Wochenendliche Vorfrühlingsgedanken

Ach Bobberle, hätts mir einer gesagt; noch vor fünfzehn Jahren hätte ich mir spontan und keck an die Stirne getippt. Aber nichts belehrt einen eindrücklicher als das Leben selbst. Deine neue Scheibe Shadows in the Night, auf der du Lieder von Frank Sinatra nachsingst, konnte ich nicht bis zum Ende hören. Bob Dylan goes to Hollywood. Altersamerikanität oder schon Demenz? Viel besser passt zu meiner derzeitigen Stimmung: Wolf Larsen – Quiet at the Kitchen Door (2011)…

Meine innere Uhr eilt der Zeit voraus. Den Winter schon zu Ende gefühlt. Vorfreude auf den Frühling. Die Sonne. Temperaturen zum fotografieren im Freien. Radfahren ohne den eisigen Wind entgegen. Fünf Kilogramm Kleidung weniger auf dem Körper tragen müssen. Die innere Uhr justieren.
Jemand aus der Nachbarschaft sagt: Ich habe demnächst Geburtstag. Ich sage: Und, wirst du ein Fest veranstalten?. Nein, eigentlich fürchte ich mich vor diesem Geburtstag. Wieso denn das?  Weil, ich werde dann so alt wie meine Grossmutter als sie starb. Die Lebensuhr tickt noch.

Bei einem anderen Lummerländer ist die Uhr stehengeblieben. Wir hatten nie viel miteinander zu tun. In den frühen Internetzeiten, als es Mode war, sich Bilder oder kleine Präsentationen zu schicken, waren wir beide mal im gleichen Verteiler als Empfänger. Die ungelenken Bildchen zur Verzierung gibts heute garnicht mehr. Den Text habe ich mir damals aufgehoben. Er sagt etwas aus über die raschen Veränderungen, in deren Strudeln wir mitgerissen werden.

Demnächst werde ich bei einer Veranstaltung für junge Eltern aktiv werden. Dazu werde werde ich Gedanken aus der inzwischen vielleicht zwanzig Jahre alten Präsentation verwenden. Hier nun der Text:.

Bist Du in den 1970er, 1960er oder gar in den 1950er Jahren aufgewachsen? Wie hast Du bloss bis heute überlebt?
Die Gitterbetten und die Spielzeuge waren zartbunt oder zumindest mit bleihaltigen oder anderen giftigen oder bedenklichen Lacken gestrichen. Es gab keine Kindersicherungen an Steckdosen, Autotüren, auf Arzneiflaschen oder chemischen Haushaltsreinigern.
Man konnte ohne Helm Fahrradfahren. Man durfte zum Spielen rausgehen mit der einzigen Bedingung, dass man wieder nach Hause kam, bevor es finster wurde. Es gab kein Mobiltelefon und niemand wusste, wo wir uns rumtrieben.     Unglaublich!!!
Wir bauten Seifenkisten, und diejenigen, die das Glück hatten, an einer abschüssigen Asphaltstrasse zu wohnen, konnten versuchen Geschwindigkeitsrekorde aufzustellen. Eventuell mussten sie dann auf halbem Weg feststellen, dass sie an der Bremse gespart hatten. Aber nach einigen Unfällen war auch dieses Problem meist gelöst.
Man trank aus dem Gartenschlauch oder irgendwelchen Wasserhähnen und keine süssen Brühen aus sterilen Flaschen. Wir konnten uns später zu viert eine Limonade teilen und aus derselben Flasche trinken, ohne dass jemand davon gestorben wäre.

Die Schule dauerte bis Mittag man kam zum Mittagessen nach Hause. Die Autos hatten keine Sicherheitsgurte, keine Kopfstützen und erst recht keine Airbags – auf dem Rücksitz war es lustig und nicht gefährlich.
Wir hatten Schürfwunden, gebrochene Knochen, vielleicht auch eine kleine Rauferei, aber niemals wurde jemand deswegen verklagt – auch wenn mal ein ausgeschlagener Zahn übrig blieb.
Niemand hatte Schuld – nur wir selbst.
Wir konnten Süssigkeiten verdrücken und Butterbrote, Getränke mit richtigem Zucker trinken und niemals hatten wir Gewichtsprobleme – weil wir immer draussen spielten und aktiv waren. Wir hatten keine Playstations, Nintendo 64, X boxes, Vídeospiele, 99 Kabelkanäle, Videorecorder, Dolby surround, Handys, Computer oder Chaträume im Internet, aber dafür ein paar Freunde, mit denen wir fast täglich rumtobten.
Wir konnten raus, zu Fuss oder mit dem Fahrrad und Freunde besuchen auch wenn sie mehrere Kilometer weit entfernt wohnten, anklopfen oder einfach ohne anzuklopfen ins Haus gehen und sie oder ihn zum Spielen abholen. Ja draussen, in der grausamen Welt! Ganz ohne Aufpasser! Wie war das nur möglich?
Wir spielten Fussball auf ein Tor und wenn mal einer nicht in die „Selektion“ aufgenommen wurde, gab es kein psychisches Trauma und keinen Weltuntergang. Einige Schüler waren vielleicht nicht so gut wie andere, und wenn sie sitzen blieben musste das Jahr wiederholt werden. Niemand wurde deswegen zum Psychologen, oder Psychopädagogen geschickt. Niemand hatte Dislexia, Konzentrationsprobleme oder war hyperaktiv, das Schuljahr wurde wiederholt und jeder bekam seine Chance. Wir hatten Freiheit, Rückschläge, Erfolge, Aufgaben …und lernten damit umzugehen.
Die Preisfrage ist nur: wie schafften wir es, all dies zu überleben??? Und vor allem wie konnten wir nur unsere Persönlichkeiten entfalten. Vielleicht werden manche jetzt sagen, ooch wie langweilig – aber –  wir waren glücklich!!!

Allen Besuchern, Lesern und Guggern wünsche ich ein sonniges Wochenende

           (Ein Damm, bevor die letzten Dämme brechen. Auch wenn Kleinärmelfotos vielleicht lustiger wären)
Rheindamm vor der Hessenaue

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53 Gedanken zu „Wochenendliche Vorfrühlingsgedanken

      • Zwei Straßenstücke – CUT! Auf den ersten BLICK keine Verbindung; auf den zweiten DENK allerdings: Es muss eine Verbindung geben, aber man sieht sie nicht.
        Merke: Jeder kann eigentlich wissen, dass da eine Verbindung ist, auch wenn sie nicht im Bild ist(respektive: in der Zeitung steht).

        Ein Wegstück = EU, ein Wegstück = Ukraine?
        oder
        Ein Wegstück = EU, ein Wegstück = Russland?
        oder
        Ein Wegstück = EU, ein Wegstück USA?

        Käme man nun auf die Idee, den Damm wegzureißen, weil sich die Wege ja scheinbar doch nicht treffen…. Peng!… Loooord! here comes the flood!…(You know?)

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    • So die Ampel steht wieder auf rot.
      [Well, we know where we’re goin‘]
      20 Jahre alter Text, ja das war die Zeit der beginnenden Veränderung, gerade im medialen Leben. [But we don’t know where we’ve been].Diese Art von Text las ich schon des öfteren, es ist ein flächendeckender Fragespaß, der aber ein wenig in Richtung eines verweichlichten Nachwuchses zielt. [And we know what we’re knowin‘]. Letzten Ende wird die Freizeit der Kinder durch uns Eltern eingeteilt, alles wird perfektioniert, die Konkurrenz beginnt in der Krabbelgruppe. Ein durchgestylter Tag. [But we can’t say what we’ve seen]. Vom Aufstehen in die Schule zum Klavier zum Sport zu den Hausis zum Abendessen zur Casting Show ins Bett.
      Die ‚wirs‘ im Text, die das Leben noch erlebten und liebten und etwas riskierten, das sind die selben die das ihren Kindern nicht mehr bieten. Wir hatten Spaß und gehen heute bunte Helme als Geburtstagsgeschenke kaufen. Wir trieben uns bis zur Dunkelheit draußen rum und eroberten neue Stadtgebiete zu Wasser, [And we’re not little children] Lande und zu Luft wovon unsere Eltern heute noch nichts wissen und sind heute treue Begleiter auf den Leistungsetappen des Nachwuchses. Wir [And we know what we want] fraßen Süßigkeiten bis zum Erbrechen und tun das heute noch, aber erst in der Nacht hinter der geschlossenen Küchentür oder in der Hauswerkstatt, bevor wir den Kindern noch vor dem Ins-Bett-gehen ein schlechtes Gewissen gemacht haben. Wir hatten keine Computerspiele aber besitzen heute die besten Smartphones und überwachen den Nachwuchs via Fratzenbuch und Co. Wir schlugen dem Gegner beim Kicken unvermittelt die Beine weg und drohen heute der anderen Familie mit Anwalt. [And the future is certain] Wir haben ohnmächtig den Demos gegen Startbahn West und Pershing und Atomendlager [Give us time to work it out] zugesehen und manche [We’re on a road to nowhere] von uns gehen heute für Pegida und Co. auf die Straße.
      Was ist nur aus uns geworden, wie sehen uns und sich unsere Kinder in 20 Jahren?Wir sind nur noch [Talking heads] [on the road to nowhere].
      Schöner Beitrag samt Foto. Solche Grüße ins gelobte Bembelland.
      🙂

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      • Ich könnte Ihnen gerade mal um den Hals fallen für Ihren Kommentar. Und mit den Talking Heads!!!
        Ich gehöre fast nicht zu den „wirs“ im Text. Ich hatte den verwegenen Gedanken und habe ihn auch weitgehend durchgesetzt, dass meine Kinder noch ein Stück weit wenigstens das Leben so erleben konnten wie ich das erleben durfte. (Also diese schönen verschwindenden Seiten). Klar, dass ich nie einen Fahrradhelm gekauft habe.
        Natürlich habe ich meinen Kindern Geigenunterricht… Ich wollte ja nicht das ignorant kleinbürgerliche Interesse unter dem ich grossgezogen worden bin tradieren… Und ja, ach die Startbahn West… heute zieht mein Flieger darüber hoch ans blaue Firmament Richtung Schwarzer Berg…
        Aber man muss sich diese Dinge immer und immer wieder vor Augen halten und sich fragen….

        Und jetzt gehe ich zum Nachbarn und frage den mal, was er von Alan Parsons in seinen Archiven hat…
        Wochenendlichdunkle Grüsse aus dem schwarzblauhimmlischen Bembelland

        .

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  1. Ein schönes Foto, das lädt zum Rennradeln ein mit heftigem Gegenwind.

    Ich habe gehört, in der Ukraine sollen die Straßen zu schlecht sein für Slicks. Vielleicht doch lieber in Hessen bleiben…?

    Der Lummerländer gibt zu denken. Das Geburtstagskind kann sein Glück nicht fassen, die Oma zu überleben, menschliche Gedanken.
    Ich bin älter als meine Freundin. Sie starb vor knapp 20 Jahren als Frau im schönsten Alter. Bei dem
    Gedanken wird mir immer noch flau.
    Ich habe überlebt, ja.
    So, wie Sie es schildern, das war diese Zeit.
    Vor zehn Jahren erzählte mir mein Hausarzt, er habe mehrere Kinder im Alter zwischen fünf und Fünfzehn mit: Herzinfarkt, Tinnitus, Magengeschwüren, schweren Verhaltensstörungen, Bulimie, Hörstürzen.
    Tendenz steigend.
    Er war sehr betroffen davon.
    Ein paar weitere Aspekte wollte ich beitragen und Ihnen ein schönes Wochenende wünschen.

    Liebe Grüße
    von der Karfunkelfee

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    • Eine brauchbare Erweiterung, in der Tat.
      Seit wann fahren Sie Rennrad? Und auch hier am Rhein?
      Die freundlichen Wochenendwünsche gebe ich gerne zurück, verbunden mit nachtfriedlichen Grüssen aus dem ruhigen Bembelland

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  2. In den letzten Jahren ist ein Teil des Städtchen in dem ich wohne in den Frühlingsmonaten mehrfach von Hochwasser überschwemmt worden.
    Dies ist früher, als noch Rotkraut auf dem Feld wuchs, wo jetzt eine Mineralwasserfabrik steht, nie passiert.
    Mit der Mineralwasserfabrik hat das nichts zu tun.
    Die EU hat einen Damm finanziert der Schutz bringen soll. Die Stadt hat sich beworben und die Landesgartenschau findet 2019 bei uns statt, so dass die Gegend um den Damm auf’s Schönste begrünt werden kann.
    In die Gartenanlagen verirren sich hoffentlich all die Kindergartenkinder, die ich gestern beim Rodeln fotografierte. Sie werden mit dem Fahrrad hinkommen hoffe ich.
    Nie gebe ich die Hoffnung auf, das wir in jeder Zeit die Freude an der Natur und der Bewegung in ihr behalten.
    Dievögelzwitschernschonfrühlingsliederkannichihnennochsagen.
    Ihre Arabella

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  3. Die Brüche in dem Zeitengefüge, es gab sie schon immer. Erschreckend ist die rasante Hopplahoppisierung, die immer schnelleren Veränderungen und das Gute, was auf der Strecke bleibt. Nicht Früherwarallesbesser, aber das Bewahren dessen, was sinnvoll war und ist, das wäre unser aller Aufgabe. Ja, ich weiß, Jungspund und so, aber ich bin genau so aufgewachsen, wie Sie es beschreiben, mein lieber Verärmelter. Die Frühgrünäpfel direkt vom Baume, was heulste wegen Bauchweh und Flitzekacke, beim nächsten Mal weißt du’s besser. Und was flennste, weilde im Eise eingebrochen bist, lerne es besser einzuschätzen… Ach, ich will Sie hier nicht mit Eigenerlebnissen vollspammen, ich sage Danke für diesen Text und das verstörend treffliche Bild. Bloß gut kann man um die Ecke denken…
    Herzliche Grüße nach Siebensonnenbembelanien, Ihre Frau Knobloch, winterlichtwonnig.

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    • So sehe ich das auch, diese Brüche, die man Veränderung oder Metamorphosierung nennen kann.
      Allein die Geschwindigkeit scheint mir der auffällige Faktor. Jeder jammert übers Hamsterrad und keiner will aus seinem aussteigen. Wer im Hamsterrad sitzt bestimmt die Drehzahl und damit die Umdrehungsgeschwindigkeit….
      Wochenendlichdunkle Grüsse aus dem schwarzblauhimmlischen Bembelland sende ich Ihnen hinterher auf dem Weg zum Haus am Ende des Weges, Ihr Herr Ärmel (floskelnackt heute)

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  4. Wir hatten damals eine Hand voll Freunde, nicht 800 Facebookfreunde, sondern richtige, echte, aus Fleisch und Blut. Einige dieser Freunde begleiten mich bis heute. Wir haben eine gemeinsame Geschichte und werden es nicht müde immer wieder die alten „weisst du noch“- Dinger zu erzählen.

    Wintersonnenerwärmende Grüsse nach Lummerland
    Sk

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  5. Ich mag Ihren Text sehr und ich erinnere mich, wie ich am Waldrand an einem Bach gespielt habe und am Geländer rumgehangelt bin … Ihnen ein wunderherrliches Wochenende und liebe Grüße. Ihre Frau Coupar

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  6. Die vorfrühlingshafte Sehnsucht verspüre ich auch mit Macht. Immer nach Weihnachten – und allerspätestens nach meinem Geburtstag – werde ich abrupt des Winters überdrüssig und hätte dann gerne ab sofort Frühling, bitteschön!

    Und ich bin auch eine von denen, die zu gefährlichen Zeiten groß geworden ist. Allerdings habe ich sowieso meistens nur gelesen…
    Aber mei: Jede Zeit hat ihre Schönheiten und ihre Abgründe. Zu meiner Zeit brauchten Ehefrauen noch die Erlaubnis ihres Gatten, wenn sie arbeiten gehen wollten. Auch nicht gerade der Brüller.

    Herzliche Grüße aus einer viel zu kalten, nächtlichen Stadt.

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    • Aber natürlich hat jede Zeit ihre Licht- und Schattenseiten. Mir geht es jedoch um etwas anderes: um ein Innehalten, um Rücksicht und Vorsicht. Woher kommen wir und wohin bewegen wir uns.
      Vorsicht mit unseren Ressourcen an Freiheit zum Beispiel.
      Rücksicht auch gegenüber nachfolgenden Generationen, denen ich die gleichen Freuden erhalten möchte, die ich auch erleben durfte.
      Nachtfriedliche saunaerhitzte Grüsse aus dem ruhigen Bembelland

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  7. Seh’n se, Herr Ärmel, ich hab bei meiner Oma die gute, alte Eisenschere in die Steckdose gesteckt. Würd verdammt heiß das Teil, weil Fi s gab es damals in den Altbauten nicht. Seither weiß ich, dass man derlei besser unterlässt, habe überlebt und stehe, wie Sie immer wieder feststellen dürfen, ständig unter Strom 🙂
    Herzlichst von the Westside of Küchentisch, Ihre Silvia Meerbothe

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  8. Welche Rolle wohl dieser Text über unser „Früher“ für heutzutagejunge Eltern spielen soll? Muss ja irgendwie interessant eingebunden werden, damit die nicht gleich abwinken oder an Einkaufszettel und neue Vorhänge denken…
    Gruß in Bequemkleidung

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    • Tja, ich bin mir des Risikos schon bewusst, dass man als alter Mann Gefahr läuft, das Thema anekdotisch zu verklären. So weit wirds jedoch nicht kommen, denn der Blick soll klar nach vorn gehen. Es geht keinesfalls um den Vergleich früher=besser, heute=schlechter…

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  9. Jaaa und wir haben nicht nur volle 40 Minuten gebraucht um eine Langspielplatte raubmordkopieren zu können, wir mussten sie auch nach spätestens 20 Minuten umdrehen *g*. Heute jammern sie schon wenn der Download länger als 5 Minuten dauert *g*
    Den Text habe ich schon in sehr viele Versionen gelesen, inkl. einer Anpassung an die 80er Jahre. Und es stimmt ja auch, als ich das eben las fiel mir wieder die unglaubliche Wasserpistolenschlacht ein, die sich Dank der ganzen Heilwasserquellen am Rande des Taunus über gefühlte Stunden hinzog, meine im Morast irgend einer Baustelle steckengebliebenen Gummistiefel oder Fahrradtouren durch die Walddörfer, gute zehn Kilometer weg von zu Hause, hat keinen interessiert solange man zum Abendbrot pünktlich wieder da war..
    In den USA hat mal jemand (den Link leider verdaddelt) einen Radius um sein Haus gezogen, in der maximalen Entfernung in der er als Kind gespielt hat, und hat das für die nachfolgenden Generationen wiederholt. Hat, wie beinahe zu erwarten, mit jeder Generation abgenommen. Wenn das so weitergeht werden die Kinder ihre Zimmer irgendwann nicht mehr verlassen.

    Schickes Deichbild, wenn der Deich hier nicht so weit weg wär..

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    • Ach ja, das Bobbele hat gerade den letzten Ton seiner neuen Scheibe ausgehaucht. Ist ja okay wenn er sich vor Sinatra verbeugen will, aber ich brauch jetzt Time Out Of Mind hinterher um das aus dem Ohr zu kriegen.

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    • Das Deichbild will ich nochmal richtig gut aufnehmen, das lässt sich noch eindrücklicher darstellen. Da war ich schon einige Stunden gelaufen und leicht unterkühlt.
      Ich war letzthin ganz glücklich, als ich mit meinen Kindern sprach, die hatten ähnliche Erinnerungen, das könnte als Bestätigung dienen, dass noch nicht alles den Bach runter ist. Allerdings sind die Kinder auch ziemlich gross inzwischen. Aber es liegt an den Eltern und ihrem guten Willen. Und ihrem wachen Bewusstsein natürlich.

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  10. Dieser Text „Bist Du in den 1970er, 1960er oder gar in den 1950er Jahren aufgewachsen? Wie hast Du bloss bis heute überlebt? …“ hat mich arg ins grübeln gebracht … einerseits hat er mir viele positive Erinnerungen zurückgebracht … andererseits ist er halt doch nostalgisch verklärend … Ich mag das mal an dem Satz „Die Autos hatten keine Sicherheitsgurte, keine Kopfstützen und erst recht keine Airbags – auf dem Rücksitz war es lustig und nicht gefährlich.“ festmachen:

    Verkehrstote 1912: 442
    Verkehrstote 1970: 19.193
    Verkehrstote 2013: 3.330
    (Quelle: wikipedia)

    Und ich erinnere mich an Ihre Erinnerungen an jene sadistischen Lehrkräfte, die Ihren Mitschülern das Leben so schwer gemacht haben, dass daraus schon traumatisierte Persönlichkeiten wurden (wenn ich mich recht entsinne).

    Wahr ist und bleibt, dass die rasante technische Entwicklung (auch und erst recht im Bereich der Freizeitindustrie) Kinder von einer „ursprünglichen“ Entwicklung immer mehr fernhalten. Wenn ich daran denke, wie mein 6jähriger Enkelsohn auf dem IPhone seines Vaters mit affenartiger Geschwindigkeit irgendwelche Spiele abruft … da komm´ ich gar nicht mehr mit, so schnell geht das.

    Aber dann gibt es noch Momente, wo ich mit ihm durch den Wald stapfe und ihm erkläre, wir müssen nun Geheimnisse entecken und aufklären und dies dann auch tun …

    Und meine Töchter – so erzählen sie mir das – erinnern sich noch gerne an jene Tage, wo wir Brücke über Bäche gebaut haben und – ebenfalls im Wald – Hütten gebaut haben …

    Wir werden das Rad der Geschichte nicht zurückdrehen können (dafür sorgen Sony, Nintendo & Co. schon dafür) … aber jungen Eltern Hinweise zu geben, dass es Kindern nur gut tut, wenn sie aktiv die reale Welt entdecken können und dürfen, ist alles andere als verkehrt.

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    • Es geht, wie bereits mehrfach angedeutet, keinesfalls darum das Heute gegen das verklärte Gestern auszuspielen. Und schon garnicht darum, nach Art der Schildbürger das sogenannte Rad der Geschichte aufhalten zu wollen.
      Es geht darum, das Vergangene nicht zu vergessen. Für uns am Biertisch dürfen wir unsere Vergangenheiten gerne verklären. Aber wir dürfen sie nicht als massstab für Heute anlegen.
      Insofern hinkt das Beispiel mit den Verkehrstoten. Es ist ein winziger statistischer Ausschnitt aus einer Entwicklung. Die Sicherheitseinrichtungen in den Kraftfahrzeugen haben aber zu wesentlich höheren Geschwindigkeiten geführt und zu mehr Unfällen. Busunfälle, LKWunfälle, weniger Tote vielleicht aber mehr und vor allem grössere Beschädigungen. Wir bräuchten, um das von Ihnen angeführte Beispiel auch nur einigermassen seriös zu diskutieren, noch ganz andere Statistiken.
      Bis dahin gehen wir mit unseren Kindern bewusst behutsam um, d.h. wir achten darauf, ob die technischen Möglichkeiten der Entwicklung von Kindern wirklich dienlich sind oder ob sie lediglich vorgeschobene Argumente sind für den Abverkauf industriell produzierter Waren oder Entfremdungsdienstleistungen.

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  11. Bei den sadistischen Erziehungsmethoden(nicht nur in der Schule, sondern auch zu Hause), hier im Blog schon einmal ergreifend und nachvollziehbar von Herrn Ärmel beschrieben, scheint mir auch der Hase im Pfeffer zu liegen. Auf PING folgt PONG. Weil’s (bei euch drühm) so hart zu ging, kam die „Befreiung“ in Form antiautoritäer Erziehung und all der schulischen Abwahlmöglichkeiten, verbunden mit der mittelschichtlich völlig unnatürlichen Verschiebung des Gebärens nach hinten, was wiederum zur Folge hat, das Fastgroßmütter nun Erstgebärende sind. Das brachte dann die Helikoptereltern hervor: Zuviel Ängste, zuviel Bemutterung, Sitzkissen für die 1.Klässler,…
    Der Tag ist nicht mehr fern, an dem ein analphabetischer verhaltensgestörter Epileptiker dank Einzelfallhelfer als Jahrgangsbester irgendwo in Deutschland das Abitur ablegen wird. Warum? Weil wir die Geschichte brauchen, um uns die Erfolge der Inklusion einreden zu können…

    Leider setzt sich das nach oben fort, denn die mit dem Abitur beschenkten Nieten werden älter und manche machen dann sogar Karriere: Da so gut wie niemand mehr herausgefordert ist, DENKEN zu lernen, bewundere ich zunehmend Nahostkenner, Russlandspezialisten usw. in Talkshows und Qualitätsmedien, die auswendig gelernt haben, dass der Mensch nach Demokratie verlangt. Punkt! Ohne jede Rücksicht auf Kulturkreisprägung, Traditionsbewusstsein, Bildungsstandbesonderheiten usw.
    Sehr „schön“ zu bewundern gewesen in der letzten Illner-Talksendung diese Woche.

    So entsteht der himmelschreiende Blödsinn des Phantasierens vom „arabischen Frühling“ oder von der angeblichen Sehnsucht der Ukrainer nach der EU…
    Sachverstand kommt einfach nicht mehr durch.
    Mir graut vor der politischen Zukunft.

    Und bevor nun irgendjemand wieder den alten Spruch herausholt:
    „Noch nie war eine Jugend so dämlich und faul wie die jetzige!“ wussten schon die alten Griechen (haha) – gleich den hier noch: Dieser Spruch wird auch immer gern als Totschlagsargument verwendet zum Beweis der Meinung: Alles halb so wild. Die Erde dreht sich weiter. Klar, die Erde schon, aber die Griechen verloren damals wirklich und für alle bisherigen Zeiten die Innovationskraft. Amen.

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  12. Danke, genau so war es und wir haben es alle überlebt und waren selten krank! Wenn man sich verletzte wurde kein Drama draus gemacht! Was das betraf hatten wir es doch wirklich gut.
    Einen schönen Sonntagabend

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    • Tja, bei manchen Krankheiten, mit denen sich viele Kinder (und infolge auch ihre Eltern) plagen, frage ich mich mittlerweile, ob die vielleicht extra erst dafür erfunden worden sind, um die Bilanzen einiger Wirtschaftszweige zu mobilisieren…
      Wo kämen wir denn hin, wenn alle Menschen gesund wären?
      Morgengrauendvorfrühstückende Grüsse aus dem stillen Bembelland

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