Informative Heiligenscheinbastelei

Ein tiefer Griff in die Archive bringt eine schöne Musik zum Vorschein. Das sonnigklingende Gegenstück zum Grauhimmel: Al di Meola – Elegant Gypsy (1977)…
 
Überrascht hat mich der arabische Frühling in Tunis. Danach zog der frische Geist der Auflehnung weiter nach Lbiyen und Ägypten. In Syrien lodert und brennt es weiterhin. Derzeit haben die Menschen genug von den Machenschaften der Herrschenden in Venezuela, Thailand und der Ukraine. Wobei uns die Ukraine am nächsten liegt. Und das nicht nur geografisch. Mit uns sind natürlich nicht die Menschen wie Sie und ich gemeint sondern die, deren wirtschaftliche und politische Interessen berührt sind. Die Medien aller Länder sind wie gehabt vereinigt in dem Bestreben, die faden Interessen der Strippenzieher als die unseren an die normal lebende Bevölkerung zu bringen.
Und schon taucht neben Klitschko erneut ein altbekannter Name auf. Klitschko taucht in den deutschen Medien vermehrt natürlich wegen seiner Boxerkarriere auf und weil er darüber hinaus ein studierter echter Dr. (phil. box?) ist. Sowas schafft vereehrende Verbundenheit bei deutschen Michels und Michaelas.
Julija Tymoschenko. Sie, die unschuldig verfolgte Reinheit. Dass sie fotografiert wird häufig mit diesem putzigen Flechtkranz ums Blondhaar mag bei manchen unbewusst die Erinnerung wachrufen an dralle deutsche Mädels einer unseligen Vergangenheit. Bei derlei Rührseligkeit werden die Fragen blass und matt nach dem Lebensweg der Ukrainerin. Geboren im 1960er Jahr eröffnete sie als erste unternehmerische Tat einen Videoverleih. 1991 steigt sie ins Geschäft mit Erdölprodukten ein. Das Kapital dafür stammt aus eigenen Ersparnissen und einer Finanzspritze ihrer Eltern. Dass sie in einem Plattenbau und aus einfachen Verhältnissen stammt wirft erste Fragen auf. Bereits ein Jahr später hatte ihre Firma die Monopolstellung auf diesem Markt. !997 konnte sie ihr Unternehmen mit Fug und Recht einen Konzern nennen und zehn Jahre später (2007) wurde ihr Vermögen auf mehrere hundert Millionen Dollars geschätzt. Das alles mithilfe des elterlichen Sparbuchs und der Videokasse. Und Fleiss und nichts als Fliess. Sonst wirklich nichts? Die erste Frau, die ein derart immenses Vermögen lediglich durch Fleiss zusammenrafft ist wahrlich reif für die Heiligsprechung.
Die Bühne für ihre politische Aktivitäten war bereit für den Auftritt. Beauftragt die allumfassend korrupten Strukturen im Energiesektor der Ukraine zu bereinigen, geriet sie in die Mühle anderer mächtiger Interessen. Das pressewirksam publizierte vorläufige Ende ist sattsam bekannt. Schauprozess(ion) und anschliessende Verwahrung im Knast. Schlimme Haftbedingungen und angeschlagene Gesundheit. Das wars dann bei und für uns mit der Legende der heiligen Julja. Andere Massenlenkungslegenden wurden wichtiger.
Und nun wird sie sich den weissblonden Zopf flechten zum Auszug aus der Haftanstalt. Und die ersten Berichte von heute Morgen lassen vermuten, dass ihr goldener Haarschmuck erneut zum Heiligenschein erleuchtet werden wird.
Dass der russische Puter nach Tschetschenien und Georgien eventuell zum dritten Mal nun die gleiche kriegerische Strategie anwenden wird, um seinen Machtbereich zu sichern, wen interessiert das wirklich im Lande. Zuerst muss die Schmach verarbeitet werden, in Sochi beim Doping erwischt und auf den fünften Platz im Medaillenspiegel abgefallen zu sein.
Die Frage, die mich persönlich umtreibt ist, wie unsere eigenen wirtschaftlich und politisch engagierten Strippenzieher reagieren würden. Denn die Einschläge kommen näher. Immer mehr Menschen weltweit fordern Gerechtigkeit und sind bereit dafür auch hohe Risiken einzugehen. Wie weit ist der Weg von Schlagstock und Wasserwerfer bis zum Einsatz von Scharfschützen, die das eigene Volk gezielt abknallen…
 
 
 
 
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12 Gedanken zu „Informative Heiligenscheinbastelei

  1. Mir war nie so recht klar was ich von der Zopftante halten soll, ich beschäftige mich mehr mit unseren eigenen Politikern, da liegt genug im Argen. Aber solche Karrieren sind durchaus nicht unwahrscheinlich, guck Dir die ganzen ITioten hier an, die Äpp-Abo-Erfinder und Klingeltonverschacherer haben es auch von Null auf Mille geschafft und sich die Taschen vollgestopft.

    Mit Monopolstellungen kann man sehr schnell sehr viel Geld machen. Die Methoden sind hier wie dort sicher ähnlich sauber und hier wie dort kann es mal im Knast enden.

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  2. Man darf gespannt sein, wie sie ihr Kammbeck nun gestalten wird. Der Vergleich mit den Äpp-Depp-Erfindern gefällt mir gut. Fetzbuck zahlt 19 Milliarden für Wattsab. Betriebswirtschaftlich ist der Laden 1,8 Milliarden wert. Schöne, neue kommende Aussichten für alle Fetzbucker *fg*

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  3. dieser Frau müßte der Oscar und die olympische Goldmedaille für Scheinheiligkeit verliehen werden, vielleicht kann sie auch noch irgendein Pius heiligsprechen…vor ein paar Tagen todkrank, dem Siechtum preisgegeben, kraftlos und ganz plötzlich, aber natürlich, damit es nicht gar so auffällt im Rollstuhl, redet sie zu den Massen und die???? glauben ihr auch noch! Mir kommen die Tränen, aber nicht die der Freude sondern des Zorns…
    nichtsdestotrotz werde ich den Sonntag, der einer werden soll ab Mittag,friedlich genießen und danke Herrn Ärmel für seine immer hinterfragenden Artikel
    Karin

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  4. Das zentrale Ukraineproblem wird werden – oder ist schon: Der Westen importiert keine Waren von dort, sondern allenfalls Rohstoffe. Der Westen hat keinerlei Interesse bestehende Firmen/Fabriken aufrecht zu erhalten … die Kleinunternehmer der Westukraine machen sich dieselben Jointventure-Illusionen wie die „Geschäftsleute der ersten Stunde“ in der untergehenden DDR. Wenn sie „Glück haben“ zieht irgend ein Handyhersteller eine Runde weiter, wie damals Nokia von Bochum nach Rumänien um die Dumpinglohnschraube weiterdrehen zu können. Komisch, dass davon unser achso freier/neutraler Journalismus überhaupt nicht schreibt. Das „24 Stunden dejavu“ (Heinz Rudolf Kunze) geht weiter.
    Die Ukraine ohne Russland, das ist wie Meck-Pom oder Niedersachsen in der Unabhängigkeit.
    Nochdazu hat das Land ein eigentlich typisch afrikanisches Problem: Sein Westen passt nicht zum (größeren Osten); genausowenig wie Kroatien jemals zu Serbien gepasst hat.
    Medial werden wir bei dem ganzen extrem verarscht: Die Eu wird siegen, die Eu ist das gute, Der IWF wird helfen… ich warte immer auf den jingle von der aktuellen kamera … aber es handelt sich dann doch immer um ARD oder RTL Sendungen… eine bitterböse „Retrozentrifuge“(nochmal HRK)

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  5. Nun, Timoschenko hat inzwischen ihre Machtansprüche geltend gemacht. Einer ihrer „Freunde“ ist vorübergehend Chef. Wie es übrigens der Janukowitsch auch war.
    Frau Timoschenko war es übrigens, die die Ukraine restlos an die Russen verkaufte, als sie eigenmächtig den Energievertrag unterschrieb, den heute alle (westlichen) beschimpfen und beklagen. Natürlich hat sie daran ein klein bisschen mit verdient. Aber wer will das heute noch wissen wollen. Immerhin gab es genügend Geschäftemacherei, sie dafür wegzusperren. Und was nun die Haftbedingungen betrifft, die vermutlich nicht schlimmer waren als in der Zeit, da sie noch Leute weg sperren ließ, ist natürlich nicht einzusehen, wieso eine Multimillionärin genau so behandelt werden soll, wie andere Kriminelle auch.

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  6. „Mit uns sind natürlich nicht die Menschen wie Sie und ich gemeint sondern die, deren wirtschaftliche und politische Interessen berührt sind.“ Ein sehr erhellender Satz. Traurig, aber wohl wahr.

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    • Ich komme aus der Geschichte und den Kulturwissenschaften. Das schärft den Blick für Kontexte, auch über lange zeitliche Strecken hinweg. Da zeigen sich bei näherem Hinsehen nicht wenige „Wahrheiten“ in einem traurigen Antlitz.

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