Denkdiät der Kahlschlagsäger

Unter Musikkennern gilt diese Schallplatte als die schlechteste Produktion der 1950er Jahre schlechthin. So eine Rarität findet ganz klar einen Platz im Dunkelkammerarchiv. Der Grund ist einfach, denn wenn das zu behandelnde Thema schon grottenübel ist, dann muss die Musik noch schlechter sein, damit mich der Ärger nicht fortreisst:
Leona Anderson – Music to suffer by (1959)…

Für eine Besorgung in der nächsten Stadt fährt man mit dem Fahrrad auf der alten Chaussee. Seit bald fünfzig Jahren führt fast parallel zu der alten Landstrasse eine vierspurige Schnellstrasse. Diese alte Chaussee (was für ein feines Wort) wird seit dieser Zeit ganz langsam wieder von der Natur zurückerobert. Auf dem noch immer sichtbaren Asphaltstreifen steuerte der Knabe Ärmel erstmalig ein Kraftfahrzeug. Siebenjährig und vor dem Vordersitz stehend um überhaupt aus der Frontscheibe des Volkswagens sehen zu können. Über eine 467 Schritte weite Distanz bis zur leichten Linkskurve hinten auf dem Foto.
Die Pedalerie bediente selbstredend der Herr Ärmel senior. Der Volkswagen war ein Cabriolet in Zweifarbenlackierung und mit kleiner Heckscheibe. Dass der Käfer einen 26-PS Motor hatte, habe ich erst neulich recherchiert, dass er jedoch nur fünfzig Mark (West) kostete und warum er als Zwischenlösung für kurze Zeit in Lummerland die Garage belebte, daran erinnere ich mich ziemlich genau. Aber das ist eine ganz andere Geschichte.

Auf der alten Chaussee sah ich im Vorbeiradeln die Erkennungspfosten des Rhein-Main Regionalparks. An den Stationen dieser interessanten Sehenswürdigkeiten mache ich gerne Halt und wenn ich Zeit genug habe, fahre ich ganze Touren weit von Haltepunkt zu Haltepunkt im Rhein-Main Gebiet.
Hier an der alten Chaussee hat man eine neue Station errichtet und junge Baumarten gepflanzt, die zwar hierher gehören aber fast vergessen sind, oder um es exakt zu sagen, die dem Tempo des Fortschrittswahns nicht standhalten konnten. Und weil Geld knapp ist, suchte und fand man auch Spender.
Hessen können prima fluchen. Zurück in Lummerland erwähne ich die Baumstation. Und löse damit einen Schwall von Flüchen aus, eine andere, als besonders schändlich empfundene Aktion betreffend. In Lummerland gibt es eine alte herrschaftliche Villa. Die wurde vor einigen Jahren verkauft und danach zu Eigentumswohnungen geschäftstüchtig aufgerüstet. Das Grundstück blieb anfänglich fast unverändert. Irgendwann verschwand dann der alte schmiedeeiserne Zaun und ein Stück Vorgarten zum Zwecke der Schaffung von Kraftfahrzeugabstellplätzen. Damit nicht genug, denn jetzt, und das löst bei alten Lummerländern Verwirrung aus, wurde ihnen eine liebgewordene Wegmarke genommen. Vor der Villa stand eine ebenso mächtige wie prächtige Linde, die beim Bau des Gebäude vor über hundert Jahren dort gepflanzt worden war.
Und nun störte der herbstliche Laubfall des Lindenbaums. Eine Wohnungseigentümerin brachte eine Mehrheit auf ihre Seite und schlussendlich wurde die kerngesunde Linde gefällt. Für wie viele Jahre man die Laubreinigung hätte bezahlen können für den Preis der Fällarbeiten, danach hat niemand gefragt. Wieso auch, wer solche wahnwitzigen Ideen ernsthaft bewegt, befindet sich sowieso nicht im wirklichen Leben.
Aber solchen ebenso verantwortungslosen wie rücksichtlosen Menschen kann man eigentlich keinen Vorwurf machen. Die aus Steuergeldern bezahlten Verwaltungsangestellten sind zu weitaus grobschlächtigeren Amtshandlungen in der Lage. Entlang des Mainufers kurz vor seiner Mündung in den Rhein hat die Verwaltung, die sich um zukünftige Generationen grundsätzlich nicht schert eine ganze Kastanienallee mit 74 Bäumen flachlegen lassen, weil 19 Bäume krank gewesen sind. Um die nun fehlende Sauerstoffproduktion zu kompensieren, werden etwa 1000 Jungbäume benötigt. Bürgerinitiativen waren mit ihren Protesten ebenso erfolglos wie ein überparteilicher Zusammenschluss der Vernünftigen. Aber zu guter Letzt hatte ein Verwaltungsgericht befunden, dass alle Bäume durch Pilzbefall erkrankt seien und gefällt werden müssten.
Am schockierensten für mich war der Schredder. Das gefrässige Monstrum braucht für ein fünf Meter langes massives Holzstück mit etwa 60cm Durchmesser knapp zehn Sekunden, dann sind nur noch Holzschnipsel übrig.
Im kommenden Frühjahr sollen die Kastanien durch Flatterulmen ersetzt werden. Die wachsen schnell und werden angeblich bis zu 35 Jahre alt. Wer denkt heute noch in Jahrhunderten?
Die zu allen Jahreszeiten zauberhaft romantische Vedute am Flussufer ist nun dahin. Wer schützt uns Menschen eigentlich vor diesen Politikern, die obendrein noch aus Steuergeldern bezahlt werden? Wann wird diese sozial schädliche Kaste endlich haftbar, für den Irrwitz, den sie anrichten und kommenden Generationen hinterlassen?
Was für ein Glück, die Scheibe mit dem Gekrächze von Leona Anderson ist durchgelaufen. Morgen früh aber schon wird  der Irrsinn durchgeknallt selbstherrlicher Politiker wieder weitergehen.
(Foto anklicken – gross gugge)

 

87 Gedanken zu „Denkdiät der Kahlschlagsäger

  1. „Liebe für alle, Hass für keinen“ das ist doch eine schöne Tafel ! Aber womöglich steht sie als Mahnmal für irgendeine furchtbare Geschichte des Hasses …
    Baumfäller finde ich prinzipiell unsympathisch, wenn es wohl auch hin und wieder sein muss.

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          • Guten Morgen, liebe Frau Arabella – – wen wertschätzt er denn, der Gärtnergatte? Oder verstehe ich da etwas falsch?
            Ich wünsche Ihnen einen wundervollen Tag und sende morgenkaltblauhimmlischsuperfitte Grüsse aus dem mainspitzigen Bembelland

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                  • Lebkuchenparfait ist natürlich ein Kracher in der kommenden Jahreszeit.
                    Meine Batschkapp heisst übrigens: Kangol Spitfire (die habe ich in schwarz und braun, die blaue ist leider hinüber. Die gibts auch in einer leichten Sommerausführung und die suche ich wie verrückt…)
                    Morgenkaltblauhimmlischsuperfitte Grüsse aus dem mainspitzigen Bembelland

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                  • Liebe Arabella, ich hoffe, das war ein Scherz: „Nee, ich hab nix gegen Polen, mein Kamininnenleben kommt auch daher, für’n halben Preis.“ So etwas zu lesen, als Kommentar zu einem Eintrag, der die Abholzung kerngesunder Bäume beklagt, ich war sprachlos gestern. Mußte eine Nacht drüber schlafen und überlegen, ob ich es schulterzuckend ignoriere oder was dazu schreibe. Nun, ich habe mich zu zweiterem entschlossen und bewußt nicht per Mail, weil manche Dinge eben doch in die Öffentlichkeit gehören. Herr Ärmel, ich hoffe, Sie gestatten dies…

                    Die polnische Holzindustrie, teilweise im Verbund mit der russischem betreibt massiven Raubbau, holzt ganze Urwälder ab, baut eigene Bahntrassen, um Deutschland und weitere mitteleuropäische Länder mit Billigholz zu versorgen. Als Beispiel sey der Nationalpark in Bialowieza genannt, hier ein Link dazu:

                    Klicke, um auf Themen_ZDFinfokanal_Bialowieza_Teil-2.pdf zuzugreifen

                    Außerdem verweigert die Holzindustrie die Zusammenarbeit bei einem von BirdLife, der Dachorganisation des NABU, erstellten Konzeptes, dem sogenannten BIF. Ein in meinen Augen immens wichtiges Projekt, hier der NABU-Link:

                    http://www.nabu.de/themen/wald/waldpolitik/europa/12831.html

                    Liebe Arabella, der Gärtnergatte geht doch selbst holzen, im eigenen Forst, warum kaufen Sie polnisches, bzw. als solches deklariertes Holz zu? Lesen Sie bitte in Ruhe die Links, ich bitte Sie herzlichst, damit Sie meine Fassungslosigkeit gegenüber solchen Aussagen verstehen. Wenn ich um Mißstände weiß, bin ich verpflichtet, mein Wissen zu teilen. Was ich hiermit mit freundlichen Worten versuche. Ich grüße Sie höflich und auch den geschätzten Gastgeber und wünsche einen angenehmen Tag, Ihre Käthe.

                    PS: Ich erwäge, einen eigenen Beitrag aus diesem Kommentar zu stricken, weil mir das Thema Wald so wichtig ist, was Sie ja schon beim Lesen bemerkt haben. Dazu warte ich allerdings auf Ihr Einverständnis, liebe Arabella. Aber verfolgen Sie erst in Ruhe die Links, es eilt nicht.

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                    • Ach Frau Knobloch, Sie sollten mal wieder bei mir lesen, dann wüssten Sie, dass wir unser Holz im Wald selber schlagen. Es sind ausgesuchte Bäume, die der Förster zur Hege des Waldes gekennzeichnet hat. Wir sorgen somit für die Gesunderhaltung unserer Wälder und Zahlen natürlich für das Brennholz.
                      Mit Kamininnenleben ist der eiserne Kern des Kamins gemeint und die elektronische Steuerung, die uns ermöglicht, das Haus mit Holz anstatt mit Gas zu heizen. Auch dabei sind wir ökologisch handelnde Menschen. Dieser Teil des Kamins ist in Polen im normalen Handel deutlich preiswerter als in Deutschland und deswegen haben wir uns entschieden dort einzukaufen.
                      Die Außenverkleidung haben wir in Eigenarbeit geschaffen, ökologisch wertvoll dagegen.
                      Keep cool liebe Käthe.

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                    • Na, das Getöse hat jetzt Ihren Kamininnenpolnischkern erzittern lassen. Das war der Stein vom Herzen… Ich war ja so verwundert, gerade weil ich vom eigenen Holz las. Doch bisher nie von einem polnischen Innendings. Danke für die zusätzlichen erklärenden Worte. Kuhl werde ich bei solchen Themen jedoch nie werden, tut mir leid. Froh, daß dies geklärt ist, grüße ich nochmals freundlich, Ihre Käthe.

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                    • Nein, nicht darüber cool liebe Käthe, mir gegenüber. Ich bin genauso um unsere Welt besorgt wie Sie, nur manchmal nehme ich den falschen Draht. 😉
                      Das korrigiere ich dann.
                      Das mit dem Innenleben war eine interessante Erfahrung.
                      Wir hatten uns hier verschiedenst beraten lassen und sind nie zufrieden gewesen. Dann haben wir im Internet geschaut, weil wir z.B.mit der Badkeramik in England gute Einkaufserfahrungen hatten. Dabei stiessen wir auf eine polnische Firma, riefen dort an und wurden im besten Englisch perfekt und preiswert beraten. Auch die Anlieferung war kein Problem. Sollten Sie einen Kamin planen, reiche ich die Adresse gern weiter.
                      Ihr Holzartikel interessiert mich natürlich sehr.
                      Und nun wünsche ich Ihnen einen schönen Nachmittag und mir ein ganz klein wenig mehr Vertrauen Ihrerseits in mich.
                      Mit freundliche Grüßen, Ihre Arabella

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                    • Danke für die weiterführenden Erklärungen und ich bitte hiermit um Verzeihung, daß ich Ihre Worte so mißverständlich aufnahm. Ich erachte hiermit das Thema als hinreichend erörtet, jedenfalls auf Herrn Ärmels Blog und werde wie gewünscht Ihnen gegenüber kuhl sein, ohne im Grunde zu wissen, was das beeinhalten soll. Doch ich versuche es. Freundliche Grüße zurück, Ihre Käthe.

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                • Lieber Herr Ärmel, ich habe Ihnen einen Link zum Shop geschickt.
                  Dort habe ich sogar 2 verschiedene blaue Sommerkappen gefunden.
                  Vielleicht ist Ihre dabei.
                  Das würde mich freuen.
                  Meine habe ich heute unglücklicherweise an der Tankstelle verloren.
                  Gemerkt, zurück gefahren und. .. sie wurde abgegeben und ich hab sie wieder. Freude!!!!
                  Dunklenachtistdraussengrüße Ihre Arabella

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    • Ich glaube eher, dass sich wohlmeinende Mohammedaner damit in ein gutes soziales Licht setzen wollen.
      Was ja das Schlechteste nicht sein muss… Auch da gibt es Menschen mit guten Absichten.
      Abendlichenovemberdunkelfluglärmende Grüsse aus dem südlichen Bembelland

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  2. Ach, Herr Ärmel. Wie ich befürchtete, mein Herz blutet, ob solcher Berichte und die Bilder lassen die Wunde nur tiefer werden.
    Es mag an meinem Mädchennamen liegen (Baum), der ja auch schön zu meinem Vornamen passt, aber mit Bäumen und im Besonderen mit alten, ehrwürdigen Bäumen, die teilweise gar Geschichte geatmet haben, fühle ich mich tief verbunden. Schon immer.

    Traurigabendlichingwerteetrinkende Grüße
    Ihre Silvia Meerbothe

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  3. Die Lichter auf dem gefällten Baum sind klasse, die Ärmelsche Fotoserie sehr eindrücklich.
    Mit den schnellwachsenden Bäumen ist das so eine Sache, da denkt man schon in Jahrhunderten, und zwar diesbezüglich dass man nicht wieder in eine solche Situation geraten möchte oder eben schneller handlungsfähig ist, wenn der Preis stimmt, ich meine der Baum krankt. Ich denke nicht, dass sich etwas bessern wird, da die anstehenden Politikergenerationen zumehmend weniger aus dem Leben kommen, sondern zunehmend Retortenerzeugnisse sind. Der Verstand wurde gebildet mittels Destillation, die Qualität ist aber eher suboptimal, sodass sie aus dem Labor entwichen sind…. Das Denken beinhaltet eben nicht mehrere Schritte sondern ist kurzsichtig. Ein ähnliches Verhalten ist in großen Unternehmen zu finden, man steht sich selbst am nächsten, nicht der Sache. Ein Grundübel eigentlich, dem nur das zufällige Chaos Einhalt gebietet.
    Die Entfernung der Linde offenbart zudem ein weiteres Grundübel: die Kultivierung der suggeriert freistehenden kostengünstig erstellten Gebäude in verdichteter Bauweise mit Luxuserinnerung. Hier muss ich stoppen, und beginne mich für die außerordentlich interessante Scheibe zu interessieren, die eigentlich gar nicht so schlecht sein kann….
    Abenddunkle Grüße vom Tabellenkeller. Seufz.

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    • Wie immer einen herzlichen Dank für Ihren Kommentar. Kennen wir uns? Nur so, wegen der in etwa gleichen Denke 😉
      Die Scheibe ist bestimmt schlimmer als Sie sich vorstellen – versprochen. Ich lehne mich da gerne mal aus dem Fenster.

      Abendlichenovemberdunkelfluglärmende Grüsse aus dem südlichen Bembelland

      PS: zum Ohrenauspusten läuft hier: McKenna Mendelson Mainline – Stink (1969). Diese Scheibe ist weitaus empfehlenswerter.

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      • Alsoooo:
        Jetzt hats me doch omm-ghaua, nachdem i nach dr Leona guhgld hab, zerscht hanne ‚Räts en mai Ruhm‘ khert ond no hanne dess do gfonda:

        AUA!
        Ansonsten: Stink fetzt! Zumindest T.B. Blues!
        Abendverschwurbelte Grüße 😉

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        • Aaaalter, das ist nicht Dein Ernst oder? Nee, merk ich grad, 1959, das muss eine andere Leona Anderson gewesen sein.. Puuuh *schweißvonderstirnwisch* ich dachte schon auf was für nem Trip ist der Ärmel gerade? Helene Fischer für Arme hätte ich ihm nicht zugetraut.

          Aber das macht mich jetzt doch neugierig, ich muss mal den Vogel fliegen lassen und nach der anderen Leona suchen. Schließlich befinden sich mit King Uszniewicz & His Uszniewicztones „Doin‘ The Woo-Hoo“ und The Shaggs „Philosophy Of The World“ schon zwei der definitiv weltschlechtesten Platten in meiner Sammlung, da darf Leona nicht fehlen.

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          • Neeneenee, wo denkst du hin, doch nicht diese Schwurbel aus dem Schmerzensvideo da oben.
            Meine Leona ist in der Tat von 1959.
            Oh, ich sehe gerade, die Scheibe gibts inzwischen auch remastered. Man höre, staune und flüchte *gggg*

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        • Falsches Wie-Deo Meister autopict, ganzes falsches – ich lach mich schlapp… (nee, der Wahrheit die Ehre: mir kommen die Tränen)
          Von McKenna Mendelson Mainline gibts überigens mehrere Scheiben. Aber gestern Abend beim hören hatte ich die Ahnung, dass mir The Groundhogs doch besser gefallen. Tipp: Thanks Christ for the Bomb (1970)
          Morgenkaltblauhimmlischsuperfitte Grüsse aus dem mainspitzigen Bembelland

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  4. „Mein Freund der Baum….“ Alexandra, Joachim Witt oder „Vor unserm Hause…“ von 4 PS – oh ja, was für ein garstiges Thema.
    Fällgrund: Die Plage mit dem Laub…

    Hesse beschreibt so eine Situation in „der Zyklon“ so treffend: Heimatverlust durch Baumfällung.
    Vor dem Gefängnis meiner Heimatstadt stand eine 100jährige gesunde Kastanie.
    Meine Großmutter erklärte mir im Alter von 4 oder 5 Jahren an ihrem Beispiel was eine Kastanie ist: Der Christbaum im Frühjahr mit den weißen Kerzen. Sie hatte auch selber bereits eine in unserem Gartenteil des Mietshauses gepflanzt und ließ mich die klebrigen Knospen ertasten. Der Setzling war so groß wie ich.
    Dann bauten meine Eltern ein paar Strassen weiter und wir und zogen aus. Die Nachnutzer beseitigten als erstes den 5jährigen Kastaniensetzling. Da war ich 7. Knappe 10 Jahre später starb Großmutter. Aber die Kastanie am Knast stand ja noch. Ich kam zur Fahne und las dort in einem geborgten Fischer Taschenbuch(Klassenfeindverlag!) eines Kameraden den „Zyklon“ von Hesse. Dann kam der erste Kompanieurlaub anfang 1980. Ich laufe vom Bahnhof nach Hause und muss am Knast vorbei: Die Kastanie war weg!

    Der Zyklon endet sinngemäß: Nun da die Platanen fehlten hielt mich nichts mehr in dieser Stadt. Ich war bereit für die Welt, denn diese Stadt war nicht mehr die meine. Exakt so fühlte ich mich damals auch. Studium und Wegzug standen ja bevor. Aber das Heimat Gefühl war schließlich doch stärker: Und vielleicht liegt das wiederum an Kastanien.
    Vor dem haus meiner Eltern wuchsen Kastanien als Straßenbäume. Bei unserem Einzug 1967 waren sie vielleicht 30 oder 40 jahre alt und dann gingen sie alle in den 70ern mysteriöserweise ein. Die 80er Jahre sahen die Strasse kahl. Wende! Modellstadt! Wiederherstellung alten Glanzes. Eine der ersten maßnahmen: Die Wiederbepflanzung der Straße mit Kastanien (ca10-15jährige Setzlinge) nun 25 Jahre später sieht dort alles wieder so aus wie 1970! … Nur am Knast steht keine.

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    • Eine anrührende Geschichte mit feinen musikalischen Zitaten unterlegt.
      So was gibts auch in Lummerland. Vielbefahrene Bundestrasse. Ich erinnere mich als Kind an die mächtige Kastanienallee.
      Ich erinnere mich an die beiden Freunde, die zwei Jahre älter waren als ich. Die sind mit einer Renault Floride Cabriolet an einer dieser Kastanien zerschellt.
      Wurden alle weggesägt um die Strasse zwei Meter breiter zu machen. Inzwischen wirds wieder eine Allee. Ich werde es noch erleben, wie die Kronen von beiden Seiten sich oben wieder berühren werden….

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  5. Ich bin erstaunt. Hier wird erbittert um jedem Baum gekämpft. Auch mit Bürgerinitiativen. Ganze Baumaßnahmen werden umgeplant (und verteuert), weil es einen Baum zu schützen gilt. Bei jedem Antrag auf eine Baugenehmigung, die die Fällung eines Baumes erforderlich macht, beginnt das Schwitzen, ob es ein Ja der Naturschutzbehörde geben wird. (Manchmal ist das Fällen leider wirklich unumgänglich.) Dann gibt es ein Baumgutachten, das den Wert feststellt und entweder eine heftige Ausgleichszahlung oder aber die Auflage zu Ersatzpflanzungen und Anwuchspflege. Will sagen, dass nur wegen Laubbelästigung hier keine Säge angesetzt wird.

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    • Das kann ich nachvollziehen.
      Ich erinnere mich als die Grenzen fielen, war ich ganz scharf auf die vielen alten Alleen, die es in den östlichen Bundesländern noch gab.
      Und dass es die heute noch immer gibt, ist eigentlich einem Zufall zu verdanken.
      Der ADAC („Freie Fahrt für freie Bürger“) hatte nämlich gleich die Augenbrauen oben und Kettensägen in ihren kranken Hirnen. Nur durch die schnelle und kluge Entscheidung verschiedener Institutionen wurden in einer Nach&Nebelaktion alle alten Alleen unter Denkmalschutz gestellt.
      Und ich konnte in unserem alten Morgan vom Kap Arkona bis ins tiefste Sachsen fast ausschliesslich unter Blätterdächern fahren.
      Abendlichenovemberdunkeläpplergeniessende Grüsse aus dem südlichen Bembelland

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  6. Wer schützt uns vor den Menschen, die diese Politiker trotz nachgewiesener Unfähigkeit immer wieder in ihr Amt wählen? An der Elbchaussee wurden neulich zum wiederholten Mal illegal Bäume gefällt, weil ein freier Balkonblick auf die Elbe 200.000 Euro mehr gebracht hat beim Hausverkauf. Hatte ich Inch gerade erzählt als sie hier war, und keine drei Tage später macht es wieder einer. Rate mal was die wählen, und wen die Millionen Typen wählen, die ebenso handeln würden, hätten sie eine Villa mit Elbblick zu verkaufen. Die Welt ist einfach voll mit Ar…….ern. Isso.

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  7. „Irrwitz“ und „Erkennungspfosten“ sind in diesem Zusammenhang zupackendes Sprachwerkzeug, nicht „Axt“ und „Kettensäge“, ekliges Brachialwerkzeug. Gedichte über Bäume, ich such` sie mal…
    Gruß von Nähe Rhein

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  8. Das macht mich wütend. Aber was erwartest Du? Die reißen einmalige Architekturensemble ab für einen Laden, der von vorneherein nur 20 Jahre da stehen soll. Wie sollen solche Entscheider und Erlauber in Jahrhunderten denken können? Und wo verlieren Politiker und Bemate auf dem Weg vom logisch denkenden Menschen zu ihrer Position die Logik? Das frag ich mich immer. Irgendwas muss da passieren. Oder kommen nur bestimmte Menschen in solche Positionen?
    Hier half auch aller Protest gegen das Baumfä#llen nix. Hochwasserschutz nannte es die Stadt, trotz Gegengutachten anderer Hochwasserschützer. Un d aktuell ist Schleußig dran. Die Straßenbäume. Die haben zwar selten Hochwasser da, aber es wird schon einen Grund geben.

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    • Ich glaube mittlerweile genau da liegt das Problem: Diese Menschen verlieren nicht auf dem Karriereweg ihre Logik, die haben keine, das ist überhaupt die Voraussetzung.
      Und in unserer immer komplexer werdenden Welt haben diese Spacken sowieso keine Lösungen mehr – falss es überhaupt welche gibt. Es könnte ja immerhin sein, dass bestimmte Bewegungen auch mit Logik und bestem Willen nicht aufzuhalten sind…

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  9. Mein lieber Herr Ärmel, gegen die Idiotie kommen wir zwar nicht an, doch können wir sie fürderhin anprangern. Die Täteranprangerungsschilder finde ich schon mal Klasse. Namen nennen, Schuldige öffentlich machen, das ist alles, was wir zun können. Hier sollten drei zwar noch relativ junge Bäume einem Radweg entgegen der ohnehin engen Einbahnstraße weichen, weil die Kampfradler statt dem Einbahnsystem zu folgen auf dem Gehweg voranpreschen. Hamwa erfolgreich verhindert, indem wir auf allen möglichen Wegen Protest einlegten. Und die Verantwortlichen an Ort und Stelle auf ihren Irrsinn schubsten. Meist wird doch aus irgendwelchen Schreibstuben heraus entschieden.
    Trotzdem einen Guttag Ihnen, das wünscht herzvoll zugetan, Ihre Frau Knobloch.

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    • Genau, Sie überaus lebenskluge Frau Knobloch, ich will jetzt&sofort, dass vor jedem Rathaus ein Pranger aufgestellt wird. Daran sollen die Insassen jenes Hauses bei Zuwiderhandlungen und Verfehlungen denen zu Spott und zur Wiedergutmachung ausgesetzt werden, die sie am Ende ja auch bezahlen…
      Mittagskaltgrauhimmlischtypische Novembergrüsse aus dem mainspitzigen Bembelland

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      • Ich fange schon immer mal an, Matschäppel und Tomaten zu horten, lieber Herr Ärmel. Bin ja sonst nicht so fürs Fingeraufanderezeigen, wegen der damit verbundenen Eigenzeigerey, doch anders als prangerig ist doch manch‘ Irrsinn nicht mehr beizukommen. Ob heute zum Beispiel der Anklagezettel mit den Namen noch am Bauzaun hängt?
        Wolkenfetzigesonnenkußstrahlgrüße sende ich gen Südbembelanien, Ihre Frau Knobloch, zugetan wie stets.

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        • Als ch heute Morgen um kurz nach Sieben dort vorbeigeradelt bin, da hing er noch.
          Sollte ich nun jeden Morgen, vorausgesetzt es bleibt leidlich trocken, die Hänung überprüfen und Ihnen einen Feinstbericht erstatten?
          Mittagskaltgrauhimmlischtypischsiestaschläfrige Novembergrüsse aus dem mainspitzigen Bembelland

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          • Da Sie die Vielstradeley ja eh‘ als Vornahme im Reisegepäck hatten, böten sich derley Wachtmaßnahmen gleich an. Die Vorlage hamSe ja, bei Bedarf könnten Sie die Zettel eigenärmelhändisch ersetzen. Ganzleisetippeditappgrüße, um die Siesta nicht zu stören, Ihre Frau Knobloch.

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            • Möönsch, die Knoblochsche hat wieder explosivzündende Idee. Gleich bei nächster Gelegenheit nochma fotografieren…
              (bis dahin bin ich am überlegen mir so einen Flachzülinder zu kaufen wie ihn die Dressurreiter bei ihrem unsäglichen Sport auf ihrem Hohlkopfe zu tragen pflegen – ich habe da just was gebrauchtes gesehen, überdies in Ärmelkopfgrösse)

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              • Kaufen, wenn der Preis gerechtfertigt ist! Können ja so Famoshüte nix dafür, welche Dusselpseudosportler sie als Uniformitätssymbol erwählen. Hach und dann flanieren Herr Ärmel und Frau Knobloch durch ein leichtverwintertfestlichbeleuchtetes Görlitz und kehren in der Schwarzen Kunst ein, er bezylindert, sie bemufft ~~~~ Moooment, ich wollte doch ins Archiv hinab steigen…

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                • Ohoh meine liebe Frau Knobloch, welch´ kühn gewagtes Traumgeweb entsprang Ihrer Phantasie…
                  Und wenn ich Ihnen dann noch diese Dingsbums, na Sie ahnen schon – – wenn ichs kriegen könnte, ich glaube, ich würds glatt mitbringen (die Betonung liegt auf glatt)
                  Nachmitternächtlichbettwärtsziehende Grüsse vom Schwarzen Berg

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                  • Ichignorieredasdingens, ichignorieredasdingens ~~~~~~
                    Mein lieber Herr Ärmel, meine kleine Phantasterey hat Sie wohl inspiriert, daß Sie traumwärts zurück auf den Schwarzen Berg kehrten und Ihre vergessenen Famosbekleidungsstücke holten, um angemessen mit mir über Ober- und Untermarkt zu wandern, hin gegen Vierradenmühle, einen Stärkungstrunk einzunehmen. Das finde ich ja bonfortionös von Ihnen. Herzfeinste Grüße, trotz Holzeleids, immer die Ihre.

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                    • Lieber Herr Ärmel, ich glaube, Ihr Kommentarzerberus hält einen mir wichtigen Kommentar als Spam gefangen. Können Sie bitte mal nachschauen? Mir wird angezeigt, daß er noch freigeschalten werden muß, obgleich ich ihn heute vormittag als erstes schrub… Danke, immer die Ihre.

                      Zum Zühlyndererwerb gratuliere ich, das hammSe gut gemacht.

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                    • Ah, danke, ich fühle mich angemessen entspämmt…

                      War der Erstzühlynder denn blaublau? Dunkler ist natürlich besser, aber ach, Sie entscheiden schon richtig. Und ich sehe es dann ja in Görlitz ~~~~~~~~

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                    • (Eilnachricht aus dem Logistikzenter Bembelland Mitte): In Görlitz? Von der Strecke her wäre dieses.. , na dieses Dingens .. ähh Dingenskirchen, na, Sie wissen schon dieses Dingsbums auf dem Fahrrad nicht mehr seriös zu transportieren… gez. Ärmel (zieh-linderlos)

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                    • Hach, in Phantasien, das Görlitz doch erst einstweilen, mein lieber Herr Ärmel. Zwar werde ich tatsächlich die Weihnachtstage da verbringen, da wollen Sie doch aber mit den Grobunfugsgesellen ~~~~~
                      (Diesesdingensdingmachtmichnichtwuschig, diesesdingensdingmachtmichnichtwuschig,
                      diesesdingensdingmachtmichnichtwuschig…)

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                    • Naja, immerhin hat weichklopfen geholfen und beim nächsten Treffen nächste Woche krieg´ich das Ding, von dem ich mich behaupten traue, dass es zur Zierde eines Florallabors gereichen könnte. So von der Farbe und den Elementen her … ______________

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  10. das eine ist der Irrwitz der PolitikerInnen, das andere der, der Laubhasser, weil sie nicht wissen, was für ein feiner Kompost es ist und ich … ich hasse Laubbläsergetöse (die es hier (noch) nicht gibt), aber vor allen Dingen diese Rückemaschinen, die es eben hier im Wald zur Genüge gibt, die die Böden auf Jahrzehnte verdichten und jede abgeschlossene Forstarbeit einem Kriegsschauplatz gleichen lässt- und dann noch dieses Geschreddere … ach, Herr Ärmel es regiert der Unverstand die Welt!

    Aber ich will ja ncht nur stöhnen, sondern auch danken, besonders für all die Erinnerungen, die Sie in mir hochgespült haben, an VW-Käfer, Kastanienalleen und Radeltouren-

    herzlichst Ulli vom türkissonnigen Berg

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    • Sie sprechen mir aus dem Herzen! Und ausserdem war mein erster vierrädriger motorgetriebener Untersatz auch ein Käfer. Baujahr 1965, Exportausführung mit luxoriöseren Stossstangen (solche Worte gibts heut nicht mehr) und Tankuhr. Alabasterweiss und mit nur 17tsd Kilometern auf der Uhr… ach ja, in der dunkler werdenden HerbstundWinterzeit sollte ich vielleicht mehr über vergangene Erlebnisse schreiben, die Gegenwart ist eh grau genug~~~~~~
      Morgenkaltblauhimmlischsuperfitte Grüsse aus dem mainspitzigen Bembelland

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    • Ich habe selbst schon hohe alte Bäume gefällt, die erkrankt waren und gelegt werden mussten, die haben mir manchmal leid getan wegen ihres Alters oder ihrer Schönheit.
      Aber gestern vor dem Schredder, wie der innerhalb weniger Sekunden mehrere Zentner Holz zerschnippelte, da blieb mir kurzfristig der Atem stehen…
      Nachmitternächtlichbettwärtsziehende Grüsse vom Schwarzen Berg

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      • Ach ja, auch selbst schon… da geht das natürlich besonders an die Nieren bzw. die Lungen…

        wenn ich daran denke, wie wir, mit welcher Brutalität wir, die Bäume dieser Welt in Fließbandarbeit andauernd wie die Durchgeknallten ratzfatz absägen, da dreht sich mir der Magen um, und wenn all meine Bemühungen, verbal, schriftlich dagegen nichts nützen, daran absolut nichts ändern, dann bemerkt man seine Ohnmacht als Mann, und das zerstört viel Glaube und Vertrauen in die Verantwortlichen dieser Erde, die niemals hören, nicht zuhören, nur zerstören (wollen), nicht nur die Bäume, auch unsere Atmosphäre und ihre Mitmenschen…
        na ja, da renne ich eh hier wohl nur offene Türen ein, nicht wahr?!

        Herzliche Morgengrüße vom Lu mitten aus dem hochnebelversauten Ländle…
        PS: Übrigens wurde hier von mir gegen Ende des Beitrags auch der Herr Ärmel ausgezeichnet:
        http://finbarsgift.wordpress.com/2014/11/13/finbars-welt-ein-kleiner-einblick/

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  11. Gestern habe ich mich mal an die Leona getraut (die echte). Angesichts der unverwechselbaren Stimme würde ich das glatt unter Comedy verorten, aber zumindest die beschäftigten Instrumentalisten haben deutlich mehr Talent als z.B. die Shaggs. Mehr als vier Stücke habe ich dennoch nicht durchgehalten, dann lief schon ein dünner Faden Blut aus dem ersten Ohr und man soll im Alter ja mehr auf seine Gesundheit achten *gg*

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    • Dass du mir ohnehin sympathisch, das weisst du. Aber dass du gar blutende Ohren riskierst,
      um dir diese vermaledeite Scheibe anzuhören, das ringt denn doch eine gewisse Ehrfurcht ab.
      Ich habe übrigens Loza (Trester oder Grappa ist nix anderes – destillierte Weinabfälle halt), also
      ich habe Loza dabei, dem bei der Lagerung frischer Rosmarin zugegeben worden ist.
      Nun ist der Schnaps grün und hilft gegen und heilt einfach alles.
      Solltest du noch weitere gefährliche musikalische Experimente vorhaben, dann warte vielleicht
      bis wir den Schnaps zur Hand haben – da wird kein Ohr mehr, egal wie schlecht die Mugge idt *ggg*

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