Schmeckt prima, sieht prima aus – an den Haken gehängt

Osterzeit, Schlechtwetter auf dem Schwarzen Berg. Da sollen zumindest Speisen und Getränke Glanzpunkte setzen unterm eintönigen Himmelgrau und die Musik das alles verbinden: Arvo Pärt – Tabula Rasa (1984)…
 
Ich bin im alten Ortskern geboren, umgeben von einem kleinen Damm, der das Kaff im Frühjahr vor dem Hochwasser der beiden in der Nähe zusammentreffenden Flüsse schützen sollte. Bauernhöfe rundum, die Wirtschaft mit dem Tanzsaal, leicht erhöht die Kirche und das Gehöft mit der Feuerspritze, dem Faselstall und daneben das alte Rathaus mit dem Storchennest auf dem Schornstein. Bodenständig und überschaubar.
Die Frauen trugen Kopftücher wenn sie das Haus verliessen und der Bauer ging zum pissen auf den Misthaufen. Um elf Uhr riefen die Glocken die Bauern vom Feld zum Mittagessen und um  sechs nachmittags wussten die Kinder, dass es Zeit war nach Hause zu gehen, um elterlichen Tadel oder eine Maulschelle zu vermeiden.
Der Durst wurde tagsüber mit Leitungswasser gestillt und für den kleinen Hunger gabs zwischen ein Stück Obst je nach Saison. Eine gewisse Unaufgeregtheit ist mir davon geblieben. Essen muss satt machen, wenns gut schmeckt, umso besser. Kulinarische Moden lassen mich weitgehend kalt. Erdbeeren mit grünem Pfeffer oder ein Kir Royal das habe ich versucht, wenns jedoch religiös wird mit den Meinungen über die Ernährung, wende ich mich ab. Das Wie ist mir allemal wichtiger als das Was. Das richtige Verhältnis, die Ausgewogenheit machts. Sowohl bei der Zubereitung als auch bei der Verteilung. Rein vegetarisch, makrochaotisch, slow food oder am Ende gar vegan – Scheuklappen dienen eher Pferden als Menschen, aber das muss jeder für sich selbst entscheiden.
Im letzten Post hatte ich meine Vorfreude mitgeteilt über den anstehenden Besuch eines Restaurants im Norden Albaniens. Slow Food solls dort geben. Was nach meinem Verständnis bedeutet, dass die Speisen aus frischen Zutaten wie seit Jahrhunderten in der Küche zubereitet werden. Also ihren Weg nicht von der Lebensmittelchemiefabrik tiefgefroren in den Supermarkt nehmen und von dort ins heimische Kühlfach und anschliessend in der Mikromonika aufgewärmt werden. Warum die bewährte Methode herkömmlicher Speisezubereitung neuerdings etwas Besonderes sein soll überlasse ich gerne den Erfindern dieses Marketingtricks.
So, nach der langen Vorrede nun das einfache Menu des „Mrizi i Zanave„. (Viel Spass beim Speisekartelesen)
     (Man siehts den Fotos an, ich bin kein „Food-Fotograf“ – die Fotos könnte ein Anderer besser machen, hier dienen sie lediglich der Anschauung) 
Die kleine Gaumenfreude vorweg: Eine Käsecreme, grüne Erdbeeren und Spargel und ein gekochtes Eigelb mit Maiscreme. Macht sofort Lust auf mehr.
 
Die Vorspeisen: Eine Art Quiche; eine mit Gemüsen, die andere nussig im Geschmack. Dazu eingelegte kleine Feigen im Limonencofit und Schalotten. Der frische weisse Ziegenkäse rundet das Ganze ab.
 
Ferner ein Brett mit Hartkäsen, Schafskäse und jungem weissen Käse sowie zwei Konfitüren aus Maulbeere und Kirschen.
 
Dazu im Glas gedämpfte Karotten, Blumenkohl, Mangoldblätter, Zwiebelchen…
 
… und eine tönerne Schaufel Wurzeliges mit einer (noch nicht) identifizierten und sehr aromatischen Creme.
 
Zum Hauptgericht wählten wir das gebratene Huhn aus dem Kupferkessel und ein Zicklein mit einer Creme aus frischestem Ziegenkäse und verschiedenen Kartoffelvariationen. Auf dem rustikalschweren Holztisch standen bis dahin verschiedene Brotsorten, feinstes Olivenöl und getrocknete Kräuter zum Bestreuen.
 
Das erste Dessert: Granatapfelsorbet, Quittenstückchen im eigenen Sirup und ein Thymianeis am Ästchen. Zum Schluss dann einen Käsekuchen aus Frischkäse mit Granatapfelkernen.
 
 
Begleitet wurde das Menu von einem trocken einheimischen Roten aus der Kallmet-Traube. Der trinkt sich überaus angenehm und versetzt in angenehmste Laune, wovon man sich am Nebentisch überzeugen kann. Versteht sich, dass wir jetzt dem Wirt am Haken hängen und wiederkommen werden.
 
 
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