Ganz gleich ob vier oder zwei Räder

Überschäumende Lebensfreude zum Horsche und Gugge: Leningrad Cowboys – Global Balalaika Show (2003)…

Im letzten Betrag schrieb ich über Erlebnisse auf langen Strecken in Automobilen. Heute sind Fahrräder an der Reihe. Irgendwas muss sich in meinen Genen abgelagert haben. Mein Grossvater fuhr Ende der 1920er Jahre auf der Opel-Rennbahn, dem seinerzeit schnellsten Kurs Europas Rennen im Opel Laubfrosch.
Der andere Grossvater war auf zwei Rädern unterwegs. Er spielte Radball, fuhr bereits damals Rennräder und wurde zweimal deutscher Meister im Kunstradfahren.
Davon hat sich in mir offensichtlich einiges erhalten. Es begann mit einem Mofa, dann folgten Leichtkrafträder und schliesslich die alten Eisenhaufen Zündapp, DKW oder NSU. Schliesslich verliebte ich mich in die schönen Italienerinnen von Ducati. Davon sammelten sich einige Einzylindermodelle an. Nach der Geburt der Lummerländer Kinder entschloss ich mich dazu, meine Ducatis und die 1000er Moto Guzzi zu verkaufen und zukünftig aus Sicherheitsgründen wieder auf die eigene Pedalkraft zu vertrauen. Die Werkstatt war vorhanden, also konnte es gerade weitergehen.
Zu jener Zeit kamen die ersten Mountainbikes auf. Dadurch lernte ich andere Namen zu buchstabieren als die bis dahin wohlklingenden Namen italienischer Hersteller von noblem Motorradzulieferern wie Ceriani, Marzzocchi, Veglia, Grimeca, Borrani oder Tomaselli.
Mein erstes Mountainbike war ein Kuwahara Lion und bald darauf folgte ein Koga Miyata Ridge Runner. (Dem Verkauf des Lion fliesst noch heute gelegentlich manche Träne nach). Das Koga begleitete mich bis nach Südamerika. Bei einem schweren Unfall in der Schweiz trug ich mehr Beschädigungen davon als das gute Rad. Man soll sein Herz nicht an Dinge hängen, aber manchmal glaube, dass der Ridge Runner sich an mein Herz gehängt hat. as soll ich machen?
In diesem Jahr kam die Idee zu mir, das Koga ordentlich zu überholen und aufzubarbeiten. Schnell jedoch musste ich feststellen, dass die 25 Jahre alten Teile kaum mehr zu erhalten sind. Und wenn, tja dann wollten die Verkäufer sie vergolden. Fahrradflohmärkte schienen die Lösung. Was die Teile betrifft, wurde ich nicht fündig, doch eher beiläufig lief mir ein Kuwahara Lynx zu. Den dachte ich zu verkaufen und dafür die gesuchten Teilen zu erstehen. Doch ich hatte mich verschätzt. Dafür fand ich schon zwei Wochen später auf einem anderen Radflohmarkt das Panasonic MC7500 in fast ladenneuem Zustand. Das war 1990 das Spitzenmodell der Marke. Ich versuchte zu verstehen, warum jemand ein seinerzeit mehrere tausend Mark teures Fahrrad kauft und offenbar jahrelang nicht damit fährt. Es hatte allerdings genau die Teile, die ich für das Koga brauchte. Aber ein fast ungefahrenes, quasi ladenfrisches Rad wegen einiger Teile auseinanderreissen? Zweifel, Fragen, zum Glück jedoch keine schlaflosen Nächte.
Als mir vor kurzem noch ein Kuwahara Lion(!) mit dem Damenrahmen zulief, fasste ich einen Entschluss. Davon wahrscheinlich demnächst mehr in diesem Blog.
Ich wünsche allen Besuchern, Lesern und Guggern ein spätsommerlich sonniges Wochenende.

                                                                  (Foto anklicken öffnet die Galerie)

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21 Gedanken zu „Ganz gleich ob vier oder zwei Räder

  1. Das kann ich ja nur mit dem Hinweis auf ….(herumdrux,herumdrux)…..MiFa und Diamant kontern…auf dem Mifa 24er hab ich fahren gelernt, es wurde irgendwann verkauft. 1973 hatte ich mir ein 26er Diamant-Rad selbst zusammengespart und dann versucht, einen Klappradlenker anzubringen, wegen des „Bonanza-Rad-Fahreffektes“ – der „böse Westen“ war wiedermal schuld. das mit dem Lenkerwechsel erwies sich als schwieriger als gedacht. Schließlich aber gelang es unter Hinzuziehung eines Autoschraubers, der 2x die lange Schraube im Lenker überdrehte und dadurch abbrach. das somit unfreiwillig verkürzte „Stativ“ hielt beim 3.Versuch dann doch. 2006 ließ sich mein Sohn dann das aus den eben genannten Gründen historisch wertvolle Bludgeon-Bike unangeschlossen am Bahnhof klauen…

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    • Da kann ich was zu sagen, ich bin schliesslich im Kalten Krieg gross geworden:
      1. Ein bisschen Blech, ein bisschen Draht – fertig ist das MiFa-Rad
      2. Diamant, dieser Schmand ist in der ganzen Welt bekannt.
      Es hat tatsächlich lange gedauert bis ich lernte, dass im Osten oftmals das vergleichsweise bessere Produkt entstanden ist. Zum Beispiel Carl-Zeiss-Jena, da kann man manches hier kultmässig hochgelobte Objektiv vergessen dagegen. Oder oder…

      Letzthin in Leipzig wurde mir warm ums Herz als ich in einem Park auf dem Asphaltoval radelte, auf dem „Täve“ seine legendären Runden drehte.

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      • Wer MiFa lenkt, wird aufgehängt.
        Wer Diamant fährt, ist Dresche wert.

        DIE Sprüche kenn ich auch. Die Qualität war trotzdem top. Rahmenbrüche? Kenn ich nicht. Ne Kette ist mir nie gerissen. In den späten 60ern waren die Schläuche schlecht – oder die Ventile – jedenfalls war täglich pumpen angesagt – und die wiederum wurden geklaut, wie Sau.

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  2. Lange Zeit hatten wir kein Auto.
    Ich hatte ein Klappfahrrad (Herr Bludgeon kennt es garantiert), ein Kind hinten, ein Kind vorn. Am Lenker die Milchflaschen, die damals noch aus Glas und mit frischer Milch gefüllt waren, die tgl. gekauft wurde.
    Gelegentlich hatte ich dazu grasgrüne Pumps an! Wir waren stadtbekannt😂😂😂
    Sonnige Grüße aus dem Fastschonwochenende, Ihre Arabella.

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    • Ein Klapprad hatte ich mal, das brach bei den ersten kühnen „Ügungen“ bereits auseinander.
      Heute gibts tolle Klappräder. Ich würde sofort eins nehmen, die sind aber unerschwinglich.
      Nachmittägliche Pausengrüsse aus der bembelländischen Fahrradwerkstatt.

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  3. Tja, aus Kinder- und Jugendtagen kenne ich auch nur Mifa und Diamant. Und nach 1990 habe ich mir dann den Traum vom Rennrad erfüllt. Da kamen für mich nur Franzosen oder Italiener in Frage. Lange geträumt habe ich vom Wanderer, einem Reiserennrad. Aber inzwischen brauche ich das nicht mehr

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    • Mein Koga Miyata World Traveller hat einen Rahmenbruch im Anfangsstadium, der demnächst zur Schlachtung führen wird.
      Dann werde ich mich auch nach einem anderen Fernstreckenrad umsehen müssen 😉

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  4. Coole Namen haben die Dinger ja, muss ich schon zugeben. Also, außer dem das so heißt wie Kameras oder Fernseher *gg* Stabil aussehen tun die auch, das taugt wohl. Muss ja auch, bei dem Preis.
    Mein erstes Fahrrad war ein… Fahrrad. Name? Keine Ahnung. Wahrscheinlich von Fahrrad-Lange empfohlen und an das Geburtstagsbudget angepasst. Nachträglich über die Jahre aufgerüstet mit Torpedo 3-Gang Nabenschaltung, Rennradlenker und VDO Tachometer.
    Mein zweites Fahrrad war ein…Rennrad. Yeah. Wunschtraum mit 12 Gängen, Name? Egal, Hauptsache Rennrad und 12 Gänge, wahrscheinlich auch von Max Lange, dem einzigen Fahrradhändler weit und breit. Stand in der Nacht zu meinem Geburtstag in meinem Zimmer und sorgte für wenig Schlaf, vor lauter Aufregung. Schneller als die anderen war ich vorher schon, aber DAMIT? Ich konnte es kaum erwarten.
    Aber als die Zweiräder dann motorisiert wurden habe ich die Pedalentreterei schnell an den Nagel gehängt. Von dem Tage an habe ich mir auch Namen gemerkt *g*

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    • Mein erstes war roter 10″er. Habe ich an einem Hoftor zerschmettert. Mein zweites ein 20″ Tripad (mit dend rei Hasen). Und dann endlich: ein Bauerrad, dunkelgrün mit roter Torpedo Dreigangschaltung und VDO Tacho. Der mit dem blauen Zifferblatt und Zeiger in orange. Die Uhr dazu hatte keiner von uns Buben.
      Ein Rennrad war fern aller Träume . . .

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  5. Trotz aller Unbillen und Hoftorzerschmetterungen scheint mir in Richtung Zweiradspezialitäten ein Lebenstraum verborgen, einer, der mehr oder weniger ans Licht drängt!?
    Morgengruß nach Spinnwebgartenbegehung aus dem alten Hessen

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  6. Damit einem die Räder zulaufen braucht man sicher auch ein spezielles Gen 🙂 Aber es ist ja interessant, das quasi unwandelbare Dogma der Genetik, dass erworbene Eigenschaften nicht vererbt werden, scheint ja ohnehin ins Wanken gekommen zu sein…. Großartig die zwei alten Fotos !!

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