Warum das Meerwasser salzig ist

Wenn vom Himmel nur Wasser stürzt ohne Unterlass bleibt die Dunkelkammer und die Musik: Neil Young – Time fades away (1973). Die Archivserien des Meisters mit den HDCD Remasters sind klanglich über jeden Zweifel erhaben…

 

Es war einmal ein lieber, wackerer Knabe, der hatte weiter nichts auf Erden als eine blinde Großmutter und ein helles Gewissen. Als er nun aus der Schule war, wurde er Schiffsjunge und sollte seine erste Reise antreten. Da sah er, wie alle seine neuen Kameraden mit blankem Gelde spielten, und er hatte nichts, auch nicht den geringsten Mutterpfennig. Darüber war er traurig und klagte es der Großmutter.

Sie besann sich erst ein Weilchen, dann humpelte sie in ihre Kammer, holte eine kleine, alte Mühle heraus, schenkte sie dem Knaben und sprach: »Wenn du zu dieser Mühle sagst: Mühle, Mühle, mahle mir rote Dukaten gleich allhier! so mahlt sie dir lauter Dukaten, soviel du begehrst; und wenn du sprichst: Mühle, Mühle, stehe still, weil ich nichts mehr haben will, so hört sie auf zu mahlen; und so kannst du dir alle Dinge, die du nur wünschest, von der Mühle mahlen lassen. Sag aber nichts davon, sonst ist es dein Unglück!«

Der Junge bedankte sich, nahm Abschied und ging aufs Schiff. Als nun die Kameraden wieder mit ihrem blanken Gelde spielten, stellte er sich mit seiner Mühle in einen düstern Winkel und sprach: »Mühle, Mühle, mahle mir rote Dukaten gleich allhier!« Da mahlte die Mühle lauter rote Dukaten, die fielen klingend in seine lederne Mütze. Und als die Mütze voll war, sprach er nur: »Mühle, Mühle, stehe still, weil ich nichts mehr haben will!« Da hörte sie auf zu mahlen. Nun war er von allen Kameraden der reichste; und wenn es ihnen an Speise fehlte, wie es wohl manchmal geschah, da der Schiffshauptmann sehr geizig war, sprach er nur: »Mühle, Mühle, mahle mir frische Semmeln gleich allhier!« so mahlte sie so lange, bis er das andere Sprüchlein aufsagte; und was er auch sonst noch begehrte, alles mahlte die kleine Mühle. Nun fragten ihn die Kameraden wohl oft, woher er die schönen Sachen bekomme; doch da er sagte, er dürfe es nicht sagen, drangen sie nicht weiter in ihn, zumal er alles ehrlich mit ihnen teilte.

Es dauerte aber nicht lange, da bekam der böse Schiffshauptmann Wind davon, und eines Abends rief er den Schiffsjungen in die Kajüte und sprach: »Hole deine Mühle und mahle mir frische Hühner!« Der Knabe ging und brachte einen Korb frischer Hühner. Damit jedoch war der gottlose Mensch nicht zufrieden: er schlug den armen Jungen so lange, bis dieser ihm die Mühle holte und ihm sagte, was er sprechen müsse, wenn sie mahlen solle; den ändern Spruch aber, den man sagen musste, wenn sie aufhören sollte, lehrte er ihn nicht, und der Schiffshauptmann dachte auch nicht daran, ihn danach zu fragen. Als der Junge nachher allein auf dem Verdeck stand, ging der Hauptmann zu ihm und stieß ihn ins Meer und dachte nicht daran, wie viel Sorge und Mühe er Vater und Mutter gemacht hatte und wie die blinde Großmutter auf seine Rückkehr hoffte. An all dies dachte er nicht, sondern stieß ihn ins Meer und sagte, er sei verunglückt, und meinte, damit sei alles abgetan.

Hierauf ging er in seine Kajüte, und da es eben an Salz fehlte, sagte er zu der kleinen Mühle: »Mühle, Mühle, mahle mir weiße Salzkörner gleich allhier!« Da mahlte sie lauter weiße Salzkörner. Als aber der Napf voll war, sprach der Schiffshauptmann: »Nun ist’s genug!« Doch sie mahlte immerzu, und er mochte sagen, was er wollte, sie mahlte immerzu, bis die ganze Kajüte voll war. Da fasste er die Mühle an, um sie über Bord zu werfen, erhielt aber einen solchen Schlag, dass er betäubt zu Boden fiel. Und nun mahlte sie immerzu, bis das ganze Schiff voll war und zu sinken begann, und nie ist größere Not auf einem Schiff gewesen. Zuletzt fasste der Schiffshauptmann sein gutes Schwert und hieb die Mühle in lauter kleine Stücke; aber siehe! aus jedem kleinen Stück wurde eine kleine Mühle, gerade wie die alte gewesen war, und alle Mühlen mahlten lauter weiße Salzkörner. Da war’s bald um das Schiff geschehen: es sank unter mit Mann und Maus und allen Mühlen. Die aber mahlen unten am Grunde noch immerzu lauter weiße Salzkörner, und wenn du ihnen nun auch den rechten Spruch zuriefest, sie stehen so tief, dass sie es nicht hören würden. Sieh, davon ist das Meerwasser so salzig. (Europäisches Volksmärchen)

                       (Foto anklicken ist das Salz der Sache)

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17 Gedanken zu „Warum das Meerwasser salzig ist

    • Die Verwirrung lass ich mal lieber bei dir – die AfD ist mir fremd und solls auch bleiben. Meine grösste Angst im Leben, was mich selbst betraf war neben dem Verlust der Sehkraft die Armut. Als ich selbst aus falschem Vetrauen eine richtig fette Pleite hingelegt und fast nichts mehr hatte, habe ich gelernt, dass man aus seinem Leben richtig was machen kann, wenn man mal eine Pleite hingelegt hat…

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  1. a. Schön fieses Märchen, das kannte ich noch nicht und ich habe wahrlich sehr viele Märchenbücher gelesen.

    b. Wenn man in Faro landet sieht man auch jede Menge Salinen, u.a. direkt neben dem Flughafen – und zusammen mit der ohnehin nicht immer überzeugenden Wasserqualität unserer Meere frage ich mich häufig, wie viele Schadstoffe in diesem köstlichen Meersalz eigentlich sind.

    c. Schicke Bilders, beim zweiten wäre irgendein Salinenarbeiter im Bild recht hilfreich gewesen um mal die Größenverhältnisse etwas einschätzen zu können, aber da arbeitet glaube ich keiner, warum sollte man auch jemanden bezahlen der dem Wasser beim verdunsten zusieht *fg*

    d. Gruß aus Hamburg, Neil Young ist ne gute Idee: Tonights the Night

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    • a) Ich sende dir gerne mehr. Ich hab da sogar malne Ausbildung gemacht in dem Fach.
      b) Diese Frage habe ich nicht gestellt, es scheint mir jedoch, dass es so tragisch nicht sein, nach allem, was ich da gesehen habe und wielange es dauert bis die Salzblumen wachsen und abgeerntet werden.
      c) Vom dritten Bild aus kann man die Grösse eines Beckens ungefähr ermessen. Es sind ungefähr 15 – 20 Becken nebeneinander bis zum Meer. Momentan ist keine Erntezeit, da arbeiten nur Handvoll Leute. Interessant: die Salinenarbeiter werden das das ganze Jahr bezahlt, arbeiten jedoch nur relativ wenige Monate duchgehend. Überlegenswerte Alternative vielleicht…
      d) Mein Nachbar hat bis auf zwei Ausnahmen alle HDCD Remasters hier vorgelegt. Klasse!
      Schöne Grüsse vom dauerveregneten Schwarzen Berg

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  2. Eine Ausbildung zum Meerwasserentsalzmann gemacht? In Salzgitter oder -wedel?
    Ich habe ein Tübchen Meersalz von La Palma, der Insel, die dann mal explodieren könnte, uns wegmachen noch vor der Europawahl.
    Thema verfehlt, lieber Herr Weltenbummler. Was soll`s. Wir essen weiter Tomatenbrot mit Meersalzbröckchen.

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  3. Ein famoses Märchen über die uralte Gier nach mehrmehrmehr. Ich fröne lieber meiner Gier nach Meermeermeer und muß außerdem beipflichtend nicken. Wer einmal aus einer Pleite auferstanden, geht materiellen Dingen betrefflich ein wenig entspannter durch sein weiteres Leben. Zumindest hier in Wohlstandsland. Herzliche Grüße von da, Ihre Frau Knobloch.

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  4. Solche Salzgewinnung gabs hier auch früher zuhauf. Die meisten Becken sind mittlerweile zur Austernzucht umgerüstet worden… aber ein Salzgärtner (das zählt hier wie die Austernzucht zu „Landwirtschaft und Viehzucht“) ist immer noch da. Vierzehn Tage ohne Regen braucht er, damit die „Maschinerie“ in Gang kommt, und dann gibts ganz viel Salz.
    Der Atlantik ist ein wenig salziger als das Brackwasser, das die Römer „mare nostrum“ nannten. 😉

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    • Diese erschreckende Umwidmung der Natur – aus Salzgärten werden Austernzuchtbetriebe. An südamerikanischen Gestaden verschwinden die dringend benötigten Mangrovenwälder zugunsten von Shrimpfarmen…
      Die Adria ist, zumindest hier vor der Schwarzbergküste, auffallend salzarm

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      • Die Salzgärten sind auch keine Natur, sondern vom Menschen geschaffen für eine Bewirtschaftung, die angesichts der modernen Industrie nicht mehr rentabel ist, von den regnerischen Sommern der letzten zwei Jahre mal ganz geschwiegen. (Auf der Insel Ré und um Guérande, sowie am Mittelmeer in der Camargue, scheint es sich aber noch zu lohnen.) Natur wären hier weitläufige Sumpfgebiete…

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