Gedankenlichterey

Nur keine Romane jetzt: Dhafer Yussef – Electric Sufi (Tunesien 2001)…

Unruhige merkwürdige Nacht. Im Morgensonnenschein will das erwachende Bewusstsein sogleich die letzten festgehaltenen Traumbilder verwischen. Ein Typ der ganz unsympathischen Sorte, egal ob Manager oder Politiker auf dem Golfplatz. Tiefe Ruhe. Die gewohnte Szenerie in schwarzweiss, der Mann mit dem Golfschläger in Farbe. Den Blick auf ein fernes Ziel gerichtet. Das ist meine Interpretation. Er steht fest mit beiden Beinen auf dem Boden, den einen Fuss leicht abgewinkelt. Holt aus. Ich erkenne, dass der Schläger eine Axt ist. Auf dem Tee in dem grünwinzigen Stück Rasen liegt als Ball der kleine Globus…
Die Sonne scheint durch die Ritzen des Rollladens. Die lächelnde Begrüssung des neuen Tages als bewusst zu vollziehender Akt. Ich bin noch müde.
Später einige Einkäufe. Besuch wird erwartet für das Wochenende. Mir fallen avisierte Liebbesuche in den kommenden Monaten ein. Im Supermarkt die ältere Frau in Trauer. Ungeduldiges Meckern. Ich bin in Eile. Die Maler haben sich angesagt. Wie jedes Jahr. Der gleiche Wasserschaden auch nach diesem Winter wieder.
Wird der Rechenknecht nachher wieder anspringen? Am Wochenende den Computer aufgeräumt, einiges bereinigt und aktualisiert. Seitdem läuft das Gebläse auf Hochtouren. Fehlersuche. Keine Hinweise auf deutsch. Endlich im Gedärm des Internet fündig geworden und eine Anwendung gelöscht. 
Das neue Projekt beschäftigt mich. Organisatorische Fragen überlagern kreative Überlegungen störend. Telefonklingeln und Gedankenlichtern in verschiedene Richtungen. Heute weder Wettervorhersage noch Nachrichten, auch dies ein Vorsatz. Die Maler kommen pünktlich. Also der Arbeiter und sein Bestimmer, der nach erteilten Befehlen gleich wieder weg ist. Teil eins der Arbeit wird ordentlich erledigt den hiesigen Verhältnissen entsprechend. Teil zwei soll Morgen folgen. Wann? Um elf Uhr. Gehts nicht auch um neun? Elf Uhr. Zehn Uhr? Elf. Bestimmt. In jeder Beziehung des Wortes. Tag&Nachtgleiche mit dem stürmischen Wind. Die ganze Nacht schon. Die Wäsche trocknet schnell draussen im Sonnenwind. Hemden flattern gedankenschnell. Im Park gegenüber kann man dem frischen grünen Laub an den Bäumen beim Wachsen zuschauen. Könnte man. Ich flechte derweil Halteseile für mein Gedankengestrüpp im Frühlingswind. Wie ich höre, haben auch Andere schlecht geschlafen in der vergangenen Nacht.

    (Foto anklicken und gross gugge)


PS: Zur Technik, das Foto 1 auf Ilford HP5 Plus 400. Zum Vergleich das Foto 2 als Widmung und Anregung für den Pappenheimer auf Agfa Scala 200x. Beide Fotografien wurden im Januar 2014 in Frankfurt aufgenommen.

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10 Gedanken zu „Gedankenlichterey

  1. Ich mag das so sehr, Herr Ärmel, wenn wir im Netz die scheinbar ganz normalen Dinge des Alltages (mit)-teilen. Fast so ein Gefühl wie, das kenn ich – da bin ich daheim 🙂

    Ich wünsche dir angenehme undd schöne Tage mit deinem Besuch,
    schöne Grüße aus der Sachsenmetropole

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  2. Der Nachtmahr, den Sie da beschreiben, das ist einer von der ganz üblen Art. Hocken mir auch manchmal auf der Brust, wenn ich tagwerkbedingt mit einem zusammenarbeiten mußte. Widerlichst. Stellen Sie sich heute bitte einen Kirschblütenzweig in's Schlafgemach, das müßte gegen Nachtmahre auch bei Ihnen helfen. Bei mir hat's gehülft. Und beste Tagesvornahmenerledigung, das wünscht Ihnen Ihre Frau Knobloch.

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  3. Und ich mag sonnigfreundliche Kommentar sehr, Menachem. Diese scheinbar nebensächlichen allerweltstäglichen Kleinigkeiten machen in der Summe ein Menschenleben aus. Und dafür sind unsere Blogs doch da 😉
    Mit den bestsonnigen Grüssen zurück in die heimliche Hauptstadt der ehemaligen Republik

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  4. Ich stecke Ihnen ein Wohlduftnarzisschen hinzu, das vertreibt den narzisstischen Nachtmahr quasi mit den eigenen Waffen. Ich hätte ein ungefüllt blühendes weißes, mit Orangeleuchtherz, ein wohlproppergefülltes gelbgelbes, sowie ein gelbes mit mit Weißrand. Mich deucht, das weiße passe am besten zum Kirschlein. Aber bunt fetzt natürlich auch. Entscheiden Sie. Herzlich, Ihre Frau Knobloch.

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  5. Dann solls das quietschleuchtendproppergelbgelbe sein, das platzt fast vor Nachtmahrvertrieblichkeit. Nehmen Sie es auch gleich als Adegruß für heute. Ich wünsche einen Fabulösabend und beste Nachtbettung, immer wieder gerne die Ihrige, Frau Knobloch.

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  6. Gedankengestrüpp, leicht zu durchstreifen. Ganz ohne Machete und Riesenschiffe über den Berg tragen.
    Viel Angenehmes gegenüber dem Park wünscht
    die Rheinhessische Nichtweinkönigin

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  7. In der Tat gringdornig und eigentlich durchsichtig. Ich habe mich auch beschreibend schwer gebremst gestern; könnte allerdings auch mit primärwaldigundurchdringlichem aufwarten. Ein ander Mal.
    Siebensonnigkaltwindige Grüsse auf die falschhessische Seite des grossen Stroms

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