Sarajevo (Сарајево)

Aufgrund eines schlichtweg unwiderstehlichen Hinweises: Gasandji – Gasandji (2013)…

Sarajevo (serb. Сарајево, türk. Saraybosna) ist die Hauptstadt von Bosnien-Herzegowina. Sarajevo ist gekettet, verbunden wäre eine lässliche Untertreibung, an historisch tragische Daten. Das Attentat von Gavrilo Princip auf den österreichischen Thronfolger am 28. Juni 1914. Und die martialisch unmenschliche Besetzung Sarajevos in der Nacht vom 4. auf den 5. April 1992 bis zum 29. Februar 1996. Aber Sarajevo ist vielmehr. In Sarajevo wurden die XIV. Olympischen Winterspiele vom 8. – 19. Februar 1984 ausgetragen. (Eine Silbermedaille ging dabei an die Mannschaft Jugoslawiens). Vor nicht allzu langer Zeit war Sarajevo noch das Zentrum der jugoslawischen Rockmusik. Deutsche Partnerstädte Sarajevos sind Friedrichshafen (seit 1972), Magdeburg (seit 1977) und Wolfsburg (seit 1985). Überhaupt beeindruckt den Besucher die kulturelle Vielfältigkeit dieser Stadt. Mich bezaubert die Stadt seit meinem ersten Besuch im vergangenen Jahr und zieht mich auch in diesem Jahr sofort wieder in ihren Bann. (Die beiden „roten Hinweise“ führen zu meinen Eindrücken im letzten Jahr. Sie sind nicht aktualisiert! – was sie jedoch nicht uninteressanter macht)
Nachdem Frau Waas seit ihrem Besuch des letztjährigen Festivals jedesmal von Neuem ins Schwärmen gerät, bin auch ich in diesem Jahr hier um das 20. Internationale Filmfestival zu besuchen. Das Festival findet jedes Jahr im August statt. Wir sind leider bloss für ein verlängertes Wochenende in Sarajevo, aber immerhin. Und doch ist auch dieser Besuch wieder ebenso eindrücklich wie faszinierend.
Zu berichten wird also sein von dem Filmfestival mit Hinweisen auf Filme, die mir gut gefallen haben; der Belagerung und den Rosen von Sarajevo, dem ergreifenden Besuch einer Buchhandlung, einer Offen-Luft-Ausstellung am Ufer der Miljacka (spr: Miljazka), Menschen mit unwahrscheinlicher Zivilcourage, sowie allgemeinen Eindrücken aus der Stadt. Keine langen Besinnungsaufsätze also für Besucher und Leser. Es sind meine spontanen Gedanken und Gefühle. Wer sich für den Komplex Sarajevo interessiert muss die Stadt besuchen und ordentlich recherchieren. Nicht so einfach, denn das Netz bietet viel ideologischen Flachkram. Das Thema Sarajevo oder gar der Bosnienkrieg ist dermassen verwickelt und kompliziert, dass ich auch nach über zwei Jahren meiner Beschäftigung nur relativ unsicher im Thema unterwegs bin.
Die Nur-Gugger werden hoffentlich ihren Gewinn ziehen aus den präsentierten Fotografien. Los gehts also mit ersten Eindrücken. Dobro došli und herzlich willkommen!

(Foto ankligge – gross gugge, F11 reisst dem Feuerfux zusätzlich die Augen auf)

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36 Gedanken zu „Sarajevo (Сарајево)

  1. Ich war ja noch nie in Sarajevo, aber die Betrachtung Ihrer Bilder erinnert mich wieder an den Gedanken, dass es doch sowas wie eine mitteleuropäische Kultur gibt. Die Gründerzeithäuser auf den Fotos könnten genauso in Wien stehen. Ich war oft in Budapest und kürzlich in Bratislava und ich staune immer wieder wie vertraut ich mich dort fühle obwohl ich die Landessprachen nicht einmal rudimentär beherrsche. Ich könnte gar nicht sagen, was es ist, die Architektur, das Essen, das Verhalten der Menschen, keine Ahnung. Tatsache ist, dass ich mich zB in Budapest oder Bratislava weitaus vertrauter fühle, als in jeder x.beliebigen deutschen Stadt, die ich kenne. Obwohl ich dort ja schon die Ladessprache verstehe – zumindest so einigermaßen 🙂

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    • Klar, mein Tipp ist subjektiv: hinfahren nach Sarajevo bei nächster Gegelegenheit. Die Stadt ist ebenso mitteleuropäische gesprägt wie Budapest oder Wien.
      Zu der Befindlichkeit des „sich spontan heimatlich Fühlens“ in diesen Städten gäbe es viel zu sagen. Wichtig scheinen mir da die Auswirkungen des Zweiten Weltkriegs auf westdeutsche Städte zu sein, die Stadtbilder nachhaltig verändert haben sowie die städtebaulichen Prinzipien des Wiederaufbaus in den 1950er Jahren…

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        • „Zu der Befindlichkeit des “sich spontan heimatlich Fühlens” in diesen Städten gäbe es viel zu sagen. Wichtig scheinen mir da die Auswirkungen des Zweiten Weltkriegs auf westdeutsche Städte zu sein“… genau, lediglich diesen einen Aspekt hatte ich herausgestellt.
          Viele andere (nicht minder wichtige) gibt es daneben, auch individuelle sind möglich…

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  2. Atmosphärisch dichte Bilder hier… alle drei Artikel habe ich gerne gelesen. Damit allerdings auch an einer alten Sehnsucht, einer Art von Heimweh, gerührt. Mir geht es wie Myriade: weitaus vertrauter als jede x-beliebige, wohlgemerkt deutsche, nicht deutschsprachige Stadt…

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  3. Du kennst natürlich die alten Berichte vom letzten Jahr.
    Diesmal wirds etwas deutlicher zur Sache gehen. Auch mit der Absicht, die in unserem Bewusstsein merkwürdig verankerten südosteuropäischen Städte interessant zu machen.
    Nach Sarajevo fliegen für kleines Geld ständig Flugzeuge von deutschen Flughäfen…

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  4. wunderschöne Bilder, Herr Ärmel, einer Stadt, die mir tatsächlich seit jenen Winterspielen ein Begriff ist (Geschichte des 1. Weltkriegs hat mich nicht so interessiert). Und was den Konflikt, also Krieg in den 90ern angeht, habe ich auch schon mehrfach versucht, zu begreifen. Allein, es ist zu verwickelt. Undja, wo findet man verlässlich objektive Informationen?
    Jetzt folge ich den roten Links.

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  5. In Großstädten fühle ich mich immer etwas verloren, egal wo sie sich befinden.
    Die schönen Gründerzeithäuser finden sich auch in ostdeutschen Städten und auch hier hat das, was nach dem 2.Weltkrieg kam, viel Schaden angerichtet.
    Sarajewo scheint menschlich zu sein, mir vermittelt das ein Großteil Ihrer gelungenen Fotos, verehrter Herr Ärmel.Dankeschön.
    Gestatten Sie bitte eine Frage.Dem Attentat vom 28.6.1914 fiel auch die in morganatischer Ehe angetraute Frau des österreichischen Thronfolgers zum Opfer, oder?
    Herzliche Grüße aus dem herbstelnden Sachsen, Ihre Arabella

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  6. Nurguggersein, es gelingt mir nicht. Zuviele Fragen ploppen auf beim Pupillenwandernlassen. Fragen, die selbst Originalundverplustanguggung nicht beantworten. Ich muß mal unverblümt sein, lieber Herr Ärmel:
    Die gezeichnete Schönheit, bei dem Spiegelungsbild, worauf ist die abgebildet?
    Die Unmengen Tauben, was tun die mit dem Stadtbild? Oder besser, was tun die Menschen dem Stadtbild an, um die Tauben zu vertreiben?
    Die Frau auf dem Karton bietet Stickereien feil?
    An dem Parkdeck, die Hausrückseite, ist das alles aufgezeichnet oder ein echter Einblick?
    Ich verkneife mir die Frage nach der Offen-Luft-Ausstellung, ich nehme an, darüber berichten Sie gernst näher.
    Die Subjektivität haben Sie geschickt in Ihre Bildauswahl einfließen lassen. Man möchte sich am liebsten sofort auf die Socken machen. Nur den roten Teppich, den mag ich nicht. Aber der liegt ja nicht immer da rum. Herzliche Grüße, mit Dank für’s Blicketeilen, Ihre Frau Knobloch.

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    • ich liebe Fragen, die wissbegierigen und manchmal naseweisen von Kindern ebenso wie die neugierigen mancher Frauen und natürlich die ausgebufften, die alle klüger machen am Ende… und Ihre Fragen natürlich auch, verehrte Frau Knobloch.
      Hier die Antworten:
      1. das Schaufenster eines Trödelladens, die „Schönheit“ ist eine Art Poster…
      2. Die widerwärtigen Tauben, die von der hirnlosen Frau gefüttert werden, sind immer nachmittags auf dem zentralen Platz der Altstadt.
      3. Niemand scheint die pestübertragenden, kunsthistorisch wertvolle Bausubstanz kaputtscheissendenTauben zu vergiften – leider!
      4. Die Frau bietet handgefertigtes an, eher Häkeleien statt Stickereien.
      5. Das violettfarbene Haus am Parkdeck hat in der Tat diesen Ausschnitt mit der alten Tür. Scheint mir eine Art Balkon zu sein, jedenfalls ist das kein Trompe-l’œil.
      6. Zu der Ausstellung werde ich mindestens Fotografien zeigen, aufgrund momentaner Befindlichkeit ist jedoch auch ein Text wahrscheinlich.
      7. (Zum Glück werde ich in drei Wochen eventuell wieder in Sarajevo sein) – Huch, danach hatten Sie garnicht gefragt….

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      • Danke für Ihre Beantworterey. Bei dem Spiegelungsbild suchten meine Pupillen tatsächlich nach Umrissen eines Blattes oder gar Rahmens. Doch sie verschmilzt mit dem Photographen. Es reizt den Blick. Die Tauben. Ach. Ich möchte jedem sein Restbrotgedönse wegnehmen, wenn ich diese Befütterung sehe. Der Mensch ist manchmal unglaublich schlicht in seiner Denkweise. Und manches Bauwerk durch die Spitznageltaubenabwehr ziemlich entstellt. Meine Gedanken wandern hin zum hiesigen künstlich angelegtem und dennoch wunderschönen Kurparksee. Der regelmäßig durch die Brotreinschmeißerey „umkippt“… Aber das gehört hier nicht hin.
        Jetzt gugge ich nochmal mit den Zusatzinformationen und verbleibe zugetan wie immer, Ihre Frau Knobloch, Ihr Huch als ein Hach lesend.

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      • Lass das mal keinen militanten Tierrechtler hören *fg* ich habe mich neulich schon in die Nesseln gesetzt als ich die Viecher als Flugratten bezeichnet habe. Danke für die Fragen @Frau Knobloch und die Antworten @ Herr Ärmel, so ungefähr die Fragen hatte ich auch.

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  7. Pingback: Blindflug | Inch's Blog

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