Bei Schattenseiten durchaus auch sonnig

Eine der damen, die immer wieder aufhorchen lassen: Marianne Faithfull – GIve my Love to London (2014). Zeit werde ich dieser Scheibe gegen müssen: Kayo Dot – Coffins on Io (2014). Das im Text zitierte Gedicht findet man auch musikalisch verarbeitet bei: Vangelis – China (1978)…

Wen es interessiert, welche Schattenspuren man im Netz ratzfatz hinterlässt, der schaut sich seine eigenen auf „me and my shadow trackography.org“ an.
Zum Trost dazu ein Gedicht ganz anderer Qualität, das mich seit vielen Jahren begleitet:

Ich nehme eine Flasche Wein und gehe hin sie zu trinken zwischen Blumen.
Wir sind immer zu Dritt – mit meinem Schatten und meinem Freund dem schimmernden Mond.
Glücklicherweise weiss der Mond nichts von meinem Trinken und mein Schatten ist niemals durstig.
Wenn ich singe hört mir der Mond schweigend zu.
Wenn ich tanze tanzt mein Schatten mit mir.
Nach allen Festlichkeiten müssen die Gäste Abschied nehmen;
Diese Traurigkeit kenne ich nicht.
Wenn ich nach Hause gehe begleitet mich der Mond und mein Schatten folgt mir.
(Li Tai Po *701 – †761)

Für einige Tage hatte ich das Glück, auf dem Schwarzen Berg zu sein. Der Kracher war der erste Strandtag des Jahres. In Begleitung von Frau Waas auf den Kieseln liegen und die spürbar kräftige Sonne zu geniessen. Vom Meer blies die würzig frische Brise die nase und den Geist frei.
Und hier und heute im Bembelland die griesgraue Trübsal des Februars. Schneeregen obendrauf. Die schnellen Wechsel nehme ich als unwirklich wahr. Unnatürlich zum mindesten. Die immer schnelleren Wechsel bei stetig zunehmender Drehzahl. Mir scheint es nur normal, dass immer mehr Menschen dabei durchdrehen. Gesund ist das jedoch keinesfalls.

Heute begann der Prozess gegen den Edathy. Im Vorfeld ist alles schief gelaufen im ursprünglichen Sinn des Wortes. Ich bin grundsätzlich dafür, dass jeglicher Umgang mit kinderpornografischem Material, ob Herstellung, Vertrieb, Handel oder Konsum bestraft wird. Ich frage mich inzwischen allerdings, ob der Beschuldigte und mittlerweile Beklagte wirklich kinderpornografisches gekauft hat. Immerhin war er Vorsitzender des NSU Untersuchungsausschusses. Dort sind Behörden in ein ihnen sehr unangenehmes Zwielicht geraten. Ich kann mir vorstellen, dass man mittlerweile mit einem Vorwurf wegen Kinderpornografie jemanden schneller erledigen als wegen antisemitischer Äusserungen.

Man sagt meist ohne darüber nachzudenken: „Im wahrsten Sinn des Wortes.“ Als gäbe es graduell unterschiedliche Wahrheiten. Gibt es einen weniger wahren Sinn des Wortes? Noch dümmlicher finde ich allerdings die Einleitung: „Jetzt lass´ uns mal ganz ehrlich reden.“ Soll man sich bei einem Menschen, der einen auf diese Weise anspricht, fragen was er einem bis jetzt verschwiegen hat oder ob er bisher gar die Unwahrheit gesagt haben könnte.

Während ich meine virtuellen Aktivitäten in Bloggerlanden zunehmend reduziere, will ich dennoch gerne auf Sleepersblog hinweisen, der sich nach seinem Umzug  bei Onkel Wortpresse niedergelassen hat.

(Fotos anklicken und gross gugge)

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46 Gedanken zu „Bei Schattenseiten durchaus auch sonnig

  1. Dass Sie sich derzeit rarer machen, ja, das fällt auf und führt zu kleinem Vermissen, verehrter Herr Ärmel! Aber alles hat eben seine Zeit und braucht sie auch und man nimmt sie sich. Ich kenne das gut.
    Marianne Faithfull ist auch für mich eine ganz Grosse!
    Das Gedicht gefällt mir sehr … danke dafür, dass mal nicht die Einsamkeit den Mond anheult-

    und den rest unterschreibe ich jetzt einfach, ohne weitere Worte, Sie haben alles gesagt!

    herzliche Grüsse vom grauen Nieselregenschneematschberg … die Kraniche rufen, ich folge ihnen am Samstag in andere Gefilde- so ein Wechsel ist immer wohltuend und nährend
    Ulli

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  2. „Während ich meine virtuellen Aktivitäten in Bloggerlanden zunehmend reduziere“
    Das, werter Herr Ärmel, bedarf keines Hinweises… das ist schmerzlich klar, weil Sie vermisst werden… *schnief* Und das in so einem trüben graumatschigen Bembelland… Ohne Hoffnung auf ein Mispelchen… buhuuuuu *schnief*

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    • Bfff, ich bin beruhigt, lieber eine Halbwilde als eine halbe Gans…
      Abenteuer? Lesen Sie das aus den Textteilen? Vielleicht wissen Sie etwas, was mir noch verborgen ist.
      Abendschöndunkle Grüsse aus dem nasskalten Hessenland

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        • So rum gesehen darf ich also gespannt sein, was ein wenig mehr Zurückhaltung bringt.
          Ich hatte nur das Übliche im Sinn: mache ich weniger, zieht sich auch das Publikum rasch zurück. Für Politiker wie Schauspieler sicherlich eine grauenvolle Vorstellung.
          Aber für mich? Wo es nichts zu verlieren gibt, kann ich eigentlich nur gewinnen. Wenn ich bloss schon wüsste was..
          Morgengrauende Frühgrüsse aus dem ganz stillen Bembelland

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  3. Solange es grüne Wasserfotos zu sehen gibt, sei Ihnen alles verziehen.

    Einem Weltenbummler wie Sie es sind zieht es selten in kleine Gärten mit ihrer angestammten Enge und doch waren Sie da und hinterlassen bleibende Spuren und Erinnerungen.
    Für diese unsere Zeit ist das sehr viel.
    Danke, Ihre Arabella

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  4. Oh ja. Ich werde immer misstrauisch bis in’s Mark hinein, wenn jemand anhebt mit „Seien wir mal ehrlich“. Weiss nicht, wenn solche Leute Pinocchio wären, was die für eine Nase hätten.
    „Im wahrsten Sinne“ ist auch so ein sprachlicher Frankenstein. Geht denn wahrer als wahr? Megawahr oder superwahr? Hat sich noch nicht durchgesetzt. Eher das Warsteiner. Schmeckt auch nicht!

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  5. Also mal ehrlich, nä, nicht mehr bloggen und faul am Strand liegen, tsts. Könnte ich mir auch gerade gut vorstellen *g*

    Der Fall Edathy bietet genug Raum für Spekulationen und da wahrscheinlich nicht nur einer lügt ist das ein Idealfall für wilde Verschwörungstheorien. Aber so wie der sich verhält schätze ich, die mussten ihm nichts unterjubeln. Der wusste schon genau was er auf seiner Festplatte hat und wo das herkommt. Selbst wenn sich das zu diesem Zeitpunkt in einer rechtlichen Grauzone befand war der Mann politisch erledigt.

    Beim ersten Foto habe ich kurz gedacht Du hättest Dir eine Unterwasserkamera zugelegt, bis ich die Trübung einem Flugzeugfenster zuordnen konnte.

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    • Nicht nicht mehr bloggen sondern die Zeit für die Bloggerei reduzieren *g*
      Natürlich glaube auch ich, dass der Mann sowohl Dreck an seinem Stecken hat als auch politisch erledigt ist – wenn nicht mehr.
      Mir kam bloss der Gedanke. Und ich sehe das wie du, es sind jede Menge Lügner in diesem ganzen Fall unterwegs.

      Was das Foto betrifft, gibt es wirklich nur sehr wenige Gelegenheiten, bei denen man nicht erkennt, dass es durch ein Flugzeugfenster aufgenommen worden ist.

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  6. Echt jetz‘? „Ehrlich mal“ nervt euch? Das regt euch auf? Klingt, als hättet ihr noch nie gelogen!?! —- Jetz’mal im Ernst! Glaub ich euch nicht. Ganz ehrlich mal.

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  7. Mein lieber Herr Ärmel, mir schrub mal ein schlauer Mensch, dass die Dinge allzeit in Bewegung sind. Ich ergänze tagtäglich still „Und wir mit ihnen.“ So hinterlege ich bewegungsintensive Grüße, Ihre Frau Knobloch, manchmal innehaltend und Spuren betrachtend.

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  8. Schön, das Gedicht des Tang-Dichters. Auch ein Rückzugsort, so wie für ihn der Platz unterm Mond mit dem Wein in der Hand.

    Kayo Dot habe ich nun noch weiteren Gernhörern ans Herz gelegt und bin gespannt. Noch habe ich es nicht nochmals angehört, Ihren Worten will ich aber noch nachgehen. Vangelis, China, die ist nicht mehr im Regal. Steter Fluss … Zum Glück bin ich kein Archivar der Dinge.

    Sagte ich eben steter Fluss? Ja, dieser Wellengang kann auch dem Bloggen gut tun. Reduzieren und die frei gewordenen Kräfte für etwas anderes nutzen. Die Freiheit, meinen Blog einfach sein zu lassen und weiterzuziehen, ist immer eine Möglichkeit – keine, die sich bisher realisiert hat, aber doch da.

    Ihren Verdacht finde ich nicht abwegig. Stellen wir uns vor, es weint ein Kind im Supermarkt, weil es für einen Moment Mutter/Vater/Großmutter … aus den Augen verloren hat – ich würde vielleicht nicht wagen, dem Kind zu helfen. Solch abartige Konsequenzen hat dieser gesellschaftliche Generalverdacht.

    Ehrlich gesagt, habe ich gegenüber diesen Sprachkonventionen eine etwas andere Sicht. Gestehe aber gerne ein, dass das Wort „ehrlich“ dabei vielleicht unglücklich gewählt ist.

    Haben Sie Freude an diesem Tag!

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  9. Pingback: Schuld sind die andern… | bittemito

  10. Ups, schon wieder fühle ich mich ein wenig ertappt. „Im wahrsten Sinne des Wortes“ benutze ich auch hier und da. Meist, wenn die Wortwahl wie die Faust aufs Auge genau passt und ich etwas noch kräftiger unterstreichen will (jetzt fällt mir dummerweise kein Beispiel ein). Ich werde nun noch mal genauer darüber sinnieren. Zu Edathy sage ich nichts, das ist mir alles zu verschwommen. Ihre Gedanken dazu halte ich aber auch für möglich. Dass ich Kinderpornographie verabscheue und Kinderbilder m.E. im Internet nichts zu suchen haben, möchte ich trotzdem noch hinzufügen. Es erschrickt mich immer ein wenig, wie leichtfertig Eltern Fotos ins Netz stellen. Über Blogpausen oder reduziertes Bloggen lese ich bei mehreren Bloggern in dieser Zeit, und auch mich beschäftigt das immer mal wieder. Ich lese Sie gerne Herr Ärmel. Herzliche Dienstagsgrüße aus der Großstadt, Ihre Frau Coupar. So, jetzt schaue ich mir Ihre Fotos in Ruhe an.

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    • Ach, verehrte Frau Coupar, es ging mir garnicht ums Ertappen. Ich bin derzeit heftig am sprechen und schreiben, da fällt mir das zwangsläufig auf. Ich finde Deutsch do eine geniale Sprache in der Vielfalt ihrer Ausdrucksmöglichkeiten. Da lohnt es sich, genauer hinzuhören und aufzupassen.
      Eine Blogpause plane ich garnicht. Aber Innehalten ist notwendig, finde ich jedenfalls. Ich lebe durch den Wechsel von Einatmen und Ausatmen. Dauernd bloggen ist wie dauernd ausatmen – das geht schon mittelfristig nicht gut.
      Neinnein, ich will einen bewussteren Umgang mit dem Medium, das ist alles. Einen Ihrer Beiträge beispielsweise zwei Mal lesen, Ihre Posts sind das sicherlich wert.
      Allerbeste Vorfrühlingsgrüsse sende ich Ihnen aus dem vollsonnigen Bembelland

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      • Ich finde das ertappt fühlen gar nicht schlimm, denn das erhöht ja auch meine Achtsamkeit und Aufmerksamkeit. „Einen bewussteren Umgang mit dem Medium“, ja, dass will ich auch. Danke Ihnen.

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    • Na, da muss ich mal den richtigen Sitzplatz und vor allem eine saubere Scheibe erwischen für ein gutes Alpenvonobenfoto. Ich gebe die Hoffnung nicht auf….
      Frühabendliche Grüsse aus dem scharfen Bembelland

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