Nix da Fiesta Mexicana

Die geniale „Midnight in Paris“ schwingt und klingt: Oscar Peterson Trio – The complete Cole Porter Songbooks. Aufnahmen aus dem Jahr 1952…


Wie mir Frau Waas mitteilt, soll der neue Roman von Wolf Wondratschek „Mittwoch“ (Verlag Jung und Jung, Salzburg, 2013) gut sein. Was mir berichtet wird über den Roman, macht mich neugierig und ich werde ihn auch lesen.
In den frühen Zeiten übersetzte WW neben anderem drei Titel einer mehrbändigen Jules Verne Ausgabe für Bärmeier & Nikel (Pardon). Diese Übersetzungen waren nicht einmal Übertragungen zu nennen, sie waren schlicht grottenschlecht. Was dem Erfolg nach der Übernahme der Serie durch den Fischer Taschenbuchverlag offensichtlich keinen Abbruch tat. Eine bessere Tat war dagegen die Entdeckung Nelson Algrens für die deutsche Leserschaft. Mehrere Titel erschienen bei Zweitausendeins. Dort hatte er bereits vier schmale Gedichtbände vorgelegt, die damals in vielen WGs zu finden waren. Ein Lyriker ist Wondratschek für mich immer geblieben. Bei Diogenes erschien 1983 ein Zyklus von „Lowry-Liedern“ mit dem Titel „Die Einsamkeit der Männer. Mexikanische Sonette.“ Im Lauf der Jahre und je nach Stimmung änderte sich mein Favourit. Deshalb hier und zum Wochenende das Gedicht, welches dem Zyklus seinen Namen gab.


Die Einsamkeit der Männer

Da sitzen Männer vor einem Haus
und trinken und träumen vom Töten.
Sie sehen Frauen im Vorübergehn erröten
und spucken aus.

Sie töten für ihre Ehre
und tanzen, wenn sie trauern –
als ob der Tod ohne Schrecken wäre
über den eingestürzten Mauern

ihrer Einsamkeit.
Nicht das Leben ist die Zeit
der Liebe. Liebende verlieren sich;

kaum daß sie einander nahe spüren,
sind sie Fremde – und sie gehen unversöhnlich
Wege, die in Labyrinthe führen.


Ich wünsche allen Besuchern und Lesern ein sonnigschönes Wochenende.

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15 Gedanken zu „Nix da Fiesta Mexicana

  1. Oscar Peterson… ein Schmaus auch für einsame Frauenohren. Dazu ein wundervoller Wondratschek, der in der Tat sitzt wie eine linke Gerade. Und ein Bild, da denke ich an die Sehnsucht der entrückten Iphigenie auf Tauris. Alles in zauberhafter Harmonie…

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  2. Gelesen und nochmal gelesen. Ein weiteres Mal. Und schmecke nur wieder Traurigkeit. Und die schmeckt bitterlich. Und weckt eselinischen Widerspruch. Nur das Leben ist die Zeit der Liebe…
    Nach jedem dieser von mir geschriebenen Harschsätze mußte ich mich mauswärts nach oben bewegen, um Blauhimmelwolkigkeitaugentrost mir zu holen.

    Nichtsdestotrotz auch Ihnen ein Sonnigwarmesinnigschönesuneinsamwochenende, herzlichst, Ihre Frau Knobloch.

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  3. Liebe Frau Knobloch, Ihr Kommentar verweist auf die Ihnen anstehende Jugendlichkeit. Männer sind a priori einsam. Nur so funktioniert eine wachstumsorientierte Leistungsgesellschaft. Darauf ein „O Borneo“.
    Ein sonnigwarmesinnigschönesuneinsamwochenende werde ich sicher haben, zumindest bis Sonntag. Aber bis dahin grüsst Sie, verehrte Frau Knobloch hemdsärmelig, Ihr Herr Ärmel

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  4. Sehr aktuell gerade, wobei es momentan in Mexiko wohl eher nicht um die Ehre geht, aber wer weiß das bei Männern schon so genau. Deine Anregung mit Oscar Peterson habe ich gleich mal in Töne umgesetzt, genau das richtige Zeugs gerade für einen späten Feierabend.

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  5. Einen trübhimmeligen Gutenmorgengruß aus dem Bembelland, aber die Sonnenpracht der letzten zwei Tage war fast zu viel des Guten, Frau fiel ja ganz aus der Zeit -:)))

    Wondratschek als Übersetzer kannte ich noch nicht, ich habe ihn erst spät für mich entdeckt und seine „Alterswerke“ haben mich aber begeistert, so „Das Geschenk“, das Buch, in dem Chuck wieder erscheint, die Gestalt aus seinem wohl erfolgreichsten Gedichtband, dann „Mara“ aus dem Jahre 2003, in dem das Cellos Mara seine Geschichte erzählt. Dieses Cello spielt heute Heinrich Schiff. Wondratschek, Schiff mit Mara und F. Piemontesi am Klavier waren 2008 in einer unvergeßlichen Lesung mit Konzert oder umgekehrt auf Schloß Johannisberg zu hören.
    Diese beiden Bücher sind bei Hanser erschienen und bei dtv (seinem Taschenbuchverlag) auch eine Sammlung von Liebesgedichten, die außerhalb seiner Gedichtbände entstanden „Lied von der Liebe“.
    Ob ich mir das neue Buch antue, weiß ich noch nicht, mein Bedarf an Romanen von und über spätpubertierende mit ihrer Libido kämpfenden Männer ist eigentlich gedeckt, das soll jetzt aber nicht abwertend für das neue Buch gemeint sein.Ich werde mal irgendwo hineinschnuppern..und dieser Knabe wird ja auch schon 70.
    aus dem Band Lied von der Liebe hinterlasse ich mal ein Wochenendschmankerl

    Sein ganzes Leben lang war er
    verrückt nach seiner Frau. Noch
    auf dem Sterbebett war er verrückt
    nach ihr. Und immer noch, wie jetzt,
    wurde sie rot dabei. Und weil ihm
    gefiel, was er sah, brachte er
    mit dem letzten seiner Atemzüge
    ihr Haar noch einmal so durcheinander,
    wie er das, sein ganzes Leben lang,
    so gern mit den Händen getan hatte.

    Lesegrüße in Ihren Blauhimmel
    Karin

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  6. Die mittelalte Eselin schnaubt störrisch. Wachstumsorientierteleistungsgesellschaftimarsch(Pardon!). Manche Männer mögen derartig einsam sein, daß sie vom Töten träumen. Man muß ja nur den Blick heben. Famosgesellen jedoch werden nie einsam sein, weil sie die Menschen ehren. Gilt natürlich auch für Famoskapriziösen. Zwaraufkrawallgebürsteteaberdadurchumsofeurigeregrüße hin zum Schwarzen Berge mit seinem famosen Ärmelherrn.

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  7. Vollwidereinspruch! Mittelalt(erlich)e Eselin hin oder her. Eine satte Schale Aufkrawallbürstenfeuer reiche ich Ihnen mit Freude und Erkenntnis gen Nordost. Sowohl Famosgesellen als auch die Famoskapriziösen werden Ecken und Winkel in ihren Seelen haben, in die sie sich bei Einsamkeit zurückziehen.
    Das Thema wäre ein Gespräch wert.
    Samsvormittäglichgraue Düsterwolkengrüsse vom Schwarzen Berg sendet Ihnen mit nachdenklich in Falten gelegter Stirn jedoch ohne ein µ Sympathie weniger, Ihr Herr Ärmel

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  8. Von wegen Blauhimmel, liebe Frau Karin – bei dem Graudach über der Dunkelkammer scheint die beste Fluchtrichtung noch immer der Schlaf…
    Der Knabe wurde bereits im letzten August 70. Hat sich jedoch überaus gut gehalten. Und das Gedicht, das Sie hier publizieren, ist natürlich ein Knaller.
    Betterwetterwünschendschöne Grüsse vom Schwarzen Berg

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  9. Mein lieber Herr Herr Ärmel, zuerst streiche ich Ihnen zartsanft die Falten aus der Stirne. So, jetzt läßt es sich besser die Wörter kreuzen. Mein Lieber, verwechseln Sie eventudel Einsamkeit und Alleinsein? Ich liebe und genieße es, allein zu sein. Und kenne dies' von vielen meiner Lieblingsgesellen und -kapriziösen. Einsam sind wir deswegen lange nicht. Ein großes Glück, ich weiß. Ich habe mir das Gedicht eben noch ein paarmal durchgelesen und nein, es schmeckt noch immer nicht und läßt mich bockig mit dem Fuße aufstampfen. Dankbar winke ich Frau Karin zu und freue mich über ihr bonfortionöses Gedichtlein. Das mag ich sehr.
    Für das µ allerdings muß ich Sie schier umhalsen, das mag ich auch sehr, Ihre Ihnen zugetane Sympathiefrau Käthe.

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  10. Faltenglattstreichen versonnerweitert den Horizont. Wörter kreuzen? Ich vermeine mitnichten, etwas zu velwechsern, mit Ernst Jandl zu reden.
    Allein – eine/r im All, zwischen all den Sternen. Einsam – ein Same, etwas neues hervorbringen, aus eigener Kraft, aus sich heraus. Möge Ihnen dies, verehrtzugetane Sympathiefrau als Navigationshandreichung auf dem Beschreiten weiterer Denkpfade nützlich zupass kommen. In diesem Sinne grüsst Sie herzlichst, Ihr Herr Ärmel.

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  11. Mein lieber Querkreuzdenkpfadnavigatorärmel, mit Jandl'schem Blicke ergibt sich wahrlich ein neuer Einsampfad, allein, ich bleibe bei dem meinigen. Wenn ich auch gerne fremdblickliche Sichtpfade betrete, den eigen Weg auszumachen, das war schon fußermüdend genug. Trotzdem staune ich über Ihre Belesenheit sehr gerne und freue mich jedesmal wie Bolle, wen Sie es vermögen, mir meinen Blickhorizont zu erweitern. Weil das schlichtweg fetzt. Feinknicksend sende ich Innigstgrüße und verbleibe als die Ihrige, mit weiterem Faltenwegstreichangebot, so denn nötig.

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  12. Mögen die Denkamplituden auch unterschiedlich schwingen in Kosinus und Dauer, so erfreut mich immerhin Ihre Blickhorizonterweiterung. Schon allein dies wertschätzt Wortekreuzungen ungemein. In diesem und vielen anderen Sinnen grüsst Sie herzlichst, Ihr Herr Ärmel (mit glatter Stirn)

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