Erinnerung, Doubletten und Fliederschnitt

Bevors wieder an die Arbeit geht, zur Aufmunterung: Daniel Wirtz – Erdling (2009)…
 
Expats teilen das gemeinsame Erlebnis aufwallender Erinnerungen bei Heimataufenthalten. Bei mir beginnt das manchmal bei Durchsicht der eingelagerten Bücher in den Regalen. Gestern habe ich auf dem Bücherflohmarkt zwei schmale Bändchen mitgenommen in der Vermutung, diese noch nicht zu haben.
Rowohlts Monographien sind seit 1958 mit einem Titel monatlich erschienen. Einer meiner Lebensretter in Jugendjahren hatte diese „rororo Monos“ von Anfang an im Abonnement und schenkte mir seine Sammlung in den späten 1980er Jahren. Das Abonnement setzte ich dann in schöner Tradition fort bis vor ungefähr zehn Jahren. Eine informative und kurzweilige Lektüre. Für eine tiefergehende Beschäftigung mit der jeweils dargestellten Persönlichkeit reichen sie natürlich nicht aus, weshalb sie oftmals verschmäht werden. Dazu trug in meinem Fall auch eine Äusserung von Peter Rühmkorf bei, der den Band über Wolfgang Borchert besorgte und öffentlich eingestand, wie er das getan hat. Dennoch gibt die Mixtur aus Text und Bildbeigaben einen guten ersten Überblick und erweitert den Horizont angenehm.
Seit einigen Jahren werden vornehmlich ältere, bereits gewürdigte Persönlichkeiten anhand neuerer (wissenschaftlicher) Erkenntnisse in aktualisierten Neuausgaben publiziert. So kann man Gewächse auch am Leben erhalten.
Ein kleiner Rundgang im Garten zum Sortieren der Erinnerungen. Die Sonne scheint grell vom Strahlendblauhimmel. Das feste Moos leuchtet sattgrün betörend zwischen den Trittsteinen. Flieder teilt sich nach dem Schnitt und zwei neue Triebe erwachsen aus der Schnittstelle. Die beiden kleinen Rowohlt Monographien hatte ich schon und werde sie bei nächster Gelegenheit verschenken. 
 
 
 
 
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13 Gedanken zu „Erinnerung, Doubletten und Fliederschnitt

  1. Ich kaufte schon mal CDs in der Vermutung sie noch nicht zu haben, ganz besonders häufig in der zeitlichen Schnittstelle zwischen Vinyl und Silberscheibe. Wenn ich mir das Bücherregal auf dem Foto ansehe, das ähnlich gestopft ist wie mein CD Regal, dann wird mir auch klar warum… *g*

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  2. Ich darf doch wohl bitten, dieses mein rororo Regal ist fein säuberlich und nach fortlaufenden Nummern einsortiert. Ich kann mir halt nicht alle fehlenden Nummern merken. Bis Nummer 500 fehlen höchstens noch zwei oder drei (die Sondernummern und die inzwischen verbotenen habe ich selbstredend prahlprotztausend~~~), aber bei den neueren aus den letzten Jahren haperts halt und der Komplettierungswahn fordert seinen Tribut…

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  3. PS: Verboten? Das klingt ja nun wieder interessant, solangs nicht vom Herrn H. ist.

    PPS.: Ah, ein rororo Regal. Wusst ich gar nicht, dass die auch Regale gebaut haben, ich hätt gedacht das wär'n Billy *gg*

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  4. PPS: Klar von Billy Rowohlt *g*
    PS: Verboten sind etliche mittlerweile und zwar aus durchaus verschiedenen Gründen: Ernst Jünger (Nr. 76), Karl May (Nr.104), Zinsendorf (Nr. 106) fallen mir spontan ein…

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  5. Das Pappkartönchen mit diesen Bänden sah ich stehen, wohl kurz vorher zwei entnommen…meine Blicke rasten darüber. Allein, mir fehlt der Komplettierungswahn. Mich interessiert, welche davon inzwischen verboten?

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  6. Karl May Verbot – im Westen?????? Bei euch gibts wirklich alles; grins.
    Hat da bloß Bamberg ( wegen monopol ) quer geschossen oder gehts um kuriose Inhalte?

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  7. Das Kartönchen stand in dem Regalraum rechts vom Fenster, einige ältere Ausgaben, keine neueren (mehr).
    Komplettierungswahn ist ein altes Wort, in diesem Fall ist es mehr meine Sentimentalität: die Erinnerung an meinen früheren Lebensretter.
    Verboten bedeutet, dass schon die Auslieferung verhindert werden sollte. Obendrüber im Kommentar habe ich drei angegeben, weitere müsste ich in älteren Unterlagen recherchieren.
    Sonderbände waren: Ewiger Vorrat klassischer Musik Bd. 1 (Doppelband 33/34), Ewiger Vorrat klassischer Musik Bd. 2 (Nr. 35), Jazz Diskothek (Doppelband 55/56), Ewiger Vorrat klassischer Musik Bd. 3 (Doppelband 69/70), Ernst Rowohlt (131)

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  8. Die „berüchtigte“ Nummer 104 – sapienti sat, du vermutest natürlich richtig. Um den Auslieferungsstopp zu verstehen, muss man dreierley wissen: 1. war Hans Wollschläger der Autor, 2. hatte Arno Schmidt kurz zuvor „SItara“ veröffentlicht und schliesslich 3. arbeiteten Hans Wollschläger und Arno Schmidt gerade an der grossen Poe Übersetzung. Bamberg wollte also den grossen Autor (und Geldbringer) nicht beschädigen lassen.

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  9. Ich vermute, daß „Zinsendorf“ ein Tippvehler ist, weil ich Zinsendorf zwar auf der Landkarte finden kann (wenn sie sehr alt ist, heute steht da Česká‎), nicht aber unter Personen. Wohl aber Zinzendorf, Nikolaus undsoweiter Baron von Brüdergemeinde.
    Warum nur ist der Band verboten worden? Und der über Ernst Jünger (von dem ich zugegebenermaßen wenig weiß; überalterte Lebende interessieren mich nicht unbedingt, selbst wenn sie irgendwann doch abtreten… ein Fehler meinerseits.)?
    Wegen dem hier? http://en.wikipedia.org/wiki/Ernst_J%C3%BCnger#Accusations_of_Fascism

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  10. Klar, du hast Recht, es ist mein Tippfehler: Zinzendorf.
    Das Wort „Verbot“ weckt vielleicht falsche Assoziationen. Im Fall Karl May s.o., Im Fall Jünger sah er selbst sich nicht im rechten Licht dargestellt. Zinzendorf? Keine Ahnung.
    Es gibt etliche Leerstellen in der Nummerierung der rororo monos, da waren die Verträge teilweise bereits gemacht und am Ende kam kein Band zustande.
    Also: Manche verboten, zurückgezogen, Folgeauflagen untersagt, nicht zustande gekommen – das ganz normale Leben sozusagen.

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  11. Danke! Reicht völlig.
    Erneut ist Neugierde geweckt, wüsste ich doch gerne MEHR über den „früheren Lebensretter“. Ich nehme an, es war nicht die Literatur oder ein einziges Buch, eher ein bärbeißiger Antiquar?

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  12. Wir hatten als Kinder in mancherlei Hinsicht unsere „Lebensretter“ (wie ich sie für mich nenne). Die haben auf unser Leben grundlegend im wahrsten Sinne des Worte gewirkt. Bei manchen (den wenigsten?) warens die eigenen Eltern, bei anderen ein Onkel, die Omma. Ein Nachbar war einer derer, denen ich ewiglich dankbar bleiben werde. Warum und/oder wofür vielleicht an anderer Stelle.

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