Spiralgedanken in Gefühlsschluchten

Den Umständen angemessen ruhigere Klänge: Oscar Peterson Trio – The Complete Cole Porter Songbooks (2010)…

Für die Liebe ist die Entfernung wie der Wind für das Feuer – ein starkes Feuer wird angefacht, ein schwaches ausgeblasen. So sagt man. Was für zwei Menschen gelten mag wieso mag es nicht anwendbar sein auf Menschgruppen?
Aus der Entfernung nimmt man kleinere Kratzer und grössere Dellen kaum wahr. Die Zuneigung aus der Ferne bewahren und hegen statt dem Drang nach mehr Nähe nachzugeben scheint ein praktikabler Ratgeber zu sein. Ich jedoch bin von Natur aus wissbegierig. Suche die Nähe, bin interessiert an Einzelheiten, den facettenreichen Feinheiten. Und bemerke die ungereimten Schlieren, die kleinen Verlogenheiten und die feigen Ausreden.
So weit ist es gekommen, dass ich mich nun im 21. Jahrhundert befinde in einer Kultur, die mancherlei Ähnlichkeiten aufweist in ihrem kulturellen Habitus, der erinnert an eine feudale Stammesgesellschaft des späten 17. Jahrhunderts. Das macht menschliche Begegnungen und Gespräche nicht einfacher.
Die Sympathien bewahren in ihrer Reinheit wird zu einer Herausforderung. Weder soll mich ein Hirnfeuersturm fortreissen  noch die Pforten des Herzenseisfaches sich auftun.
Viel einfacher ist es für den Zweiwochentouristen. Der verwahrt sein schnellgepflücktes Bündelchen an oberflächlichen Vorurteilen im Koffer für die Heimreise und lebt sorgenfrei damit. Bis zum nächsten Mal an einem anderen Ort. Und ich sammle fleissig weiter inzwischen und frage mich, was davon berichtenswert sein möchte, ohne falsche Vorstellungen bei Besuchern, Lessern und Guggern hervorzurufen. (Foto anklicken und Eindrücke mitsammeln)

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30 Gedanken zu „Spiralgedanken in Gefühlsschluchten

  1. Mein lieber Herr Ärmel, das ist wohl einer der schwierigsten Balanceakte überhaupt: Ein neutraler Erzähler zu seyn, wenn das eigene Herzblut wispert und pispert. Ich finde, Sie machen das sehr gut. Man kann die Achtung vor Mensch und Natur und den Dingen bei Ihnen immer herauslesen. Berichten Sie ruhig weiter, wir Leser fragen schon nach, wenn wir Gedankenknäuel verspüren. So, jetzt tue ich Blümchen gucken, herzlichst liebe Grüße, Ihre Frau Knobloch, wie stets zugetan.

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      • Leichtdahergeflachstes gibt es zuhauf, ja auch ich befleißige mich diesbezüglich zu gernst, doch ist nicht alles Ringelpietz und Lockerleichtgedönst. Es ist wichtig, Einblicke gezeigt zu bekommen, Sie wissen schon, meine geliebte Horizonterweiterung…
        Danke für die stets achtungsvollen Türchenöffnerblicke hier bei Ihnen, mit Feingrüßen, Ihre Frau Knobloch, gleichsam achtungsvoll.

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  2. Lieber Herr Ärmel,Herzlich Willkommen in meinem Garten.Sie sind ein sehr gern gesehener Gast.Es ist mir eine Ehre, für die ich mich hiermit herzlich bedanken möchte.Habe die Ehre,Arabella.

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  3. Deine Spiralgedanken flitzen manchmal derart durch und über die Schluchten, dass man kaum folgen kann. Aber die Blömmelscher sind schick *g*.
    (Manche Zweiwochentouristen schaffen es auch Vorurteile loszuwerden die sie im Koffer mitbrachten und haben dann keine Zeit sich in den 2 Wochen neue anzuschaffen)

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    • „Manche Zweiwochentouristen schaffen es auch Vorurteile loszuwerden..“ was ich gerne aus eigenen Erfahrungen bestätigen kann. Um was es mir allerdings ging, war der Unterschied zu den ExPats. Da bemühen sich manche redlich ihre anfangs positiven Einstellungen zu behalten, und dann werden sie durch die alltäglichen Realitäten einfach unterspült. Alltägliche Realitäten sind z.B. der Umgang mit den Stadtwerken, grundlegende Verhaltensweisen der Bevölkerung und derlei. Alles Dinge, die Reisende normalerweise garnicht mitbekommen.
      Die Blömmelscher sind letztes Wochenende im Norden im Vorübergehen entstanden *g*

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      • Danke für die Gedankenerklärung. Ja, das kann ich mir lebhaft vorstellen, dass das nicht so einfach ist im Alltag über die Eigenarten und Schwächen der Mitmenschen hinwegzusehen, die der Zweiwochentourist gar nicht mitbekommt (weil es im Urlaub eh immer schön ist) aber wenn ich mit so alltäglichen Realitäten nicht klarkomme muss ich halt zu Hause bleiben. Da gibt es dann allerdings auch Dinge über die man sich aufregen kann. Alltägliche Realitäten sind überall.

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      • Oh ja, das verstehe ich gut. Da bin ich einmal neugierig und wohlwollend auf, um in einem fremden Land zu leben. Auch mit dem Wunsch, irgendwie Brücke sein zu können. Und hatte, im Gegenteil, am Ende innerlich das Scharnier herabgelassen. Ein Fall, in dem sich die Vorurteile erst durch die Erfahrung bildeten.

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        • Ich sehe mich auf dem Schwarzen Berg häufig mit den mir mitteleuropäisch medial eingepflanzten Vorurteilen konfrontiert. Manche bestätigen sich leider…
          Morgenwunderschönklare Grüsse vom Schwarzen Berg

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