Aus dem Fenster ins Fenster Erinnerungen

DLF und DRadio sind teilweise mehr schlecht als recht zu empfangen im Autoradio, also andere Sender suchen. Nach der Qualmischung aus nichtssagenden Beitragen und noch schlechterer Musik: Firewater – The Golden Hour (2008)…

Nach dem Abendimbiss eine Ziehrette am Fenster. Gegenüber das Haus hat ein junge Familie gekauft. Ich schaue ihnen beim Abendessen zu. Gedämpftes Licht im Haus, an den Fenstern dezente Jahresendzeitschmückungen. Gross und klein reichen sich die Hände im Kreis um den Tisch. Ein harmonisches Bild. Man spricht miteinander. Reicht sich Brot und Getränke zu. Lachen. Eine Möglichkeit.
Kontrastprogramm zu Gesprächen am Nachmittag mit Prinzessin LiSi, die professionell für vernachlässigte Kinder arbeitet. Die widerwärtige Erfindung von ADS, die Anlage zur Tablettensucht schon bei Kindern und stetig steigende Profite der Pharmaraubritter. Es gibt noch viel zu tun, denn es geht durchaus auch heute noch anders.


Ein alte analoge Fotografie aus Chamborand im Limousin. Der Garten hinter dem alten gemieteten Bauernhaus. Ferien mit Kindern und Freunden. In den Urlauben bereiteten die Erwachsenen das Abendessen zu oder machten sich anderweitig nützlich. Nach dem Aufräumen hörten die Kinder gegen Abend die Märchen des jeweils besuchten Landes. Nach dem Essen verbrachte man die Abende gemeinsam mit Erzählungen der Erlebnisse des vergangenen Tages und der Planung des nächsten Tages. Kinder waren Teil des Geschehens und nicht Beiwerk oder Verzierung des erwachsenen Seins. Daran erinnern sich alle noch heute gerne.



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14 Gedanken zu „Aus dem Fenster ins Fenster Erinnerungen

  1. „…es geht durchaus auch heute noch anders.“
    Es war schon immer so: Nicht alle wollen Idylle. Allein es fehlt der Wille. Urvertrauen, Liebe, Wertschätzung – das sind teuerste Impfungen! Die kriegt nicht jede und jeder, leider.

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  2. Idylle ist gut. So liest sich das in Verbindung mit einem stimmungsvollen Foto. Damals wars (Erziehungs)Arbeit, manchmal auch ganz schön anstrengend. Und das ewige „Gegenstromschwimmen“ in der Masse. Aber: es hat sich gelohnt für beide Seiten: Kinder und Erwachsene; wenn ich heute die Entwicklungen sehe, höre und wie sie mir das Herz erwärmen.

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  3. Wieso Melancholie? Auch damals gabs Cassetten, Fernsehen, Playmobil und vielen Schmonsenz mehr. Dir könnte mein Beispiel als Beispiel dienen, dass es eben auch anders geht. Auch heute noch, oder vielleicht gerade wieder: mit ausgewählter Musik, weniger TV, natürlichen Spielmaterialien draussen und drinnen, Zeichenblocks und Stifte/Pinsel statt MS Paint oder Tablets etc. Ich würde den Beweis mit den (ersehnten) Enkeln jederzeit wieder antreten.

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  4. Natürliche Spielmaterialien? Steine, Äste, Wasserpfützen? DRAUSSEN? Da, wo so vielfältige Gefahren lauern? OMG!
    Wenn die nacher noch den ganzen Tag in der Wildnis rumtoben sind sie am Ende noch so kaputt, dass sie gar keine Pillen mehr brauchen. Wo kommen wir da hin?

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  5. Stimmt ja, jetzt, wo du es mir deutlich vor Augen führst, wirds mir auch klar. Das geht wirklich nicht mehr. Notfalls haften da keine Versicherungen mehr. Und müde Kinder am Abend, nicht auszudenken, wenn sie bei lehrreichen Dokuserien wegnicken; das Geschrei hinterher. Und ohne Gezappel bei Tisch und Diskussionen – was sollen wir denn da machen? Danke für die rechtzeitige Anmahnung. *g*

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  6. Die elektronischen Medien sind eine Sache, aber die Wurzel des Übels sitzt doch viel tiefer, da schließe ich mich der Wildgans an. Sonst wären alle, die ohne sie aufgewachsen sind, von je her glückliche Menschen gewesen und geworden. Dem ist aber nicht so. Gerade in der vermeintlichen Idylle gedeiht manchmal der Horror, und kein Außenstehender nimmt ihn wahr. Oder aus unerfindlichen Gründen stimmt einfach, lapidar gesagt, die Chemie nicht zwischen Vater oder Mutter und Sohn oder Tochter. Wenn die Arbeit gelingt, sehe ich das nicht nur als Verdienst des Erziehenden. So viele Faktoren spielen da hinein. Man hat nicht alles in der Hand. Wenn sie gelingt, dann ist das ein in jeder Hinsicht großes Glück, das leider nicht jeder für sich verbuchen kann. Mögen die Absichten auch noch so edel und gut gewesen sein.

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  7. Ich habe durchaus weder etwas gegen elektronische Medien noch verherrliche ich vergangene Zeiten. Mir geht darum zu zeigen, dass es mit dem guten Willen erstmal anfängt. Zweitens sollten Erziehende nie ihre eigene Kindheit und Jugend vergessen, schon das macht vieles einfacher auch wenn es keine Garantie für das „grosse Glück“ ist. Und verlogene (klein)bürgerlich idyllische (Glücks)Vorstellungen sind garantiert eine Sackgasse. Die Grundmischung der Chemie wird in aller Regel von den Eltern angesetzt, womit sich der Kreis zum oben Gesagten schliesst. Dass es Zeiten der Reibungen und Konflikte gibt, gehört zum Geschäft der menschlichen Entwicklung, egal ob bei kleinen oder grossen Menschen. Leider habe ich keine Fotos, die ca. 5-10 Jahre später aufgenommen worden wären, da sähe das abendliche Geschehen ganz anders aus.
    An „unerfindliche Gründe“ für eine missliche Chemie glaube ich nach meinen privaten und professionellen Erfahrungen nicht mehr. Verhalten, Kommunikation und Umgang miteinander lassen sich zeigen und auch erklären. Manchmal einfacher, manchmal, z.B. im Fall irgendwelcher Familientabus, vielleicht schwieriger.

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  8. Etwas vom Schönsten, was ich von den jungen erwachsenen Kindern meiner besten Freunde höre: Dass sie sich anhören wie die Eltern, ihren Weg gehen können mit Massstäben und Entscheidungsgrundlagen, über die sie als Teenager hergezogen sind. Damals waren Vater und Mutter rückstängige Spiesser – heute hilft das Rüstzeug, seinen Weg zu gehen – und die Familie ist eine Familie und trifft sich noch immer zu solchen Ferien.

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  9. Schönen Dank für Ihren Kommentar. Ich nehme den als Bestätigung. Und verweigere den Begriff Glück in diesem Zusammenhang. Es waren bewusste Entscheidungen und viel Arbeit und Energie nötig, dass wir uns heute so verstehen und miteinander sprechen können, wie wir das tun. Dabei bin ich oft glücklich, aber dass es so gekommen ist, war keine reine Glückssache.
    Schöne wochenendlichnebelgraue Grüsse aus dem Bembelland

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  10. An anderer Stelle las ich betr. Uwe Johnson. Einer hatte sich vorgenommen, aus letzten Büchern vorzulesen- und zwar der Protagonist, bzw. das Alter Ego von Peter Härtling. Der schickt seinen Brodbeck auf die Lesereise, wo viel von Johnson die Rede ist! (Peter Härtling: Tage mit Echo. Die andere der beiden Erzählungen im Buch gefällt mir auch, zumal da einer dauernd zu Fuß unterwegs ist zwischen Darmstadt und Heidelberg…)

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