Zwischen den Jahren – zwischen den Kriegen

Weihnachten? Weihnachtsmusik natürlich. Versteht sich doch. Der Mix besteht aus folgenden Scheiben:
The Ventures – Christmas Album (1965), The Moog Machine – Christmas Becomes Electric (1969), 12 Rock´n´Roll Breakers to ruin your Christmas Party, Elvis Presley – Christmas Album (1957), Brian Setzer Orchestra – Boogie Woogie Christmas, Smooth Jazz Christmas (2007), Heavy Kraut Christmas (1971), Vice Guaraldi Trio – A Charlie Brown Christmas (2000)…

Vor mir liegen die Leselupe und der Ahnenpass. Ohne den kantigen Adler und das pervertierte Kreuz aus der indischen Mythologie auf der Vorderseite. 1945 musste an allen Ecken gespart werden. Auch in den Druckereien. Auch bei den Todesanzeigen. Grosse Anzeigen waren nicht mehr erlaubt. Im Ahnenpass entziffere ich Namen von Vorfahren, die nicht zu mir sprechen. Nicht in Bildern, nicht in Geschichten. Für solche reicht die Zeit nicht mehr zum Aufbewahren in der Erinnerung. Unser Leben wird stetig schneller. Eine Bewegung weg von der Vergangenheit in eine versprochen leuchtendere Zukunft.
Ahnenpässe wurden jeweils auf oder für eine Person ausgestellt. Zum Nachweis auf Verlangen. Einzig wichtig waren die Einträge der religiösen Bekenntnisse. So liessen sich Menschen einfach sortieren. In deutsche und unerwünschte. Dieser Ahnenpass weist merkwürdige Lücken auf.
Die Standesbeamtin betritt am 13.1.1945 die Bäckerei meiner Grosseltern. Sie sagte, dass sie die lückenhaften Eintragungen am Nachmittag vervollständigen würde. Die meisten Unterlagen lägen jetzt ja vor. Sie wolle nur rasch noch ein Brot kaufen für ihre Mittagspause um etwas zum essen zu haben.
Die Sirenen signalisierten Luftalarm. Ihre Milchkanne könne sie doch sicher gerade hier stehen lassen, fragte sie, sie müsse sich jetzt beeilen, um nach Hause in den Keller zu kommen. Das Haus ihrer Familie war ja nur eine Strasse weit entfernt. Richtung altem Bahnhof.
Für Samstag, den 13. Januar 1945 sah der Einsatzbefehl der 8. US-Luftflotte vor, die Bahnanlagen in Lummerland zu bombardieren. Einhundertunddrei Menschen wurden dabei um ihr Leben und in den Tod gebracht. So erklären sich Lücken in amtlichen Aufzeichnungen im Nachhinein.

Und so kommt es, dass jetzt von einem Teil der Vorfahren die Eintragungen fehlen. Ich suche nämlich jenen Onkel, Urururonel wäre treffender, den es über das grosse Wasser zog. Wann ist er gegangen, warum, was hat er gemacht? Fragen, die mir niemand beantworten wird. Mit welchem Ergebnis er es gemacht hat, lässt sich vermuten.
Eine Zwischenstation war
mein Urgrossvater mütterlicherseits. Dessen Taschenuhr steht auf meinem Schreibtisch und wird jeden Morgen aufgezogen. Seines Vaters Onkel war jener Ausgewanderte. Und er muss es sehr gut getroffen haben, denn er konnte sich die Schiffspassage zwischen den Kontinenten mehrfach leisten.
Bei einem seiner Besuche schenkte er seinem Neffen, meinem Ururgrossvater eine goldene Taschenuhr. Der vererbte sie seinem Sohn und so wurde 1928 beim Tod meines Urgrossvaters die Taschenuhr einem Wandgelass anvertraut. Vor zwei Wochen kam sie in meine Hände zusammen mit dem Ahnenpass.
Die Recherche im Internet war erfolgreich. Die Geschichte der Taschenuhr lässt sich rekonstruieren. Sie wurde zwischen 1870 und 1872 angefertigt. Mit dem beiliegenden Schlüsselchen habe ich sie ganz vorsichtig aufgezogen. Immerhin lag sie 86 Jahre wohl verwahrt. Bereits nach den ersten Umdrehungen lief sie an. Ticktackticktack. Eine leichte Gangungenauigkeit ist behoben, sie geht während ener Woche auf die Minute genau. Ich verweigere mir Gedankenspiele hinsichtlich der Funktion einer stillgelegten Digitalkamera nach 86 Jahren. Oder eines DVD Players. Ach, ich wills eigentlich garnicht wissen.
Zu jenem Onkel von vor hundertfünzig Jahren fiel mir die Frage ein, ob es eine deutsche Familie geben mag, in der es keine Migranten gibt oder gegeben hat. Auch wer bloss wegen der Arbeit von München nach Hamburg zieht ist ein Migrant. Auch der verstorbene Stuerflüchtling Udo Jürgens war ein Migrant und unser Schumi ist sowieso einer.
Beim Frühstück erfuhr ich, dass Joe Cocker gestorben ist. Denn kenne ich seit Jahrzehnten. Seit seinem Auftritt in Woodstock. Damals musste man ein Mädchen kennen. Dann hatte man die Chance gegen Hingabe eines T-Shirts ein gebatiktes Kunstwerk zurück zu erhalten. So eines wie es der Joe Cocker auf der Bühne in Woodstock anhatte. With a little Help from my Friends. Als ich den Nachruf in der Zeitung las, bin ich erschrocken. In den nächsten Jahren werden die meisten unserer Musikhelden sterben. Die Zeit ist reif.
Nicht reif war die Zeit für meine Tante. Im Ahnenpass fand ich ihre Sterbeurkunde. Verstorben in Alzey/Hessen in der Dautenheimer Landstraße zwischen 17 und 22 Uhr. Am 28. März 1945. Sie war vier Wochen vorher acht Jahre alt geworden. Die Verstorbene war, laut der maschinenschriftlichen Eintragung „angeliefert von amerkanischen Truppen.“
Die Sterbeurkunde für meinen Grossvater trägt dasselbe Datum. 28.3.1945. Er ist laut der Eintragung um 17 Uhr durch Feindeinwirkung gestorben. Im Stempel auf der Urkunde ist das wappen weggekratzt. Die neue Zeit begann ohne ihn. Die Sterbeurkunde für meine Grossmutter fehlt
Es gibt noch immer Menschen, die Ammis als Befreier bezeichnen oder sogar wider besseren möglichen Wissen bezeichnen. Russische Vergewaltiger? Wohlbekannt. Wann werden die Zahlen der amerikanischen Vergewaltiger öffentlich gemacht? Auf der Rückseite des Ein-Dollar-Scheins ist eine Pyramide mit einem Auge auf der Spitze abgebildet. Unter der Pyramide steht: Novus Ordo Seclorum. Neue Weltordnung. Das ist das Programm dieser imperialistischen Kriegstreiber. Seit 1893 in Hawaii.
Nebenbei muss ich beim Lesen des sehr empfehlenswerten Buches „Wir sind die Guten“ in dieser Weihnachtszeit erfahren, dass ein ehemaliger Mitschüler inzwischen als sehr bekannter Journalist auf der Propangadabühne kriegstreibend schreibend unterwegs ist. Und der Mann hat Kinder zuahuse. Was mag in seinem Kopf vorgehen?. Ich verzichte auf eine Weihnachtsgans. Stattdessen gibts hier ein Lied, mit dem für mich Kriege als Heranwachsender in meinem Weltbild keinen Platz mehr hatten. Ist zwar noch aus der Zeit des Vietnamkrieges, aber die Ammis werden sich mit ihren Weltherrschaftsträumen sowieso nicht mehr ändern:

anklicken und horsche -> https://www.youtube.com/watch?v=M-yQejLBtBk

(Fotos wie gehabt anklicken und gross gugge: Das SW-Foto wurde mit einer Olympus 35EC auf Ilford FP4 Plus aufgenommen, die 45 Jahre im Schrank lag. Das zweite zeigt eine alte Taschenuhr. Die Einladung der betagten Nachbarin, mir für Weihnachten Schampus aus ihrem Keller zu holen, kann ich nicht abschlagen. Die nummerierte Flasche Söhnlein reizt mich mehr als der Rüttgers Club von 1973. Der Pipers ist noch viel zu jung. Ich entscheide mich jedoch für den Pommery et Greno von 1945, dass der Krieg endlich aufhört – ich habe schliesslich Kinder).

(Fotos wie gehabt anklicken und gross gugge)

 

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57 Gedanken zu „Zwischen den Jahren – zwischen den Kriegen

  1. Das mit der Uhr ist ja phantastisch. Auch, dass Du sie soweit reparieren konntest. Klasse, dass es den Schlüssel dazu noch gibt. Die Uhr sieht sehr schön aus.

    Bemerkenswert, was Du alles schon über Deine Familie hast zusammentragen können. Es ist sicher eine hochemotionale Angelegenheit, dieses Aufdecken, Stück für Stück, ist sicher auch immer die Berührung eines oder mehrerer Traumata. Eine schmerzhafte, tiefgreifende und häufig auch generationsübergreifende Folge des Krieges, die sich in den Handlungen der betroffenen Personen häufig fortsetzt und deshalb eben dieses Forschen und Aufdecken braucht. Das kostet Kraft und Mut.

    Ich verabschiede mich nun in die Nacht. Ich hoffe, Du kommst etwas zur Ruhe. Schlaf gut und Gute Nacht. Liebe Grüße von Nebenan.

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  2. Ja, die Uhr. Da hats mir die Sprache verschlagen, als die einfach so ansprang. tikketakketikketakke… Das ist übrigens eine Doppel-Albert-Kette – man lernt ja nie aus 😉
    Aber du hast Recht, manches kann einem da schon nahe gehen. Anderes bleibt in einem seltsam nebulösen Raum, der gefühlsfrei scheint.
    Auch dir eine traumhaft gute Nacht: gesendet aus dem magischen Bembelland

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  3. Hallo Herr Ärmel. Das Lied kenne ich, dennoch Dank dafür, daran zu erinnern. 🙂

    Mein Einwurf: Mein vor Jahren (es sind jetzt 30 oder so) verstorbener Großvater hatte weit über 20 Cousins, sie sind über die ganze Welt verstreut. Amerika (wer will da schon hin?), Australien, Überall. Ich habe keine Ahnung, wo sie sind, ob mir Verwandte begegnen. Ich weiß nicht, ob sie leben, ob sie Kinder haben, wo überall ich Verwandte haben könnte. Oder eine Uhr. Zeit.

    Zwei Erlebnisse mit Uhren habe ich ebenfalls zu berichten (finde das Thema sehr sehr gut, es weckt Erinnerungen). Erlebnis #1: Mein Großvater (Ja, derselbe) schenkte mir eine Armbanduhr zu einem Ereignis, als ich ungefähr 13 Jahre alt war. Ich verlor sie Jahre später in den 80ern in einem Club in Lyon bei einem Besuch meiner Schwester. Damals konnte man wegen vieler Rechtsradikaler nur mit Klingel dort in Clubs gehen. Die Uhr flog in eine Ritze, in einen Hohlraum zwischen Wand und Holzboden, wir fanden sie nicht wieder. Ich vermisse sie immer noch…

    Erlebnis #2: Mein Vater schenkte mir (zu diesem Zeitpunkt war ich zufälligerweise auch unter 20) einen kleinen Wecker. Er war seit Jahren kaputt. Batterie wechseln half nicht. Dennoch hob ich ihn auf, es ist und war eine Erinnerung, mein Vater lebt nicht mehr. Seit seinem Ableben im letzten (2013) Jahr tickt dieser Wecker ohne Batteriewechsel wieder. Ich wage nicht, ihn zu bewegen.

    Herzliche Grüße & Danke für Lesen und Erinnerungen geweckt zu haben. Würden Sie nicht so gerne zur SGE gehen, ich würde Sie zu meinem Lieblingsverein FSV Frankfurt einladen. Dort ist es noch bodenständig und nicht so *hach* Konsumgeil, übrigens. 😉

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    • Guude Morsche Frau Pfefferschote,
      Ihr Kommentar bereitet mir Freude, denn ich liebe diese Geschichten. Eine Uhr zu einem Ereignis im Alter von ungefähr dreizehn Jahren? Das könnte es eine Konfirmation gewesen sein. Da bekam ich von meinem Petter eine goldene Tissot. Musste immer so dermassen drauf aufpassen und habe sie dennoch verloren.
      So ergibt eine Geschichte die nächste.
      Das Weckererlebnis st eine Gänsehautgeschichte. Welches Erweckungserlebnis mag dahinter sich verbergen.
      Die freundliche Einladung nach Bernem sage ich nicht ab. Wer weiss. Ich kein Hardcore Liebhaber der Diva, aber beim FSV kenne ich mich überhaupt nicht aus. Das sollte sich bei Gelegenheit vielleicht ändern
      Ganz herzliche morgendlichblauhimmlische Grüsse aus dem stillen Bembelland

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      • Oh, gerne. Dann wenden Sie sich doch bitte irgendwann, wenn es passt, freundlichst an Frau Pfefferschote via Kontaktformular. Wir aus dem „Bembelland“ sollten ja zusammen halten, auch im Fußball. Ich kichere noch heute über diesen Ausdruck, hervorragend. 😀
        Bembelige Grüße aus der Mitte Bornheims.

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  4. Lieber Herr Ärmel,
    diese alte Uhr ist ein Juwel der Feinmechanik und bei etwas Pflege, ticktackt sie gerne noch weitere 86 Jahre.
    Die Koffie-Brüder haben es auch sehr mit der Ahnenforschung. Dabei kommen die interessantesten Familiengeheimnisse zu Tage, die man vor Generationen so schön vertuschen wollte.

    Danke für das mir bisher unbekannte Lied.

    Mit weihnachtsbratengeschwängerte Festtagsgrüssen aus dem Bergischen
    Sk

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    • Guten Morgen Sweetkoffie, jaja die Familiengeheimnisse. Die scheints auch in jeder Familie zu geben oder gegeben zu haben. Und die müssen nicht unbedingt lustig sein für uns Heutigen.
      Die Taschenuhr hats mir angetan und ich werde sie reinigen, frisch ölen und justieren lassen.
      Morgendlichblauhimmlischsiebensonnige Grüsse aus dem unaufgeregten Bembelland

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  5. Nochmals einen guten Morgen, lieber Herr Ärmel!

    Nun habe ich die Antwort, auf die Frage, die ich im Blog nebenan stellte, schon beantwortet. Spannend, die Ahnenforschung. Ich weiß zu berichten, dass über Migranten aus Deutschland (haben Sie den Namen des UrUrUr Onkels?), die Mormonen in USA sehr genaue Aufzeichnungen haben. Meine Kollegin aus der Taxi Zentrale fand so einen Teil der Familie wieder, die als Artisten auswanderten. Nur ein Tipp, falls Sie weiter forschen möchten.
    Alte Dinge, die nach so langer Zeit noch unbeeindruckt ob ihres Alters ihren Dienst tun, beeindrucken mich immer wieder. Vom Scheunenfundmotorrad bis zur Taschenuhr. Ist das nicht fantastisch? Das schaffen die Sachen, die heute produziert werden nicht mehr.
    Ich freue mich Kamera und Uhr in Händen zu wissen, die sie schätzen.

    Noch weiterhin schöne Feiertage,
    Ihre Silvia Meerbothe

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    • Ich danke für die guten Feiertagswünsche – ich kanns brauchen.
      Schönen Dank auch für den Hinweis auf die Nachfahren des Adam Smith. (Cleverer Geschäftemacher mit eigener Religionsfirma;. auch einer von denen, die es drüben geschafft haben (fragt sich nur zu was – so nebenbei bemerkt). Das wusste ich schon länger. Ich frage mich allerdings, warum die dieses Geschäft betreiben. Vielleicht wird andersrum ein Schuh draus. Also wenn man die Perspektive wechselt. In Ammilandia sind ja praktisch alles Zugewanderte, vielfach ohne Geschichte. Die meisten waren ja Sektenheimer, Irrgläubige, Verbrecher oder Glücksritter. Deren Nachkommen geben vielleicht gerne Geld aus für ein bisschen eigene Familiengeschichte abseits von Hollywood….
      Morgendlichblauhimmlische Grüsse aus dem unaufgeregten Bembelland

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  6. Nur eine Marginalie, am Rande:
    Meine Mutter wurde NICHT von den Amerikaner vergewaltigt, sondern sie gaben ihr medizinische Hilfe und etwas zu essen. Meinem Vater (staatenloser Ausländer – sie lernten sich erst 10 Jahre später kennen) wurde NICHT von den Amerikanern misshandelt und verstümmelt, sondern sie gaben ihm Arbeit. Meine Großeltern väterlicherseits wurden NICHT von den Amis nach Sibirien verschleppt (Es waren nur einfache Bauern eines freiheitsliebenden Volkes – der andere Sohn wurde in der ruhmreichen Sowjetarmee verheizt). Nur die Großmutter kam wieder, für den Rest des Lebens unansprechbar.
    Ach ja, ein frohes Fest noch.

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    • Ich bin nicht sicher hinsichtlich eines Missverständnisses. Um was es mir ging, ist die ewig gleiche falsche historische Darstellung, Im Osten die Vergewaltiger und vom grossen Wasser herüber die Befreier – das ist historisch falsch. So einfach wars eben doch nicht, nur eben politisch besser nutzbar.

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        • Da habe ich Sie doch richtig verstanden. Und Ihr letzter Satz, den unterschreibe ich.
          Wir Nachgeborenen kennen diese Geschichten nur vom Hörensagen und habens (zum Glück) nicht erleben müssen.
          Das ist für mich der Grund und weil es mich interessiert, nach Möglichkeit so viel Wahres zu erfahren wie möglich…
          Vormittäglichblauhimmlischkalte Grüsse aus dem glockenklingenden Bembelland

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          • Zu dieser Diskussion möchte ich noch anmerken: Sieger haben schon immer seit der Antike Frauen vergewaltigt, es ist die größte Demütigung, die Männer ihren Widersachern zufügen können. Auch unsere deutschen Wehrmachtssoldaten in Rußland haben keine Ausnahme gemacht und die Amerikaner in Vietnam und Korea auch nicht, es galt für die „christlichen“ Religionskriege usw.usf.. Es gilt für alle Völker, die sich zu Kriegszeiten nichts schenkten. Das Ausmaß kann unterschiedlich sein, für die Betroffenen immer ein Desaster.
            Es gibt keinen sauberen Krieg und wer einen Krieg anfängt, begeht das größte Verbrechen und die Lügen darum, die Bemäntelung sind Ausreden für Geld-, Ressourcen-, Machtgier.
            Auch ich habe die Amerikaner als Befreier als kleines Kind in meiner Heimatstadt, die total vom Krieg verschont blieb, in Erinnerung, allerdings wenn ich heute nachdenke: die jungen Frauen, Kriegerwitwen haben sich oft prostituiert, um an die notwendigen Grundnahrungsmittel oder Tauschware wir Zigaretten, Kaffee, Devisen zu bekommen, ist zwar keine Vergewaltigung, aber nicht so weit davon entfernt. Wie sie damals an die Waren herankamen, war mir damals nicht bewußt bzw. erst sehr viel später, als ich entsprechende Bücher las.
            Friede auf Erden? Utopie!

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  7. Jau! Einer der allerbesten Antikriegssongs! Mal abgesehen von Acapulco Gold und „Sodom und Gomorrah“, die gleich die komplette Apocalypse zusammenfassen.

    Ahnenforschung – immer ein Thema! Uns hat ja nicht der Esel im Galopp verloren.
    Daher auch meine absolute Alois Nebel Begeisterung! Comic lesen – DVD Gucken! Auch interessant für Leute, die keine sudetendeutschen Verwandten haben.

    Manfred Krug hat auch sehr gekonnt seine Familiengeschichte zurückverfolgt bis zu einer taubstummen Urgroßmutter aus Kattowitz. Lesenswerte Memoiren auch im literarischen Sinne. Tolle Buchkonzeption.

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    • Ein tolles Lied.
      Und den Trailer von Alois Nebel habe ich gesehen – der machte Lust auf mehr. (Mal sehen).
      Zu Manfred Krug habe ich eine zweifelnde Einstellung. Einerseits ein grosser Schauspieler andererseits kann ich ihn nicht mehr sehen in seinem flachen (West)Rollen…

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  8. Lieber Herr Ärmel, was für ein Eintrag!
    Ich staunte und fragte mich, welches Gefühl es wohl ist, wenn man eine 86 Jahre lang stille Uhr aus dem Schlaf holt. Was hat sie alles erlebt.
    Stelle ich mir wie ein Geschenk vor, wenn so ein Artefakt der Vergangenheit, ein Familienerbstück zu einem kommt und nun schlägt die Unruh für Sie, Herr Ärmel, und das Uhrenleben geht weiter, taktet die neue Geschichte.

    Sie sprachen wieder vieles an, unter anderem die Parole auf dem Dollarschein und ich fand die schon immer unheimlich.
    Ich dachte: Welches Volk maßt sich allein an, eine neue Ordnung auszurufen und druckt diesen Aufruf auf Zahlungsmittel. Erschien mir wie unterschwellige Manipulation aller Zahlenden…
    Aber na ja, das ist meine sachlich unfundierte Empfindung eines unangenehmen Gefühls.
    So eine:
    Hoppla, jetztkommich-Mentalität…
    😉

    Danke für die Weihnachtsmusik, das Bildergugge und ich wünsch Ihnen einen schönen ersten Weihnachtsfeiertag.

    Herzliche Grüße,
    die Karfunkelfee

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    • Liebe Karfunkelfee, über Ihren Kommentar freue ich mich wie allemal. Viel wird die Uhr nicht erlebt haben in ihrem Dornröschengefach.
      Aber seit sie hier neben mir auf dem Asühlschreibtisch tikkeditakkt bin ich ganz glücklich.
      Tja, die New World Order könnte man eigentlich als spinnerte Idee abhaken, wenn da nicht eine Menge Ammigesindel an der Umsetzung arbeiten würde. Warum können die andere Völker und Nationen nicht in Ruhe lassen?

      Danke für den schönen Erstenweihnachtsfeiertagwunsch, den ich hiermit herzlichst retourniere…

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  9. Ach, Herr Ärmel…. So ein … Nachhaltiger Artikel… Mit soviel Geschichte und Gedankenpotential gespickt…. Dass die Uhr Sie gefunden hat? finde ich grandios passend. In Keine besseren Hände hätte die Uhr fallen können.

    gemütlichgraue Grüsse aus dem bockenheimer Auen 🙂

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  10. //Weihnachtswimterschlafundessundpäckchenauspackmodus off//

    Soso, da schafft es der werte Herr Ärmel mich doch tatsächlch aus meinem WWSuEuPAM aufzuwecken. Aber ich werde sogleich oder alsbald wieder in diesen zurückfallen…
    Mir gehen da nur einige noch unreflektierte und durcheinanderfliegende Gedanken durch den Sinn, angefangen vom Weihnachtsalbum der Bright Eyes, den Anspieltipp „Little Drummer Boy“ hatte ich an anderer Stelle schon zum Besten gegeben.

    Dann die US-Amerikaner, deren Grundsatz auf dem Dollarschein bereits 120 Jahre alt ist und vielleicht auch im Kontext zu der damaligen Zeit gesehen werden muss. Man denke an die Deutschen 1914. Die Lebenslinien der 2 Staaten duellieren sich ab und an, erst öffentlich dann im Verborgenen, sind aber grundverschieden.
    Aufgewachsen mit dem Gutmenschbild USA und dem Schlechtmenschbild UdSSR („Fallbeispiel: Rotland greift Blauland an.“) zeigen die neuen Medien und die sich daraus resultierenden Möglichkeiten ein anderes Bild der ‚Blauland‘ Nation, das sich sicherlich nicht erst nach 1945 in Teilen zum Schlechten gewandelt hat Der eigene Großvater wusste aus englischer Gefangenschaft auch nicht nur Positives zu berichten, allerdings auch für das vor-Teenie-Alter halbwegs erträglich.
    Dann wieder der Vergleich mit heute, die Unruhen in den Garnichtmalsoweitwegländern, wie geht man damit um? Ist man nicht ein wenig froh, dass die Amis sich einmischen? Oder doch nicht? Soll man sich raushalten? Wie entscheidet Deutschland? Der Russland-Ukraine-Konflikt? (Ist das Buch empfehlenswert? ich habe unterschiedliche Meinungen hierzu gelesen). Schaut man zurück, sind diese Konflikte natürlich nicht zufällig entstanden, wie bei jede Krise. Die Verflechtungen gehen weit zurück. Eine IS ist sicher nicht morgens aufgewacht und war plötzlich da, sondern musste entstehen.
    Wie wird die eigene Verantwortung definiert, und wo beginnt sie?
    Übliche heute Floskeln („früher war alles besser“ oder „es kommt selten was besseres nach“) stimmen leider zwar häufig, aber eben nicht immer. Der größte Feind des German Native könnte damit die Veränderung sein, egal in welchen Bereichen, was aber etwas zwiespältig ist, da es in Grundzügen die deutsche Geschichte widerspiegelt. Man denke nur an die deutschen Auswanderer im frühen 19 Jahrhundert und danach und die Rückkehr im WW2. Doppelte Immigranten. 2 mal minus ist plus, aber eben nicht für alle. Alles was von außen kommt, stört.

    Zum Schluss dann Ihre Uhr und die alte noch funktionierende Kamera, Brücken der Zeit, Motivatoren für den Blick zurück um den heutigen zu formen. Manches war auch gut, manches war aber eben nur, gut oder schlecht, vielleicht gibt es das ja nicht immer.
    Wie mag unsere Zeit den Nachfahren im Gedächtnis bleiben, wer sortiert meine zigtausend Fotos und die paar Gedanken, wer räumt meinen Keller nach mir und wird mich verfluchen für 5 1/4 Zoll Disketten statt Taschenuhr, für einen Röhrenfernseher statt eines zeitgenösischen Buches?
    Ich weiß nicht ob ich es wissen will, aber es wird nicht viel zurückbleiben. Die vor mir erzählten nichts, die mit mir speichern ohne zu konservieren und die nach mir haben dann keine Geschichte mehr.
    In der Kosmischen Zeitrechnung (vgl. Himmelsjahr 2015) ist die Menschheitsgeschichte wenige Sekunden alt, bezogen auf die Dauer von einem Jahr vom Urknall bis heute. Wenn wir uns also kaputtmachen, ist wenig Schaden angerichtet, nur ein paar Sekunden. Ein Trost.

    Fröhliche Feiertagsgrüße nach Bembeltown!

    //Weihnachtsschlafundessundpäckchenauspackmodus on//

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    • Herr Autopict, das ist wieder einer von Ihren geschätzten Kommentaren… Womit fange ich jetzt an?
      Ach ja, zuerst die festgefahrenen Vorurteile. Dagegen schreibe ich an, wann immer das möglich ist und passt. Und dass die eine Seite die gute und die andere die schlechte ist, das ist mir zu platt. Schliesslich ist die Erde keine Scheibe.
      Insofern gab es in der Vergangenheit gleichermassen Gutes wie Schlechtes. Das muss jeder für sich überprüfen, wie er oder sie da mit der Bewertung umgehen will.
      Sehr schön finde ich hinsichtlich alter Artefakte Ihre Metapher der Zeitbrücke. Dieses Bild werde ich mir gerne behalten.
      Schneeflöckchentanzende Grüsse aus dem winterlichen Bembelland

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  11. Je älter wir werden, umso mehr versuchen wir familiären Dingen auf den Grund zu gehen und stoßen ganz schnell an Grenzen, weil die, die wir fragen könnten, nicht mehr unter uns weilen und als sie noch lebten, waren die Beantwortung der heutigen Fragen noch nicht so wichtig.
    Ich liebe Dinge, die eine Geschichte erzählen, bei Ihnen ist es eine wunderschöne heute immer noch sehr wertvolle Uhr und Sie haben sie doppelt wieder zum Leben erweckt, durch das Erzählen und das Aufziehen. Bei mir ist es die Brille meines schon lange verstorbenen Vaters, die wie durch ein Wunder den Krieg, die lange Gefangenschaft überstanden hat. Eigentlich schade, daß die Dinge selbst nicht reden könnten, was hätten sie alles zu berichten, so müssen wir sie mit Worten zum Leben bringen.
    Champagner von 1945, welche Geheimnisse hütet er?

    Geheimnis hin oder her: kommt er nun heute der lang erwartete Schnee? Ist Ihr Kühlschrank gut gefüllt, die Kameras stehen bereit zum Bewahren der Erinnerung an Pracht oder Chaos?

    mitetwaskältergewordenenaberimmernochblauweißhimmeligenggrüßenvomdachinhanau
    Karin

    Gefällt 1 Person

    • Welches Geheimnis der Pommery & Greno? Ich vermag es nicht zu sagen. Der Kühlschrank? Da erinnern Sie mich an etwas (Schönen Dank dafür). Ich habe nicht vor, den Schnee zu fotografieren, genaugenommen stört er mich eher.
      Schneeflöckchentanzende Grüsse aus dem winterlichen Bembelland

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      • wieder nichts: das nur millimeterhohe Schneechaos auf der Terrasse und ich hatte mich so auf weiße Pracht gefreut und Sie sträuben sich, Schneebilder zu fotografieren -:((((
        letzteres auch nicht, wenn ich dreimal mit den Augendeckeln klappere? Och, Herr Ärmel -:)))

        Winzmehrregenalsschneeflöckchenfallende Grüsse
        vom Dach

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  12. „…weil die, die wir fragen könnten, nicht mehr unter uns weilen.“

    Dabei ist es keine Frage des Alters, wer heute nicht mehr unter uns weilt und die Fragen, die gestellt werden wollen, unbeantwortet im Nebel stehen bleiben. Doch es ist nicht allein die Antwort, die eine Frage so wichtig macht. Es ist der ganze Prozess, der sich daraus entwickelt. Deshalb meine ich, fragen, fragen, fragen…. so lange wir noch die Chance haben.

    Im übrigen stimme ich im vielen den Vorkommentatoren zu. Es war dumm von den Amerikanern, ihren „humanitären“ Kriegssti mit Hiroshima, Vietnam und… (ach, lassen wir das) aufzugeben. So bleiben die Roten in der deutschen Geschichte die „bösen“ Buben. Allerdings ist „Vergewaltigung“ eine der ältesten bewusst eingesetzten Kriegswaffen. Nicht anders, wie Panzer und Luftwaffe. Dieses barbarische Verhalten wurde u.a. von der deutschen Propaganda gezielt geschürt, was allerdings ein Selbsttor war. Was Widerstand mobilisieren sollte, endete in der panischen Flucht vor den „Vergewaltigern“. Mehr dazu in H.Knef`s Buch: Der geschenkte Gaul.

    Ein wunderschönes Kleinod, Herr Ärmel, was ihnen mit dieser Uhr zuteil wurde. Ich bin mir sicher, es ist bei ihnen in ausgezeichneten Händen.

    Nachträglich schöne Weihnachtsgrüße aus Leipzig,
    Menachem

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    • Lieber Menachem, recht schönen Dank für deinen Kommentar, der mich zum Denken anregt…
      Und ja, die Uhr wächst mir langsam entgegen; ich bin gespannt, ob sie mein Herz erreichen wird.
      Nachmittäglichschöne Grüsse aus dem stillen Bembelland

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  13. An das kleine Mädchen in der Dautenheimer Landstraße denke ich- und ab jetzt immer, wenn ich dort entlang fahre zur alten Mühle meiner Freundin! Das Wort „angeliefert“ ist besonders herb!
    Kumulierte Geschichte, Ihr Vielthementext. Besonders gut gefällt mir das Aufwecken der alten kleinen Uhr – erinnert mich an die Uraltsamenkörner im Mainzer Isis-Tempel, unter der Mall, wo ich so oft runtersteige (Kontrast zum Oben.Glitzerfunkelkreisch-Gemengelage).
    Abendgruß vor angesagtem Geschneie

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    • Zur Anlieferung habe ich neue Einzelheiten ins Heute befödern können, die jetzt bloss noch der Verifizierung harren, d.h. die ich auf ihre glaubwürdige Verlässlichkeit überprüfen werde. Die Anzahl Lebender, die Auskunft geben können nimmt dramatisch ab.
      Die kleine Uhr hat einen Durchmesser von 5,3 Zentimetern.
      Sie auch im Isis-Tempel? Ich auch! Ich warte auf die Reinkarnation eines Priesters, der mir eine dieser kleinen Firguren herstellt, die mir zum Glück bei Frauen verhelfen… Bei jedem Heimataufenthalt besuche ich das Heiligtum zum diesem Behuf.
      Abendgruss vor angesagtem Geschneie, das mir hoffentlich Morgen in der Früh eine Fahrt nach Frankfurt ersparen wird…

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      • Das Geschneie kam pünktlich. Einfach das große Weiße heute früh, vielleicht für Sie fahrtersparend!
        Wir grillen heute nicht draußen. Chillen, ganz ohne Willen. Oder stark rumfegen- und kratzen. Nun tropft es.
        Menschliche Grüße aus dem ehemaligen Darmstädter Regierungsbezirk

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        • Wie schön, von Ihnen zu lesen: hier auch keine Grillerei. Kinder mit Partnerei. Der Zander alleine im Backofen – – ? – ey, fast gelogen. Der Zander kam zu den Rosmarinkartoffeln für die letzten 15 Minuten… Hhmm leggärr. Und die Bratäpfel hinterher fast noch leggärrer für Leggärrmäulscher.
          Menschliche Grüsse finde ich gut, die sende ich Ihnen auch verbunden mit einem Luftschiff voller weihnachtsessensattzufriedene Grüsse aus dem wohllebenden Bembelland

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  14. Ein zauberschöner Eintrag in dein Weblog, dieser Rückblick in die, deine Vergangenheit, voller Assoziationen, gespickt mit magischen Momenten in Sachen Ahnenforschung, alten analogen Apparaturen, Musik aus den unsterblichen Sechzigern, sowie Woodstock und einen der Sänger-Helden jener Zeit bis heute…
    Ja, es werden nun immer noch mehr sterben von damals…
    Weißt du, dass der Cocker vor allem auch Songs von Randy Newman toll gecovert hat?
    Herzliche Morgengrüße von mir an dich und hab eine feine Zeit zwischen den Jahren!

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    • Guten Morgen lieber Schreibfreund. Das Coverwirken von Joe Cocker habe ich nicht auf dem Schirm. Nach Mad Dogs & Englismen habe ich die Wege des Sängers nicht mehr verfolgt.
      Und du hast Recht – alle, die zwischen zehn bis Jahren älter sind als wir selbst, denen werden in absehbarer Zukunft die Buchtstaben in Stein gemeisselt werden…
      Morgeneiskalthelle Grüsse aus dem lebloserstarrten Bembelland

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      • Joe Cocker war kein großer Komponist, aber ein guter Coversänger, und so wurde er auch berühmt, durch einen Beatles-Cover-Song…

        und von Randy Newman coverte er sehr erfolgreich z.B. Sail away (was ich im Original sehr mag vom Randy), you can leave your hat on (das auch im Film Neuneinhalb Wochen vorkommt als Musik zur berühmten Striptease-Szene von Kim Basinger)…

        Ja, lieber Musikfreund, ein Riesenwunder für mich, dass z.B. dieser Keith Richards IMMER NOCH lebt!!!

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