Graunebliger Samstag im Bembelland

Zwischen Firewater und Cop shoot Cop als Töneintermezzo: The Real Mackenzies – Chip.
Bei 1:35 schaut Minheer Zaphod ganz genau hin 😉  …

Zwischen zwei Pflichtveranstaltungen fügt es sich, am Feld des Jammers vorbeizufahren. Da fällt mir die Eremitage ein. Bücherflohmarkt an jedem ersten Samstag im Monat. Den Hinweis dazu erhielt ich im lesenwerten Blog der Frau Wildgans. Ein erstaunlich reichhaltiges Angebot wird in den beiden Flachbauten vorgehalten. Vor sagen wir 25 Jahren hätte ich wahrscheinlich einen geräumigen Kofferraum gebraucht, aber im Lauf der Jahre wird man ruhiger. Keine Lust zum Intensivstöbern. Im Flieger darf man sowieso nur wenige Kilos frei transportieren.
Unter einem der Tische finde ich in einer Kiste einiges zum Thema Fotografie. Was man halt so kauft, wenn man eine Kamera kauft und anfänglich noch Ambitionen hat. Die älteren Stücke sind eher zum Sammeln, also nichts für Herrn Ärmels Dunkelkammer. Doch da steht ein Band. Schutzumschlag fehlt, das Leinen leicht angeschmutzt. Macht nix, eh dritte Auflage. Andreas Feininger – Der Schlüssel zur Fotografie von heute (Econ 1958). Ein echter Kracher. Viele überaus anregende Gedanken und Überlegungen eines professionellen Fotografen zur Fotografie. Ein kurzer Blick noch hier und dorthin. Eng ist es zwischen den Regalen. Ein Händler mault. Die verlangten kleinen Preise stören seinen schon kalkulierten Gewinn. Hau ab Raffzahn und lass die Bücherleser an die Regale und die Kasse. Interessenten wuseln in Taschenbuchkisten und Regalen, füllen bereitstehende Kartons neben sich, deren Gewicht sich langsam mit Fundstücken anschwert. Ich halte Ausschau nach Frau Wildgans; sie hier zu treffen auf einen Kaffee wäre eine schöne Überraschung. Tut sich leider nichts, obwohl Herr Ärmel bekanntermassen an Kopfbedeckung und Mantel immerüberall zu erkennen ist. Wahrscheinlich die hat sie ihre Nase in einen Gedichtband versenkt.
Anschliessend gehe ich hinüber zur alten Eremitage. Man muss schon einen starken Glauben haben, um derlei Leben auf sich zu nehmen. Auch wenns jahrhunderte her ist. Grotten in den roten Sandstein gehauen. Der Protzbischof aus Limburg sollte hier überwintern müssen in Kargheit, zwei besser drei Jahre lang. Die Möglichkeit zur Erkenntnis wäre hier eher gegeben als im geheizten Plüschzimmer eines niederbayrischen Klosters (mit Klosterschenke?).
Meine Erkenntnisse erweitere ich am Abend jedenfalls in Gesellschaft von Herrn Feininger.
Allen Besuchern wünsche ich einen schönen bunten Sonntag.

      (Foto anklicken und gross gugge)




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19 Gedanken zu „Graunebliger Samstag im Bembelland

  1. Solche Klarwortrausrotzer bräuchte es mehr. Man selbst duckt sich ja auch viel zu oft weg. Ich bin auch eine von der Heileweltbrauchersorte, Harmoniesüchtige sogar. Die innere Furie hängt am Gängelband…
    Unterstellte ich Ihnen eigentlich schon einen bonfortionösen Musikgeschmack? Nein? Dann sei das hiermit hochachtungsvoll vollzogen.

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  2. Als erstes ein mir bis dato dort noch nicht untergekommenes Auto erblickt, mit doppeltem G-Kennzeichen und Anti-AKW-Aufkleber. Dann eilte mir und meiner Mühlenfreundin ein groß gewachsener Herr mit dunklem Mantel und ebensolcher Kopfbedeckung mit raumgreifenden Schritten entgegen, als wir aus dem Keller kamen, in dem dieses Mal kein Flohmarkt war. Ich erkannte ihn sofort, allein, es verschlug mir die Sprache. Nichts ging, es war ein so zarter Tag. Schade eigentlich. Wäre meine freche Schwester dabei gewesen, sie hätte den großen Mann am Ärmel gezupft. Nichtsdestotrotz eine angenehme Sekundenbegegnung, die mir verklärt bleiben wird…

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  3. Reizvoller Ort für einen Bücherflohmarkt. Obwohl von Klausur und Kontemplation im Gewusel der Käufer nicht viel zu spüren sein mag. Um so verlockender die Versenkung danach… Andreas Feininger. Da hätte ich auch zugeschlagen.

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  4. Och nee, Frau Wildgans, erst das Messer reinrammen und dann im Kommentar auch noch damit rumrühren – So machen Sie mich traurig 😉
    Der von mir erweckte Eindruck muss arg gewesen sein, wenn es Ihnen an einem zarten Tag glattweg die Sprache verschlug. Das tut mir leid. Mit dem Uraltkraftfahrzeug, das haben Sie, mit Nick Knatterton zu sprechen, folgerichtig fein kombiniert.
    Das ist nun schon meine zweite verunmöglichte Bloggerbegegnung in diesem noch jungen Jahr. Ich bin jedoch guten Mutes, dass diese Negativserie unterbrochen werden wird.
    Mit blauhimmlischen Sonntagsgrüssen aus dem Bembelland – Der Mann im dunklen Mantel
    Ich vertraue

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  5. Ein in der Tat beeindruckender Bücherflohmarkt. Ärgerlich finde ich dabei die Habraffgier mancher Menschen, denn immerhin wird dieses Angebot auf ehrenamtlicher Basis am Leben erhalten.
    Und der Feininger, der haut mich langsam um. Ich hatte ja schon während der Ausbildung mit ihm zu tun. Fototechnisch eben. Und hier in diesem Werk werden grundsätzliche Themen der Fotografie in einer erstaunlichen Breite diskutiert.

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  6. Meinem inneren Don Furioso samt seiner Nachbarin Harmoniehenne lege auch ich (zu oft?) Kettenhalsband und Maulkorb an.
    Das Album von Wirtz, auf dem Overkill zu hören ist, heisst übrigens „Erdling“. Nicht mein Fundstück sondern ein Hinweis von Herrn Zaphod von und zu Beebleblox) – ich selbst hab ja keine Ahnung von Musik~~~~
    Mit tschingderassaklangklingenden Grüssen

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  7. Verehrte Frau Wildgans, was muß ich da lesen?! Sie bekamen den famosen Herren mit Hut und Mantel vor's Angesicht und unterließen es, ihn innigst zu herzen? Herrjeh…
    Das hätte aus dem zarten Tage doch einen bonfortionösen machen können! Wie konnten Sie nur? So ein netter, gewitzter Plausch mit Kaffee und Kuchen und Buchbeplaudereien, das hätten Sie sich nicht entgehen lassen dürfen. Herzlichst grüßt, Käthe.

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  8. Beeindruckend, von der Eremitage Bretzenheim hatte ich noch nie gehört. Man muss schon einen starken Glauben haben, um derlei Leben auf sich zu nehmen. Oder schwer einen an der Waffel *fg*
    Etwas irritierend finde ich das kleine Dächlein, wen oder was soll das schützen?

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  9. Diese Frage stellte sich mir auch. Meine schlichte Erklärung: Um dem reichlich verwitterten und spärlich bekleideten Herrn darunter ein Obdach zu bieten. Andererseits ist er der Wetterseite zugewandt und so nutzt ihm das hohe Dach wenig. Ergo müsste man jemanden fragen, der es genauer weiss….

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  10. Ahja, ich nehme an der spärlich bekleidete und verwitterte Herr darunter war irgendwie wichtig für die Menschen mit dem starken Glauben. Dabei hat der meines Wissens nie verlangt einsam in Felsenhöhlen zu hausen.

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  11. Pingback: Siebenundsechzig mal Schweiz | Herr Ärmel: Fotografie und Text

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