Arno Schmidt (18.1.1914 – 3.6.1979) – 100 Jahre

Nachdem jetzt eine kurze Entspannung angesagt ist, hat einer meiner Gitarrenfavouriten die Krachkordel schon mal in den Verstärker gestöpselt: Tom Morello mit Audioslave – Out of Exile (2005)…

Er war und ist einer meiner ewigen literarischen Hausgötter: Arno Schmidt (18.1.1914 – 3.6.1979). Ob Kurzgeschichten, Kaff oder Mare Crisium, seine Spätwerke oder seine Funkdialoge über seine literarischen Ausgrabungen, er ist für mich ein genialer Wortschöpfer und literarischer Witzbold. Seit dem sieben Kilo schweren „Zettels Traum“ (1970), das sich seinerzeit nicht mehr auf herkömmliche Weise setzen liess, wurden die letzten drei Werke ebenfalls im Din-A3 Format als Typoskript publiziert. Mein liebstes Werk von ihm ist der  „Abend mit Goldrand“ – eine MärchenPosse. 55 Bilder aus der Lä/endlichkeit für Gönner der Verschreibkunst.Die 215 Seiten entsprechen bei diesem Format also ungefähr 850 Seiten eines Normalbuchs (auf dem ersten Foto zum Vergleich ein normales Taschenbuch).
Heute feiert der gewaltige Wortmetz im Bewusstsein seiner Leser seinen 100. Geburtstag. Überall in deutschen Landen hat die überaus rührige Arno Schmidt Stiftung Veranstaltungen zu seinem Gedenken initiiert. Die gut gemachte Dokumentation auf arte ist noch einige Tage in der mediathek zu sehen. Nach der grandiosen Darbietung in Rostock werde ich noch kurz vorm Abflug an der legendären Litfasssäule in der Inselstrasse 42 sein. Ich bin schon mal gespannt…

      (noch grösser? – Foto anklicken)

Ich wünsche allen Besuchern ein gediegenes Wochenende.

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16 Gedanken zu „Arno Schmidt (18.1.1914 – 3.6.1979) – 100 Jahre

  1. Literarischer Hausgott isser auch hier; erst seit vergleichbar kurzer Zeit. Habe ihn um 2003 herum für mich entdeckt, intensiv zusammengekauft, gelesen, süchtig geworden, nach Bargfeld gepilgert, manches inzwischen 3x gelesen (das steinerne Herz, Belphegor, Kühe in Halbtrauer, dya na sore… An die Typoscripte hab ich mich allerdings noch nicht gewagt.
    a. schreckte mich der Preis ab und
    b. die Zeit, die aufzuwenden wäre, um das ganze „seiner Lesetechnik nach“ angemessen intensiv lesen zu können. Man bräuchte glatt einen vierteljährigen Klosteraufenthalt dafür.
    Mit seiner Sicht auf Karl May, Goethe, die Romantiker (und vor allem deren blaue Blume!) hat er mir wahrlich neue Türen aufgestoßen.
    Seine Felix Dahn Abneigung teile ich allerdings nicht.

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  2. Manche seiner Zu- und/oder Abneigungen sind eher kurioser Natur, oder würdest du heute noch Carl Spindler lesen oder Frenssen, naja.
    Ich habe mehrfach bitter bereut, die alten Typoskripte, mit Ausnahme von AmG, verhökert zu haben für die halbpergamentene Vorzugsausgabe der Bargfelder. Besonders reut mich der A3 Zettelsraubdruck wenn ich sehe, was ich jetzt dafür zahlen müsste.
    Zum Typoskriptlesen sagt Reemtsma was ganz interessantes in der arte-Doku.
    Mit seinen Radioessays ist es uns scheinbar ähnlich ergangen, auch meine Horizonte haben sich dadurch erheblich erweitert.
    Arrnoho rulez!

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  3. Habe nun die Doku gesehen. Interessant. Die Sprechweise, die Art zu leben, sich zu geben, einzuigeln, im Film nicht erwähnt: seine manische Feuerangst und sein steinerner Arbeitstempelbau… der war Autist. Hardcore.
    (Aber gerade Autisten haben ja seltsame Fähigkeiten alltägliche Abläufe erkennbar zu machen, an denen sie selber eher nicht teilnehmen: Siehe die Roulette-Szene in „Rainman“ mit Dustin Hoffmann.)

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  4. Wie sagte er so schön sicht- und hörbar in der Doku: „Ein Schriftsteller darf dreierlei nicht haben, Freunde, Vaterland und Religion…“ Autist triffts. Aber Uwe Johnson war nochne Spur härter drauf. (Davon wahrscheinlich demnächst mehr in diesem Blog, ist schliesslich mein Projekt für die nächsten Monate)

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  5. Mit Schmidt verbindet mich auch die Lust an der Wiederentdeckung von vergessenen Autoren.
    Von Frenssen hab ich tatsächlich was gelesen bevor ich Schmidt kannte. Schmidt soll auch Spielhagen gemocht haben und der soll im „Abend mit Goldrand“ vorkommen – deshalb schleiche ich da um die Anschaffung immer mal wieder herum, denn der ist der andere von meinen Hausgöttern —
    zu Johnson zieht mich gar nichts, wie ich schon mal schrieb, unlesbar …
    Da trennen sich dann unsere Geschmäker wieder.

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  6. Kam Spielhagen nicht in der „Schule der Atheisten“ vor? Ich bin mir nicht mehr sicher, die Folianten sind eh eher fürs beginnende Alter gedacht. Und ich habe diese Werke vor über zwanzig Jahren gelesen. Kein Wunder, dass ich diese merkwürdigen Autoren nicht würdigend bemerkt habe.
    Aber für die nächsten Jahre stehen SdA und AmG wieder auf dem Programm. Mit „Julia“ konnte ich nichts anfangen und ZT, nun ja…
    Nicht dass sich unsere Geschmäcker trennen ist entscheidend, sondern dass wir ein Gespräch führen können 😉

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  7. Radilf Schurpong? Der bekennende Radfahrer? Der so blöde war, sich beim Poolgeplansche auf Malle mit der Gattin von der Regenbogenpresse ablichten zu lassen, weil die Profis halt bessere Urlaubsfotos machen?
    Ein Wunder eigentlich, dass die Partei nicht schon längst untergegangen ist.

    Jetzt habe ich mir doch glatt den Arno mal bestellt, Leviathan und Schwarze Spiegel. Keine Ahnung ob das für Einsteiger ins Werk geeignet ist, aber gerade letztere Geschichte reizt mich.
    Der Omega Mann für Intellektuelle *fg*

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  8. Guter Einstieg, danach empfehle ich „Kaff auch Mare Crisum“ oder die kleinen kruzen Sächelchen (i.e. Geschichten aus der Inselstrasse oder Stürenburg Geschichten). Schwarze Spiegel ist klasse, Arnos und unser aller Angst vor dem nächsten Krieg…

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