Religionsgedankenstrand

Wenn ältere Männer sentimental werden, holen sie meist irgendeinen treubehaltenen Gegenstand aus der Vitrine, betrachten ihn gerührt und lassen die Finger liebevoll über Oberflächen gleiten. Ich habe keine Vitrine und komme auch ohne Sentimentalitäten in meine Vergangenheiten. Zum Beispiel mit alten Samplern (mehr dazu am Ende des Beitrages)…

Weil London zur Zeit ein oft zu besprechendes Thema in der Dunkelkammer ist, kommt der Morgenspaziergang mit Herrn Zeilentiger gerade Recht. Da ich ihn beim Frühstück in der Marchmont Street verfehle, nehme ich den frisch überbrühten Lady Grey gleich neben meinem Notenbook. Eine duftende Begleitung zu den Frühnachrichten.
In England verstarb neunzigjährig Richard Attenborough (CBE). Mir unvergessen im „Flug des Phönix„. Ein Herzinfarkt beendete nach erst zweiundsechzig Jahren in Berlin das umtriebige Leben des merkwürdigen Herrn Klaus E.H. Zapf.
Seit heute Morgen beunruhigen mich die weltweit gewalttätigen Auftritte menschenverachtender Mohammedaner nicht mehr. Eigentlich wusste ich das irgendwo im Hinterstübchen schon länger. Das Bekehrungsgelaber und Missionsgeseier in deutschen Fussgängerzonen und auf Marktplätzen haben mich wach gemacht.
Bekannt aus dem Schulunterricht ist die Zeit zwischen 1095 und 1291 als die Zeit der fünf sogenannten Kreuzzüge. Imperialistische Machtausdehung und die Eroberung von Wirtschafträumen. Unter dem Deckmantel der Religion. Dieser Verlogenheit wegen hat der Teufel den Priestern, Predigern und Mullahs den langen Mantel als Berufskleid bis heute nicht abgenommen. Das hat man uns im Religionsunterricht nicht gesagt.
Bekannt ist aber, dass Mohammed um 600 herum gelebt hat. Der Koran wurde erst zwanzig Jahre nach seinem Tod verschriftlicht. Knapp hundert Jahre nach Mohammeds Tod standen seine Nachfolger bei Tour und Poitiers, also mitten im schönsten Frankreich.
Wir haben diesen Invasoren viel zu verdanken. Ohne Kuppelgewölbe und Fensterbögen gäbe es bis heute keine romanischen Kirchen zu bestaunen. Und die kleinbürgerlichen Bildungsideale mit Platon, Aristotels und Thales Dingenskirchen wurden aus dem arabischen ins lateinische zurück übersetzt und so uns Nachkommenden überliefert und überhaupt erhalten. (Auch Christen hatten Feuer und Schwert gegen die helle antike Gedankenwelt).
Ibn Sina (lat. Avicenna) schrieb um 1020 das Qānūn at-Tibb, das Buch der Medizin. Um 1450 ins lateinische übersetzt, blieb dieses Buch bis weit ins 17. Jahrhundert das Standardwerk für das Medizinstudium an europäischen Universitäten. Und die Dichter. Mein Leben wäre unpoetischer ohne die Gedichte von Omar Chajjam oder Abul Ala Al-Ma´arri. Gedichte von grosser Bildmacht sprachlicher Schönheit.
Vor mehr als tausend Jahren begann eine Expansion, für deren konstruktive Beiträge sich europäische Menschen bis heute dankbar sein können.
Heute hingegen scheinen fanatische Wirrköpfe im Namen Mohammeds auch endlich ihre Kreuzzüge nachholen zu wollen. Inhaltlich ebenso verquer zusammengedengelt und hinterhältig verlogen wie die christlichen Kreuzzüge. Mit moderneren Mitteln allerdings durchgeführt. Unterhosenbomben und Büstenhalterdynamit gabs vor tausend Jahren noch nicht.
Und wie bei den christlichen Kreuzzügen werden sowohl Andersgläubige als auch vernunftliebende Nichtgläubige verfolgt, gefoltert, geschändet und ermordet. Und der unbedeutende Horst Niemand wird zum mächtigen Befehlsausführer, der jetzt endlich auch einmal etwas befehlen darf. (Den obigen Namen darf man beliebig gegen andere austauschen).
Wir denkenden und fühlenden Menschen können uns über die unmenschlichen Gräueltaten entsetzen, ändern werden wir das irrsinnige Unwesen nicht. Kreuzzüge halt, die Mordbuben haben Freigang. Es wird vorübergehen und zu einer Fussnote der Geschichte werden in einigen hundert Jahren. Schade um die Menschenleben und Kulturgüter, die durch solches Gesindel zu Schaden kommen.

Freunde gebt keinen Pfennig
für alte Dogmen!

Die Leute begehen ungeheure Verbrechen,
denn sie haben gelernt,
dass nur kleine Vergehen
in der Hölle gesühnt werden.

Abul Ala Al-Ma´arri (*973 – †1057)

…Ich lag am Strand und schaute in den Himmel. Die Baumkronen auf dem Hang über mir scharf im Blick. Mir entging dabei der Wolkenzug. Meine Gedanken verwirrten sich einem Erinenrungsgestrüpp. Eigentlich wollte ich dir meine Erinnerungen mitteilen. Dir einige Fotos von den Kirchen im Landkreis zeigen. Jetzt wurde ein ganz anderer Bericht daraus. Einen anderen Sampler will ich mir jetzt anhören.

   (Foto anklicken und mitdenken)

Sampler. Für ein knappes Jahrzehnt von etwa Ende der 1960er Jahre an brachten die bekannten Schallplattenfirmen mehr oder weniger regelmässig Sampler auf den Markt. Ein Stück von jedem Musiker oder einer Band, die bei dem jeweiligen Label unter Vertrag waren. Ein guter Einstieg und vor allem enorm preisgünstig. In meiner aktiven WG-Zeit war das Geschäft für die Industrie wohl schon unrentabel geworden. Dennoch hatte jeder durch Kauf oder von älteren Geschwistern einige Sampler im schmalen Schallplattenregälchen. Und durch regen Austausch kam für den durchschnittlichen Keinstadtbuben, die Brust so mager wie das Taschengeld, eine schöne Bandbreite musikalischen Repertoires zusammen. Ich habe etliche der damaligen Pretiosen digitalisiert und von Zeit zu Zeit spiele ich sie ab. Ich brauche dazu keine Sentimentalität. Meine heutige Playliste: That´s Underground (CBS 1968), The World of Hits Vol.2 (Decca 1969), Underground ´70 (CBS 1970), Pot-End (Polydor 1970), Nice enough to eat (Island 1970), Off II Hallucinations (Metronome 1969). Sollten Besucher, Leser oder Gugger Sampler der Labels Vertigo, Harvest oder Charisma in digitalisierter Form haben, bitte ich um schnellste Nachricht…

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41 Gedanken zu „Religionsgedankenstrand

  1. Sampler hätte ich wohl diverse, aber auf das Label habe ich bislang bei CDs überhaupt nicht wirklich geachtet. Die Sampler bewegen sich eher im Bereich Soundtrack, New Wave, Reggae und Charts. Ist sicher nicht Deine Kragenweite. 🙂

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  2. manches stirbt nicht aus, wieso sollten es dann die Kreuzzüge, wie fürchterlich und antiquiert sie auch sind, es geht und ging um Macht und Geld, da beosst die Maus keinen Faden ab-
    grossartig zusammengefasst, Herr Ärmel!

    herzliche Grüsse
    Ulli

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    • Vielen Dank für das feine Anspornkompliment und Herzlich Willkommen in der Ärmel´schen Dunkelkammer, wo das Licht nicht unter Scheffel gestellt und die Dinge von allen Seiten gut beleuchtet werden sollen.
      Sommernachittäglichsonnigschöne Grüsse vom Schwarzen Berg

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  3. Ein beachtliches Wissen sprüht wieder aus dem Ärmel des Schreibzauberers vom Schwarzen Berg und das tollste zumindest für mich daran ist, es ist wie mir selbst von der Seele geschrieben, vor allem was den irrsinn im Namen der Religion und ihrer Götter angeht, tolle Schreibkunst!
    Herzliche Dunsthimmelgrüße mitten aus der Kesselstadt vom Lu

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  4. Pssst, ich störe nicht lange im Auseinanderklamüsern des Erinnerungsgestrüppes. Nur einmal kurz auf die Kiesel legen und in die Bläue und Wolkenfetzigkeit des Himmels schauen. Seufzend denken, wie schlichtschön das Leben sein kann und warum das manche Hornochsen und Schlangenweiber nicht erkennen. Ich danke leise und entschwinde wieder, Ihre Frau Knobloch.

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    • Sie stören theoretisch nie, sag´ ich jetzt mal.
      Betreffs der Hornochsen und Schlangenweiber mögen Ihre weisen Wortedie Ohren guter Geister erreichen – am besten jetzt& sogleich…
      Hier rumpeln die ollen Free mächtig… Ihr Herr Ärmel (vom Schwarzen Berg)

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  5. Der Thales Dingenskirchen gefällt mir. Immerhin war ja nicht gar aller Aristoteles in den Christenlanden vernichtet worden und neben der – ganz unbestreitbar ungeheuer wichtigen – Übersetzungsarbeit der Schule von Toledo aus dem Arabischen setzte im 13. Jahrhundert parallel auch eine Direktübersetzung aus dem Griechischen ein (etwa Wilhelm von Moerbeke). Und siehe da: Die Herren in Paris und Oxford runzelten die Stirn, weil sie merkten, irgendwie kommt ihr „arabischer“ und ihr „griechischer“ Aristoteles bsiweilen zu unterschiedlichen Schlüssen. Aber was erzähle ich da, wissen Sie alles. Ob die Expansion in den ersten Jahrhunderten der Hidschra immer so viel anders war als die späteren Kreuzzüge? Man fährt wohin, schlägt ungefragt Leute tot und sammelt ein paar nette Ideen auf, die man vorfindet. Und kann Gier, Machtpolitik, Abenteuerlust und Imperalismus wunderbar mit Religion und Heilsversprechen verquirlen.
    Lieber Herr Ärmel, ich weiß nicht, ob ich schon so viel Trost darin finden kann, dass auch der heutige militante Islamismus nur eine Zeiterscheinung ist, die irgendwann verweht sein wird wie andere schlimme Zeiten. Der Kopf fasst den Gedanken irgendwie, das Herz nicht: Es müssen ja trotzdem erst Generationen hindurch. Sampler übrigens, um auch das nicht zu vergessen, habe ich auf Vinyl leider keine zu bieten. Da ließ ich meine Märker vom Zivildienstsold lieber für Studienalben auf den Flohmärkten liegen. Für Konzeptalben am allerliebsten. Haben Sie Dank für Ihr lebendiges Gestrüpp – da kann man auch beim dritten Besuch noch fündig werden. Haben Sie einen schönen Abend! Und ich wechsel mal die Scheibe, die langweilig schwarze, Billy Taylor runter vom Teller, etwas anderes drauf, bevor ich weiterlese.

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    • Expansionen sind für die Menschen, die die Zechen zahlen immer schlimm.
      Ich zielte, um auch weiterhin den Fachjargon zu bemühen, mehr auf Transfer und Transformation ab. Jede Expansion (Kolonisation) erzeugt Transferleistungen in beide Richtungen und somit auch Transformationen in den betroffenen Gesellschaften.
      Ich stimme Ihnen natürlich darin zu, dass der derzeitige mohammedanische Kreuzzug als Zeiterscheinung keinen Trost für mich darstellt, aber ich wollte ihn erwähnen, da diese religiösen Schlachtfeste zwar als Terrorakte bezeichnet werden, in ihrem globalisierten Ausmass jedoch nicht als Kreuzzug. Und dies erscheint mir sehr wichtig.
      Konzeptalben, soso. Das fing in meiner reiferen Jugend an ein Markenzeichen zu werden. Das Konzeptalbum. Damals habe ich gelernt, dass auch ein konzeptloses Album ein Konzeptalbum sein kann, ein Nicht-Konzeptalbum eben. 😉
      Heute lief hier Tubular Bells, ebenfalls ein Konzeotalbum, in der Originalurversion…
      Nachmitternächtlichgrillenzirpende Grüsse vom Schwarzen Berg

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  6. Die Überschrift lässt ein wenig Gleichklang klingen, hört sich an wie in meiner Schmiede entstanden. Ich hatte Platten von der Incredible String Band, die haben mir olle Kiffer geklaut.
    Schönen Nacht- und Sanftruhgruß aus Rhegenhesshen

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            • Und ich bin bin ein Einsamkeitsmann – nur unter Aufbietung grosser Energien meines sozialen Umfelds zu ertragen. Ich kann ohne Punkt&Komma stundenlang reden oder wochenlang garnicht. Ich brauche niemanden. der mir hilft. Es ist unwürdig, andere für sich arbeiten zu lassen, so lange man noch am Leben ist.
              Nach Aussagen meines sozialen Umfeldes steht zu befürchten, dass ich mich dereinst selbst begraben werde…
              (Insofern absolut WG-geeignet, da ich keine WG brauche)
              Spätabendlichsüdlichgrillenzirpende Grüsse vom Schwarzen Berg

              Gefällt 1 Person

  7. Frühmorgens zur ersten Stunde (7.55 – 8.40 Uhr) möchte die Frau Lehrerin ergänzen, dass wir nicht nur in Medizin und den schönen Künsten von den Arabern geerbt haben. Fiesen Matheamtiklehrern lieferten die Araber/Moslems die Grundlage beim Quälen pubertierender Zöglinge, nämlich die Algebra. Nicht nur bei Wikigedöns nachzulesen, sondern allgemeinverständlich auch im pm-Magazin. (http://www.pm-magazin.de/a/arabien-%E2%80%93-wir-danken-dir).
    Frau Marzahn grüßt aus dem Vorherbst im kalendarischen Hochsommer

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    • Ach ja, wie konnte ich die Mathematik nur unter den Tisch fallen lassen? Sie ahnen es, Sie wissen es, hochwertgeschätzte Frau Mahlzahn (verzeihen Sie mir den orthographischen Schlenker)… rechtfeinen Dank für den filmischen Hinweis, dem ich gerne folgen werde.
      Morgensommerstarksonnige Grüsse vom Schwarzen Berg

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