Mittwochs tagsüber

Das Erscheinen seiner neuen CD erlebte er nicht mehr. Er starb am 16. Juli 2014 in einem Hotelzimmer in Zürich.
Johnny Winter – Step Back (2014). Wenn der Tod nahe ist, wendet man sich am besten dem Leben zu…

Draussen der wolkenlöchrig graue Himmel. Leichter warmer Nieselregen. Vorn an der Strasse stehen die Prüflinge. Tuscheln, rauchen, wuseln aufgeregt. Der prakische Teil der Führerscheinprüfung wird abgefahren in alten Personenkraftwagen der Marke Zastava (Застава аутомобили АД). Vorwiegend in Zastavas des Typs Yugo Skala. Gestern Abend die intensivere Auseinandersetzung mit Photographien von Josef Heinrich Darchinger. Wirtschaftswunder. Die Zeit zwischen 1950 und 1965.
Alte längst vergessene Automarken. Manche davon fuhr ich selbst. Borgward Isabella TS deluxe. Oder den 170er Mercedes. Vorbesitzerin war eine Forschungsgesellschaft. Baujahr 1952, fünfhundert deutsche Mark (West) waren auch für einen Oberstufenschüler erschwinglich. Damals.
Aufschlussreicher und erinnerungsmächtiger sind in Darchingers Buch „Wirtschaftswunder“ jedoch die Menschen in ihren jeweiligen Zusammenhängen. Am Arbeitsplatz, in der Familie, am Urlaubsort und vor allem im öffentlichen Raum. Kinder. Die Buben mit ihren Tretrollern. Diese schmutzigen kleinen Kerle bei ihren Spielen. Am alten Bahnhof oder am Ortsrand. Rotznasen und Löcher in der Hose. Bemerkenswert das Verhältnis von Mädchen und Buben. Bis hin zu meiner Kindheit müssen sie die Mädchen zurechtgestutzt haben. Wir haben fein gendergetrennt gespielt.
Im exquisiten Blog der geschätzten Frau Wildgans erregt der Titel eines Buches meine Neugier. Andreas Altmann berichtet darin von seiner Kindheit und Jugend in jener Zeit. Man redete noch vom Wirtschaftswunder als die erste Rezession bereits durchs Land zog. Sowohl auf den Fotografien in Darchingers Buch wie auch in meiner Erinnerung gibt es neben wenigen Nachkriegsgewinnern die vielen kleinbürgerlichen Traumtänzer. Der eigene Käfer. Urlaub in Italien. Das kleine Häuschen am Stadtrand. Geschniegelte und gestriegelte Kinder. Verbogene Kinder. Verwünscht durch abartige Weisheiten bis an ihr Lebensende. Altmann beschreibt seine Kinderwelt sehr emotional. Ich habe nicht wenige der geschilderten Situationen so oder so ähnlich auch selbst erlebt. Zum aufschreiben zu spät, die Marktlücke ist durch Altmanns Buch gefüllt.
Die Nachbarin ist eine starke Raucherin und fragt mich schon wieder, ob ich keine Gewichtsprobleme hätte, nicht nervös sei. Ich bin immer dann nervös, wenn mein Ich leidet. Das sage ich ihr nicht, das weiss ich für mich. Da hielt einer mal einen erhellenden Vortrag über den Zusammenhang von Nervosität und Ichheit. Auch in der Ohnmacht liegt eine Macht. Das sieht man schon am Wort.
In der deutschen Sprache gibts da interessante Buchstabenkompositionen. In der Pflicht ist das Licht und darin das ich. Wahrscheinlich braucht man derlei Wortseelenkonstrukte um Stalingrad überhaupt auszuhalten.
Ich habe ein Pfund Käse für eine Woche kalkuliert. Eine Bekannte lädt mich ein zu ihrem Apfelbaum. Sie heisst nicht Eva. Ich sammle ungefähr zwölf Kilogramm Äpfel in meine Plastiktüte. Fotografen haben immer eine Plastiktüte dabei. Wurmstichiges Fallobst. Grosszügig geschält und ausgeschnitten ergibt das etwa fünf Kilogramm Apfelmus. Zu einer kleinen Schüssel Apfelmus ein Stück Edamer pro Mahlzeit. Und Wasser. Viel Wasser.
Wasser ist wichtig. In der Quarta in Latein gelernt und nie wieder vergessen: medicus curat aqua sanat. Später folgte daraus das Wissen, dass Ärzte an gesunden Menschen kein Interesse haben können, fast so wenig wie die Pharmaindustrie.
Am schönsten dabei finde ich das Gefühl der Macht. Zu bestimmen. Früher habe ich öfter schon spontan mit dem Rauchen aufgehört. Einfach so, morgens nach dem Frühstück. Für zwei oder drei Jahre. Und dann, weil ich gerne rauche, genauso spontan wieder damit angefangen. Vor einigen Jahren gelang mir das nicht mehr. Ich war nicht mehr der Bestimmer. Ich Licht Pflicht. Die falschen Verpflichtungen.
Die Zichten übernahmen das Regiment. Sie verpflichteten mich zur Unaufmerksamkeit gegenüber mir selbst. Das berühmteste Raucherkapitel der Weltliteratur muss ich deswegen nicht lesen. Ausserdem hat Italo Svevo bessere Sachen geschrieben. Mitnichten Zichten. Zumindest in der nächsten Zeit.
Was ich allerdings auffällig finde an dem Erinnerungsbuch von Altmann, dass er seine erste Fernsehserie gesehen haben will, in einem Jahr, da diese noch garnicht ausgestrahlt worden ist. Misstraue nicht nur der Idylle misstraue noch mehr deiner Erinnerung. Der dir gegenübersass vor zehn Jahren in jener Küche, er wird die Einrichtung anders erinnern als du. Von den feineren Steinchen im Erinnerungsmosaik ganz abgesehen.
Die krummschiefen Bäume im Park gegenüber sehen merkwürdig aus im fahlen Nachmittagslicht. Die Kraftfahrzeuge der Fahrschule stehen auf dem Parkplatz gegenüber. Bolid. steht auf den Schildern auf dem Dach. Wer denkt sich die Namen für die Fahrschulen aus auf dem Schwarzen Berg. Gallseife brauche ich. Das muss ich noch auf der Mitbringliste notieren.

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66 Gedanken zu „Mittwochs tagsüber

  1. Aber deswegen ein Buch schreiben? 😉
    (ich habe selbst noch immer einige Fragen an meine Kinderwelt, also vielleicht dochmal was aufschreiben)…
    Was würde Sie denn am allermeisten interessieren?

    Vorsichhinnieselndwarmeregenfrühabendliche Grüsse vom Schwarzen Berg

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        • Also gut :-). Spontan muss ich an meinen alten Deutschlehrer denken. Er erzählte immer Anekdoten über sich und seinem besten Freund. Über ihre Streiche, wie sie herum gestreunt sind und für sich die Welt erkundet haben. Interessieren würde mich auch das Miteinander in Ihrer Familie. Was dachten sie so bei sich im Alter von 10 Jahren? Was wollten sie werden? Welche Interessen hatten Sie? Wie waren die ersten Annäherungen an die Mädchen? Wie verbrachten Sie Weihnachten? Welche ausgesprochenen und unausgesprochenen“Gesetzte“ galten in Ihrer Familie und allgemein? Was aßen Sie gerne? Wie waren Ihre Ferien? Besaßen Sie Spielzeug und wenn ja, welches war Ihnen besonders wichtig? Haben Sie Geschwister? etc.
          Ihr persönliches Erleben als Kind mit Ihrer unnachahmlichen Art das Zeitgeschehen zu dokumentieren würde mich sehr interessieren. Herzliche Grüsse. Ihre Frau Coupar

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          • Meine lieber Frau Coupar, ich beschwere mich nicht. Schliesslich habe ich Sie ja zu diesem expliziten Interessensfragenkatalog provoziert.
            Glauben Sie mir und nicht alten Männern und Frauen, wenn sie Schwänke aus ihren Jugendjahren zum Besten geben. Der Boden ihrer Realitäten ist mehr schwankend als schwankhaft.
            Aber ich will nicht ablenken. Manche Dinge teile ich auf dem Blog nicht mit wegen der möglichen Folgen.

            Unverfänglich also dies: Ja, ich besass Spielzeuge. eine frühe ziemlich genaue Erinnerung zielt auf einen roten Porsche der Firma Distler (heute ein Klassiker alten Blechspielzeugs). Einmal brachte mein Grossvater zu Weihnachten aus England mehrere Matchbox Autos mit. Exaktere Erinnerungen setzen später ein: Carrera Autorennbahn und Märklin Metallbaukästen. Bei Spielzeugen bin ich seltsamerweise auf alte Photographien als Erinnerungshilfen angewiesen.
            In meiner Kindheit und frühen Jugend spielte man aber meist draussen, d.h. Fussball oder sonstige Kinderspiele. Spielzeuge waren zweitrangig, denn sie wurden meist nur bei Regen wichtig, wenn man drinnen bleiben musste. In unserem Quartier wohnten ca. zehn Jungen in relativ gleichen Alter, wir hatten alle zusammen wahrscheinlich so viel Spielzeug wie heute ein einzelnes Kind…
            Hoffentlich lassen Ihre Interessen, meine Auskunft und Ihre nun folgenden Gedanken Sie ruhig schlafen ~~~~
            Abendschöne Grüsse vom Schwarzen Berg

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            • Guten Morgen, lieber Herr Ärmel, ich hoffe, ich bin Ihnen nicht zu nahe getreten. Das war nicht meine Absicht und ich teile Ihre Meinung. Ob zu persönlich oder aufgrund möglicher Folgen sind gewisse Dinge nicht zum öffentlichen
              Teilen geeignet. Ich danke aber sehr für Ihre Antwort und freue mich daran.
              Zu meinem Deutschlehrer: Ich habe nicht gesagt, das wir Kinder ihm seine sicherlich, rosarot eingefärbten Erinnerungen ganz geglaubt haben, aber genossen haben wir sie trotzdem. Wer hat schon einen Freund mit Namen Heino Hasselbrink :-). Allerdings ist er mir gerade deswegen eingefallen, da ich diesen idyllischen Erzählungen schon als Kind misstraut habe. Das haben wir ja gemeinsam. Ich wünsche Ihnen einen schönen sonnigen Tag auf dem schwarzen Berg und grüsse Sie recht herzlich. Ihre Frau Coupar.

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              • Meine liebe Frau Coupar, seien Sie unbesorgt, ich bin durchweg ziemlich bredouillenfrei.

                Und zu nahe treten – warum ist das eigentlich so negativ besetzt? Kommen wir uns nicht,
                wenn wir einen Menschen begrüssen, ihn trösten oder gar bei der Liebe sehr nahe?
                Solange man frei bleibt in seinen körperlichen und seelischen Bewegungen ist das
                Zunahetreten doch ganz in Ordnung finde ich…

                Ich wünsche Ihnen einen wunderschönen Tag und dass Sie Ihr heutiges Ziel freudig erreichen mögen

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  2. Lieber Herr Ärmel, ich würde auch sehr gern viele, viele Geschichten aus Deiner Kindheit lesen. Das Plakat gefällt mir sehr mit den Jungs vor dem PEZ-Kasten. Und der kleine Junge im Anzug mitsamt Fliege. Wart Ihr da auf dem Weg zu einer Feierlichkeit? Und: Kennst Du die Isetta noch? Liebe Sonnengrüße auf den Berg

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    • Es brauchte in jenen Jahren keine besonderen Anlässe um Kinder vorzeigbar zu machen und den eigenen, zumindest erträumten, Status zu präsentieren. Dafür reichte schon die Einkaufsfahrt in die nächste Stadt.

      Die Photographie wurde anlässlich einer Urlaubsreise aufgenommen.

      Und an Isettas kann ich mich lebhaft erinnern, die mit dem kleinen und die mit dem grossen Motor. 250cm³ oder 300cm³. Die grösseren Motoren waren bei beliebt als wir Motorradfahrer wurden, weil man die direkt in die alten 250er BMWs einbauen konnte 😉
      Scheinbarspätsommerabendliche Grüsse vom Schwarzen Berg

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  3. Ich würde gerne mehr über Ichheit hören. Ohnmacht ist auch so ein Wort. Beeindruckend – als Gegenbeispiel – Ihr langjähriges Vermögen, das Rauchen einfach so an- und abzuschalten.Den Altmann hatte ich mal angefangen und schnell wieder aufgegeben. Ich hatte die Gründe damals in Worte gefasst und längst wieder vergessen. Spannend, den kleinen Herrn Ärmel am Teich zu sehen – ein leibhaftiger Einblick. Ich muss nur den Blick ein bisschen fokussieren, er rutscht so leicht zu dem hellen Doppelschwung links unten ab, da ist das Foto irgendwie nicht in Balance. Vergessen Sie Ihre Gallseife nicht. Ich glaube, ich sollte sie auch auf meine Liste setzen, mir ist meine schon sehr, sehr lange nicht mehr unter die Augen geraten. Garantiert längst weitergezogen.

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    • Ihr Elektroleseknecht wird sich sicherlich melden 😉
      Warum haben Sie den Altmann schnell wieder aufgegeben?
      Die Blickablenkung ist dem crop geschuldet, den ich zur Publikation der Photographie vornehmen musste.

      Was auf der Liste steht, kommt in aller Regel auch mit an die jeweiligen Aufenthaltsorte 😉
      Scheinbarspätsommerabendliche Grüsse vom Schwarzen Berg

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  4. Die elegante Dame auf dem Foto mit dem kleinen Herrn Ärmel, erinnert mich an Fotos, die ich vor kurzem sah.
    Bis zum Ende der 60ziger Jahre fand ich die Damen und Herren elegant und um ihr Äußeres bemüht. Für mich geht das ab den 70zigern fast verloren.Täusche ich mich darin.
    Erzählen wollten Sie schon einmal über die Tischsitten Ihrer Kindertage, tun Sie es noch.
    Abendliche Grüße mit Schwarztee auf den schwarzen Berg, Arabella

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    • Die miefigen Kleinbürger waren in ihrer schäbigen Eitelkeit nicht anders um ihr öffentliches Ansehen bekümmert wie das auch heute der Fall ist. Äusserlichkeiten wie die Moden oder manche Umgangsformen mögen sich geändert haben, inhaltlich ist alles beim Alten geblieben. Leider.
      Was Ihre Wahrnehmung einer Änderung in den 1970er Jahren angeht, so sehe ich dafür die Industrie als Auslöser. Keine andere Jugendbewegung zuvor wurde so schnell ins bürgerliche Milieu hin kommerzialisiert wie die Punkbewegung. Modemacher, Friseure, Haarchemiker von Wella bis Schwartzkopf, Billigschmuckindustrien – alle wollten schnell mitverdienen. Insofern könnte ich Ihnen zustimmen.
      Was Eleganz ist, hängt selbstredend vom individuellen Geschmack ab.
      Scheinbarspätsommerabendliche Grüsse vom Schwarzen Berg

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  5. Jonny winters neue – gefällt dir die? Die schwächelt ganz schön.

    Du hast ja neulich einen sehr erhellenden Beitrag über deine elenden schulischen Verhältnisse von einst verfasst.
    heute nun schreibst du über „verbogene Kinder“ in den 60ern. Kleiner interessanter Tipp: Friedrich Spielhagen formuliert in einem seiner zahlreichen Meisterwerke (so um 1868 herum): Nirgends wird Jugend so systematisch verbogen wie in Deutschland. (in „Hammer und Amboss“) Und diesen Satz sagt dort ausgerechnet ein Gefängnisdirektor. Der Satz ist zeitlos. Weil ihr es schulisch so scheiße hattet in den 60ern wurde in den 70ern das traditionelle Schulsystem kaputtreformiert, anstatt nur die Sadisten zu feuern – und dann habt ihr den Kalten Krieg gewonnen und unser Schulsystem beseitigt, statt nur die Fahnenappelle und die Offizierswerberei abzuschaffen. Was mich wieder zu Danzer bringt: Dass der mensch gern gut sein möcht/edel hilfreich und gerecht/ dass er aber drüber lacht/ und erst recht des Folsche mocht/traurig aber wahr….“
    Heute ist die Jugend wieder verbogen: Psychisch labil, von vielseitigen Syndromen geplagt, durch Helikoptereltern zunehmend lebensuntüchtig gemacht/emotional verkrüppelt ….
    Pflicht als Licht zu begreifen bleibt da außen vor und die Bildungsmisere hat es soweit gebracht, dass heute weder Altmann noch Danzer von Leuten unter 30 ohne Einhilfe verstanden wird. „no time to think“ (Bob Dylan)

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  6. Ein sehe rühriges Foto, Herr Ärmel!
    Was ich von Ihrer Kindheit wissen wollen würde? Wo, wann, Lieblingsessen, Lieblingsbuch, wie fanden Sie die Schulzeit, welche Erziehung durften oder mussten Sie genießen (und warum das eine oder das andere), wo sie heute im Alter dankbar sind, dass Ihre Eltern Ihnen das mitgegeben haben … Oder das Gegenteil … Genug Stoff für ein Buch… Am liebsten mit vielen schönen Fotos… Text und Bild könnense doch so gut, Herr Ärmel 🙂

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    • Na, Sie machen mir Freude… 😉
      Wahrlich genug Stoff für ein Buch. Oder eventuell auch zwei mit vielen zeitlich entsprechenden Photographien ~~~
      Um Ihnen vielleicht die Nachtruhe nicht zu rauben, dies zu Ihrer Bücherfrage: als ich mit sieben oder acht Jahren buclesefähig geworden bin zogen mich von Josephine Siebe ihre sechs Kasperle-Bücher in ihren Bann.
      Dann so ab acht, neun sehr viel Karl May.
      Ab elf zwei oder drei der jährlich erscheinenden Wissensbücher für Jungen. Und sehr viel für die Jugend bearbeitete (sprich übel zugerichtete) Weltliteratur. Spätestens ab fünfzehn dann richtige Literatur, vornehmlich neue deutsche und amerikanische. Daneben sogenannte Klassiker, erste Versuche mit Philosophie und Psychologie.
      Und mit sechzehn den wahnwitzigen Versuch gestartet, innerhalb eines Jahres ein zwanzigbändiges Konversationslexikon von Aa – Zz komplett zu lesen bis die erste Freundin mit stärkeren Reizen mich ablenkte ~~~~
      Wer in einer geistfernen Umgebung aufwächst muss sich seine eigenen lebenswerten Welten unter Zuhilfnahme entsprechender Literaturen schaffen….
      Nachtdunkledraussenruhigwarmsommerabendliche Grüsse vom Schwarzen Berg

      [Nachtrag] Die Wissensbücher waren aus der Reihe „Durch die weite Welt. Das große Buch für jeden Jungen“ (Franck, Stuttgart). Da hatte ich zwei davon. Statt eines dritten Bandes im folgenden Jahr erhielt ich von dem freundlichen Schenker eine Schallplatte: Walter Carlos – Der wohl-temperierte Synthesizer (CBS, 1967). Eine pädagogisch sehr wertvolle Entscheidung. Die Musik erklingt hier gelegentlich noch immer. Aus Walter Carlos ist inzwischen Wendy geworden… (Es doch immer wieder erhellend, in die dunklen Erinnerungsecken einen Recherchelichtstrahl fallen zu lassen)

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    • Guten Abend Herr mickzwo – Herzlich Willkommen und vielen Dank für Ihre Erinnerungsmitteilung.

      Ich hatte die matten Lederhosen, weil die glänzenden…
      Dabei hätte ich die lieber gehabt, weil man mit den glänzenden weningstens einigermassen die Rutschbahnen runterkam…

      Abendschöne Grüsse vom Schwarzen Berg

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      • Meine Lederhose war ursprünglich auch aus Widleder. Das war so schön bairisch, wie meine Mutter fand. Durch das Rutschen am Monte Schlacko wurde sie dann an einigen Stellen glatt und glänzend. Meine Mutter fügte sich dann in ihr Schicksal. Sie wichste die Buxe um ein einheitliches Aussehen zu erreichen. So war das.

        Einen schönen Abend auch von mir. mick

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        • Cool – – Schweinsleder. Weil man die nicht waschen musste. Vom 1. April bis zum 30. September.
          Egal, wie das Klima war. Plan vor Vernunft und Mitgefühl.
          BdM und HJ haben ihre tiefen Spuren in dem hinterlassen was wir Heutigen Bewusstsein nennen…

          Zwischen dem 1. Oktober und dem 31. März kamen dann die bescheuerten ledernen Kniebundhosen zum Einsatz.
          Weil man die nicht waschen musste. Dafür Gezeter, wenn man rauswuchs, weil wieder eine neue gekauft werden musste.

          Einziger Vorteil beider Hosentypen: man spürte keine Schläge auf dem Arsch. (Deshalb versteh ich heute die Typen nicht, die aufs Arschversohlen stehen und für die ollen Lederhosen bei iibääh einen Haufen Taler bezahlen.. aber das ist wieder eine andere Geschichte)

          Nochimmerabendschöne Grüsse vom Schwarzen Berg

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  7. Kleinbürger, Großbürger, Nichtraucher, Raucher. Mensch.
    Besten Dank für die Blogerwähnung und dass ich Ihnen das Scheißbuch nahebringen konnte. Freut mich diffus. Gut und schlimm in Einem…
    Nachtgruß von der Trauberopperin

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    • Trauweroppe – jetzt schunn?
      Was missfiel Ihnen an dem Buch?
      Heute habe ich über booklooker seine „Gebrauchsanweisung zum Reisen“ gekauft. Mal sehen.
      Ich fand sein Erinnerungsbuch ebenfalls ziemlich zwiespältig. Und nicht nur wegen offensichtlicher Fehler, von denen etliche sehr auffällig waren…
      Kurzvormitternachtruhige Grüsse vom Schwarzen Berg

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      • Missverständnis- ich nannte es Sch…buch, weil das doch drei mal im Titel steht, das Wort. Ansonsten trieb es mich um, besonders die Schilderungen der Gewaltausbrüche des alten Scheinheiligen – da kann man nicht von Gefallen reden, eher von durch Geschriebenes hervorgerufene Bauchschmerzen und Erinnerungsblitze.

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  8. dieses Buch liegt nun schon seit einiger Zeit auf meinem Stapel der Bücher, die ich unbedingt noch anschauen und lesen will, nun bin ich bereit, danke dafür … und Geschichten aus diesen Zeiten kann es gar nicht zu wenige geben, Altmann hin oder her, auch ich schrieb gerade mal wieder eine über eineinhalb Seiten und wenn ich Glück habe erscheint sie in einer Anthologie, mehr wird aber noch nicht verraten …

    mir gefallen auch die Zichten und Ichten und auch bei mir haben die Zichten gewonnen, so what?

    herzliche Grüsse aus stockfinsterer Nacht ohne Mond, ohne Sterne aus dem kühlen Hochtal
    Ulli

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    • Tja, die alten Geschichten. Wem helfen sie, wenn nicht uns selbst. Für die Nachgeborenen ist doch ein Telefon von vor zwanzig Jahren mit Kabel dran die Pforte zum Mittelalter.
      Irgendwann rauche ich vielleicht auch wieder, wer weiss. Vielleicht reaktivere ich auch meine schönen alten Pfeifen wieder. Im Moment ist das jedoch kein Thema, so what 😉
      Wegen der Geschichte, und seien es auch bloss anderthalb Seiten, da wünschte ich in Erinnerung bleiben zu dürfen. Und wenns in publico nicht sein soll, dann gerne elektropostalischem Wege. Da sage ich prophylaktisch schon mal herzlichen Dank ~~~
      Fastmitternächtlichdraussensehrruhige Grüsse vom Schwarzen Berg

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      • ich werde gerne an Sie denken, wenn …
        und diese Nacht schaute ich schon viele Bilder aus dem Wirtschaftswunderbuch, manchmal konnte ich die Atmosphäre förmlich riechen, was nicht immer nur unbedingt angenehm war-

        Grauewolkendeckegrüsse
        Ulli

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        • Ich danke Ihnen für Ihre freundliche Aufmerksamkeit.
          Ja, diese Photographien von Darchinger. Manches Mal ist es lediglich ein kleines,
          fast zu übersehendes Detail, dass aus meinem Erinnerungsgebirge eine Lawine
          losbeissen möchte… Sinnliche Erinnerungen, riechen, schmecken, fühlen, hören
          und auch sehen natürlich…
          Morgensonnigfrischluftige Grüsse vom Schwarzen Berg

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  9. Morgens milde, ich rechne mir wie für Damen so auch für Herren nicht ihr Alter aus, obwohl es dieser Text provozieren könnte; die Raterei ist immer präsent. Egal, darum geht es nicht. Auch nicht, dass sich über Ihre „Erinnerungen“ sich eigene aufdrängen. Allerdings, im Moment lässt sich zu Ihren besser schmunzeln.
    Ein Konkretes noch: aus Erfahrung, nicht selbst geraucht, aber doch im Umfeld gestanden, kann ich sagen, nicht man beendet spontan das Rauchen und fängt es so wieder an, gerade andersherum erschien es mir immer, dass das Rauchen gestattete, sich zu absentieren um dann aber wieder angefordert zu werden, was man, bereitwilliger Untertan, auch sofort tat, man kam und ließ sich beherrschen………..
    Hervorragende Lektüre für den Morgen
    Ihr Herr Hund, dankbar

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    • Neben der Freude über Ihr schönes Kompliment für meinen Beitrag nehme ich zu
      meinem Nutz und Frommen Ihre gediegen komprimierte Morgenpredigt mir zu Herzen.
      Sie lächeln milde, Herr Hund?
      Ihr Gedanke – ebenso kühn wie weise – unterstellt eine dem Tabak innewohnende
      Kraft zu, die nur der Teufel dahineingeheimnist haben kann.
      Um dieser dämonisch bösen Kraft sich zu entziehen, welcher anderen müsste man
      sich unterstellen, um fürderhin gegen die feigen Angriffe des Tabakrauchens sicher
      zu sein…
      Die fragt sich verbunden mit den schönsten morgensonnigfrischluftigen Grüssen vom Schwarzen Berg

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  10. Mein lieber Herr Ärmel, Ihren Gedankengängen zu folgen, ist wie einen unbekannten Wald erstmals zu betreten. Man setzt Schritt vor Schritt, hält inne, orientiert sich, erkennt einzelne Bäume, umgeht zu dichtes Dickicht, erkennt, wo das Moos trocken ist und zum Verweilen einlädt. Meine Gedanken verweilten am längsten bei den Zichten. Meine Sehn-Sucht danach ist inzwischen eine melancholisch-dankbare. Natürlich vermisse ich den Genuß und am meisten die bonfortionösen Zigarettenrotweinküße. Doch das ist kein krawummendes Vermissen mehr, nein, ein stillwissendfeines.
    Ich wünsche Ihnen einen wundervollen Tag mit famosen Begegnungen, Ihre Frau Knobloch, zugeneigt wie immer.

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    • Ihr Wunsch fruchtet, er ist Dünger geradezu, denn der Tag ist seit den frühen Morgenstunden schon voller Wunder.
      Ich danke dafür und für Ihr grosses Vertrauen und die Zuversicht meine Bloglebenswälder mit mir durchwandernd zu entdecken.
      Sommerwarmsonnigelsterkreischende Grüsse sendet Ihnen, Ihr Herr Ärmel (vom Schwarzen Berg wie meist)

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      • Ich freue mich mit Ihnen über die Wundervollheit des Tages und des Vermögens des Erkennens. Weil man ja manchmal selbst sich den Blick verhüllt. Dann durchschreitet man Nebelwälder, düster und tiefzweigbehangen und hofft auf eine Lichtung. Schön, wenn sich der Blick dann weitet.
        Liebfeine Grüße, immer Ihnen zugetan, Ihre Frau Knobloch.

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  11. Gallseifenentfleckt durch die 50er und 60er und 70er und …

    Das haben Sie sehr schön beschrieben, diese merkwürdige Zeit und doch so aufregende Zeit – vor allem in und aus der Erinnerung. A wengerl wehmütig und a wengerl romantische Melancholie neben den erfahrenen Tatsächlichkeiten wie beispielsweise: was für ein Auto, der 170er! Einfach unvergeßlich.

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    • Von etwa Mitte der 1960er bis Mitte der 1970er Jahre waren die für den Durchschnittskleinbürger doch fantastisch. Wenn man vielleicht von der1973er Ölkrise absieht, die den grundsätzlichen Niedergang des Systems eigentlich ankündigte….
      Federwolkigschönstblauhimmlischmorgengrüsse vom Schwarzen Berg

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      • Naja, der Herbert Ernst Karl Frahm hat ein paarmal hart danebengegriffen und uns damit die überbordende Verwaltung der Istzeit hinterlassen. 🙂

        Naja, und daß wir 1973 halt der Propaganda erlagen, haben wir leider der Systempresse zu verdanken, die uns auch damals schon ruhig hätte aufklären können …

        Einen schönen Gruß in den Süden!

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        • Ich erinnere mich, bin mir jedoch nicht sicher, ob wir die gleichen Beispiele im Erinnerungsmosaik haben. Sozialstaatliche Geschenke wollen eben verwaltet sein…
          Die 1973er Propaganda hinsichtlich mancher noch immer grassierenden Probleme wurden vom Skandalclub ADAc verursacht. Neben anderen versteht sich…
          Seltsamaprilwetterlaunische Grüsse vom Schwarzen Berg

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          • Ich bin gerade zu faul, Nachstehendes in kohärentes Deutsch zu übertragen. Da ich weiß, daß Sie des Englischen äußerst mächtig sind, sei mir deshalb dieser kleine Fauxpas bitte nachgesehen. Es dankt Ihnen der Salva. 🙂

            The Fake Oil Crisis of 1973

            Some „peak oil“ writers have opined that the crisis of 1972-73 was a kind of „rehearsal“ for what is supposedly in our very near future. It is startling to consider, in light of this, the evidence that that crisis was likely a completely contrived affair.

            In „A Century of War — Anglo American Oil Politics and the New World Order“ (1992), petroleum industry expert and economist F. William Engdahl presents evidence that the 1973 OPEC „oil shock“ and the accompanying oil „shortage“ were secretly planned by the highest levels of the US and British elites, with Henry Kissinger playing a key role: more

            Corroboration of Engdahl’s account was provided a few years ago by Sheikh Ahmed Zaki Yamani, who was Saudi Arabia’s OPEC minister at the time http://www.theguardian.com/business/2001/jan/14/globalrecession.oilandpetrol:

            “I am 100 per cent sure that the Americans were behind the increase in the price of oil. The oil companies were in in real trouble at that time, they had borrowed a lot of money and they needed a high oil price to save them.”

            He says he was convinced of this by the attitude of the Shah of Iran, who in one crucial day in 1974 moved from the Saudi view, that a hike would be dangerous to Opec because it would alienate the US, to advocating higher prices.

            “King Faisal sent me to the Shah of Iran, who said: ‘Why are you against the increase in the price of oil? That is what they want? Ask Henry Kissinger – he is the one who wants a higher price’.”

            Yamani contends that proof of his long-held belief has recently emerged in the minutes of a secret meeting on a Swedish island, where UK and US officials determined to orchestrate a 400 per cent increase in the oil price.

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  12. In so einigen Beiträgen klingt ja immer wieder an, dass man sehr vorsichtig sein sollte mit verklärten Blicken auf die eigene Kindheit, da man sich leicht in die Falle der Selbsttäuschung begeben kann. Da möchte ich schon ein wenig widersprechen. Es ist kein Widerspruch, sich der Kerben, die in der Kindheit geschlagen wurden (im wahrsten Sinne des Wortes) erinnern, aber auch jener Momente, die einem emotional wärmend in Erinnerung geblieben sind. Ich denke da an Freundschaften, Urlaube und auch Familienfeierlichkeiten (na ja, nicht immer) und natürlich auch daran, wie z.B. bei mir die Musik zu einem entscheidendem Begleiter meines Lebens wurde … und irgendwie fing das schon mit „Schuld war nur der Bossa Nova“ an …Also: sofern man ehrlich Bilanz ziehen mag, kann man sich durchaus jene sentimentalen Erinnerungen erhalten, auch wenn diese nicht über all die Verletzungen hinwegtäuschen dürfen …

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    • Verehrter Herr Riffmaster,
      wenn ich den Eindruck erweckt haben sollte, dass man diesen oder jenen Bereich seiner Vergangenheit ausklammern sollte, dann werde ich die entsprechende Stelle sogleich klarstellen. Bei mir sind es derzeit die unschönen Erinnerungen, die überwiegen. Insofern ist auch hier mehr darüber zu lesen. Es wird bestimmt auch wieder anders sein, und dann fällt mehr Erinnerungslicht auf eher positiv besetzte Erlebnisse vergangener Zeiten.
      Worauf ich allerdings häufiger hinweise, ist der scheinbaren Sicherheit der eigenen wie auch fremder Erinnerung blind zu vertrauen.

      Abendschöne Grüsse vom Schwarzen Berg

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