolaus in einem Mantel aus Plastikhaftklötzchen zusammengezurrt worden ist.


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21 Gedanken zu „Letzte Chance vor Weihnachten: Werbeblocker im Hirn einschalten

  1. Auf den Weihnachtsmarkt geht man um sich mit süßem Zeug zu besaufen. Hatte ich schon, brauche ich nicht mehr. Nicht einmal für eine fotografische Exkursion reizvoll, so zwei bis drei ganz nette gibt es zwar hier, ohne Legosteine, nur ist das Wetter nicht nett, meine Arbeitszeiten auch nicht, und das Gedränge stößt mich am meisten ab.
    Und wenn man ganz viel Pech hat spielen sie auch noch Last Christmas von Wham.

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  2. Machen Sie es sich kuschelig, da droben auf dem Schwarzen Berge. Sie verpassen nix in diesem Doofkonsumdiktatgehabe. Der hiesige Markt nennt sich Weihnachtstraum und das ist er wahrlich. Ein Alptraum. Herzlichst, Käthe Knobloch.

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  3. In deutsche Lande einfliegen werde ich erst am Kulminationspunkt des konsumdiktierten Irrsinns. Hier hängt die Sonne derweil einsam im weiten Blau, sogar die Wolken scheinen fernen Aufenthalts: so lässt es sich aushalten *g*

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  4. Hach, mein wohlwollender Neid ist Ihnen gewiss! Ich muß mich harsch am Riemen reißen, um nicht ständig loszukübeln. Und der nächste, der mit Blinkeblingmütze mir entgegentritt, dem lasse ich selbiges angedeihen: einen Tritt!

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  5. Weihnachtsmarktglühweinundgeschenkekaufrausch zum Trotz: ich wünsche Ihnen einen Satz eisenkappenverstärkt trittfeste DocMartins ihrer freien Farbwahl. Achten Sie dringend auf farbliche Wohlausgewogenheit zwischen Trittwerkzeug und Zieltextil, das potenziert die Wirkung hinsichtlich des energetischen und des ästhetischen Effekts 😉

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  6. Da ja der ästhetische Effekt nicht im Kübeleimoraste ersaufen sollte, wähle ich gediegenes Schwarz (es paßt auch besser zum restlichen Erscheinungsbilde!) und fixiere sicheren Doc'schen Schrittes den nächsten rotpuscheligzieltextilummäntelten Arsch. Für diese gediegene adventliche Vorfreude haben Sie jetzt einen glitzerblitzerglöckchenklingelinge-igen Wunsch bei mir gut, Herr Ärmel.

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  7. Rausrotzen! Pardon ob der Wortwahl, aber ungemein wichtig. SchniSchneSchnapupfen muß seine Grenzen gezeigt bekommen! Sanfte Salzwassermischung anrichten, einnasenseitig einrüsseln, und fulminant rausrotzen. Erneut Pardon. So, jetzt wird's richtig ekelig! (Na, Sie machen mir ja Spaß!) Zwiebel schneiden, in Leinentuche herdwärts erwärmen, bis die Öle Nas' und Auge reizen, auf den Schnupfenzinken und Umgebung sanft erträglich auflegen und wirken lassen. Obacht! Papier'nes Auffanggut ist unzureichend, Sie brauchen feststoffigere Entsorgungsmöglichkeit. Dreifaches Pardon, aber sehen Sie zu, daß Sie in dieser Phase alleinig sind.

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  8. Signora – ääh Dottora Käthe que ricetta furiosa…. mille grazi per tutti. Das liest sich wie Nasenartillerie, Partisanenhinterhalthöhlenaufräumarbeiten und Pionierrüsselfreischaufeleinsatz. Rotz Blitz, pardon, potz Blitz aber auch. Da papier'nes Auffanggut überfordert werde ich mit einem Streusieb (Kaliber???) auf den Balkon stellen, so gibts noch ein wenig Winterdung für die entschlafene Asterpracht. Die Tribünen werden frei gehalten, versprochen!

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  9. Rotzblitz! Dieses mein schallendes Gelächter müssen Sie jetzt aber bis hin zu Ihrem Schwarzen Berge vernommen haben. Mir schmerzt jetzt das Fell des Zwerches. Auch muß ich emsige Buchstabensortiererei betreiben, weil lachtränenreiche Verschwommenheit die Tipperei verhedderte. Herrjeh…
    Kann man schon die Tribüne erklimmen oder artillerieren Sie noch?

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  10. Lachklangschall bis auf den Schwarzen Berg – Bei verschlussdruckschmerzenden Lauschlappen – nimmermehr! Der anempfohlene Knoblochsche Therapie verbunden mit jener mysthischmagisch anmutenden Mixtur aus Ingwer, Zitrone & Honig ermöglichte den sattsam bekannten Kommandruf der schweren Artillerie bereits am Vormittag: „Rohr frei!“ was soviel heisst: Befreiung der Rüsselrohrgänge sowie angrenzender von Bakteriengewerf besetzter Stollen und Kanäle erfolgreich vollzogen.

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  11. Bravo! Ich stehapplaudiere auf schwarzberg'scher Tribüne. Und laolaiere. Mönsch, was kann man doch mit rüsselverseuchten Themen Spaß haben! Wenn Sie die Zwiebeltherapie ordnungsgemäß durchgeführt haben, dürfte ich Sie jetzt zum Anbeißen finden. Je nach Appetithaberei erküre ich Sie zum Dönertiere, Zwiebelsüppchen oder Flammkuchen gar.

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  12. Nicht anbeissen bitte sehr – das Näschen ist noch gar empfindsam ^^
    Mit aus dem Rüssel fiel ein weiterer Post ein, ein kombinierter nicht kontaminierter, hoffe ich doch, Sie geschätzte Frau Knobloch zum Lesen mit einem fröhlichen adveniate Caetha! zu animieren 😉

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