Beerdigung oder Vermülltonnung der Zukunft

„The Rough Guide to ….“  Neben der bekannten Reiseführerfirma läuft seit 1995 eine Weltmusikserie, die inzwischen rund 250 CDs umfassen dürfte. Einiges davon befindet sich im Dunkelkammerarchiv, z. B. The Rough Guide to the Music of Afghanistan (2010)…

Nachdem mein freundlicher Nachbar mit seiner schier allumfassenden Musiksammlung wiederholt in Sachen Rough Guide nach meiner Desideratenliste fragt, überprüfe ich mein Archiv, um ihm endlich die erbetene Aufstellung zukommen zu lassen. Womit wir beim Thema sind. Konsum und die planmässige Anfeuerung und anschliessende Überbleibselbeseitigung desselben.
Einer anderen Bitte folgend setze ich meinen Drucker in Gang. Fünf, sechs Klicks und der Apparat erledigt klaglos seine Arbeit. Ist ja noch ein junger frischer Bengel. Nach einigen Ausdrucken allerdings ruft mich ein gelbes Lämpchen blinkleuchtend an die Maschine. Auf dem kleinen Display erscheint ein Fehlercode, dazu die Aufforderung den Netzstecker zu ziehen und mich zum „Service-Center“ zu begeben.
So schnell wurde Rom nicht gebaut, dass nicht Zeit und Wissen wäre, um zuerst via Internet einige Foren zu konsultieren. Mit wachsendem Erstaunen nehme ich zur Kenntnis, dass im Kontext des Fehlercodes B200 meist das Verb wegwerfen Verwendung findet. Da ich in einer Gegend lebe, in der aufgrund der Einkommensverhältnisse mehr repariert als neu gekauft wird gebe ich nicht auf. Die Zeit vergeht und der Hals wird langsam dicker. Inzwischen finde ich im allwissenden Netzdernetze auch eine Schwarzbergige Reparierstation. —-  .
Letzten Endes muss ich es akzeptieren: mein Drucker ist heute Morgen um 10:50 nach drei kurzen arbeitsreichen Jahren überraschend und (hoffentlich) schmerzlos verschieden. Hätte ich nur auf meinen ehemaligen russischen Nachbarn gehört. Der nämlich hat mir gleich nach dem Neukauf einen Softwarecrack angeboten („In Russland macht man das so“), um damit das innere Zählwerk und weitere vorprogrammierte Lebensenddaten zu eliminieren. Ich habs damals abgelehnt und er meinte grinsend, „bei deinem Modell wirst du in spätestens drei Jahren an mich denken“. Recht hat er behalten, wie diese Zeilen beweisen. Ich möchte nicht sehen, wie es in den Hirnen von Leuten zugeht, die sich planmässig derartige termingerechte Produktzerstörungen ausdenken.
Gefunden habe ich bei meiner morgendlichen Recherche die folgende Seite, die ich hiermit zu Nutz und Frommen der Besucher, Leser und Gugger gerne weitergebe. Darin geht es um die Geplante Obsoleszens.
So, jetzt geht mir die reichlich ungewohnte afghanische Musik auf den Senkel, ich brauch was handfesteres, meiner Stimmung entsprechendes und ausserdem hat sie begonnen, die grossartige Regentschaft der Fische: Feine Sahne Fischfilet – Scheitern und Verstehen (2012). Hui, zwei musikalische Hinweise heute





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12 Gedanken zu „Beerdigung oder Vermülltonnung der Zukunft

  1. In den Staaten gibt es irgendwo eine Feuerwache, wo schon seit Jahrzehnten eine Glühbirne der ersten Stunde ihr partout nicht verlöschen wollendes Licht spendet… aber mittlerweile findet sie sich ja in allem, die sogenannte Sollbruchstelle. Unser ganzes System wäre längst zusammengebrochen, wenn es sie nicht gäbe. Damit es noch eine Weile so weitergeht, werden die Halbwertszeiten immer kürzer bemessen. Das Ende ist definitiv und leider leider noch nicht in Sicht. Ach, wie gut, dass der schöne Fabelfisch von alledem nichts weiß…

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  2. Drucker sind ja nur die Verkaufshelfer für Tintenpatronen, daher wundert mich das etwas. An den Geräten selber können die eigentlich nicht so viel verdienen, zieht man den Preis für die beiliegenden Patronen ab. Meiner (ebenfalls Canon) ist inzwischen vier Jahre alt, aber so selten wie ich den benutze verbraucht der auch mehr Tinte bei der Kopfreinigung als beim Druck.
    Das bei Fernsehgeräten wäremempfindliche Teile besonders gerne an warmen Stellen verbaut werden habe ich allerdings auch schon gehört.

    Frag Deinen russischen Nachbarn doch mal, ob es auch einen Hack gibt für Canon Kompaktknipsen. Nach inzwischen dreifacher Erfahrung weiß ich, dass eine Canon Powershot die Garantiedauer maximal ein paar Wochen überlebt.

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  3. Klar, Drucker sind Verkaufshilfen aber eben auch Produkte, die an sich verkauft werden. Mein Canon Pixma läuft jeden Tag. Vorher hatte ich ein Vorläufermodell, dass auch am plötzlichen Schlaganfall verschied. Geplante Obsoleszens findet mittlerweile fast überall statt. Autos vielleicht mal ausgenommen.
    Der Nachbar der russische der wohnt mittlerweile anderswo und ich habe ihn aus den Augen verloren, leider…

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  4. Bei der Erwähnung von Glühbirnen überkommt mich Spontanbrechreiz. Das Florallabor muß vernünftig ausgeleuchtet werden, ich hasse Neonlicht. Also Strahler und Stehlämpchen aufgestellt. Vor Jahren hielten die Birnen noch wacker aus, jetzt muß ich reihum fast monatlich wechseln. Ich möchte den Herstellern vor die Füße kübeln.

    Und bei zu lange nichtkaputtgehenden Autos springt ja gerne die lobbyhörige Politikerbande ein und ruft eine Abwrackprämie aus. Welch' ein bekloppter Wahnsinn! Herr Ärmel, ich bitte um blutdrucksenkende Worte, mir rauscht's im Schädel.

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  5. Die Glühbirne macht allerdings ihrem Namen alle Ehre, weil sie bei deutlicher Unterspannung nur so vor sich hinfunzelt. Wenn du deine Autolampen bei 11V statt 13,5V (Nennspannung des Akkus) betreibst, halten sie auch deutlich länger, allerdings sind sie nicht mehr nachtfahrttauglich.

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