Wenig Beachtung für Verachtung

In Dauerrotation: Dirtmusic – Lion City (2014)…
 
Seine „Kriminalgeschichte des Christentums“ ist lesenswert und überaus erhellend trotz der Kritik einiger Historiker, die ihm vorwarfen, Quellen einseitig für seine Darstellung benutzt zu haben. Er gilt als der grösste Kirchenkritiker aller Zeiten. Karlheinz Deschner ist im Alter von 89 Jahren am 8. April 2014 gestorben. Den grössten Teil seines Lebens hat er auf die Arbeit an der Kriminalgeschichte verwendet.
Mir wurde sein Name geläufiger als er 1988 mit dem Arno-Schmidt-Preis für sein Werk ausgezeichnet worden ist. Mit seinem literarischen Werk beschäftigte ich mich daraufhin, durchaus verwundert warum der Name Deschner doch recht unbekannt geblieben zu sein schien vor den ersten Bänden der Kriminalgeschichte. Kurz gesagt erschien mir sein prosaisches Werk so wenig ansprechend, dass ich heute nicht einmal die Titel der gelesenen Werke nennen kann. Zwei Titel jedoch blieben mir im Gedächtnis. „Kitsch, Konvention und Kunst. Eine literarische Streitschrift“ von 1957 und „Talente, Dichter, Dilettanten. Überschätzte und unterschätzte Werke in der deutschen Gegenwart“ von 1964.
In diesen beiden Bänden setzte sich Deschner mit zeitgenössischen Literaten auseinander, erhob unbekannte Autoren auf den Thron und riss anerkannte Grössen vom Sockel. An sich hat mich diese seine andere Sichtweise interessiert. Was mich allerdings auf Distanz hielt war eine gewisse überhebliche Verächtlichmachung, die aus den Kritiken herausstach. Damals interpretierte ich das Vomsockelstossen als Kompensation für die eigene Erfolglosigkeit. Immerhin erregten die beiden genannten Titel nicht wenig Aufsehen und schufen damit ein gewisses Aufsehen.
Geblieben ist mir die Abneigung gegen die Verächtlichmachung. Ich finde Kritik wichtig und angebracht und schätze dabei auch durchaus einen ironischen Seitenhieb. Verbittertes und humorloses Niedermachen entbehrt meiner Ansicht nach jeglichen konstruktiven Moments, da dem jeweiligen Gegenüber kaum eine Chance bleibt angemessen auf die Kritik zu reagieren.
Im Film „Die Verachtung“ (1963) von Jean-Luc Godard wird dies eindrücklich dargestellt. Der Film ist auch noch heute noch überaus sehenswert. Für mich neben der besonderen Ästhetik des Films, zum Beispiel der Farbsymbolik auch deshalb, weil darin auch in einem meiner ewigen Traumhäuser gedreht worden ist, der ehemaligen Villa des Schriftstellers Curzio Malaparte. Und dessen Romane „Kaputt“ (1943) und „Die Haut“ (1949) empfehle ich hier gleich mit. (Die Klicks auf die Literaturlinks führen nicht zu amaxxon!).
Das Wochenende und die freie Zeit stehen ja vor der Tür. Ich erfreue mich an der prallen Akazienblüte im Park gegenüber.
Allen Besuchern, Lesern und Guggern wünsche ich ein frühlingschönes Wochenende.
 
 
 
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