Tage im März IV – Literarischer Nachtrag

Für Hilde Knef sollte es rote Rosen regnen, für mich sollen heute die Damen singen. Meine Stückeliste für diesen Abend: Julie Driscoll – This Wheels on Fire (1968), Alice – Il sole nella pioggia (1986), Inga Rumpf – Roxanne (?), Bettye Lavette – Salt of the Earth (2010), Blondie – Denis (1978), Brigitte Bardot – Ne Me Laisse Pas l’Aimer (1964), Buffy Sainte-Marie – Eagle Man, Changing Woman (1975), Sonja Kristina – Back Street Luv (1968), Dolores O’Riordan – Zombie (1994), Dotschy Reinhardt – Days of Wine and Roses (2012), Amanda Palmer – Eisbär (2006), Edith Piaf – Sous Le Ciel de Paris (?), Emiliana Torrini – Heard it all before (2008). Mal sehen, was danach eventuell noch laufen wird…

Nach dieser kleinen Serie einiger für mich ganz besonders ereignisreicher Tage in England, soll der Bruch hin zu anderen Berichten nicht ganz so abrupt vonstatten gehen. Durch den bescheidenen Bericht der kleinen Rundfahrt sind mir manche Erinnerungsschubladen fast entgegengesprungen. Menschen, Hotels und Orte; mein erster Aufenthalt in London als ich vierzehn Jahre alt war und mit den Pfadfinderkollegen alleine durch die Innenstadt stöberte. Unvergesslich. Sicherlich werde ich noch einiges darüber schreiben. Später. Nun jedoch, zum Ausklang, zwei literarische Hinweise, die mich beeindruckt in mehrfacher Hinsicht haben. Das Buch zur Unterhaltung und zum besseren Verstehen englischen Verhaltens und das zweite als praktische Handreichung. Und dies nicht bloss für England.

I. Der Hinweis lenkt den Blick auf das Oxford English Dictionary. Jeder Gymnasiast aus den westlichen Bundesländern kennt das, denn nur dies war bei den Arbeiten in der Oberstufe zugelassen. Zu meiner Zeit wenigstens. Dieser dunkelblaue Backstein, in dem zum Leidwesen der schwitzenden Schüler die englischen Wörter nur auf englisch erklärt waren. Und das bei einem Besinnungsaufsatz über das psychologische Problem des Kaufmanns von Venedig von Wilhelm Schüttelspeer.
Im vorliegenden Buch geht es um die Entstehung des OED. Dieses Kürzel versteht in England fast jedermann. Es ist vergleichlich mit unserem Grimmschen Wörterbuch, jedoch in stark abgespeckter Form.
Mehr als fünfzig Jahre dauerte die Arbeit an diesem, fpr die englische Sprache grundlegenden Wörterbuch. Zahlreiche freiwillige Helfer trugen zu seiner Vollendung bei. Zu einem der fleissigsten Beiträger entwickelte der Initiator ein besonderes Verhältnis. Daraus entstand eine intensive intellektuelle Freundschaft.
Das Buch kann man einen soliden historischen Roman nennen. Es ist sauber recherchiert und bietet Einblicke in die Geschichte des OED. Nebenbei erfährt der Leser einiges über das Leben in psychiatrischen Anstalten. Denn der eifrigste Beiträger war ein verurteilter geisteskranker Mörder. Das Buch liest sich flüssig und stellenweise wie ein Thriller.
Simon Winchester: Der Mann, der die Wörter liebte. Eine wahre Geschichte. Verlag Albrecht Knaus München, 1998.

II. I have had been oder vielleicht doch I had have been? Dabei ist englisch ziemlich einfach vom Deutschen aus zu erlernen. Und richtig Spass machts dann, wenn man Angehörige der jeweiligen Klassen in ihrem eigenen speziellen Code ansprechen kann, ob im Pub oder beim Pferderennen in Ascot. Das kommt jedoch erst später. Zuerst sollte man seine Sprachkenntnisse etwas perfektionieren. Das passende Buch dazu, das man überdies als ein vergnügliches Sprachlehrwerk bezeichnen könnte, empfehle ich jedem, der nicht nur in der Türkei nach dem Weg fragen möchte. Wem die englische Sprache Vergnügen bereitet, wird seinen Gewinn schon nach den ersten Seiten einfahren und darüberhinaus einiges über seine eigene deutsche Muttersprache erfahren. „Es ist leicht, Englisch zu lernen, wenn man sich Judith Macheiner anvertraut. Sie appelliert an Fähigkeiten, über die wir bereits verfügen: die Kenntnis unserer eigenen Sprache – und sie wuchert mit diesem Kapital. Wieviel Witz schleicht sich in unsere englischen Sätze ein, wenn wir ihr folgen, und mit welchen Nuancen macht sie uns bekannt!“ Eine spezielle Empfehlung meinerseits, zumal grundsätzliche Aussagen Macheiner natürlich auch auf andere Fremdsprachen übertragbar sind.
Judith Macheiner: Englische Grüsse oder über die Leichtigkeit, mit der man eine fremde Sprache erlernen kann. Eichborn Frankfurt, 2001.

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25 Gedanken zu „Tage im März IV – Literarischer Nachtrag

  1. Lieber Herr Ärmel, Ihre Stückeliste brings back memories. „This Wheels on Fire“ ist mir ohnehin ins Gehirn gebrannt, und danke, dass Sie mich auf „Back Street Luv“ gebracht haben. Curved Air waren eine außergewöhnliche Truppe. Lange nicht gehört und gleich „aufgelegt“. Und wahrscheinlich werde ich nachher von meiner Klassenfahrt nach London träumen…

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  2. Hui, eine Playlist der Gegensätze: Blondie prallt auf Bardot usw. Hab ich auch mal ne Zeit lang gemocht: später Elvis prallt auf Buzzcocks und danach Rainbow auf Heinz Rudolf Kunze…
    London? Naja, hab ich vermutlich zu spät kennen gelernt, ne verbaute Großstadt eben mit „Falschrumverkehr“ – da werd‘ ich kein Fan von. Edinburgh dagegen ist da schon in einer anderen Liga.

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  3. Hihi. Ich habe den Einsatz von do auch erst richtig begriffen, als ich mich an mein sächsisches Dorf erinnerte und den Kampf meiner Mutter (Lehrerin) gegen das bei uns so unübliche tun . Ich tu nicht lachen.Tust Du lachen?

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  4. Hui, die geballte Damenbelauschlappung sprengt mein Zeitfensterchen, aber die Buchempfehlungen sind flugs eingekladdet. Frau Macheiner wurde mir schon mal nahegelegt, als ich wegen meinem Schulenglisch haderte, ist nunmehr kwasi schon gekauft.
    Danke dafür und Ihnen einen bonfortionösen Tag, Ihre Frau Knobloch, herzvoll zugetan.

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    • Ach, die hochwertgeschätzte Frau Knobloch, Sie auch hier – welche Freude. Dann sperren Sie Ihr Zeitfensterchen einfach ein wenig weiter auf. Sie wissen sich doch auch sonst zu helfen.
      Ich halte derweil Ausschau nach einem reitenden Boten, der Kruierdienste zuverlässig zu erledigen weiss…
      Nachmittäglichsiebensonnige Grüsse aus dem leuchtenden Bembelland, Ihr Herr Ärmel (nach Diktat verreist)

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  5. Erinnerungsfächelchen aufgesprungen: Nicht mit Pfadfindern, sondern mit der Freunding gestöbert dort und in der Portobello Road-wo sonst- meinen ersten Catsuit gekauft, das war vielleicht ein unbraves Ding für mich Heideröslein!
    Die Bücher wollen mich zur Tat schreiten lassen 🙂

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  6. Interessante Mucke, mein lieber Schreibfreund, und zwei interessante Bücher: wenn das mal heute keine tollen ärmeligen Tipps sind!
    DANKESCHÖÖÖÖN 🙂
    Liebe Sonnengrüße vom Lu am Ne im Ländle 🙂 🙂 🙂

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  7. Lieber Herr Ärmel, Du hattest letzthin bei Frau Wildgans kommentiert zu „Flüchtling“ und gesagt, Arno Schmidt hätte da mal sehr böse drüber geschrieben über die Wortveränderung zu „Aussiedler“…da ich schon viele Jahre um diesen Arno Schmidt herumschleiche und mich irgendwie nicht so ganz rantraue, wäre das für mich ein willkommener Einstieg. Bitte sag mir doch, in welchem seiner Arbeiten das zu lesen ist! Viele liebe Grüsse…Musikliste wunderbar!

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    • Liebe Frau Graugans – eine Dame, die den alten Arno umschleicht, das lässt aufmerken. erfreut sich der alte Stänkerer doch gerade in der Damenwelt bedauerlicherweise weniger Leserinnen. Die wenigen jedoch, sagt man, hätten sofort alles stehen und liegen gelassen um seine Heideeinsamkeit mit ihm zu teilen.
      Zu Ihrer Frage: die Thematisierung des Heimatverlustes und der daraus resultierenden Schwierigkeiten finden sich häufig im Werk des Autors. Zum Einstieg und am deutlichsten vielleicht in der kurzen Erzählung „Die Umsiedler.“ Die gibt es mittlerweile auch als schmales Bändchen im Taschenbuch. Wenn Ihnen dies zusagt, melden Sie sich gerne wieder. Ich freue mich, Ihnen dann weitere Hinweise zu geben.
      Vomittäglichsiebensonnige Grüsse aus dem leuchtenden Bembelland

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      • Herzlichen Dank, Herr Ärmel, werde mal an die Umsiedler schleichen und dann: schaumamoi! Ja, und was is denn das, gleich sieben sonnen in Ärmels Umland…ob da nicht der eine oder andere Bembel im Spiel war bei so vielen Scheiben am Himmel? Werte Grüsse aus den Randprovinzen

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  8. Lieber Herr Ärmel, die Sebald-Gedenkreise-Artikel waren sehr schön. Man möchte sich gleich selbst aufmachen … Oder zumindest mal wieder Die Ringe lesen.
    Von den Empfehlungen kenne ich den Wörter-liebenden Mann, dem fand ich auch sehr gut. Das zweite Buch klingt gut …
    Bei der Playlist dachte ich, ob sich der Herr Ärmel wohl lauter Geburtstagsständchen bringen lässt? Mit der Bitte um Aufklärung & herzlichen Grüßen
    Petra

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    • Ich danke für die Belobwortung.
      Die englischen Grüsse beförderten bei mir die Reflektion auf die eigene Verwendung der Fremdsprache Englisch. Mir gings ursprünglich weniger ums Lernen und dennoch habe ich etwas gelernt. Also kein Sprachführer, eher ein Sprachverführer.

      Schon in den alten WG-Zeiten habe ich für mich musizierende Frauen entdeckt, als der Rest der Mitbewohner eher Bands oder männlichen Instrumentalisten die Ohren geschenkt haben. Insofern befinden sich in meinem Musikalarchiv ziemlich viele weibliche Namen.
      Mag sein, diese Stückliste war ein Nachklang auf den Weltfrauentag, den ich für mich sonderbar finde, denn ich brauche nicht einen bestimmten Tag im Jahr, um mich Frauen gegenüber anständig zu verhalten. Deshalb würde es nicht zu mir passen, mir mit dieser Playlist ein Ständchen bringen zu lassen… Wenn die eine oder andere jedoch unter meinem Fenster musizieren würde ~~~~

      Morgenfrischkalte Grüsse aus dem munteren Bembelland

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