Von gemeinen Raben (corvidae) und dem besonderen corvidus literaricus

Von Kollege Zaphod erinnert und aus dem ärmeligen Archiv gezogen: Mahavishnu Orchestra – Birds of Fire (1973). Solche Versammlungen von Ausnahmemusikern gibt es heute nicht mehr…
 
Zahlreiche Umzüge und mehrere Länderwechsel machten eine Entschlackung der dunkelkämmrigen Bibliothek unumgänglich. In einer der verkauften Tranchen befanden sich neben anderem auch über fünf Dutzend Raben. Keine schwarzgefiederten sondern das zwischen 1982 und 2007 mehrmals jährlich und in einmaliger Auflage erschienene Literaturmagazin des Haffmans Verlages in Zürich. Dazu gab es für den Käufer seinerzeit als kulinarische Beilage noch einige Rüben. Die sind alle verkauft worden. Alle? Nein, einen Raben habe ich aufbewahrt. Er ist zwar wesentlich dünner als anderen Raben, dafür hat er nicht das übliche Taschenbuch-Format sondern wurde im Format A4 herausgegeben. Ich stelle diesen besonderen Raben hier vor für mögliche Rabenjäger&-sammler und weil er in keiner der zugänglichen (Internet-)Quellen genannt wird. Dieser besondere Rabe war der „Hochzeitsrabe“ mit der Nummer. Auf den 68 Seiten erschienen ausschliesslich Erstdrucke von damaligen Autoren und Illustratoren des Haffmans Verlages, die sie dem Brautpaar Tatjana Hauptmann & Thomas Bodmer zu ihrer Hochzeit schenkten. Neben den Autoren erhielt jeder Hochzeitsgast diesen originellen Raben, der in 200 Exemplaren zum Jubeltag am 23. Oktober 1987 verschenkt worden ist. Damit kein falscher Eindruck entsteht: ärmelige Fotografen erhielten zu diesem exklusiven Fest selbstredend keine Einladung, wer aber mit dem einen oder anderen der illustren Gäste einen persönlichen Umgang pflegt: manus manum lavat sozusagen.
Diese kleine Rarität wird jetzt wieder im Archiv eingelagert, dafür hängt jahraus jahrein in der Dunkelkammer mein unverzichtbar täglicher Begleiter, der Rabenkalender für jeden Tag, itzt des Jahres 2014.
 
 
 
 
 
 

10 Gedanken zu „Von gemeinen Raben (corvidae) und dem besonderen corvidus literaricus

  1. Wenn ich mir die Autoren so ansehe muss das eine ziemlich lustige Ausgabe sein, bei der kleinen Auflage sicher reizvoll für Rabensammler (falls es Rabensammler gibt). Vielleicht wird das auch irgendwann richtig doll wertvoll, wenn die Autoren alle so berühmt und tot sind wie Goethe und Schiller, aber davon dürftest Du leider nicht mehr profitieren *g*

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  2. Na, ich darf doch wohl bitten, von wegen nicht mehr profitieren, bei meinem erstklassigen Erhaltungszustand ^^
    Lustig sind die Texte und Illustrationen in der Tat und Erstdrucke obendrein.
    Rabensammler gibt es nicht wenige. Die Raben sind jeweils nur einmalig verlegt worden. Die Raben 1,2 und 6 haben bei einem seinerzeitigen Ladenpreis von 10 DM schon Mitte der 1980er Jahre locker das Drei- bis Vierfache gebracht. Aktuell bin ich nicht informiert, muss ich ja auch nicht mehr.

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  3. Damit ich das richtig verstehe: Du stellst ihn hier vor, um möglichen Rabenjägern und -sammlern den Mund wässrig zu machen und ihn anschließend wieder im Archiv verschwinden zu lassen? Wie gemein ist das denn…

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  4. Es geht eher um Aufklärung. Zu den „Raben“ gibt es verschiedene Quellen im Internet, manche werden fälschlich als „komplett“ bezeichnet. Immer wieder fehlt der „Hochzeitsrabe“ bei den Informationen. Auch diesen Listenschreibern und -veröffentlichern möge dieser Post als Hinweis dienen.
    Sollte sich ein Sammler hierher verirren, möge ihm der wässrige Mund verstärkter Ansporn für die Jagd sein – Horrido 😉
    btw: es soll auch mal ein Rabenfahrrad gegeben haben. Da suche auch ich noch nach genaueren Informationen. Herr Haffmans antwortete leider nicht auf meine entsprechende Anfrage…

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  5. Oh, ich will Deine Konstitution keinesfalls unterschätzen und wünsche Dir natürlich ein langes Leben. Aber als Johann Wolfgang und seine Kollegen so richtig dick ins Geschäft kamen (Legende, Klassiker, Schulmaterial, literarisches Monument) waren sie schon ziemlich zerfressen. Wurmtechnisch.

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  6. Das ist echt mal ein Anreiz für Sammler. Zuerst bräuchte man die Gästeliste der damaligen Hochzeit, das könnte schon schwierig werden, Google weiß halt doch nicht alles. Wikipedia könnte man in dieser Hinsicht verbessern *g*

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  7. Prinzipiell und vernunftechnisch hast du natürlich recht. Allein die Zeiten mein lieber Zaphod. Da hat sich vieles geändert. Wer heute schwer en vogue ist… Kannst du dich noch an das „Mädchen“ Claudia Nolte erinnern? Die kennt keiner mehr in der CDU. So gehts auch mit Musikern und Literaten. Wer liest heute noch die Nobelpreisträger von vor zehn Jahren…

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  8. Manche leben nicht mehr (z.B. Almut und Robert Gernhardt) andere mögen sich nicht mehr erinnern. Einige dieser Raben sind auch schon antiquarisch verkauft worden. Preise allerdings nicht mehr feststellbar, leider…

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  9. Wer hat die vor zehn Jahren gelesen? *fg*
    Claudia Nolte wart ja auch eine völlig unwichtige Randfigur, an die Witwe Bolte hingegen wird man sich noch in weiteren 100 Jahren erinnern, obwohl Wilhelm Busch nie den Literaturnobelpreis bekommen hat.

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  10. Der Nobelpreis für Literatur ist rein politischer Natur, das nichts mit der Qualität des Literaten zu tun, meist jedenfalls nicht, Der Friedensnobelpreis wird auch nach politischen Gsichtspunkten vergeben, Äähh, welcher eigentlich nicht… ^^

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