ein gedicht das buch: das surrealistische gedicht

Fast nichts ist vergebens, dies gesucht und dafür jenes gefunden. Auf der ergebnislosen Suche nach Scheiben von The Les Clöchards (schönen Dank Frau Knobloch für den Aufwecker) finde ich: Etran Finatrawa – The Sahara Sessions (2013). Deren Musik ist ohnehin passender nach einem sehr lebhaft erfüllten Tag…

Wer sich in seine Sprachredoute zurückzieht um die FabuFormulierkraft seiner Silbenwortsatzwerkzeuge zu üben, dem sei dieser handliche Kleinziegel empfohlen, fast tausendfünfhundert Seiten vergnüglich anregend prallvoll und fein eingebunden in feuerrote Ballonseide im Maass 12,5 x 9,5 x 5,7cm:

Das surrealistische Gedicht. Herausgegeben von Heribert Becker et al. Frankfurt, Zweitausendeins 1985.
Ein kleines Appetithäppchen, bitte sehr:

Erste Durchsichtige

Sag wie denn wo doch schon wieder
      die Plomben abspringen
Sieh den Tintenfisch der herausfordernd
      aus dem Fenster lehnt
Und sich ganz in Weiß den Clown
      der Verdunkelung
Der nicht weiß wo er sein funkelndes
      Kanalrost ausbreiten soll
Die Augen in seiner Tasche
Die Frauen riechen nach Muskatnuß
Und die wichtigsten Gepunkteten feiern ihren
      Bruder den Wind
Er hat sein Drehtürkleid aus den großen Tagen
      angelegt
Mandarin mit Tasten ausgerasteter Kompasse
Meine Herren die Papierschnipsel grüßen sich
      auf der gesamten Höhe der Häuser           (André Breton)

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27 Gedanken zu „ein gedicht das buch: das surrealistische gedicht

  1. Ganz ehrlich, ich bin da zu sehr Realist. Ich kann mit dem Sur davor irgendwie nichts anfangen, weder bei Gemälden noch bei Gedichten. Wenn ich mir vorstelle ich sollte 1500 Seiten surrealistische Gedichte lesen wäre ich anschließend reif für die Klapse.
    Gibt es eigentlich auch surrealistische Architektur und wenn ja, kann man darin wohnen? *g*

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  2. Deswegen geniesse ich das Buch auch nur in homöopathischen Dosen und nicht das komplette in einem Rutsch. Wer weiss, wie ich dann schreiben würde *fg*
    Ich weiss nicht, ob man Gaudis „Anarchie der Gebäude“ surrealistisch nennen kann. Wohnen kann man jedenfalls darin. Frag doch mal Tante Guurgel nach Bildern -> Antoni Gaudi https://www.google.de/search?q=gaudi+architekt&num=30&safe=off&complete=0&site=webhp&tbm=isch&tbo=u&source=univ&sa=X&ei=HoPSUrzPJISUtQa-1YDICw&ved=0CD8QsAQ&biw=1600&bih=733

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  3. Ach ja, der Gaudi. Das ist der mit den unvollendeten Kirchen. Doch, sehr nett was der Mann gemacht hat, deswegen wollte ich immer schon mal nach Barcelona. Es gibt auch surrealistische Gemälde die ich schick finde, aber es ist ja nicht zwingend nötig den Künstler zu verstehen um etwas schick zu finden. Von mir aus auch einen funkelnden Kanalrost *g*

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  4. Oh, dankefein für diesen Feuerrotkleinziegeltip. Passt. Gerade heute. Surrealistischer hätte mein Tag bis jetzt nicht verlaufen können. Ich muß erst wild durcheinanderjohlendflitzende Gedanken bändigen, vielleicht wird dann 'was Blogbares draus.
    Den Saharasessions werde ich demnächst hinterher steigen. Noch ein neuer Input sprengt mir heute die Synapsen.

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  5. Mist, dass ich dir das vom Gaudi geschrieben habe, jetzt hast du mich wieder an Barcelona erinnert. Als ich letztens die Geschichten von Frau Waas anhörte, die gerade dort gewesen ist, wurde ich wieder ganz unruhig. In Barcelona war ich vor 40 Jahren zuletzt…

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  6. In André Bretons Adern fliesst nicht zufällig vogonisches Blut ? *fg*
    http://de.wikipedia.org/wiki/Hintergr%C3%BCnde_zu_Per_Anhalter_durch_die_Galaxis

    Vogonische Dichtkunst:

    Oh zerfrettelter Grunzwanzling, dein Harngedränge ist für mich
    Wie Schnatterfleck auf Bienenstich.
    Grupp, ich beschwöre dich mein punzig Turteldrom.
    Und drängel reifig mich mit krinklen Bindelwördeln
    Denn sonst werd ich dich rändern in deine Gobberwarzen
    Mit meinem Börgelkranze, wart’s nur ab!

    – Per Anhalter durch die Galaxis, Kapitel 7

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  7. Wenn Ihnen der Wüstenblues zusagen sollte, nuja, ich hätte da eine kleininteressante Liste für Sie in petto~~~
    Und das Büchelchen ist durchweg teuer geworden in den Jahren. Hier zwei Angebote, falls…
    http://www.booklooker.de/B%C3%BCcher/becker+das-surrealistische-gedicht-neu/id/A01rkGtD01ZZB
    und hier sogar eine 200 Seiten stärkere erweiterte Auflage:
    http://www.booklooker.de/B%C3%BCcher/Becker-Jaguer-Kral+Das-surrealistische-Gedicht/id/A01icqJ301ZZM
    Einen schönen Restsonntag noch bis zum abendlichen Tatort

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  8. Ach, Herr Ärmel, Sie sind so herzensfein zu mir. Ich komme aus dem Dankefeinen und Hachen gar nicht mehr heraus. Sie Fabulösärmel, Sie. Pardon, ich hatte wohl ein Sektgläschen zuviel auf diesem Surrealempfang, auf dem ich heute weilte.

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  9. Wüster Blues ? Pardon, Wüstenblues ? Sie mögen den feinen Sand zwischen den Zähnen knirschen hören beim verbluesen der Sahara ?
    Da könnte ich Sie ebenfalls mit überschütten, nein, nicht mit Sand, sondern mit musikalischen Tipps, werte Frau Knobloch. 😉
    Kontaktieren Sie mich ! Die Adresse meines elektrischen Postfachs finden Sie auf meinem Blog im rechten Frame, unten.

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  10. Herrjeh, es ist ein wahrlich füllhornischer Sonntag für mich. Das dickprallrote Surrealiösbuch ist geordert, Herr Ärmel, und meinen Quertag habe ich auch auseinanderdröseln können. Jetzt schwirrt der Rabenkopf, obwohl ich kein Schlücklein mehr trank. Der sandfeine Blues muß ein wenig noch warten, zu sehr hallen Cello und Harfe noch nach. Ich muß Sie warnen, Herr Honigexzessler, ich pflege auf derley Angebote zurückzukommen. Wenn auch nicht sogleich, es sprenge mir die Synapsen endgültig.

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  11. Dieser Kleinziegel erinnert seinerseits an einen Mandarin, der seine prachtvollen Seidenkleider aus den großen Tagen angelegt hat. Die Samthandschuhe zum Anfassen, waren die im Lieferumfang inbegriffen? Aber dem Inhalt absolut angemessen, würde ich sagen!

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  12. So verbleibe ich in Erwartung Ihres Sekundus und verabschiede mich höflichst aus meiner Schreibstube. Die Bamberger Hörnchen harren meiner zur köstlichen Vermahlung. Es war mir wie immer ein Hochgenuß, mit Ihnen auf mehrley Ebenen zu korrespondieren. Herzlichst, die Ihrige.

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  13. Jessas, Maria und Josef !
    'Honigexzessler' hat mich bis dato noch niemand tituliert, vallah ! Dafür gebührt Ihnen eindeutig der Status des Ersttitulanten, Frau Knobloch. Herzlichen Glückwunsch dazu !
    Kommen Sie also gerne auf mein eindeutiges Angebot zurück, da werden Sie geholfen !
    Und über das Sprengen können wir gerne auch mal reden, da kenne ich mich ein wenig aus… *fg*

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  14. Das Ding in schönster Farbe will ich meinen Romantikbänden nicht untermischen.
    Obwohl mir ab und an was durchflutscht von Artmann oder so.
    Ein feines kleines Buch würde dies Blog hier; ein unbedingtes Muss: die Kommentare sollte man nicht weglassen!
    Gruß aus der verqueren Natur

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  15. Abreisend mit Tasche in der Hand und rucksckbehängt ganz schnell dies: Kommentare sind in manchen Blogs wert als die eigentlichen Texte. Wahrscheinlich hat ein findigwindiger deine Idee schon am Wickel…
    Der kleine roten Ziegel wäre deines Lyrikregals würdig; allemal

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