Abschied und Erinnerung

Der Nachbar hat mir einige Scheiben gebracht von Bands, die mir noch unbekannt sind. Aber jetzt erst ein musikalischer Querschnitt zur Erinnerung an Demis Roussos…

Demis Roussos ist gestorben. Eine der sofort erkennbaren Stimmen weniger. Darauf hingewiesen wurde ich durch eine sehenswerte Arbeit von Herrn Autopict. Demis Roussos war Gründungsmitglied der legendären Band Aphrodite´s Child. Die Kapelle hat Ende der 1960er Jahre einige Hits geschrieben, die mittlerweile Evergreens geworden sind. Neben Roussos war es vor allem Vangelis Papathanassiou, der Tastenmann, die Aphrodite´s Childs Musik prägten. Mit dem legendären Album 666 von 1972 kam auch das Ende der Band. Demis Roussos wurde ein überaus erfolgreicher Popsänger und Vangelis, der von da ab nur unter seinem Vornamen firmierte, wurde mit seinen teilweise sehr avantgardistischen Klangwerken und Filmmusiken sehr berühmt. Demis Roussos soll bereits am 26. Januar gestorben sein. Er wurde 68 Jahre alt.

Viele älter ist Carl Djerassi geworden, der am 30. Januar im Alter von 91 Jahren starb. Djerassi wurde in Wien geboren, floh mit seinen Eltern vor der Verfolgung der Nazis in die USofA, wo er später Chemie studierte. Seit den 1950er Jahren arbeitete er an einer Antibabypille, die dann ab 1960 auf den Markt gekommen ist. Später investierte er die Tantiemen aus den Ergebnissen seiner Forschungen in seine Sammlung von Werken Paul Klees. Bilder der über 150 Werke umfassenden Sammlung sind heute als Leihgaben in vielen Museen zu sehen. Im Alter begann Djerassi auch als Autor zu begeistern. Für uns Jugendliche reichten jedoch seine chemischen Kenntnisse aus.

Vor sechzig Jahren kam Will McBride nach Deutschland und nach Berlin. Er war fasziniert von dieser Stadt, in er sich auch dauerhaft niederliess. Als Reportagefotograf liefern seine frühen Berliner Fotografien wichtige Zeitzeugnisse. Sein bevorzugtes Motiv waren die Jugendlichen der Stadt, die zu dieser Zeit einen Wiederaufbauboom erlebte. McBride gelangen in Berlin Fotografien, die längst zu Bildikonen geworden sind.
Mit dem Bau der Mauer änderten sich die Aussagen seiner Fotos. Mir ist Will McBride seit vielen Jahren bekannt. As ich nach Berlin kam, war gerade sein Buch Zeig Mal erschienen, das so richtig vom Zeitgeist erfasst war. Und Will McBride habe ich einige frühe Sichtweisen auf die urbane Kultur zu verdanken.

Als Kleinärmel hatte ich das Glück, die Sommerferien am Strand verbringen zu dürfen. Einige jahre lang sind wir nach Fano in Italien gefahren. Eine altehrwürdige Stadt, in die schon Kaiser Augustus zum Baden gekommen ist. Wir logierten in einem kleinen Familienhotel. Die Betreiber waren vielleicht im gleichen Alter wie meine Eltern. Sie hatten jedenfalls ein Mädchen in meinem Alter.
Es wird erzählt, wie niedlich wir beiden immer miteinander gespielt hätten. So häufig kann das allerdings nicht gewesen sein, denn wir waren eigentlich nur zum Essen und Schlafen im Hotel. Später verbrachten wir die Sommerferien andernorts und da ich bei den Pfadfindern war, habe ich bald meine grossen Ferien im Kreis anderer Kinder und Jugendlicher verbracht.
Wie es kam, dass ich mit meinen Paten und meiner viel jüngeren Cousine einige Jahre später noch ein letztes Mal in Fano Urlaub machte ist mir nicht erinnerlich. Aus dem kleinen italienischen Mädchen von damals war ein flotter Teenager geworden. Und ich hatte wenig Lust auf Sandburgenbauen mit der kleinen Cousine. S
o sind wir durch Fano gelaufen abends, haben ein Stück Pizza aus der Hand gegessen, haben auf den Strand geschaut – und waren vor allem andren eins: verlegen. Mit dem bisschen Englisch kamen wir beide auch noch nicht klar. Sassen auch im Speisesaal des kleinen Hotels vor dem Plattenspieler. Auf dem Plattenteller lief mit 45 Umdrehungen in der Minute eine Single in Dauerrotation: Demis Roussos – We shall dance. Die Scheibe war in Italien gerade sehr angesagt. Und wir sassen steif auf den Holzstühlen im kahlen Speisesaal und haben uns angeguggt und unsicher gelächelt.
Zu dieser Zeit entwickelte sich Demis
Roussos schon zum Schlagermann. Ein Jahr später erschien die meines Erachtens beste Scheibe von Aphrodite´s Child – 666. (Die Platte ist ganz zu hören bei Onkel Juhtjuhp). Von Demis Roussos kam keine Platte in mein Regal, von Vangelis dagegen etliche. Carla habe ich nie wieder gesehen.

Ich wünsche allen Besuchern, Lesern und Guggern einen schönen Sonntag und eine gute erste Februarwoche
(Die Fotos kann man anklicken. Die Qualität bleibt wie sie ist).

 

..

Advertisements

55 Gedanken zu „Abschied und Erinnerung

    • Ach Frau Lila, Sie sind zu freundlich. Ich werde mich angelegentlich melden.
      (Haben Sie denn den lila bauernhof schon gesehen?)
      Sonntagmorgendlichhimmelaufreissende Grüsse aus dem schneetauenden Bembelland

      Gefällt mir

  1. Einfach mal den hier probieren. (Leider irgendwie nur eine Singleversion.)

    wehwehweh youtube.com/watch?v=6piYHiUQTjM

    Demis – follow me

    1982 war das. „Attitudes“ hieß das Album.

    Gefällt mir

  2. Der Tod des Herren war mir bekannt.
    Seine Musik lag mir nur bedingt nah.

    Gestern hörte ich vom Tod des Herrn von Weizäckers.
    Mein erster Gedanke war wahrhaftig…was sagt Herr Ärmel dazu?

    Sonntägliche Grüße aus einer Gegend, die zur Zeit kein Wetter hat, weil es stündlich wechselt.

    Gefällt mir

  3. So ein unsicheres Lächeln sehe ich aber beim kleinen Ärmelmann nicht, der strahlt doch über alle vier Bäckchen, wobei mir das Bild als kleine Gallionsfigur am besten gefällt.
    In so jungen Jahren so weit gereist, das ist fast beneidenswert, meine erste „große“ Reise machte ich mit der Bahn mit meinen Eltern , da war ich 16, an den Tegernsee , wir schliefen zu dritt in ca. 13qm, ich auf dem Sofa und hatten einen Spucknapf als Waschbecken -:)).

    Was das Thema Aufklärungsbücher anbelangt, so kann ich mich noch an mein Entsetzen erinnern, als der Pfarrer auf der Konfirmandenreise der Tochter es für nötig hielt, seine Schäfchen aufzuklären mit einem Buch, in dem alle Sexualpraktiken deutlichst beschrieben wurden. Ich habe ihm damals die Hölle heiß gemacht, als ich das erfahren und die Verstörtheit der Tochter bemerkt habe.

    Heute tun mir die Kinder oft leid, was alles auf ihre Kinderseele einstürzt, was man ihnen seitens der Erwachsenen zumutet nicht nur auf diesem Gebiet.

    Dieses Kramen in den Erinnerungen: was kann man zutage fördern, was verbirgt sich weiterhin, mich macht es oft traurig, an wie wenig ich mich meist aus dieser Zeit erinnern kann.

    Jetzt wünscht Ihnen einen Spaziergangsonntag, denn so ein bißchen Schnee haben wir ja heute abbekommen und die Sonne läßt sich auch ab und an blicken

    die Karin

    Gefällt 2 Personen

    • Liebe Frau Karin, hier ist der Schnee zum Glück wieder weggetaut. Heute morgen bereits.
      Die Kinder heute werden von sich selbst entrissen und die Eltern, von der entsprechenden konsumgüterprouzierenden Industrie kräftig verunsichert, hilft tatsächlich guten Glaubens mit.

      Erinnerungen? Die kan man aktivieren, indem man sich mit seiner Vergangenheit zusammensetzt, alte Fotografien anschaut und sich rückbesinnt im konstruktivsten Sinn des Wortes.
      Sonntagmittäglichgrauaufziehende Grüsse aus dem schneefreien Bembelland

      Gefällt 2 Personen

  4. Mutet an. An schöne alte Reisetagebücher!
    „Rain and Tears“, das hatten wir im „La Boheme“ als Stehquetschblues, nur erträglich mit bisschen Limo-Eierlikör-Mix, „Blonder Engel“ genannt.
    Mit 14 in Bellaria nahe Rimini, er hieß Jean-Paul, war aus Grenoble. Ich konnte nicht Französich, er kein Englisch, wir haben uns mit Latein-Bröckelchen schön verständigt!
    Gruß aus dem Schneerabengarten

    Gefällt 2 Personen

    • Ah, auch Sie geschätzte Frau Wildgans. Eine schöne Erinenrung. Die zudem bezeugt, dass Sie, im Gegensatz zu mir, Ihr lateinisches Vokabular offensichtlich beherrschten.
      Bellaria? Und ich dachte, ich kennte diesen Küstenabschnitt gut. Andererseits höre ich jetzt die Erwachsenen wieder sprechen. Nicht gut über den Abschnitt zwischen Cesenatico und Cattolica mit Rimini dazwischen.
      Mir gefällt Ihre Ihre kleine Anekdote, vielen Dank dafür.
      Sonntagmittäglichgrauaufziehende Grüsse aus dem schneefreien Bembelland

      Gefällt mir

    • Hach, Frau Wildgans! Da schlägt mein altes Teenagerherz höher. Bei mir war es „It’s five a clock“ und ich knutschte dazu mit einem Zündapp-Fahrer auf dessen Flokati. Leider nicht in Bella Italia, sondern nur in einem ostwestfälischen Kaff. Danke, Herr Ärmel, für diese Erinnerung. Ohne Sie hätte ich tatsächlich nicht mitbekommen, dass Demis nicht mehr lebt.

      Gefällt mir

      • It´s 6 o´clock and I sit at my empty desk… so früh am Morgen… Herzlich Willkommen Frau Frog und vielen Dank für Ihren Kommentar. Genau, die Knutschereien bei den langsamen Liedern und nicht nur bei Aphrodite´s Child 😉
        Morgengrauendvorfrühstückende Grüsse aus dem stillen Bembelland

        Gefällt 1 Person

  5. Danke für diese geteilte Scheuerinnerung mit der passenden Musik unterlegt. Kein Wunder, daß der Tod eines solchen Barden Sie dann anrührt. Sie haben mich angeregt, zurückzudenken, wieder einmal. Mal sehen, was ich zu Tage fördere. Herr Lindenberg ist ganz weit vorne, kein Wunder, daß er eine Ewigliebe ist.
    Vangelis drehte sich im Gehöft an der Biegung des Flusses auch auf dem Plattenteller, hach, überhaupt Platten! Ob mein Bruder die aufgehoben hat? Ich weiß es nicht, ein Kinderspiel es herauszufinden.
    Herzfeine gen Wenkiges Hinterhöfchen bald aufbrechende Grüße, die Umbauten sind fast getan. Ihre Frau Knobloch, zugetan.

    Gefällt 1 Person

    • Nun, besonders angerührt hat er mich. Etwas mehr vielleicht als jener von vielen bewunderte CDU Politiker.
      Was mich allerdings noch mehr interessieren würde, hochwrtgschätzte FRau Knobloch, sind Ihre Erinnerungsnetze zu Herrn Udo L. ~~~
      Morgendlichsonnenerwachende Grüsse aus dem merkwürdig stillen Bembelland (trotz Dienstag!)

      Gefällt mir

  6. Hach, ich wurde verlinkt. Wie schön spannend. Überhaupt, Ihr heutiger Text windet sich wiedermal um eine ganze Reihe spannender Themen.
    Huch, hat jemand „whole lotta rosie“ gesagt? Nach einem Seniorendiskoabend bin ich noch etwas verwirrt heute, aber jetzt weiß ich weshalb die Konzerte immer so laut sind: damit die meine Generation noch etwas hört. Klimpern war gestern, es muss dröhnen, die Ohren zu einer Höreinheit verschmelzen, und der Magen noch eine Stunde nachvibrirerereneiebeben. Ach mir klingeln noch die Ohren (und der Magen), mir deucht, im Gehörhang steckt noch Paranoid fest, auf der Stairway to heaven steckengeblieben, scheint eine Sprosse rausgebrochen zu sein.
    Will McBride, ja, das Buch steht sogar in meinem kleinen Bücherregal, mit persönlicher Widmung, aber nicht von Will…. Lassen wir das.
    Auf alle Fälle macht der Herr Ärmel auch auf der anderen Seite der Kamera eine gute Figur. Hat jemand nicht doch „whole lotta rosie“ gesagt? Und da ruft einer die ganze Nacht nach Layla. Alte Göre, jetzt meld dich mal!
    Es bimmelt immer noch, und mit mir bimmelt noch Bobby McGee. Ja, die Janis, auch im 27er Club. Roussos hat das nicht geschafft, obwohl er, und das finde ich als für diese Zeit zu junger Mensch, ungemein spannend, zu einer ähnlichen Zeit aktiv war. 68 ist eben nicht 27.
    Ach ja, zur 666 schreibe ich Ihnen in meiner Antwort auf meinem Blog noch ein wenig.
    Wie war das jetzt? Hat eben wer „whole lotta rosie“ gesagt?

    Gefällt 4 Personen

  7. „Für uns Jugendliche reichten jedoch seine chemischen Kenntnisse aus.“
    Ein wahres Wort, so mancher Zeitgenosse hat damals die Mädels erst nach der Pille gefragt und dann nach der Telefonnummer 😀

    Der kleine Ärmel ist schon sehr deutlich als Ärmel zu erkennen, auch ohne Hut. Das Ristorante kommt mir ebenfalls sehr bekannt vor, aus einem früheren Blogbeitrag. Interessiert es Dich gar nicht was aus Carla geworden ist? Ich erinnere mich an zwei (frühe) Jugendschwärmereien, da würde ich einiges für geben die einmal wiederzusehen.

    Nur der Herr Roussos, der hat mich nie interessiert. Diese ganz und gar schröckliche Stimme, dieses weinerliche „goodbyemylovegodbyaiaiaiaiaiii“ hat mich bewogen den Kindern Aphrodites so fern wie möglich zu bleiben. Der konnte unmöglich so etwas ähnliches wie „Rock“ gesungen haben.

    Gefällt 1 Person

  8. So ein süßer kleiner Ärmel warst du also mal…(in meinem Gravatar von heute kannste mich auch im zarten Alter von nur wenigen Jahren erspähen).

    Von Vangelis gibt es ein paar sehr interessante Scheiben ohne Gesang, was ja manchmal durchaus von Vorteil sein kann…

    Liebe Grüße zur Nacht
    vom Lu

    Gefällt mir

  9. Guten Morgen an die süßen , damals ach so unschuldigen Bengels , heutigen Altrocker -:)))

    diese Frozzelei macht gute Laune auch wenn ich den Musikgeschmack oft gar nicht teile, aber die Herren sind ja auch nur von gestern und ich schon von vorgestern,

    mit Grinsegruß in die Runde von der Karin als Stubenälteste hier

    Gefällt 2 Personen

    • Nana, liebe Frau Karin, Sie belieben zu scherzen und sich lustig zu machen, allein weil Sie ein wenig mehr Lebenszeit im Personalausweispapier vorweisen können. Das nennen Sie ladylike? Und überdies zu so früher Stunde am Tag…
      Wären es nicht Sie, liebe Frau Karin, ein spitziges Bonmot würde ich Ihnen zurufen, ohne ein zweideutiges Grinsen ~~~~

      Morgendlichfebruarträge Grüsse aus dem grautristen Bembelland, Ihr Herr Ärmel (hochachtungsvoll)

      Gefällt mir

  10. iiiiihwoooooh, ich mache mich doch nicht lustig, wenn ich mich einfach nur freue…… was ist an Freuen nicht ladylike…..
    und wo käme ich hin, zu so früher Stunde gleich vier Herren auf den Arm zu nehmen….

    Herr Ärmel, Sie verkennen mich ! -:)))

    Gefällt 1 Person

  11. Es gibt große Stunden im Leben. Wir schauen an Ihnen hinauf, wie an kolossalen Gestalten der Zukunft und des Altertums, wir kämpfen einen herrlichen Kampf mit ihnen, und bestehen wir vor ihnen, so werden sie wie Schwestern und verlassen uns nicht. (Hölderlin)

    Gefällt mir

  12. Pingback: 666 | sleepersblog

Kommentare, Gedanken + Hinweise bitte hier abgeben

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s