Gestrandet

Sachte am siebensonnigen Sonntagmorgen: Waterboys – An Appointment With Mr. Yeats (2011)…

Heute finden Wahlen statt in Bosnien-Herzegowina. Das ruft schöne Erinnerungen wach an meine Besuche in Sarajevo.
Die Situation hingegen ist weniger angenehm für die Menschen. Vor zwanzig Jahren ist mit dem Abkommen von Dayton der Krieg in Bosnien beendet worden. Die eigentlichen Probleme des Landes wurden damit jedoch keinesfalls gelöst.
Das Abkommen von Dayton hält alle Türen für weitere militärische Kinflikte offen. Jeder Tag Frieden bedeutet einen weiteren Tag zum Waffensammeln. Obwohl im Abkommen die Unteilbarkeit festgeschrieben wurde, ist Bosnien-Herzegowina de facto dreigeteilt: die bosnisch-kroatische Föderation, die Republika Srpska und zehn weitgehend autonome Regionen (Kantone) und den von beiden Landeshälften gemeinsam verwalteten Bezirk Brcko (1% der Landesfläche).
Dies alles für vier Millionen Menschen, die auf einer Fläche leben, so gross wie Meckenlenburg-Vorpommern und Brandenburg. Der Verwaltungsaufwand ist gigantisch. Und alle Politiker arbeiten gegeneinander. So wird jeglicher Fortschritt verhindert. Auslandsinvestitionen sind auf einem geringen Niveau, was bei der allgegenwärtigen Korruption und dem mangelnden Veränderungswillen seitens der Politik nicht verwundert. Geschätzt wird, dass 70% der Jugendlichen arbeitslos sind. Da bleibt als einiziger Ausweg oft nur die Migration. Deutschkurse haben Hochkunjunktur in Sarajevo.
Gegen derlei trübe Aussichten bei den Nachbarn hilft ein ruhiger Strandtag zum Nachdenken über den in Südosteuropa noch immer herrschenden Wahnsinn.
Zu den Wasserfotografien: Alle Farben sind so gesehen und aufgenommen worden. Das geht mit Geduld und ohne nachträgliche Manipulationen bei anschliessend normaler Entwicklung.
(Foto anklicken öffnet die Galerie und macht nicht nass. Wers ganz genau sehen möchte: in der Galerie rechts unten „Bild in Originalgrösse anschauen“ klicken, bei Firefox zusätzlich noch F11 klicken) 

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51 Gedanken zu „Gestrandet

  1. 70 % Jugendarbeitslosigkeit sind unfassbar bitter (um nur ein Beispiel aus den von Ihnen geschilderten Problemen aufzugreifen). Ihre wunderbaren Aufnahmen, lieber Herr Ärmel, haben da eine schon beinahe zweifelhaft starke Suggestionskraft. Schaut man sie an, ist alles andere vergessen. Noch nicht ganz muntere Morgengrüße aus der Kesselstadt

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  2. Guten Morgen, lieber Zeilentiger. Vielleicht hilft die Visage auf der dritten Fotografie dem schnelleren Munterwerden 😉
    In der Tat bin ich davon überzeugt, dass gegen die alltäglichen Schlechtigkeiten nur der Blick (die Tat) ins Gute hilft.
    Nicht das Schlechte verbessern, sondern das Gute stärken.
    Ihnen einen gediegenen Sonntag wünsche ich vom Schwarzen Berg nach Norden in die Kesselstadt (evtl. werde ich in vier Wochen dortselbst sein)…

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    • Die Visage mit einem etwas verkniffenen Mund, wenn ich es richtig sehe? Das Gute stärken scheint mir auf keinen Fall verkehrt und zumindest nachhaltiger, auch wenn der andere Weg vermutlich nicht immer zu vermeiden ist. Wenn Sie in die Kesselstadt kommen, melden Sie sich doch bitte nochmals? Ich fände es prima. Schöne Sonntagabendgrüße

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            • Das nenne ich schiere Neugierde. 🙂 Etwas wurzellos, nach den Wochen mit Hin- und Hergefahre für den Brötchengeber. Ich mag reisen, aber ich bin kein Nomade. Das zehrt ein bisschen und es macht alles ein wenig unwirklich. Fastdreißiggradsiebensonnengrüße machen mich ein wenig neidisch. Aber es sei Ihnen gegönnt. Dafür kann ich Ihnen auch nur mit Grauwolkensachtschauermildlüftegrüße (ist das schauderhaft lang) antworten.

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              • Ihre uneigennützige Vergönnung spätsommerlichen Schwarzbergwetters erfreut mich. Leicht getrübt allenfalls durch die Beschwernisse Ihres alltäglichen Broterwerbs.
                Spätnachmittagvorfeierabendliche Grüsse vom Schwarzen Berg

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  3. Die Waterboys mag ich auch. „The whole of the Moon“ ist das Album, das ich besitze. Lange, lange her. 🙂 Die Fotos, – bestimmt wird es langsam langweilig das zu lesen, aber … was soll ich machen? – die Fotos sind wieder grandios, wunderschön. Ganz toll. Danke. Und liebe Grüße mit Halstuch. 🙂

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    • Dieses Album der Wasserbuben kenne ich auch nicht – ich kenne sowieso fast nix…
      Das mit dem Halstuch freut mich, da lege ich gleich noch einen Tipp nach.
      Wenn ich bemerke, dass mir der Hals zuzugehen droht, öffne ich die Tür zum Tiefkühlknecht. Dortselbst lagern in eisiger Kälte halbdaumengrosse Ingwerstücke.
      Ich nehme ein Teil heraus und raspele es klein. (auf die dabei kalt werdenden Haltefinger achte ich nicht).
      Sodann presse ich eine Zitrone aus. In die Flüssigkeit gebe ich den feinstgeraspelten Ingwer.
      Dazu nun 1-2 Löffel guten Honig. Das ganze wird nun zu einem alleübeltötenden Gesundheitsschleim verrührt.
      Für den Fall der Fälle habe ich noch eine Zugabe, wenns ganz arg kommt: Meeretiichklümpchen mit der Zunge hinten oben am Gaumen zerdrücken. Plötzlich einsetzender Tränenerguss gehört zur Heilung 😉

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        • Ich bewege das wilde Gemisch immer in Mund und Rachen vorm Schlucken. Die lieben Leute, von denen ich das Rezept habe, schluckens immer sofort runter, weils ihnen sonst den Mund ausbrennen würde – angeblich. 😉
          Helfen tuts mir jedenfalls gut.
          PS: wenn der Ingwer nicht gefroren ist, lässt er sich nur mit Mühen feinst raspeln…

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  4. Yau! Waterboys! Vielleicht nicht gerade DIESES Album, aber „This is the sea“ war ein seeehr feines.

    Die Zustände in Bos-Herz hab ich mir so ähnlich gedacht. Auch so ein totgeschwiegenes unerledigtes Thema.
    Die Spalterei Jugoslawiens in den 90ern lief ja auf ganz spinnerten und unhistorischen Pfaden ab. Und nu hammwa wieda lauter Operettenstaaten „da unten“; die es zum überwiegenden Teil in der Form vorher niemals gab… Lauter prä-Ukrainen sozusagen.

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    • Issjaschongut: Ich werde den Nachbarn mal frage, ob er . . naja, ich kann nicht haben oder kennen… 😉
      Ich habe bezüglich Bos-Herz nur die alleräusserste Oberfläche angetastet.
      Dayton hat nur den damaligen Krieg geholfen zu beenden. Das sagt ja nicht aus, dass man bis zu späteren Zeiten dort gerne wieder Waffen hinliefern würde. Zum Beispiel. Oder wer denn die eigentliche Macht ist im Ländchen undsoweiter….

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  5. Glasklare Sache, sie sind besser als jeder Nachrichtensender.
    Im Gegensatz zu denen, kann ich mich bei Ihnen wieder erholen und an den wundervollsten Wasseraufnahmen ergötzen.
    Herrlich, würde ich mir an die Wand hängen.
    Und das nun zu guter Letzt auch noch Hausmittel gegen Halsweh erläutert werden, zeigt wieder, was ich oben schon sagte: Bei horsche und gugge gugge und horsche ersetzt einen Teil anderer Medien.
    Habe die Ehre, Ihre Arabella

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  6. F11 bringt aber nur was wenn man einen sehr kleinen Monitor hat 😉 was etwas schade ist, weil die famosen Wasserbilder erst so richtig wirken ohne störenden Hintergrund. Sollte das nicht mal ein Buchprojekt werden? Gegen Kalender ist ja prinzipiell nichts einzuwenden, aber die hängen halt immer nur ein Jahr *g*.

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  7. Hm ja nun Traurigkeit ( 70% Jugendarbeitslosigkeit gibbet ja in mehreren Teilen Europa) aufheiternd mit eine Serie gelunger Wasserfotografien ist sehr gelungen.
    Meine Gedanken schweifen nun umher und verfluchen auf der einen Seite die Unfähigkeit der Politik mehr als die eigenen Geldbeutel zu füllen und auf der anderen Seite planen sie direkt den Sprung ins Wasser 🙂

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    • Ach Beve, ich freu mich so, von dir was zu lesen. Ich verfolge deinen Blog, aber vom Schwarzen Berg aus kann man offensichtlich nicht kommentieren. Das ist ziemlich frustig. Und dabei gäbs so viel positive Kritik!
      Neue Waterboys? – ohh, vielen Dank für den Hinweis.
      Die letzten Wasserbilder werde ich in dieser Woche präsentieren. Den Winter über werde ich in Deutschland sein. Ich hoffe ja noch immer auf einen gemeinsamen Äppler!
      Schöne Grüsse vom Schwarzen Berg

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