Sonniger Dienstagmorgen

Für mich sind seine Texte noch immer unerreicht: Peter Hammill & the K-Group – Rockpalast 1981. Seine rockige Periode mit einer Viermannkapelle…
 
Am frühen Morgen in die Boddibildingschul. Heben, ziehen, dehnen und wach werden. Die letzten Schatten des unangenehm aufdringlichen Nachtmahrs sind rasch vertrieben. Beim Frühstück der Blick aus dem Fenster. Unzählige Wolkenlämmer am Blauhimmel. Eine verführerisch frühlingshafte Temperatur.
Zuerst also ins Zentrum. Zigeunerkinder betteln am Parkplatz. Wer schickt diese Kinder endlich zur Schule um die angestammten Kreisläufe zu durchbrechen? Bürofrauenpüppchen ziehen Parfümfahnen hinter sch her. Am Zebrastreifen rechne ich nicht mit dem kriegerischen Vorrecht eines Wagenlenkers. Ein schneller Sprung zur Seite und noch fünfzehn Schritte hin zum Drucker. Die Fotos für die anstehende Ausstellung sollen ansprechend anzusehen sein. Das Problem sind die Papiere. Da kein Barytpapier vorrätig ist, zuerst einen alternativen Probedruck kritisch begutachten. Das wird werden.
Das sagenhaft schöne Wetter fernsteuert die Buggelwutz raus nach Duklea. Nur wenige Kilometer vom Zentrum am Stadtrand gelegen, taucht man in eine andere Welt ein. Die Hinweisschilder zu einigen Ruinen sind neu. Eine Schäferin mit ihrem Rottweiler geht lächelnd vorbei. Ich fotografiere und schaue mir die Veränderungen an. Viele Bruchstücke, die bisher verstreut umherlagen, sind geordnet aufgestellt. Die verschiedenen Inschriften verwittern weiterhin, weil sie direkt der Hauptwindrichtung ausgesetzt sind. Ein alter Mann ist auf ein Schwätzchen aus. Ich verstehe ihn nicht und sage ihm das zwar, allein er plappert munter weiter. Ein Fünftel des Geländes würde ihm gehören. Vielleicht kümmert es deshalb staatliche Stellen kaum, was mit dem Ruinenfeld passiert. Am liebsten nähme ich mir einen römischen Grabstein mit, so wäre immerhin sichergestellt, dass er nicht in einem Schafstall vermauert wird. Für viele Grundstücksmauern der näheren Umgebung musste die antike Stätte bereits als Steinbruch herhalten. Es ist ein Jammer.
Auf dem Rückweg noch einen Blick hinunter in einen kleinen Nebenfluss der Zeta. Da flattern keine buddhistischen Gutewünschfähnchen. Dennoch möge das Plastiktütengeflatter meine guten Wünsche für den Erhalt von Duklea weitertragen. 
 
     (Fotos anklicken für den grossen Blick in die Vergangenheit)

 

 

 

 
 
 
 
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24 Gedanken zu „Sonniger Dienstagmorgen

  1. In Wort und Bild ein famoser Einblick, lieber Herr Ärmel. Können Sie nicht in einer Nachtundnebelaktion wenigstens einen Grabstein retten? Ich meine, die Schafsstallverbauung interessiert ja auch keinen. Welch' Frevel…
    An Peter Hammill sachttaste ich mich immer noch heran, noch will sich keine Meinung bilden, aber ich werde kundtun, wenn denn. Herzliche Grüße hin den Blauhimmelschwarzbergianien, Ihre Käthe Knobloch.

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  2. Sie denken meinen Gedanken, verehrteste Frau Knobloch. Einzweidrei Steinchen habe ich mir schon ausgeguggt. Und in der Tat, in der Dunkelkammer fänden sie ein würdigeres Dasein.
    Sachttasten Sie sich in den musikalischen Kosmos vor. In „Over“ wird eine vergangene Beziehung wortklingend aufgearbeitet. Beispielsweise „Lost and found“, ein eingehendes Stück mit direkt nachvollziehbarer Sprache http://www.youtube.com/watch?v=RLwnqXqylYk
    Abendlichschöne Grüsse vom Schwarzen Berg, Ihr Herr Ärmel

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  3. Für so ein wunderschönes Säulenstück werde ich zuvörderst jedoch noch einige Übungsstunden benötigen. Jau, wie ich praktische Tipps und Hinweise schätze, ab Morgen wird doppelt hart trainiert *g*

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  4. Tja, in Hamburg gibt es wohl die härteren Boddibilder, hier schleppen sie überlebensgroße Löwen von den Friedhöfen. Allerdings auch nur wenn sie aus Bronze sind, Steine sind noch nicht so begehrt *g*

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  5. Du wirst mich beim nächsten Treffen nicht wiedererkennen, Hüfte wie s Bübsche und ein Kreuz wie der „Kran von Schifferstadt“ 😉
    Dankaschönst für den Hinweis – wenigstens gelernt, dass Baryth noch immer nur im arbeistaufwändgen Nassprozess. Modern wie ich bin, dachte ich, sowas gäbs schon dischidahl – Satz mit x ~~~

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  6. Ewig schade um diese schönen Relikte der Vergangenheit. Das Plastiktütengeflatter der Gegenwart nimmt sich im Bild, mit Verlaub, auch ausgesprochen pittoresk aus. Zu wissen, es wären die umweltfreundlicheren tibetischen Gebetsfahnen, wäre mir natürlich lieber.

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  7. Und der Schwarze Berg hat Avancen auf die Mitgliedschaft in der EU. Diese verhandelt gerade ein komplettes Plastiktütenverbot…
    btw: In anderen Ländern nimmt sich das noch skurriler aus. In Tunesien flattern diese weggegworfenen Artefakte munter über weite plattebene Flächen ~~~~

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  8. Ich sammele Ihre Fädchen ein und klöppele mir ein Playlist zusammen. Derweyl tobt ein Tollweib in meinem Sprachlernzentrum herum und krakeelt: Jetzt willse auch noch ihr English aufpeppen, und watt ist mit dem estudos portugueses?! Wo willse denn die Zeit noch finden?! Pscht! Tollweib troll dich…

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  9. Die Plastikfahnen sehen aus wie Hochwassermarken. Das macht die Sache mit der wilden Müllentsorgung nicht besser, gibt ihr aber trotzdem einen neuen Sinn: man kann den Höchsstand des Baches genau erkennen. Bei uns sind das zum Glück meist Grasbüschel und ähnliches Naturmaterial. Oft aber leider eben auch: Müll.

    Gruß aus dem Land der Regelmacher und -einhalter – aber bitte nicht aus dem Land der Kunstdiebe.

    Willi

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  10. Mein geschätzter Herr Willi, ich Ihre allzeit wilkommenen Kommentare habe ich bereits schmerzlich vermisst. Bleiben Sie mir weiterhin wohlgewogen.
    So sind die Unterschiede: hier werden Regeln eingehalten, deren woher und warum niemand wirklich kennt und andere werden derzeit erfunden, an die sich niemand hält und fürderhin halten wird.
    Abendlich schöne Grüsse vom Schwarzen Berg

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  11. Sorgsam eingewoben. Mich deucht, ich sah das Tollweib röckeraffend um die Ecke schleichen. Die Kaminandrohung war ihm dann doch zu heiß. Besteste Ausstellungsvorbereitunggelingung wünschend, die Ihrige.

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