Der Regenwald entlässt seine Gäste

Eine deutsche Band. Eine Entdeckung, die ich xs4all verdanke: Electric Orange – Netto (2011)…

Der regenwäldlerische Jagdausflug war ein Reinfall. Kein fotografisch erfolgreicher Hügellandgnomblattschuss. Auf die angenehme Gesellschaft und gediegene Kochkunst des hochgeschätzten Maître Hippolyte musste weitgehend verzichtet werden. Dafür jedoch dem Dorfscheff sei Dank für seinen nachtoffenen Keller und die Bekanntmachung mit Firewater. Ich hoffe, erhabener Dorfscheff du vernimmst meinen Dank in deinem gottverlassenen Kaff in diesem verborgenen Regenwaldweiler.
Vielleicht nicht von Gott, aber von allen guten Geistern verlassen sind auf alle Fälle die Leute in Lüdenscheid, die per Webseite für die „Illumniation“ der Stadt werben. Auf der Webseite ein Spektakel, in Wirklichkeit ein Debakel. Auch der zweite, gut vorbereitete abendliche Anlauf mit allem fotografischem Geraffel ging in nieselregnerischer Erfolglosigkeit unter. Hier und da eine schlappe farbige Neonröhre neben dem vergessenen Weihnachtsgeleuchte im Fussgängerzonenkonsumzentrum. Irgendwie muss sich dieser MarketingTrick bis hin zum Brauhaus rumgesprochen und zur Nachahmung verleitet haben. Das Schwarzbiergulasch war ein ganz gewöhnliches und der speisekartenmässig ausgelobte Speck auf dem Flammkuchen entpuppte sich auch ohne genaueres Hinsehen als gekochter Schinken in Streifchen unter einem Kressebeet. Kein Wunder, dass uns abschliessend auf dem Rückweg zum Wagen ein elendkalter Regen begleitete. Lügenscheid, wir werden uns nicht wieder sehen.
Dafür die Menschen. Der Gastgeber, Herbergsvater und Frühstückskönig mit dem ganz grossen Herzen und der ebenso liebenswürdige Fernreisende aus dem Norden entschädigten für jegliche regenwäldlerische Ungemach. Lange Sitzungen, allerlei Gespräche, Fachsimpeleien, Gebabbel und viel Gelächter liessen die Zeit unterm dauergrauwolkichten Himmel allzu rasch verfliegen.
Wer euch nicht kennt Freunde, weiss nicht, dass es noch Hoffnung gibt auf der Welt. Meine Welt jedenfalls wäre ein Stück kleiner ohne euch! Und weil die beste Zeit irgendwann einmal zu Ende geht nahmen wir den gefährlichen blauen Fleck am Grauhimmel überm Regenwald als mahnendes Zeichen zum Aufbruch. Wer weiss, wie das alles weitergegangen wäre im Sonnenschein. Und überhaupt freue ich mich jetzt schon auf das nächste Zusammentreffen. Vielen Dank für die grosse Zeit!




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28 Gedanken zu „Der Regenwald entlässt seine Gäste

  1. Hachgottsche… beim letzten Absatz könnt ich ja schon glatt mal nen Tränchen drücken. 😉
    Herzallerliebster Herr Ärmel, nicht Du, sondern ich habe zu danken für Deine und des Fernreisenden erquickliche Gesellschaft, welche auch mein Leben immer wieder aufs Neue bereichert. Jederzeit und gerne wieder. Mi casa es tu casa !
    Den Dank an den ehrenwerten Dorfscheff werde ich, mit Verweis auf Deinen Artikel, gerne ausrichten, er liest hier eher selten mit.

    Übrigens ein wirklich ebenso seltenes wie bedrohliches Naturschauspiel, welches Du da fotografiert hast. *fg*
    Pass auf Dich auf und komm gut ins neue Jahr !

    Grüße vom graublauwechselnden Himmel ! 😉

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  2. Rehleber! Ich sag nur: Rehleber! Dauert zwar eine halbe Stunde länger als Schwarzbiergulasch und Flammkuchen, aber man könnte die Wartezeit mit einem Süppchen überbrücken *g*
    Dir auch Dank für Deine Gesellschaft und die netten Worte, dafür könnt ich Dich gleich nochmal umarmen. Bis zum Wiedersehen, unter welchem Himmel auch immer…

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  3. Nix rein garnix dergleichen. Nicht mal eine vorüberziehende elfenbeinerne Möwe. Doch. Halt! Beim verlassen des Brauhauses schmetterte Vogelgezwitscher aus lautsprecherndem Geäst 😮
    Abendliche Grüsse aus dem Bembelland

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  4. Der Trüffelkäse kostet hier im real 1,99 im Sonderangebot. Klasse. Nochmals aromatischen Dank für Hinweis & Verkostung 😉
    Die Dankübermittlung an den Dorfscheff finde ich klasse, auch dafür mein Wort des Dankes~~~

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  5. Ein manchesmal können die besseren Freunde aber auch durchaus öde wirken, z.B. wenn sie den ganzen lieben langen Tag im Bett herumzulungern geruhen. Und sich -nur wider besseren Wissens- zu sinnlosen Illuminationsfototouren überreden lassen. Ich spreche da aus Erfahrung ! Aber Gast ist König…;-p

    Ach ja… das Gulasch war zwar nicht schwarz, aber trotzdem OK. 😉

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  6. Ich schätze es, dass Sie mir, was Bären in Lüdenscheid angeht, keinen solchen aufbinden wollen, werter xs4all. Aber Sie werden doch zugeben, dass die Stadt jede Menge Hunde zu bieten hat, denen die hochgeklappten Bordsteine des nachts den Garaus bereiten…

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  7. Ja die Reise nach Lügenscheid war wohl so etwas was man in der Umgangssprache als Reinfall bezeichnet 🙂
    Schade, daß der kulinarische Teil diesesmal etwas auf der Strecke geblieben ist, der Spagat zwischen familären Weihnachtspflichten und dem Treffen mit Freunden, war aber auch so schon ziemlich heftig.
    Nächstes Mal wird aber auf jeden Fall wieder die Küche bemüht, versprochen!!!

    Schön das Du da warst 🙂

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  8. Also in über dreißig Jahren Hundehaltung in Lüdenscheid inklusive nächtlicher Spaziergänge habe ich dort keinen einzigen vierbeinigen Kameraden durch hochgeklappte Bürgersteige verloren. Ja, es gibt sogar Straßenbeleuchtung, nachts wohlgemerkt. Der Bär dürfte von woandersher kommen…

    Was den Hunden den Garaus machen könnte, ist die neuerliche Steuererhöhung um 40%… nur Onkel Willis Felix bleibt davon unberührt, der ist steuerfrei.

    Das Brauhaus allerdings hätte ich nicht zu den ersten gastronomischen Adressen in Lüdenscheid gezählt.

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  9. Also bitte verehrter Wolfram, du hast die Chuzpe mit einem nonchalanten „Ach, übrigens“ einen Hörsturz hervorzurufen. Einziger Augentrost für meine Ohren: Das Winterbild von Lüdenscheid bei 2:47min. beginnend 😉

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  10. Das Brauhaus liegt halt schön zentral, wenn man in dieser Stadt von einem Zentrum sprechen kann und sollte. Allerdings ist ein Zentrum nicht immer ein Zentrum nicht immer ein Zentrum nicht immer ein Zentrum ~~~ (frei nach Gertrude Stein)

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  11. Vergebung, ich vergaß die Ohrenwarnung dazuzuschreiben… nach „Sauerland, mein Herz schlägt für das Sauerland“ darfst du selbst suchen, das ist auch ganz anderer Stil.
    Nach dem Bild muß ich gleich mal schauen – oh ja, aber das habe ich so zuletzt vor ungefähr 20 Jahren gesehen, meine ich.
    Die erste Ansicht mit den „neuen“, inzwischen verschwundenen Pavillons auf dem Rathausplatz, wo ich als Kind Bücher ausleihen ging, rührt mich natürlich anders an als dich. Auf der zweiten ist eine meiner Wirkungsstätten zu sehen, das Kreiskrankenhaus (und mein Elternhaus finde ich nicht), die dritte zeigt Onkel Willi mit dem Felix, der keine Hundesteuer zahlt. Auf der sechsten Ansicht ist links noch das ST von „Photo Porst“ zu erkennen; die hätten eigentlich nicht pleitegehen dürfen angesichts der Mengen Filme und Zubehör, die wir dort gekauft hatten… da, wo auf der siebten Ansicht die wunderschönen hohen Bäume stehen, haben sie jetzt ein überdimensioniertes Transformatorenhaus gebaut – eigentlich für die Mayersche Verlagsbuchhandlung, die aber nur einige Monate drinblieb und dann Leerstand zurückließ. So wie P&C am Rathausplatz, die aber jetzt Sinn-Leffers gekauft haben und das wilhelminische Nachbargebäude gleich mit plattmachen wollen, um viel Verkaufraum zu bauen, der in wenigen Monaten sicher wieder zu Leerstand wird… (das ist im Hintergrund auf dem sechsten Bild zu erkennen, linke Straßenseite) Das Freizeitbad (Wellenbad) gibt es schon lang nicht mehr, ersatzlos geschlossen. Der nackte Kämpe vor dem damaligen Crest-Hotel, das auch schon fünfmal den Namen gewechselt hat, ist sicherlich unter allen Lüdenscheidern auf dem Film der, der sich am wenigsten verändert hat, von Onkel Willi mal abgesehen. Und da brech ich mal die Reise ab, hab noch zu tun… 😦

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  12. Hinter der alten Stadtkirche ist Preetz, und der Schwejk (außer, die hätten schon zugemacht…). Da ißt man deutlich besser. Die Kulturhaus-Gastronomie soll auch geschlossen sein, habe ich gehört… 😦 wäre sonst ebenfalls nur einen Steinwurf vom Brauhaus entfernt gewesen.

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  13. Schönen Dank für deine Hinweise.
    Ich gebs den Freunden im Regenwald weiter (sofern sie das hier nicht gleich selbst mitnotieren). Es könnte immerhin sein, dass sich einer zukünftig in diesen Ort verirrt…

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