Wasser, es fliesset nur… (J.W.v.Goethe)

Der Mann wohnte zeitlebens in Wiesbaden und ist leider viel zu früh verstorben: Volker Kriegel – House Boat (1978)…

Die Saison der Stadtführungen beginnt wieder. Aus diesem Grund hielt ich mich vor zwei Wochen in Aquae Mattiacorum auf. Wasser aus der Tiefe gab dem Platz den ersten Namen. Die von Nero ausgehobene Legio I Adiutrix und später auch die Legio XIV Gemina waren gegenüber auf der anderen Seite des grossen Flusses im Lager Monguntiacum stationiert. Auf der Suche nach den für die römische Lebensart unvermeidlich benötigten heissen Quellen wurden die römischen Spezialisten in Aquae Matticorum fündig. Legionäre bauten daraufhin eine Badeanlage.
Ob man damals schon wusste, dass die heissen Wasserströme teilweise aus zweitausend Meter Tiefe aufsteigen und bis zu 68° heiss sind, ist ungeklärt. In der sich entwickelnden Siedlung, die Jahrhunderte später von Einhard, dem Begleiter Karls des Grossen, aktenkundig festgehalten wurde als Wisibada, als Bad in den Wiesen etwa, gibt es ein Quartier, das noch heute Quellenviertel heisst.

Von den Römern auf meine Generation ist die Gewohnheit gekommen, den Alltag, also Einkäufe, Feste, Kneipenbesuche und dergleichen in Monguntiacum abzuwickeln und die gelegentlichen heilende Reinigungen in Aquae Mattiacorum vorzunehmen. Heutzutage geht das recht stilvoll im Kaiser-Friedrich-Bad.

Warum ist das alles schreibe? Die Fotografie des vorigen Beitrages regte die Fantasie einiger Gugger derart an, dass diese Aufklärung erforderlich geworden ist. Der abgelichtete Kochbrunnen-Springer steht direkt neben dem traditionsreichen Kochbrunnen. Die tägliche Wasserleistung beträgt erstaunliche 500.000 Liter. Was auf der Fotografie zu sehen ist, sind die mineralischen Ablagerungen der Quelle, die von Zeit zu Zeit entfernt und verkauft werden.

Und nun wünsche ich allen Besuchern, Lesern und Guggern ein schönes Vorfrühlingswochenende.
(Foto anklicken bringt das Heilwasser näher)

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26 Gedanken zu „Wasser, es fliesset nur… (J.W.v.Goethe)

    • Stimmt, den Geruch habe ich nicht erwähnt, weil ich ihn nicht sichtbar machen kann…
      Über die Schönheit von Wiesbaden.. naja.. das wäre wirklich einen Extrabeitrag wert.
      Die Städtefreundschaften an deutschen Flüssen: Köln – Düsseldorf, Frankfurt – Offenbach, Mannheim – Ludwigshafen und eben Mainz Wiesbaden…

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  1. Wer kauft denn Derartiges? Macht man Gesundheitslollys daraus?
    Lieber Herr Ärmel, warum agieren Sie nicht bei Studiosuuudingsreisen als kluger Ansager?
    Meine Mineraliensammlung liegt extrafein ungeordnet auf Fensterbänken und im Garten, katalogisiert in meinem Reiseinnern…
    Gruß von dort

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    • Keien Ahnung, wer da seine sauer geschürften Taler da zu Fenster rausschmeisst… Ich denke an Banker, Unternehmensverräter, in Wiesbaden stationierte Ammis und andere Gestörte… Einfache Leute wie Sie und ich wohl eher nicht….

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  2. Wiesbaden, auch so ein Weißfleckchen auf meiner ureigenen Deutschlandkarte. Danke fürs Neugierigmachen, mein lieber Herr Ärmel und natürlich für die Auflösung. Hätte also doch auch ein stalagtitisches Höhlenbild sein können.
    Feinstsamstagsgrüße zwischen zwei Läden pendelnd, immer die Ihre.

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    • Sie sehen, hochwertgeschätzte Frau Knobloch, Ihr grünäugigallesdurchdringender Blick wäre fast zum Kern des Ganzen durchgestossen – Fantastisch – Gratulation!!!
      Ihr Herr Ärmel (spätabendlich ermüdet)

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      • Diese Spätabendgratulation flechte ich mir gernst in meine Runterkommabendgedanken ein. Das Florallabor, es skelettiert sich zunehmend und ich grüße ebenso spätabendmüdiglich zurück, die Ihre, leichtsentimental.

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        • Ich kann, meine hochwertgeschätzte Frau Knobloch, schwer abschätzen wie Sie runterkommen. Also ich in solchen Fällen, schaue mir eine Fotografie an. Vielleicht haben Sie ja auch die eine oder andere Fotografie zur Hand und vor Augen.
          Ich wünsche es Ihnen, Ihr Herr Ärmel, spätabendlich leicht angeschlagen nach einem 18-Stunden-Tag

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          • Normalamente tut’s ein Buch, neuerdings auch Kladdeneinträge und sogar Photographien. Die Verräumerey indess birgt alles, was mir hilfreich nun erscheint kartonagig in sich, rappelt aber weiter, kwasi im Käthekarton. Und so schreibe ich erstmals fastmitternächtlich auf einer Tastatur.
            Nun stilleundruhesendende Grüße Ihnen, erholen Sie sich gut. Ich tue gleiches.

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  3. An den lieblichen Geruch kann ich mich so gar nicht erinnern, nur dass die Plörre nicht geschmeckt hat. Überhaupt, warmes Wasser.. höchstens als Badevergnügen zu genießen – oder für Fotos (wenn ich mich nur an den lieblichen Geruch erinnern könnte)
    Woran ich mich erinnern kann ist, dass Wiesbaden mal eine schöne Stadt war, zumindest mit vielen schönen Ecken, und dass ich nach über 10 Jahren Abwesenheit geschockt war über die baulichen Veränderungen, die überflüssige Hochbrücke mitten in der Stadt, die Bullenkaserne…
    Irgendwann muss ich da auch noch mal hin, auf eigenen Spuren wandeln, die können ja nicht alles vernichtet haben.

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    • Muss ein paar Jahre zurückliegen, denn die ästhetische Narbe der Hochbrücke ist inzwischen einer normalen Kreuzung gewichen. So wie es früher wohl auch funktioniert hat.
      Der Geruch ist ebenfalls eine Kreuzung, und zwar aus abgestandenem Schwefel und faulen Eiern. Wirkt jedoch prächtig nach langen durchzechten Nächten *g*

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      • Wusst ich es doch, von wegen lieblich, das konnte nur ironisch gemeint sein. 😀
        Das mit der Hochbrücke ist tatsächlich schon wieder 30 Jahre her, es gibt also durchaus Korrekturen im Städtebau..

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        • Städtebau ist ein relativ schnelles Geschäft. Die Theoriebildung ist rasant, unbedarfte Leute wie wir kriegen das nur meist nicht mit.
          Ach ja, das Odeur der Wiesbadener Quellen. Die Römer wussten wahrscheinlich, warum sie nicht rund um Mainz gebohrt haben *ggg*

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    • Die Mahre hüten sich derzeit, die Nächte sind kraftspendend und manch‘ Traum erquicklich, mein lieber Herr Ärmel, was mich erstaunt und freut, denn gute Träume sind rar bei mir. Danke für Ihre Gutwünsche und einen schaffensreichen und famosbegegnungsintensiven Tag Ihnen wünscht Ihre Frau Knobloch, herzvoll zugetan.

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