So oder so : Andere Bilder

Über Geschmack kann man bekanntlich streiten. Über diesen nicht. Der grosse Rory Gallagher mit seiner
ersten Band: Taste – Taste (1969), On The Boards (1970), Live Taste (1971), Live At The Isle Of Wight (1992)…

Die Arbeit ist erledigt, die fotografischen Arbeiten ausgearbeitet und gedruckt, die anschliessende Ausstellung
verläuft für den Auftraggeber erfolgreich. Das Projekt ist beendet.
Ich freue mich über die Reaktion auf meine Fotografien, besonders auch über die Anfrage einer internationalen
Organisation, mit den Bildern anschliessend eine eigene Ausstellung zu veranstalten. Freude und Stolz.
Bei den Vorgesprächen zu diesem Auftrag werden mir Fotografien von weitaus namhafteren Kollegen gezeigt.
Als Anregung. Bei mir erzeugen sie eher Aufregung. Die immer gleichen Stereotypen. Zu oft gesehen und
die Wirkung beim Betrachter ist abzusehen. Es geht um die Bewohner eines Flüchtlingslagers. Roma aus dem
Kosovo, die während des Krieges ihre Heimat verloren haben.
Auf dem ganzen Schwarzen Berg leben soviele Menschen wie in Frankfurt. Das Land ist so klein wie Schleswig-
Holstein. Und dennoch wurden zweihundertausend flüchtige Menschen aufgenommen. Ungefähr dreitausend
Menschen leben noch immer im Lager. Der Rest. Teilweise können sie nicht zurückkehren, teilweise werden sie
daran gehindert. Aber das ist eine andere Geschichte.
Die Bilder sind allgemein bekannt. Primitive Unterkünfte. Ärmlich gekleidete Menschen, schmutzstarrende Kinder,
Dreck und Müll überall. Und nun eine weitere fotografische Serie im gleichen Stil – wofür, für wen?

Wer Fotografien anschaut setzt die eigene innere Bilderwelt in Gang. In jedem Museum werden von Zeit zu Zeit
Werke ausgetauscht. Neue kommen hinzu. Manche werden an andere Museen verliehen. Wieder andere werden
in den  Archiven und Magazinen eingelagert.
Es dient der individuellen Entwicklung, es mit dem  eigenen inneren Bildersaal ebenso zu halten.

(Foto anklicken – der kleine Bildersaal ist geöffnet)

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19 Gedanken zu „So oder so : Andere Bilder

  1. Lebensfreude, Zuversicht, Schönheit…..trotz allem….das finde ich in Ihren Aufnahmen und es tut gut, auch diese Bilder einmal sehr genau zu betrachten…die zwei Seiten der Medaille.
    Gratulation zur weiteren Ausstellungseinladung!

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    • Das war mein Versuch, eben jene andere Seite zu zeigen. Es gab vorab Betrachter, die fragten, wo denn die „Roma-Fotos“ seien. Genau das war meine Intention.
      Schönen Dank für die Gratulation, ich freue mich sehr über die Einladung.

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  2. Beim Betrachten der Bilder dachte ich, wenn etwas die Menschen zu einen imstande ist, dann vielleicht echte Lebensfreude. Für eine bestimmte Klientel mag es nämlich Wasser auf die Mühlen sein, wenn immer nur das Elend gezeigt wird. Jene, die gerne glauben, dass jeder das bekommt, was er verdient…

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    • Du triffst den Nagel auf den Kopf. Das Problem ist allerdings, wie meist im Leben, mehrschichtig. Natürlich gibt es die von dir erwähnte Klientel. Und die (ge)brauchen entsprechende Fotos auch zur (Selbst)Bestätigung. Sodann Fotografen, die solche Fotos als „Kunstwerke“ anfertigen.
      Dann gibt es daneben auch das durchaus berechtigte Anliegen mit emotionalisierenden Fotos Spendengelder zu erhalten. Da braucht man in der Tat Fotos, die das jeweilige Elend auch zeigen und somit belegen.
      Und dann eben der dritte Weg: weder verklärt himmelhochjauchzend noch todesbetrüblich. Und dort scheint meines Erachtens immer mehr oder weniger Lebensfreude auf, die auf den Fotografien auch zu sehen ist. Die sind ungewöhnlich und es kostet gute Argumente, von Auftraggebern dafür einen Auftrag zu erhalten.
      Es ist der offene Blick oder ein Lächeln im Vorbeigehen. Über der Jugendherberge von Kabul (steht die noch?) stand vor Jahrzehnten auf einem Schild über dem Eingang: „A smile costs less electricity and gives more light.“
      Schwülheissvorgewittrige Grüsse vom Schwarzen Berg

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      • Die Mehrschichtigkeit des Problems ist mir just durch den Kopf gegangen als ich die Bilder sah. So etwas in der Zeitung und ich höre schon die Stimmen „denen geht´s doch gut“. Im Vergleich zu Flüchtlingslagern in Syrien oder im tiefsten Afrika mag da sogar stimmen, aber Spenden generiert man damit nicht und das soll wohl das vorrangige Ziel sein, oft auf Kosten der Würde dieser Menschen.

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        • In diesem Auftrag ging es keinesfalls um das Einbringen von Hilfsgeldern, sondern darum, die erfolgreiche Arbeit einer deutschen Organisation zu dokumentieren. Vielleicht wäre das deutlicher an anderen Fotografien zu sehen.
          Ich wollte aber nicht nur den Erfolg der Arbeit des Auftraggebers zeigen sondern darüberhinaus auch andere als die sattsam bekannten Fotografien der Begünstigten zeigen.
          Eine Schwierigkeit des Verständnisses scheint mir darin begründet, dass sich aussser den beteiligten Akteuren kaum jemand mit dem System der internationalen Zusammenarbeit (früher: Entwicklungshilfe) auskennt. Statt Wissen beherrschen weitgehend Meinungen den Diskurs.

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  3. Mein lieber Herr Ärmel, es ist schlichteinfach schön, daß Sie die Menschen als das interpretieren, was sie sind: Menschen. Und mit welch‘ natürlicher Ausstrahlung sie Ihnen gegenüberstehen, zeugt von gleichberechtigtem Auftreten Ihrerseits. Alles Gute auch für die eventuelle Neuausstellung, ich wünsche, die benannte Organisation übernimmt Ihre Sichtweise. Herzlichst, Ihre Frau Knobloch.

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    • Ihre Worte tun einfach nur gut – herzfeinsten Dank dafür! Die neue Ausstellung ist in trockenen Tüchern.
      Ob meine bescheidene Sichtweise übernommen werden wird, da stehen wir beide doch fest auf dem Boden der Wirklichkeit…
      Grauhimmlischeheisse Grüsse vom Schwarzen Berg sendet Ihnen: wie stets, Ihr Herr Ärmel

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  4. Deja vu – zu Ostzeiten gab es Zeitschriften, die Namen trugen wie: „Sowjetunion“, „SPUTNIK“, „Sowjetfrau“ … und darinnen Fotos wie die deinen mit Bildtiteln: Sibirische Impressionen, Aserbaidshans Leben, Kirgisien heute usw., DSF-Vorstände und Russischlehrer schienen dazu vergattert, das so glauben zu müssen, die Masse ahnte anderes und winkte ab. Erst in den Gorbyyears erfuhr man dann plötzlich: Die Bergleute bekommen nicht mal Seife nach der Schicht, geschweige denn regelmäßigen Lohn, Frauen werden immernoch geraubt um sie zu ehelichen, Kirgisen hassen Russen als „Langnasen“ (Von wegen Sowjetmenschengemeinschaft) usw. Und das alles eben im malerischen Abendrot und mit Mustangherden am Horizont…

    Die Crux ist: Ich kann mir automatisch vorstellen, wie mit deinen Fotos EU-Broschüren über Zuwanderung bestückt werden….. Politiklehrer sind dann in der Rolle der Russischlehrer von einst und haben trotzdem den SPIEGEL gelesen, indem das illegale Geschäft eines Bulgaren geschildert wird, der sein ganzes Heimatdorf inzwischen nach Hamburg Wilhelmsburg umgesiedelt hat….

    Deinen Erfolg gönne ich dir trotzdem.

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    • Butter bei die Fische: Meine Auftraggeber haben pauschal gesprochen grundsätzlich zwei Interessen. Einerseits die Geber von Sinn und Zweck ihrer Arbeit zu überzeugen und damit Geld für ihre Arbeit zu erhalten. Dazu braucht es drastische Fotos, um es ganz deutlich zu sagen. Andererseits müssen sie ja auch irgendwie die Qualität ihrer Arbeit belegen. Dazu dienen in einem Fall meine Fotos und eine entsprechende Präsentation mit Druckmaterialien.
      Da könnte man zweifelsohne noch mehr draus machen. Es ist jedoch erst der Anfang. Es hat viel Argumentationsarbeit gekostet, den Auftrag in dieser Form an Land zu ziehen, weil man eben die „anderen Fotos gewohnt ist“ und immer eine gewisse Erwartungshaltung mitschwingt.
      Es geht mir jedoch auch um die Veränderung von gewohnten Sichtweisen. In deinem Beispiel scheint bzw. schien es meinem Verständnis nach um eine Beschönigung von Tatsachen zu gehen. Zwischen den beiden Vorgehensweisen besteht allerdings ein Unterschied.

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  5. Ich will mir da gar nicht überlegen was da irgendwie ist und wer das irgendwie deutet. ich finde, die fotografierten Menschen sind so voller Stolz, Begeisterung und Emotion, das sehe ich in meinem Umfeld immer weniger. Irgendwie motivierend, weil es vielleicht doch nicht immer auf die Fassade ankommt. Wie nett, dass dies ein Parallelthema ist. Fassdaden sind ja auch schön. Auf alle Fälle eine schöne Serie und wenn daraus ein Folgeauftrag resultiert, ist das doch sensationell! 🙂

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    • Herzlichen Dank für den Kommentar. Ich war schon am Überlegen, ob es überhaupt Sinn macht, Fotos wie die präsentierten in einem Blog zu publizieren, ohne den ganzen Kontext zu erklären. Also einfach anschauen, wirken lassen und die vielbeschworene „Geschichte“ in einer Fotografie wahrzunehmen – so dachte ich mir das.
      Ich finde es auch sensationell, welches Echo die Fotos hervorgerufen haben. Es kommt natürlich von Leuten, die in diesem Geschäft tätig sind und derlei Fotos kennen und weniger von professionellen Fotografen. Insofern geht Inhalt vor Form.

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  6. Das ist wohl das besondere am Menschen, etwas, dass wir in unserer Wohlstandsgesellschaft gern vergessen, dass man keine materiellen Güter braucht, um fröhlich oder gar glücklich zu sein. Der Mensch aber richtet sich (fast) überall ein und findet Glück/Hoffnung/Freude auch dort, wo wir sie für unmöglich, ja deplatziert halten. Sehr schöne Bilder. Mir erzählen sie von der Würde der Menschen

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    • Schönen Dank für deinen Kommentar. Das habe ich gelernt: Verhältnisse, Umstände oder Situationen, die ich schlichtweg schlimm finde, finden andere Menschen, die in viel „einfacheren Verhältnissen“ leben, garnicht schlimm. Manchmal sogar im Gegenteil. Die kennen Leute, denen es noch viel schlimmer geht und das hilft ihnen zu einer gewissen Zufriedenheit und Bescheidenheit in ihrer eigenen Situation.
      „Glück/Hoffnung/Freude“ sind für oder mit Geld eh nicht zu kaufen, die entstehen im Herzen.

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