Paradiesisch von Zeit zu Zeit

In Archiven wühlen macht Spass, die Funde bereiten Freude: Lorenzo Il Magnifico – Trionfo Di Bacco, Carnival Songs, 1449-1492 (1998)…

Nach anfänglichem Feinsonnenschein wird das Himmelgrautuch wieder vorgezogen zum Ende des Frühstücks. Eine nationalweite Absprache ist nicht erkenntlich, doch scheint, das kollektive schwarzbergige Bewusstsein hat sich vom hiesigen Normalsommer bereits verabschiedet. Keine Woche ohne einen oder zwei heftige Regentage. Dem globalen Klimawandel entgeht kein Mensch mehr – weltweit.
Umso schöner ist die Erinnerung an ein prächtiges Wochenende. Hoch über Budva haben Freunde ein Haus. Wenn eine Ferienwohnung darin frei ist, kommt Eigenutzung vor Leerstand. Mit Freude nehme ich die Einladung an. Schnell das lichtbildnerische Geraffel, ausreichend Getränke und eine Badehose einpacken und los gehts.

Das Wetter ist traumhaft. An der Freiluftbadewanne bei Tinto de Verano dösen. Ruhige Abgeschiedenheit unterm Blauhimmel, die Stadt ist weit weg. Vogelgezwitscher hier&da. Der betörende Ginsterblütenduft liegt über dem Garten am Abhang. Entfernt das Klingeln von Ziegenglöckchen. Ein erfrischendes Bad mit Blick auf die Stadt unten am Meer. Dem Rascheln und Kruschteln nachgehen mit der Kamera. Die eigenartige Schönheit von Kakteen. Schildkröten wärmen sich im Halbschatten. Im gleisenden Mittagslicht durch den Ginster blinzeln dorthin, wo am Horizont die Schattenlinie verschwimmt zwischen Wasser und Himmel. Die Sinne öffnen und wahrnehmen. Einverstanden sein. Geschäftiges Gesirre der Käfer und Insekten rundum. Morna, der Hausleguan. Eine merkwürdige Spezie, die aussieht wie eine Schlange, beinlos. Ernährt sich von Schlangen und soll nur auf diesem Abschnitt der Adriaküste vorkommen. Fürchtet sie mich oder hat sie ihr Abendmahl gewittert.
Abends grillen. Die Kräuter aus dem Garten. Der würzige Rosmarin verschwendet sein Aroma. Ebenso schlichte wie schmackhafte mediterrane Küche und wohlgekühlten Rosé unter dem Kiwidach der Terasse. Der weite Blick hin über die Adria. Anregende Gespräche und erhabene Glücksgefühle. Über uns die Sterne in der blauschwarzen Wiese.
Bei dem diesigen Wetter draussen tröstet das Entwickeln der Fotos vom Wochenende. Demnächst einige davon hier.
Bis dahin wünsche ich allen Besuchern, Lesern und Guggern eine wundervolle Woche.

                                                                            (Foto anklicken und gross gugge)

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35 Gedanken zu „Paradiesisch von Zeit zu Zeit

  1. Punktlandung, Verehrtester. Zack, rein in’s mittlerweile heftigrabatzende Fernwehzentrum, da in Herzensnähe. Und dann noch mit Silbensommerstreifen begutwortet, so daß man es fühlen kann. Ich fröne hingebungsvoll der Schnappatmigkeit, dank Ihnen und sende Feinstgrüße, Ihre blickzerzauselte Frau Knobloch.

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      • Liebe Frau Coupar, schön, Sie hier zu treffen. Nur so unter uns beiden: Des Herrn Ärmels Blog ist ein gar bonfortionöses zum Pupillenbeschmeicheln. Aber nicht nur das, der hört auch ganz tolle Musikke und was er so schreibt, hach, es wird Ihnen hier sicher gefallen. Herzlichst, Ihre Frau Knobloch.

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        • Loben Sie mich bitte nicht über den Rosmarin – Drucksteigerung gefährdet die Qualität, hochwertgeschätzte Frau Knobloch.
          Nu aber ab in die Kochwerkstatt zur Herstellung eines frugalen Abendmahls.
          Ich veranschiede mich nicht ohne meine allerherzlichsten Abendgrüsse gen Lippischnordwest zu senden. Zugeneigt wie stets, Ihr Herr Ärmel

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          • Aberaber, hochwertgeschätzter Herr Ärmel, ich wähnte mich doch mit Madame Coupar so ganz unter Vierpupilligkeit. Und wir Damen neigen nunmal zur Beschönwortung in Überrosmarinität, wenn wir uns unbeobachtet fühlen. Ich drücke Sie jetzt mal ganz sachte, ohne Steigerung und wünsche beste Abendgestaltung. Ohne Drückdruckstellen, immer die Ihre.

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            • Eieiei, wie konnte mir diese Trotzwissenunterlassungssünde nur unterlaufen. Mit einem Fuss in die Salatsosse gelatscht sozusagen…
              Der Trostdrückdruck macht hingegen alles wieder gut.
              Ich wünsche Ihnen einen gediegenen Abend unter dem Lippischsternenhimmel. Wie stets, Ihr Herr Ärmel

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              • Tröstedrückedruckeohnedruckstellen sind bonfortionöse Wiedergutmacher. Ich werde angelegentlich wieder darauf zurückgreifen, mein lieber Herr Ärmel. Den Bedarf lese ich einfach herzwärts aus Ihren Worten heraus.
                Schönsttagwünschend, Ihre Frau Knobloch, zugetan wie stets und immer.

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    • Prima – Krabbel-, Flatter- und Kriechtiere sind bereits in der Dunkelkosmetikkammer. Die Kakteen stachelzieren sich noch ein wenig…
      Ein Bündel Feinstgrüsse zurück vom Schwarzen Berg gen Lippischnordwest wie stets, von Ihrem Herrn Ärmel

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        • ..ja, warum eigentlich nicht . . ?? – – Wo ist denn jetzt wieder das vermaledeite Neugierhibbeligkeitsschräubdreherchen… ///
          Viereinhalbsonnige Grüsse vom Schwarzen Berg sendet wie gehabt, Ihr Herr Ärmel

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            • Aaach – da isser ja in der Tat. Grosse Schildkröten erfahrenmisstrauischen Blicks, kleinniedliche im Schatten des weissblühenden Oleanders. stachelspitzigabweisende Kakteen, gelbblühend und jeden an anderer Stelle aus dem Grünstachelblatt, halbmeterlanglistige Blindschleichen. Ginstergoldduft – – äähh, wassn noch? – – aahh die Schmetterlinge das Zielsichersaugrohr in Lavendelblüten versenkt. grimmigguggende Grashüpper und wiehernde Heupferde (ähh Tschulligung, der tinto de verano.. ürps…

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  2. Beneidenswerte Wie-im-Paradies-Lebensstunden!
    Was sagen die Ureinwohner ob der Regentage? Ungewöhnlichwetter, das zu Unruhe Anlass gibt?
    Und ganz tote, moosige Leute liegen nicht mehr im Hang?
    Wilde Kleingehöfthunde?
    Ende der Fragestunde- und ja, es muss doch Sommer werden, auch hier.

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    • Die Kleingehöfte sind mit dem Vongesternschnee verschwunden. Der Regen hat natürlich auch sein Gutes Der vermindert die Waldbrandgefahr in den unzugänglichen Hügeln und Bergen. Und die indigene Bevölkerung macht was sie immer macht: die Schultern hochziehen.
      Wilde Hunde? Hier dort mal ein Bell vielleicht mehr nicht.
      Ein Bündel Sonnenstrahlen gen Nordwest auf die falsche Seite des grossen Stroms, Ihr Herr Ärmel

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  3. Das ist wahrlich paradiesisch. Doch es braucht auch einen, der mit wachen Sinnen durch die Welt geht, um das Paradies als solches zu erkennen, und ich glaube, darin bist du hochtalentiert.

    Herzliche Grüße aus gerade umwölkteren Gefilden.

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