Kommunikationsfolgen : Öffentlichkeit

Zufrieden, satt gegessen läutet ein handfestes Klingklangspektakel den Abend ein: Firewater – The Man On The Burning Tightrope (2003)…

Ich schätze mich glücklich, mit einigen Bloggern, die auch in meiner Blogroll vereinigt sind, bereits ausserhalb meines Blogs in Kontakt zu stehen. Mit manchen wechsle ich Mails, mit anderen habe ich schon telefoniert und einige habe ich persönlich kennengelernt und möchte sie nicht mehr missen. Menschen, denen ich ausserhalb der Internetwelt wahrscheinlich nie begegnet wäre. Prima Zeitgenossen.
Nicht verschweigen will ich unangenehme Begenungen, die es auch gegeben hat. Spacken, Vollpfosten und Sozialbehinderte, die in der Anonymität des Internet ihr Unwesen treiben. Da hilft es, dies öffentlich zu machen und anderen eine warnende Hilfe zu sein. Wie wichtig das sein kann, zeigt der Fall einer jungen überaus wachen Frau aus Hamburg.
Sie machte mit ebenso viel Mut wie Entschlossenheit ihre Erlebnisse einer merkwürdigen Bekanntschaft öffentlich. Ich habe beide Berichte in ihrem Blog gelesen und auch den Bericht eines Reporters, der diesem Beruf Ehre in einem ursprünglichen Sinn macht. Er half mit seiner Recherche der jungen Frau bei einem entscheidenen Schritt weiter. Ihre Erfahrungen und vor allem die Reaktionen von Frauen und Männern nach ihrer Publikation veranlasste sie zu einer Webseite zum Thema Internetbekanntschaften.
Mich hat die Geschichte berührt wegen ihrer Alltäglichkeit, der vordergründigen Banalität. Die Normalität, mit der man sich kennenlernt im Internet. Man stellt gemeinsame Anliegen und Interessen fest und kommt sich näher. Jeder hat Bilder im Kopf, Gefühle kommen ins Spiel. Irgendwann fährt der Zug dann los. Das Ziel ist ebenso unbekannt wie bei jeder sich auf herkömmlichem Weg anbahnenden Beziehung. Die entscheidende Weiche auf dieser Fahrt scheint mir die Überfahrt von der virtuellen in die wirkliche Welt.
Die junge Frau hat die Kommentarfunktion zu ihrem Bericht geschlossen, um sich vor Häme und Schadenfreude zu schützen. Das kann ich gut verstehen. Schadenfreude und Schabernack hingegen sind unangebracht, denn keines Menschen Gefühle sind in der Internetwelt geschützt, auch die schadenfreudiger Witzbolde und Spontanbesserwisser nicht.
Was mir besonders auffiel sowohl in ihrem als auch in dem Bericht des Reporters ist das Fehlen des Wortes Eitelkeit. Ich glaube nämlich, dass alle Menschen mehr oder weniger eitel sind und dies ist meines Erachtens der Riss in der Firewall unsere Gefühle.



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21 Gedanken zu „Kommunikationsfolgen : Öffentlichkeit

  1. Krasse Geschichte. Kannte ich zwar schon, den Artikel in der Neon aber nicht. Bestätigt mal wieder das alte Vorurteil, dass die Leute mit dem größten Knacks gerne Psychologie studieren, weil sie wissen wollen wer den Knacks verursacht hat.

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  2. Mit Sicherheit ein krasser Fall.
    Ich frage mich jedoch, wo das Land der Krassheit beginnt. Wann wird die Grenze überschritten? Und wie reagieren die Betroffenen? Nach meiner Beobachtung und eigenen Erfahrung liegt die Macht der Verursacher darin, dass man die unangenehmen Ereignisse hinnimmt, verschweigt, erträgt oder sich irgendwann abwendet und darauf wartet, dass das Leiden nachlässt. Ob das in einem individuellen Fall oder bei einer Gruppe von Menschen, z.B. in einem Forum macht dabei offensichtlich keinen Unterschied. Ob das mit der sog. „Flüchtigkeit“ der virtuellen Kommunikation zu tun hat, da bin ich mir noch nicht sicher.

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  3. Gesunde Eitelkeit ist ein wichtiger Charakterzug, meines Erachtens. Eitelkeit läßt uns auf uns achtgeben, fordert und fördert uns sogar. Mündet Sie jedoch in einer alleinigen Gefallsucht, ohne Fehler sich selbst zuzugestehen, anderen sich zu offenbaren sogar, dann wird sie gefährlich. Sicher ist der von Ihnen erwähnte Fall extrem, aber in abgeschwächter Form ist dieser Selbstundanderebetrug im weltweiten Netze wohl täglich anzutreffen. Meine Geschichte zu dem Thema trage ich in mir, sie ist mir ständige Warnung. Trotzdem lasse ich mir von einem verspackten Vollpfosten nicht die Lust an Kommunikation versauen. Zu bonfortionös die Netzwelt mit all' den phantastischen Menschen, die sich öffnen, von sich abgeben und auch annehmen. Mit manchen mag man flüchtige Konversation nur führen, bei anderen bin ich mir sicher, daß sie eine reelle Feuerprobe bestehen und freue mich vorfeldig schon murmeligkringelig auf den Tag der Begegnung. Wann immer er sein mag. Bei Ihnen bestehe ich allerdings auf Baldigkeit, Verehrtester. Herzfremdnah, Ihre Frau Knobloch.

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  4. Wie kaum anders zu erwarten: Ihr Kommentar ist mir klar nachvollziehbar und ich unterschreibe ihre darin aufgeführten Punkte somit. Ergänzend dies, dass mir mein eigenes Eitelkeitspotential wohl bekannt ist und um es internettig auszudrücken, stetiges Virenappdeht verhindert schlimmere Abirrungen. Dadurch fühle ich mich nach wie vor weitgehend geschützt. Mein Blog ist die Wiese, wo sie sich bis an den Zaun weitgehend austoben darf. Auch deshalb mag ich diese Form des hinundhergebenden virtuellen Austauschs.
    Und dass wir uns auch in der realen Welt treffen werden, da bin ich mir ziemlich gewiss. In diesem Sinne sende ich Ihnen einen sonnigen Gruss vom Schwarzen Berg, Ihr Herr Ärmel

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  5. Das Bild von der umzäunten Wiese ist ein gar treffliches. Man blickt über den Zaun, tauscht mit den Liebnachbarn Schwätzchen und Gefälligkeiten aus und behält sich die Toberei aber eigenwiesig vor. Ich glaube so innig an die Macht des geschriebenen Wortes, daß ich mir manches Mal gar tölpelig vorkomme, wenn ich sprechen muß. Weil ich mich dann getrieben fühlen durch die schnelle der Kommunikation. Ja, nein, aber, doch, sicher, es ist ja so…wie Salven umschwirren mich Knallwörter, die ich nicht mag. Aber ich schwiffe…
    Nur wer um seine Eitelkeit weiß, sie sich selbst justiert, kann die seines Gegenübers würdigen und anerkennen. Ich grüße fernfroh zurück, Ihre Frau Knobloch.

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  6. Bei einer über Monate gehenden intensiven Kommunikation erscheint mir Flüchtigkeit nicht ganz treffend.
    Ich glaube aber auch, dass ein persönliches Treffen vieles gerade rückt, gerade wenn über lange Strecken Intensität und Nähe fast nur übers Internet aufgebaut wird.
    Dieser Bericht ist auf vielen Ebenen erschütternd.
    Es ist traurig, wie Menschen Vertrauen anderer in die Tonne treten.
    Dass dabei ein Berufsstand beteiligt ist, der sich mit seelischen Verletzungen beschäftigt, macht diese Geschichte bodenlos.

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  7. Liebe Frau sera, schönen Dank für Ihren Kommentar. Mit Flüchtigkeit verband ich in der virtuellen Welt fehlende Aspekte wie Gestik, Mimik und ganz besonders die Phonetik. Von der Indirektheit der Kommunikation mal ganz abgesehen. Mit kleinen Lächlerfiguren auf Knopfdruck oder witzigen diakritisch hingetippten Kombinationen ist ein Gefühl höchstens ansatzweise zum Ausdruck gebracht.
    Da auf diese Weise wichtige (die wichtigsten?) Aspekte menschlicher Kommunikation fehlen, bleibt meines Erachtens leicht flüchtig, womit ich keinesfalls oberflächlich meine.
    Wie Sie schrieben: Erst das wirkliche Gespräch von Angesicht zu Angesicht vermag klärend zu wirken.
    Und was den Berufsstand in dem vorliegenden Fall betrifft, so glaube ich, dass die Heckenschützen internettiger Kommunikation sicherlich in fast allen Berufen zu finden sind.
    Sonnigschöne Grüsse vom Schwarzen Berg, Ihr Herr Ärmel

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  8. Ein kosmisches Gesetz besagt: Licht & Schatten gehören zusammen. Beim Schreiben hat man mehr Zeit, um treffendschöne Silbenwortsatzgebilde zu weben. Dafür steht es dann hinterher für alle Welt lesbar vor aller Augen und wird nur schwer wieder revidierbar, während die gesprochene Sprache den Vorteil nachheriger Korrektur viel leichter zulässt. Dafür muss man eben flinkzungig Verständlichles ausdrücken, wobei die Kunstfertigfertigkeit manchmal auf der Strecke bleibt. Ein Sonnenbündel gen Nordost sendend, Ihr Herr Ärmel

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  9. Bleibt nur, für alle Internetwelt sichtbare Schönabendgrüße zu hinterlegen, verwoben mit dem Wunsch nach Aufrichtigkeit. Wie am Wiesenzaune, so an Bloggrenzlinie. Ehrlichverbundenst, Ihre Frau Knobloch.

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  10. Also, da bleibt einem schon die Spucke weg und dass sich diese Psychologin mittels Stimmveränderung auch noch akustisch als Mann ausgegeben hat, ist schon ja schon ein heftiger Hinweis auf ein gewisses Maß an krimineller Energie. Aber klar, das Internet und der vermeintliche Schutz der Anonymität spült da auch solche gestörten Charaktere durch die Datenautobahn (so sagte man doch mal früher, oder).

    Nachdem ich ja auch schon einige Zeit durch das Internet tobe (und ich gestehe freimütig: mein wunderbare Frau Gemahlin habe ich auch durch das Internet kennengelernt) habe ich es mir früher, wenn es um reale Kontakte zu Frauen ging, sehr rasch auf persönliche Begegnung Wert gelegt, damit der mögliche virtuelle Internet Hokus Pokus gar nicht erst zu lange dauert. Von trifft der Satz von Herr Ärmel: „Die entscheidende Weiche auf dieser Fahrt scheint mir die Überfahrt von der virtuellen in die wirkliche Welt.“ des Pudels Kern. Diese Geschichte erzählt auch viel über emotionale Notwendigkeiten und die damit einhergehenden Tücken, wenn man sich eben – wie in diesem Fall leider geschehehen – auf einen unheilvollen Hokus Pokus einlässt.

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  11. Wobei sie ja sogar mit „ihm“ via Skype gesprochen hat. Auch das ist also keine wirkliche Klärung.
    Und aus eigener beruflicher Erfahrung kann ich, mit aller Vorsicht, sagen: nicht einmal das Gespräch von Angesicht zu Angesicht ist ein sicheres Bollwerk gegen gut geplante Lügengebäude.

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  12. „Er“ hatte eine feine Erklärung bereit, „seine“ Kamera sei defekt, deshalb könne man nur zusammen sprechen. Und gegen geschickt konstruierte Lügengebäude gibts kurz- bis mittelfristig keine Gegenmittel. Langfristig hingegen bringt die Sonne fast alles ans Tageslicht, so jedenfalls meine Erfahrung

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