Sonntags im mittelalterlichen Deutschland

Laute, Krummhorn und Psalter fehlen gerade, deshalb zum wiederholten Male der bunte Mix von der Festplatte…

Die Verehrung holder Frauen. Ritterturniere. Zünfte, Gilden und Frondienste. Dreckig, wüst und gewalttätig. Die Menschen hatten keinen Strom, keine Dusche dafür aber die Pest und überhaupt war deren Leben damals eine einzige Qual.
Das Mittelalter, wie es die Vorstellungswelt des heutigen Menschen durchwabert. Auf den einfachen Nenner gebracht bedeutet dies, dass man genaueres nicht weiss.
Am wenigstens darüber, wieviel Mittelalter uns heute noch immer umgibt. Gemeinhin zieht die Drohung „Willst du zurück ins Mittelalter“ besonders gut, wenn verständige Menschen hinsichtlich des unkritischen Modernisierungswahns vernünftige Fragen stellen. Private Fernsehanbieter auf 789 überflüssigen Kanälen. Das allerneueste Unsinnsgerät. Abstruse Neuerungen. Strassenräuberische Verordnungen und deren Gebühren.
„Wie, du bist dagegen? Willst du etwa zurück ins Mittelalter?“
Dabei leben wir in vielerlei Hinsichten nach wie vor im finstersten Mittelalter.
Da sind die Raubritter der Industrie und ihre Verbündeten in den Gilden und Zünften. Es ändert nichts daran, dass wir die heute Verbände nennen oder Kammern, denn am Prinzip ihrer Interessen hat sich nichts geändert. Wohlwollend beschützt wird deren gieriges Treiben vom Politadel in den jeweiligen regionalen Regierungen.
Das Beispiel der Energiesanierung von Gebäuden als Frondienst. Seit einigen Jahren gibt es die unterschiedlichsten Vorschriften zur energetischen Sanierung von Wohngebäuden. Neuerdings sieht man mehr und mehr alte Häuser, die in eine dicke Rundumisolierung aus Styropor gekleidet werden. Zahlreiche Gutachten (Schlechtachten?) bescheinigen den positiven energiesparenden Effekt. Die Industrie lässt die Sprecher entsprechender Verbände von der Kette, die Politik greift das Thema, die Lawine kommt ins Rollen. Lawinen sind gefährlich.
Mehr Isolierung bringt mehr Einsparung klingt irgendwie logisch. Allerdings nur irgendwie. Bautechnisch exakt gerechnet ergibt sich nämlich genau das Gegenteil. Darauf weist z.B. Prof. Jens Fehrenberg von der FH Hildesheim bereits seit einigen Jahren hin. Und auch, dass derart styroporverpackte Häuser im Brandfall fast nicht mehr löschbar seien. Eine Dokumentation zum Augenöffnen für den betrügerischen Irrsinn gibts bei youtube.com/watch?v=OJ-XHHHZ8N8 (www. davor schafft den Durchblick).
Gegen die profitgefährdenden Wahrheiten und die Aufdeckung der unglaublichen Lügen, wie sie in der Doku gezeigt werden, bellen die Kettenhunde der Gilden und Zünfte natürlich an. Und lügen noch frecher, dass sich die Balken biegen. Und weil diese Kammern nicht nur bellende Hunde haben, die verunsicherte Bürger durch gezielte Angstmache konsumgefügig machen, sitzen in den Gewölben ihrer Burgen die scharfsinnigen Vorausdenker. Und die haben schon etwas Neues in der Schublade.
Rauchwarnmelder. Alle Gebäude in der mittelalterlichen Bundesrepublik müssen nun mit Rauchwarnmeldern ausgerüstet werden. Bis spätestens zum 31.12.2014. Und schon hofft auch viel fahrendes Volk mit Taschenspielertricks auf zahlendes Publikum. Da wird nicht nur der Einbau verkauft, sondern dieser am liebsten auch gleich mit jährlichen Serviceverträgen gekoppelt. Viele davon gehen haarscharf am BGB vorbei. Das bürgerliche Gesetzbuch. Ach so, das wird ja erst im Jahr 1900 erfunden werden, wir leben ja erst im Jahr 14**.
Diese beiden Beispiele stehen für viele weitere. Hinschauen im eigenen Lebensumfeld und Nachdenken sind hilfreich. Die äusseren Formen mögen sich verändert haben, die Inhalte sind gleich geblieben. Was früher Fron und Gespanndienste waren, nennt sich heute Vorschrift, Verordnung oder Gesetz. Und die Folgen sind Gebühren, Abgaben und Kosten.
Dafür sind die politischen Gesellen der Raubritter zuständig. Oft undurchsichtige Zustände. Ständegesellschaft. Natürlich sind wir keine Leibeigenen mehr. Aber sind wir wirklich so frei, wie uns das die Raubritter und ihre Politgesellen immer vorgaukeln?
(Foto anklicken, Reissverschluss aufziehen und hinter die Fassade schauen)

Frankfurt / M. - Merianplatz

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26 Gedanken zu „Sonntags im mittelalterlichen Deutschland

  1. Mittelalter ist gerade voll angesagt *g*
    Und Isolierung ist natürlich so wichtig wie alle anderen Maßnahmen. Durch eine vernünftige Isolierung spart man sicher 30% Heizkosten. Eine neue energiesparende Heizungsanlage spart noch einmal mindestens 30% Heizkosten, einen warmen Pulli anziehen und die Heizung drosseln wiederum 20% und für die restlichen Prozente fällt uns sicher noch irgend etwas anderes ein. Warum heizen wir überhaupt noch?

    Ach ja, für nächsten Montag hat sich der jährliche Rauchwarnmelderüberprüfer angesagt, neben dem jährlichen Heizungsableser, Schornsteinfeger etc. ein wahrer Quell der Freude.

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    • Klar, ist Isolierung notwendig. Bloss derzeit wird mehr Öl und sonstiges für die Herstellung von Isolierungsmaterial verbraucht, das von späteren generationen wieder entsorgt werden muss.
      Ausserdem ist auffällig wie sich die einzelnen Gilden und Zünfte gegenseitig übertreffen in Widersprüchlichkeiten. Klar, will ja jede Branche hauptsächlichen ihren Schice verkaufen…
      Grundsätzlich mal weniger heizen und sich im Winter auch und gerade zuhause malnen dicken Pullover überziehen ist der erste und wichtigste Schritt 😉

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  2. Ganz genau so isses, Herr Ärmel. Ich bin ja auch der Raubritterei zum Opfer gefallen und erfreue mich nun an schmückenden Rauchmeldern. Den Fron für den Battariencheck verweigerte ich bis jetzt trotz Drohung, dass im Fall der Fälle. Im Fall der Fälle aber bin ich tot bevor der Rauch auf Nachbarn übergreift. Trotzdem warte ich jetzt auf die Mafia. Gabs die im Mittelalter schon?
    Es ist nur so, Styroporverpackungen für Häuser und Rauchmelder gegen die erhöhte Feueranfälligkeit sind sichtbare Attribute der Gilden und Zünfte, gegen die man sich zwar nicht wehren kann, aber wenigstens aufregen. Ich frag mich wieviel wir gar nicht sehen, erfassen, begreifen

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    • Uiuiui, ich will auch lieber nicht wissen, was da tagein tagaus hinter verschlossenen Türen gegen uns Menschen da so alles ausgeheckt wird. (kommt das Wort aushecken eigentlich von den Heckenschützen?) – wundern täts mich nicht…

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  3. Tolles Bild zum Text. Und ja, die Politik verkauft sich an die Industrie, wie es gerade erforderlich ist, heute an die Dämmstoffindustrie, morgen an die Heizungsanlagenindustrie, übermorgen an wasweißich. Zugegeben, das mit den Rauchmeldern finde ich nicht ganz so tragisch, da in der Regel wenige Menschen in Ihrern Häusern verbrennen, bzw. sie sind im Schlaf erstickt, bevor das Feuer als solches kommt. Trügerisch hierbei ist denke ich eher das Versicherungswesen im Fall der Fälle. Kann ein gewarteter Rauchmelder nachgewiesen werden, wenn nicht, ist es dann grob fahrlässig? Die anderer Seite: man will bewusst keinen Rauchmelder, da er das Idyll vom schönen Häuschen, das belegt, dass man sich an die Banken verkauft hat, nicht zerstören will, optisch zumindest. Oder man schürt Ängste. Ist doch alles neu. Ok, 25 Haushaltsgeräte, aus Kostengründen aus Weitwegland bestellt, hängen ständig am Strom, dass dieser fließt, weiß man wenn man das warme Kabel anfasst.
    Von der Verordnung die Heizung im nächsten Jahr zu tauschen oder das Dach zu dämmen, spreche ich noch nicht.
    Ein altes Gebäude nachträglich zu dämmen, und damit große Einsparungen zu erreichen, ist ebenfalls ein Trugschluss. Vielleicht spart man 30% der Energie ein, die durch die Wände verloren geht, was ist mit Fenstern, Dach, Kellerdecke? Es amortisiert sich nie. Giftstoffe im Bau? Die bleiben schön in der Wohnung. Davon abgesehen, dass eine auf Algenbefall geschütze Dämmung auf Grund der Schutzmittel, die ins Grundwasser gehen, ohnehin zum Nachdenken anregen sollte, ist sie auch noch Sondermüll, in 25 Jahren. Da kann wieder verdient werden. Die Banken reiben sich jetzt schon die Hände, und andere auch.
    Aber das ist ja egal, das Wasser ist duch Kunststoffkügelchen aus Zahnpasta und Hormonresten aus Medikamenten ohnehin schon bis ins Meer durchsetzt. Ein Gutes hat es ja, man spart sich den Gang zur Apotheke.
    Da kommt mir mein eigener Blog wieder wie eine Schöner-Leben-Simulation vor. Ists ja auch…. 😉
    Tiefschnaufende Grüße aus Unterwasserlandien.

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    • Herr autopict, herzlichen Dank für den tollen Kommentar. Ich unterschreibe ihn ohne wenn&aber.
      Und „Weitwegland“ ist eine wahre Wortbombe – Klasse!
      Sonntagfrühabendlichsonnenuntergangsgrüsse aus der Stadt/a.M.

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  4. Das ist der Fortschritt – die Menschheit wird immer klüger und agiert entsprechend 🙂 – sieht man ja nicht nur bei Sanierungen & Co. … oder?

    Grüsse aus Bern.

    PS: Schlechtachten – schön gesagt.

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  5. Bravo, lieber Herr Ärmel! Die Verquickungen von Lokalpolitik und diversen Verbänden, sie stößt mir schon lange säuerlich auf und läßt mich diverse Einladungen zum Mittun wohlweislich ausschlagen. „Aber Frau Knobloch, eine Hand wäscht doch die andere…?“ „Nein, Danke, ich will die meine Hand nicht schmutzig machen!“
    Ihr Beispiel von der Energiesanierung ist trefflich gewählt. Das Florallabor verfügt nur deshalb noch über sein treffliches eigenes Souterrainklima, weil ich mich (noch!) aller angetragenen Sanierungen erwehre. Und mein Bulleröfchen bullert bald wieder fröhlich vor sich hin, ganz ohne TÜV.
    Außenregengraudochinnensonnenscheinige Grüße, Ihre Frau Knobloch.

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    • Das eigentliche Problem besteht doch darin, dass wir ständig der Sand im getriebe sein müssen – – wann wird uns das Räderwerk zermahlen haben? Wird bis dahin genug neuer Sand im Getriebe sein?
      Mittäglichleichtgrossstadthektische Grüsse aus der schnellen Stadt, Ihr Ihnen zugeneigter Herr Ärmel

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      • Es mag uns abschleifen, das Getriebe, die ganze Apparatur will uns zerbröselnd einvernehmen. Doch denke ich entgegen jeden Wissens der Unmöglichkeit, je mehr wir uns befleissigen, uns nicht verdummen zu lassen und Gleichdenkende sich erkennen, werden wir unsere Ecken und Kanten behalten und weiterhin ratternd standhalten. Allein, mit dem neuen Sand, da siehts mürbe aus, siehe der Konversation mit blitzgescheiten Herrn SalvaVenia.
        Sonnedurchregengraublitzende Grüße, immer die Ihre, brüggenbilderguggend.

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        • Das haben Sie, hochwertgeschätzte Frau Knobloch, wundervoll kommentiergeschrieben.
          Vielleicht möchte es ja sein, so will mir scheinen, dass unsere wirklichen reinen Anteile wie Diamantstaub wirken und unzermahlbar bleiben…
          Käsebrotundäpplerverzehrendfreudignachmittägliche Grüsse aus der Bembelstadt, Ihr Herr Ärmel (mit geradebengebrauchtgefundenem Homburg – juchheissa)

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          • Mich deucht, Sie sörfen da gerade auf einer Glücksfindewelle durch Ihre Liebststadt. Die Liebe wird Ihnen zurückgegeben in Form von Herzenswünscherfüllung. Fetzt! Ich juchheissaiere angemessen mit, mein Lieber! Und efze und ohme, um nie wieder Burg und Berg durcheinander zu quaddeln im Schnellgeklickerdiklacke. Und danke für die Wundervollworte, sie wirken lächelndmachend.
            Ihre Frau Knobloch, zugeneigt wie stets.

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            • Klasse&Prima, dass Sie sich mitfreuen!
              Und jetzt wedeln draussen die Siebensonnenschwestern, jetzt kurz vor Feierabend – ja, sind die denn… // Aber klasse ist es trotzdem fidirallala
              Avec mes salutations cordiales pour Vous, Madame Knobloch – votre Monsieur Ärmél (très joli avec son nouveau antique chapeau de Homburg)

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                • Darf ich Ihre Zofe zwecks Riechsalzes klingeln oder gestatten Sie mir, Ihnen ohne falsche Gedanken hier&sofort meinen Arm zu bieten zur Stützung ~~~~
                  Käsebrotundäpplersatt&freudignachmittägliche Grüsse aus der Bembelstadt, (encore et toujours) votre Monsieur Ärmél

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                    • Ach, wie könnte ich noch plumpsen, wenn Ihr Arm mir bereits gereicht, mein lieber Herr Ärmel?! Nur das mit der Dreiknöppigkeit, das müssen Sie mir bitte noch erörtern. Freundliche Morgengrüße, frischwindblattraschelherbstlich, Ihre Frau Knobloch.

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                    • Zween Knöppe direktemang auffe Manschette und eener am Ende der Manschette. Iss doch nüscht unjewöhnlisch und hamSe sicherlich ooch hie&da schon jesehn, meen Verehrteste.
                      Morgendlichgutgefrühstückwohlgemute Grüsse aus der siebenschwesternsonnigen Bembelstadt sendet Ihnen, Ihr Ärmel (armbereit)

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                    • Tja, ich sollte wohl meinen Phantasiegäulen etwas weniger Auslauf gönnen. Mir spukte das Bild von einer Dreireihigknöppigkeit im Kopfe herum. Danke für’s Pupillenpolieren. Und Ihnen noch einen bonfortionösen Tag, mein Lieber, mit tollen Begegnungen und weiterhinnigen Verhachungen, Ihre Frau Knobloch, armannehmend.

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                    • Was für ein Tag heute wieder… Seltenes Buch im öffentlichen Bücherschrank gefunden, quer&kreuz durch die Stadt gefahren. Aberwitzigste Sachen gesehen. Worschd gegessen, Kakao getrunken. Scopenhauers Grab fotografiert und andere auch. Zwei Chinesinnen mit Handfessel-Selfie-Fernsteuerung ~~~~~ und alles unterm neuen alten Homburg – Hach…
                      Fussmüdewahrnehmungsvolle Grüsse aus der Bembelstadt

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