Wer steht denn da im Wald

Die erste Neuscheibe des jungen Jahres: Bruce Springsteen – High Hopes…

Jähes Aufwachen vorm Morgengrauen. Die letzten Traumbildfetzen entziehen sich flugs entschwirrend der erinnernden Aufbewahrung. Die Gespräche mit Freunden und Bekannten gehen mir durch den Kopf. Telefonisch meist, da persönliche Begegnungen hier im Land von langer vorheriger Planerei abhängig sind. Mobilität, Spontanität und Flexibilität sind, so scheint es, im zwischenmenschlichen Bereich schwierig zu koordinieren.
Das Thema betrifft durchgängig die nachfolgende Generation. Alles prima junge Menschen. Ich verweigere mich seit je der dümmlichen Pauschalkritik gegen „die Jugend von heute“. Gemeinsam treibt uns die Frage, wie es sein kann, dass viele junge Erwachsene einige Grundregeln scheinbar nicht beherrschen. Da werden juristisch relevante Schreiben statt per Einschreiben via Mail versandt. Terminlich wichtige Daten einfach so vergessen. Für irgendwelche Planungen fehlen grundsätzliche Basisinformationen trotz wesentlich einfacherer Beschaffung derselben per Internet im Vergleich zu vergangenen Zeiten. Stattdessen wuchern zunehmend Kreativphantasien, die hin und wieder einen Zug ins Irreale aufweisen. Sind alles gewissenhafte junge Erwachsene, fleissig und zuverlässig und dennoch erheben sich bei uns Älteren Fragen; manche Stirn legt sich sorgenvoll in Falten.
Für etwas mehr Klarheit, die mir in diesem Zusammenhang durchaus wichtig scheint, sorgte ein vor kurzem Telefonat. Ich sprach mit einem jungen Unternehmer. Der wollte darüber sprechen, ob und wie eine Briefkastenfirma in einem „Steuerparadies“ möglich sei. Im Verlauf des Gespräches stellte sich allerdings heraus, das ihm jegliche finanzielle Masse mangelte, um derlei Gedanken überhaupt sinnvoll zu bewegen zu können.
Später erst ging mir auf, wie er möglicherweise auf solche Ideen verfallen konnte. Die jungen Erwachsenen werden gross mit täglichen goldgelackten Nachrichten über Steuerflüchtlinge wie „Kaiser“ Beckenbauer (Kitzbühl) oder „Schumi“ Schuhmacher (Schweiz), Leute, die alle Vorteile Deutschlands (z.B. Rechtssicherheit) mitnehmen, aber der Gesellschaft nichts zurückgeben wollen. Millionenschwere Brachialegoisten der übelsten Sorte. Schmierige Politiker wie SchröderFischerKoch-u.s.f. oder Pofalla, der momentan nach einem Vorstandsposten mit über 100.000 Euro Monatsgehalt giert. Widerwärtig geldgeiles Gesocks, das dann, wie die Zoll- und Steuerbetrüger Rummenigge und Hoeness ebenso als Leistungsträger vorgeführt werden wie die Dauerbestecher aus den Banken und Konzernen. Geschmeis als Jugendverderber.
Wer gestern Abend die Sendung „Monitor“ gesehen hat, kann das an ähnlich widerlichen Beispielen nachvollziehen. Wahrscheinlich müssen wir unsere Nachkommen dabei unterstützen, auf dem Boden der Realität zu bleiben und sich solchen sozialen Abschaum nicht zum Vorbild zu nehmen. Es hapert beim Jugendschutz in der BRD. Ich glaub´ich steh im Wald dieser verdrehten Realität.



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14 Gedanken zu „Wer steht denn da im Wald

  1. Bravo! Sie sehen mich heftigst applaudieren! Es bleibt einem manchmal nur die Kübelei. Sonst bleibt einem der Dreckspamps nur im Halse stecken. Weil schlucken, diesen Siffbrei aus Verdummung, Geldgeilerei und Falschgötzenanbetung, nein, das vermag man nicht. Ich schäme mich nicht für vieles in meinem Leben, aber ich bedauere, daß ich einst den Herren Schröder und Fischer meine Stimme gab. Die ich jetzt zurück fordere. Aber diese Klappspaten vernehmen ja nicht mal mein Stimmchen. Umso mehr erfreut mich mächtiggewaltiger Männerton, den ich Ihnen einfach mal unterstelle, Herr Ärmel und danke für die Bonfortionöskübelei.

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  2. Der Mit-o-Dame schließe ich mich an!
    Und bevor ich hier nach dem Beitrag über Ihr Nachbarland lange suche, auch in Ermangelung Ihrer mail-Adresse, ein Hinweis auf diese Sendung, die ich soeben hörte, die hier nachzuhören oder zu lesen ist, besonders interessant, was die junge Akademikerin aus diesem Land, jetzt in Berlin lebend, erzählt:
    http://www.swr.de/swr2/programm/sendungen/tandem/-/id=8986864/sdpgid=883663/nid=8986864/did=12477800/1s4auhd/index.html

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  3. Auch ich kann mich da der Erstkommentatorin (auch mit 2 O) auch nur anschließen. Meiner Meinung nach muss man die moralischen Werte der Gesellschaft schleunigst überdenken. Die Einführung eines Ethikunterrichtes in den Schulen wäre da auch nicht verkehrt…

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  4. Das wäre ein wichtiger möglicher Schritt. Allerdings sitzt das Übel wohl noch tiefer. Wenn man in manche Familien hineinschaut, welche Moralvorstellungen da schon in die Kackwindeln eingebettet werden, woraus die Ernährung besteht (ich nenne es schlichtweg Fraß) und wo die Erziehung dem Medium Fernseher überlassen wird, ohweh, mir gallt es über. Nur leider, Abhilfe sehe ich auch nicht. Und das stößt mir am bittersten auf: Ich kann pöbeln, soviel ich will, meist bin ich nur die besserwissende Meckerziege. Ach,…

    Räusper, ansonsten grüße ich wohlgessonnen mit zwei O. Oho.

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  5. Sie, die Knoblochsche Meckerziege und ich, der hemds-ärmelige Querkopp – das wäre bei einem realen Mittenimlebenauftritt ein wünderhübschsubversivgalliges Quallenteam wie mir scheinen will 😉

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  6. Aber ich meckerzicke doch nur rum bei meckerzickenwürdiger Umgebung. Mich deucht, in Ihrer und des mir leider noch gänzlichst unbekannten hippolytischen Herren-Begleitung würde ich selbst mittenimlebenauftrittig handzahm.

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  7. Was soll denn Ethikunterricht retten? All die tollen Grundsätze werden doch stets und ständig als erstes über Bord geworfen, wenn der Mamon lockt. Und das ist nicht erst jetzt so. Ethik und artverwandtes gibt es längst in einigen Bundesländern als Schulfach. Mehrheitlich unbelesene Pubies sollen sich dann entweder mit so Reißern ala Beaconscher Idolelehre von 1620 auseinandersetzen (Überforderung) oder andererseits Bunte Bildchen auf bunten Karton kleben unter der Themenstellung „Wer bin ich“ bzw. „Keine Gewalt“(Unterforderung) — nee,nee Ethikunterricht ist für nix eine Lösung.

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  8. Du hast ja Recht, und deine beiden Beispiele treffen es auch genau. Eben in der Sauna mit König Alfons dem … auch zu diesem Thema gedacht, raisonniertund spekuliert. Zuhause beginnt das ganze Dilemma und alles auf die Schule bzw. die Lehrkräfte und Lehrkräftinnen; da liegen doch viele Kinder schon im Brunnen. Und die Vorbilder, naja „man kann garnicht so viel fressen wie man kotzen könnte“ (Daniel Wirtz)

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  9. Ich applaudiere auch. Und ich kann mich noch genau an die Zeit erinnern, als ich vehement die Meinung vertrat, das Menschen, die in der Öffentlichkeit stehen, auch Vorbild zu sein haben und diese meine Meinung von anderen Zeitgenossen niedergeschmettert wurden. Ich sei intolerant und blablabla. Nun, das soll keine Entschuldigung sein. Vielmehr ist es nun noch mehr Aufgabe der Eltern, ihre Brut erziehungstechnisch auf dem Boden der Realität zu halten. Die aber, genau dies, scheint den Eltern von heute sehr schwer zu fallen, da sie doch ständig Phrasen und Halbwissen neuester Erziehungsmethoden um die Ohren gehauen kriegen und schon fast in die Ecke der Kindesmisshandler gestellt werden, wenn sie ihren Nachkommen Grenzen zu setzen suchen. Trotz alledem, wenn ich mal zitieren darf, 😉 , letztendlich obliegt es den Eltern. Das war vor 200 Jahren so und vor 50 und vor 25 und ist es heute auch noch.

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