Wenn die Amseln das Feld besuchen

Mein überaus freundlicher Nachbar überschüttet mich geradezu. Jetzt wo das Regenschütten ein vorläufiges Ende zu haben scheint. Eine weitere erstaunliche Remastercollection. Frank Zappa mit und ohne Mütter (2012)…

Die derzeitige Berichterstattung der deutschen Journaille über die Ukraine ist nur noch widerlich. Alle aber auch alle Schreiber scheinen um den Preis des abgeschmackesten Schmierfinks zu wetteifern. Vor den Karren der Westpropaganda gespannt stimmen sie die Herde auf Eskalation und den von Gringoland sicherlich nicht unerwünschten Krieg ein. Redaktionshirne im Denkzölibat so möchte man meinen. Dirk Müller, auch Mr. Dax genannt, den ich ebenso seiner klaren Aussagen wie seines staubtrockenen Humors wegen schätze, bezieht hinsichtlich dieses Themas Stellung. Dies geschieht seiner Profession gemäss unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten. Wen das nicht interessiert, der schaut das verlinkte Video (ab Minute 3:00 und ab 8:40). Dennoch empfehle ich die gesamten elf Minuten. Sie sind ein Gewinn. Und erst diese neun Minuten

Derweil lässt sich die deutsche Schreibermischpoke vor den raffgierigen Ammikarren spannen dass es seine Art hat. Die wenigen Ausnahmen werden zum Schweigen verurteilt oder einfach in der Berichterstattung abgewürgt wie letzthin zum Beispiel die ARD Korrespondentin Golineh Atai. Keine Einladungen mehr zu einer der Schwätzerschauen auf den unterschiedlichen Kanälen. Eine der wenigen wohltuenden Ausnahmen ist Gabriele Krone-Schmalz die ehemalige Berichterstatterin aus Moskau. Eine Frau mit ebenso klaren moralischen Vorstellungen wie politischem Sachverstand.

Und ich wollte heute hier eigentlich meine allerersten Eindrücke aus dem Kosovo mitteilen, den ich besuchte um dort Aufnahmen zu machen. Dabei geht es um Menschen, die durch die Wirren und Gräuel des Kosovokrieges vertrieben worden oder geflüchtet sind. Sie fanden und finden auf dem Schwarzen Berg ein vorübergehendes Asyl. Wie es Menschen geht und wie sie leben nach Jahren in einem fremden Land, das sollen die Fotografien zeigen.

Den Nerv dazu habe ich nicht nach dem was zur Zeit in Deutschland los ist mit den Medien. Der geneigte Leser findet hier eine gute Recherche, die Zusammenstellung gibt einen guten Überblick. Mir stellt sich die Frage, was geschehen musste um einen solch unglaublichen Redaktionssumpf zu erzeugen.

Ich nähere mich dem 500. Post. Dies ist einer der ganz wenigen ohne Fotografien. Schade.

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21 Gedanken zu „Wenn die Amseln das Feld besuchen

  1. Schade. Auch und besonders wegen den fehlenden Fotos. Mehr aber wegen dem, was derzeit in unserem Innersten los getreten wird.

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    • ZDF „Die Anstalt“ vom 29.04.14, relativ weit hinten in der Sendung – da gibt es einen anschaulichen Überblick über die Medien als 4. Gewalt, bzw. die verflechtung zwischen den Mogulen und den regierungsnahen Stiftungen. Der Clou: Ein Redakteur der ZEIT, dem nachgewisen wird, dass er Gauckredenschreiber ist, der anschließend in der ZEIT Gaucks Reden lobt. Das erinnert nicht nur an- , sondern das ist deckungsgleich mit der Presse-Farce der DDR.

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    • Was da losgetreten werden kann bleibt abzuwarten. Eine erste wichtige Medizin gegen Steinschlag ist die weitgehende Weigerung jedes Einzelnen sich der Propaganda auszusetzen. Informationen gibts in der Presse derzeit ja nicht, Lügen schon eher und das hier wie dort. Vor Ort könnte man eventuell Informationen sammeln. Aber die Bevölkerung kriegt die sowieso zuletzt. Merkwürdig eigentlich, sterben tut sie immer zuerst wenns hart auf hart kommt…

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      • Ich hoffe mehr Licht in das Dunkel zu bekommen. Ich muss gleich vorweg zugeben, dass ich aufgrund Sozialisation grundsätzlich eher pro-westlich eingestellt bin. Das im Freitag gebrachte Beispiel von Odessa ist ein valider Punkt. Die anderen Punkte erscheinen mir allerdings wieder Standardargumente von Menschen, die grundsätzlich in den USA die Bösen sehen. Nun zeigt die ganze NSA Affäre, der Irak Krieg, etc, dass da durchaus etwas dran ist. Allerdings werden im Freitag Beitrag auch Dinge weg gelassen, die man meiner Meinung nach erwähnen sollte. Als da wären die russischen Sondereinheiten, die angeblich keine Russen waren, zumindest so lange bis Putin sie belobigt hat. Da wäre die Georgiengeschichte vor einiger Zeit. Die Haarspalterei ob der OSZE (Militär)mission. Dazu die ganze Kalte Kriegs Rhetorik von Faschisten etc. Ich schweife ab. Ich kann mir sehr gut vorstellen, dass westliche Medien ein eingeschränktes Blickfeld haben. Allerdings erscheint mir ein russisches Blickfeld unter Putin noch viel eingeschränkter. Entsprechend wäre ich sehr dankbar für Quellen, die mindestens beide Sichtweisen aufnehmen.

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        • Ich verstehe, verstehe Sie nun besser. Auch ich habe eine Sozialisation, die mich, da im kalten Krieg aufgewachsen, gerne frühgepolt hätte. Da kam mir glücklicherweise meine Trotz&Rotzpubertätsphase zu Hilfe. Damals lernte ich, dass die Wahrheit irgendwo um die Mitte herum pendelt. Ausschläge nach rechts oder links sind grundsätzlich auf die jeweiligen Interessen zu prüfen. Glauben kann man was man will, Wissen muss man sich verschaffen, um eine Situation einigermassen beurteilen zu können.
          Ich nehme Ihr(e) Beispiel(e) zur Illustration. Auch ohne Ihre Sozialisationseinflüsse gekannt zu haben wäre mir sogleich das Wort „Haarspalterei“ ins Auge gestochen. Offensichtlich missfällt auch Ihnen, dass deutsche Militärspione erwischt worden sind beim Versuch, sich gegen internationale Vereinbarungen mit einem Deckmäntelchen in der Ukraine den gewünschten „Überblick“ zu verschaffen. Wer spaltet da welche Haare, frage ich?
          Hier darf nach Belieben bemäntel und geschönt werden und die andere Seite darf nach Belieben in Wort und Bild diskreditiert werden. Ich bin wahrlich kein Freund der einen oder anderen Seite. Ich bin ein Freund der Mitte, und der Menschen, die sich bei sich selbst und in ihrem regionalen und internationalen Denken und Handeln um eine Mitte bemühen. Eine Mitte bedeutet für mich die Anerkenntnis, dass nur dort ein mitmenschliches Auskommen möglich ist.
          Dass es keine interessenfreie Berichterstattung gibt dürfte jedem denkenden Menschen klar sein. Und im Fall der Ukrainekrise gehts auch nicht um Kommunismus oder Kapitalismus sondern schlicht um die schmutzigen imperialistischen Bestrebungen der USofA, die seit 1893 (Hawaii!) weltweit immer wieder nach dem gleichen Muster ablaufen. Und die, wie derzeit ersichtlich, auch nicht davor zurückschrecken, ihre gierige Expansionspolitik auf dem Rücken Europas und möglicherweise europäischer Menschen(leben) auszutragen. Dass europäische Regierungen ihre Völker dabei zu Markte tragen, zeugt von der mittlerweile masslosen Ignoranz der beteiligten Politiker gegenüber ihren Bevölkerungen.
          Sie fragten mich nach Quellen. Wie wärs mit einer us-amerikanischen, die sicherlich über jeden Zweifel erhaben sein dürfte: Stephen Kinzer – Putsch! – Zur Geschichte des amerikanischen Imperialismus. Frankfurt am Main, Eichborn Verlag, 2007. Kinzer dürfte nicht nur sein Land sondern auch die Welt kennen. Er war Korrespondent für die New York Times und in über fünfzig Ländern tätig. Dabei sah die traurigen Ergebnisse der Aussenpolitik seines Landes.
          Schöne Grüsse vom Schwarzen Berg

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  2. „…wir sind so blöd, daß uns die Schweine beißen.“ Herr Ärmel, darf ich bitte die Links zu Herrn Müller bei mir weiterverbreiten? Er findet Worte, um die man selbst verzweifelt ringt.

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  3. Pingback: Wenn Fremdworte einfach die besseren sind | bittemito

  4. Nicht doch, alle hiesigen Journalisten über einen Kamm scheren! Was die Dame mit der Sonderfrisur im TV zum Thema sprach, klang mir ausgewogen, habe da auch keine Universalstaatenkritik rausgehört. Das hätte ich von ihr nicht erwartet. Sie ist das Zünglein an der Waage.
    Vielleicht wären hier Fotos aus der Ameisenwelt angebracht gewesen?

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    • Weil ich weder Kamm noch Schere bei mir trug, fügte ich die Dame mit dem fast lustigen Namen ein, um zu zeigen, dass es selbstverständlich auch Ausnahmen gibt. Diese Ausnahmen jedoch, wie der Volksmund uns lehrte bestätigt allenfalls die Regel.

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  5. Ich gestehe freimütig, dass ich in all den letzten Monaten auch jene moralische Empörung in mir spürte, die man mit der „westlichen“ Informationspolitik wohl auch erzeugen wollte, zumal ich Putin mit seiner wohl auch homophoben Grundhaltung nicht sonderlich sympathisch fand … Ich hatte allerdings auch immer wieder ein etwas dubioses Gefühl, ohne, dass ich es hätte konkretisieren können. Seit ein paar Wochen aber werde ich alte Schlafmütze aber ein wenig wacher …

    Und man fragt sich, warum es u.a. ausgerechnet Satire-Sendung wie „Die Anstalt“ (ZDF) sein mussten, die unbequemen Wahrheiten thematisierten. Von daher ein herzliches Dankeschön für weitere Quellen, die einem schon ein wenig die Augen öffnen … Und ich gestehe: Ich tief enttäuscht, dass auch Blätter wie die „Süddeutsche Zeitung oder „Die Zeit“ nicht differenzierter über diesen Konflikt (der sich ja quasi vor unserer Haustür abspielt) berichtet haben. Aber wenn man dann mitbekommt, wie stark „verbandelt“ diverse Journalisten mit regierungsnahen Stiftungen sind, wundert das einen auch nicht mehr.

    Umso dankbar kann man dann sein, dass es eine Frau Gabriele Krone-Schmalz gibt oder diesen wirklich fulminanten Dirk Müller (den kannte ich bisher noch gar nicht), der sich ja – zu Recht – in Rage reden kann … wenn er mal Klartext redet und die Zusammenhänge offenlegt.

    Es hilft alles nichts: man muss immer wieder den 2. Blick wagen, um zumindest einen Hauch von einer Ahnung zu bekommen, was da so um uns herum geschieht … In diesem Sinne mein Dankeschön für den input !

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  6. Pingback: Alles mit Links | Herr Ärmel: Fotografie und Text

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