Merkwürdiges Wetter bei guter Musik

Die neue Scheibe von Dave Edmunds überzeugt mich nicht, lieber Herr Zaphod. Die hier passt ohnehin besser zum Beitrag. Gelgentlich hört man noch von dieser Gruppe: Ar Re Yaouank – Fest-Noz still alive (von ?)…

Ich hatte einiges gelesen und gehört. Das klang richtig gut. Und im 1996er Jahr war es soweit. Ein kleines Ferienhaus wurde gemietet und ab ging die Fahrt in die Bretagne. Nach Kerlouan. Eine nimmer enden wollende Strecke. Und das Wetter wurde zunehmend schlechter unterwegs. Kein gutes Vorzeichen für einen Urlaub mit Kindern am atlantischen Meer.
Mit dem feinsandigen Strand war das so eine Sache. Wenn die Sonne endlich schien, war das Meer weg. Seltsame Steingesichter schauten dann um die Ecke zum Strand hin. Setzte die Flut dann ein, verdüsterte sich der Himmel zusehends und es begann strichweise zu regnen. Häuser hingeduckt im Ried. Im August dann Nebel am helllichten Tag.
Das Dorf war aber sehr reizvoll. Und dort fand ein Fest-Noz statt. Mehrere grosse Zelte waren aufgebaut. In jedem eine andere Art von Musik und dazu passende Tänze. Die Schwierigkeit für Mitteleuropäer sind die Melodiefolgen. Ständige Wiederholungen, die sich zwar leicht verändern, aber die Zuhörer aus sich herausziehen. Nach zwei, drei Stunden stellt sich ein Gefühl ein, als hätte man den Bodenkontakt verloren. Dazu floss der exquisite Cidre in Strömen. Selbst den Kindern schadeten altersgemäss entsprechende Mengen nicht. Dort erlebte ich einen Auftritt von Ar Re Yaouank, der mich dann wieder etwas geerdet hat.
Die Nacht war ein bleibendes Erlebnis. Ebenso wie der Kauf des morgendlichen Baguette. Ich ging als Frühaufsteher anschliessend in ein kleines Café für einen frühen petit noir. Bereits am dritten Tag erkannte ich einige Stammgäste. Wir grüssten uns. Einer forderte mich zu einem café calva auf. Einem Calvados im Kaffee, morgens um halb acht. Merkwürdigerweise verstand ich dadurch die an mich gerichteten Fragen der Barsteher deutlich besser. Für den restlichen Urlaubstage wurde es zu einem Ritual sich morgens gegenseitig einen café calva auszugeben. Damit waren die merkwürdigen Wetterverhältnisse ganz klar besser zu ertragen.
Auf der Rückfahrt besuchten wir die alte Hafenstadt Saint-Malo. Geburtsort und Unterschlupft berühmt berüchtigter Freibeuter und Piraten. Bei einem Stadtrundgang drangen mir die Klänge eines meiner allzeitigen Lieblingslieder ans Ohr. Eine junge Frau spielte die Geige und ihr Begleiter sorgte mit allerlei Krimskrams für den Rhythmus. Die beiden sahen aus, wie gerade eben dem Leiterwagen einer fahrenden Schauspielertruppe entsprungen. Alles passte.
Das Lied lernte ich schon Jahre zuvor in der Version der englischen Band East of Eden kennen, die vornehmlich Prog-Rock spielte. Ihre Darbietung von Jig-a-Jig ist für mich auch heute noch ein Reisser, der sofort alle Lebensgeister wachruft und jegliche unguten Launen vertreibt.

                                                    (Analoge Fotos digitalisiert. Anklicken öffnet die Galerie)

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23 Gedanken zu „Merkwürdiges Wetter bei guter Musik

  1. Guten Morgen, lieber Herr Ärmel, da kommen Erinnerungen an unseren Urlaub 1990 im Département Finistère hoch, bei dem wir Anfang Mai NUR Sonne und Wärme hatten und sogar baden konnten. Wir hatten eine kleine Winzmühle in Guengat als Ferienhaus gemietet und haben von dort aus die Gegend erkundet, es war ein wunderschöner Urlaub und die zungenbrecherischen Ortsnamen eine Herausforderung. Café calva habe ich allerdings nicht kennengelernt, obwohl ich jeden Morgen nach Guengat hochfuhr, um köstliches Baguette und Salzbutter zu kaufen.
    Die Mühle kann man noch heute mieten, habe ich gerade entdeckt.

    http://de.gites-finistere.com/location-vacances/gite-GUENGAT-15260-29.html#.Vdlzcvbos5s

    frühsonnige Grüße vom Dach in Hanau
    Karin

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    • Ein schönes kleines Ferienhäuschen.
      Was jedoch das Wetter betrifft, so waren Sie auf der sicheren Seite. Wenn Sie auf der Karte von Guengat fast kerzengerade nach oben fahren, ans andere Meer, dann werden Sie Kerlouan sehen. Und dort herrschen ganz andere Wetterverhältnisse.
      Sonntagmorgendlichsonnige Grüsse aus dem sommerlichen Bembelland

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  2. Freut mich sehr, Frau Karin wieder hier zu lesen!
    Musik, die einen in Apfelgärtrance versetzt, eine wundersame Erlebnisseltenheit, da würde ich auch nix von vergessen!
    Ein Foto von diesem Haus zwischen den Felsbollern habe ich auf einem Bretagnemeereskalender, wird wohl häufig als Motiv gern gehabt 🙂
    Ziemlich woanders sah ich bei Duenkerke die Nazibunker am Strand. Gewaltige Ungetüme, noch immer da. Lange haltbar, obwohl, manche wirkten leicht gesprengt sein sollend.
    Frankreichferien waren für mich in Malbosc. Einsam, ruhig, nur der Mistral pfiff um die Ecken.
    Urlaubserinnernde Grüße in den beginnenden Regen

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  3. Ich hab auch nicht behauptet dass die neue Scheibe von Dave Edmunds überzeugend ist, lieber Herr Ärmel, ich habe bloß erwähnt dass es sie gibt *g*
    Musikalische Hinweise gebe ich zur Genüge bei mir drüben *gg*

    Oh und an mein erstes Baguette in Frankreich erinnere ich mich auch. Als ich vom Frühstückseinkauf zum Wohnmobil zurück kam haben sie mich gefragt, wer das alles essen soll. Aber dieser Geruch dort in der Bäckerei war überwältigend.. ich konnte nicht anders…

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    • Das war keine Kritik, sondern lediglich mein Höreindruck an den Fan.
      Und Ihren musikalischen Hinweisen gehe ich sehr oft nach, da habe ich schon Zutrauen 😉

      Die Anekdote mit den Baguettes kann ich gut verstehen. Könnte ich bei mir auch durch Croissants ersetzen *ggg*

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  4. Gude Morsche Herr Ärmel,
    East of Eden habe ich als Vorgruppe von Deep-Purple an Ostern 1972 in der Offenbacher Stadthalle gehört :-), mer werd doch alt – das war gefühlt im vorigen Leben.
    Gruß Ursel

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