Tradition und Fortfahren oder: alte Liebe rostet nicht

Das letzte Album des Mahavishnu Orchesters in der Originalbesetzung. Wo kann man eine solche Besetzung heute noch auf der Bühne musizieren hören und sehen? John McLaughlin (gtr), Jan Hammer (keys, syn), Rick Laird (b), Jerry Goodman (violin), Billy Cobham (dr). Mahavishnu Orchestra – Birds of Fire (1973)…

Diese Scheibe altert nicht. Es sind nicht einfach nur die persönlichen Erlebnisse, das private Erinnerungskino der alten Geschichten, ein verklärendes Zurücklehnen in die Jugendjahre. Noch immer und immer wieder beeindruckend ist die meisterhafte technische Beherrschung der Instrumente, die es den Musikanten erlaubt mit ihren kreativen Ideen mühelos die Grenzen des zu jener Zeit gehörten Normalmasses zu überschreiten. Im Vergleich zu vielen heutigen Produktionen ist die Scheibe ein Monolith zwischen all den heutigen akustischen Belanglosigkeiten mit der Halbwertzeit des Wimpernschlags eines Leguans.

Ich habe mich rar gemacht im Blog, ich weiss. Auch mit den Besuchen bei den Bloggerfreunden. Viele Ideen für den Blog sind mir im Alltag einfach wieder entflogen noch bevor ich sie so recht in Worte setzen konnte. Und Sommerlöcher mit Beliebigkeiten ausspachteln wollte ich ebensowenig wie den Besuchern, Lesern und Guggern mit Sinnfreigeflunker den Blick zu vernebeln für das Wesentliche im Leben.
Dann lieber handwerken, schwere Maschinen wuchten und einen Holzfussboden aus dem 1880er Jahr wieder zum Vorschein bringen. Freude erleben beim Gelingen als die einfachen Bohlen endlich ihre letzte Ölung erhalten hatten. Mit Menschen zusammensitzen und darüber sprechen, wie es funktionieren könnte mit dem Ärmelasühl. Funktionalität und Ästhetik verbinden mit einem Minimum an Kosten. Auch Gastfreundlichkeit zu installieren. Es wird weitergehen und schon bald sollen Freunde herzlich willkommen sein.

Dazwischen ein Jubiläum, ein verspätetes zugegeben aber nicht vergessen. Wie könnte ich dich vergessen. Bei alledem, was wir zusammen erlebt haben. Seit einem Vierteljahrhundert nun schon. Haben Urlaube zusammen verbracht und bis nach Südamerika sind wir gereist. Und erinnerst du dich noch den denkwürdigen Unfall in der Schweiz seinerzeit? Bist willig gefolgt im Gebirge auf den gefährlichen Pfaden und hast am Ende den Absturz besser überstanden als ich.
Hast die Lummerländer Kinder getragen und den Hänger voller gefundener Äpfel gezogen ohne knirschen und knarzen. Wir waren zusammen in Schlamm und Staub. Hast dir Schrammen dabei eingehandelt. Ehrenzeichen deines Alters. Mit deiner schlichten Eleganz hast du nicht nötig etwas derlei zu verbergen.
Denn du warst und bist meine Nummer eins, das will ich deutlich sagen. Auch wenn es andere vor und neben dir gab.

Jetzt zu unserem Jubiläum bist du herausgeputzt wie damals als ich dich zum ersten Mal sah und sofort wusste, dass wir beiden einen langen Weg zusammen zurücklegen werden. Und so solls auch weiterhin bleiben.

                                                               (Foto anklicken und in der Galerie guggend mitfeiern)

Koga Miyata : Ridge Runner (1989)
Rahmen: Hardtlite FM-1 Chrom-Molybän, handgelötet
Gabel: Tange
Vorbau: Kalloy
Schaltung, Naben, Steuersatz, Kurbeln, Pedale und Hebel, Sattelstütze: Shimano Deore XT II
Sattel: Selle San Marco
Reifen: Panaracer (vorn: Headwall 26×2.00, hinten: Khartoum 26×2.00)
Felgen: Araya RM-20

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22 Gedanken zu „Tradition und Fortfahren oder: alte Liebe rostet nicht

  1. Cooles Teil (für’n Fahrrad *fg*)
    „Dieses japanische Zeuch taucht alles nix“ het mien Schwiegervadder immer secht, „Torpedo Nabenschaltung is noch Wertarbeit!!!1elf! Da geht nix kaputt.“

    Den Mahavishnu Absatz kann ich voll unterschreiben, mit Ausnahme der heutigen akustischen Belanglosigkeiten. Jede Generation hat ihre Helden, auch die heutige und auch zu Recht, selbst wenn uns alten Säcken die Akustik nicht so zusagt *g* wir kriegen vor lauter Belanglosigkeiten nur den coolen Rest nicht zu hören weil wir keine Ahnung mehr haben, deswegen hören wir John McLaughlin oder Led Zeppelin 😉
    Gibt gerade einen Film über solche Helden der mich interessieren täte, auch wenn mir der Ami-HipHop nie so zusagte, aber Straight Outta Compton bringt einem diese Sachen vielleicht etwas näher.

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    • Du hast natürlich Recht. Ich habe bei der zeitgenössischen Musik den Nebensatz mit den Ausnahmen vergessen. Und da gibt es glücklicherweise immer wieder schöne Ausnahmen auch heutzutage *ggg*

      Das mit den Vorurteilen gegen die Japprodukte kenne ich. Musste einige auch bezeiten korrigieren als Motorradfahrer. Als wir noch auf den alten deutschitalienischenglischen Schleudern unterwegs mitnem Werkzeugkoffer aufm Gepäckträger, haben die japanischen Teile wenigstens gehalten und waren ziemlich standfest. Siehe die alten Hondas CB 450 und CB 750 four. (HOrexNachbauDerAsiaten *g*)

      Danke für den Hinweis auf den Film.

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  2. Ohhhhh, liebevolle Fotos von einem Fahrrad, super. Sie verzeihen, dass ich es einfach nur „ein Fahrrad“ nenne, bei den Feinheiten kenne ich mich nicht aus 🙂
    In Foto Nr 1 schaut es richtig lebendig aus mit den gelben „Lebensadern“ und der schrägen Position, super !! Da sieht man doch wie ausdrucksstark so ein absichtlich unscharfes Bild sein kann
    Das „immer nach vorne gugge“ gefällt mir auch sehr gut. Ich kann mich nur nicht entschließen, ob ich mich für die Sichtweise „etwas behäbiges Hinterteil mit Flügeln“ oder „Segelflug“ entscheiden soll 🙂 Auf jeden Fall gefällt mir sehr gut, dass die Lenkstange abgeschnitten, also nicht ganz drauf ist. Das macht interessant. Muss ich mir merken!
    Die anderen sind auch ganz lebendig, eine echte Liebeserklärung an das Radl !
    Ich wünsche einen schönen 2.Septembertag ❤

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  3. Wie ist die Halbwertzeit eines Leguanwimpernschlags? Haben die Wimpern? Es gibt enorm große, die sogar Ziegen fressen, ne, falsch, das wären Warane, aber egal.-
    Will ja nur vom Thema ablenken. Von dieser Art Musik verstehe ich nichts, die mochte ich nicht, desgleichen betrifft das solche Fahrradingenieurskünste.
    Als Essenz verstehe ich: Früher war Einiges besser!
    Die Musterung des Rades lässt leise an Janoschs Tigerente denken: Komm mit mir nach Panama!
    Gruß vom vorm Bücherregal von
    Sonja

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    • Die Halbwertzeit eines Leguanwimpernschlags? Momentsche, da brauch´ isch moi Daschereschenmaschinsche. (4x sch gibts nur im Hessischen)

      Nein und überhaupt nicht war die These intendiert, früher sei alles besser gewesen.
      Bestenfalls könnte man in dieser Richtung lesen, dass manches erhaltenswert ist, was früher schon war.

      Mir gehts aber auch um die Zukunft, beispielsweise meines geländetauglichen Velocipeds.

      Würden Sie mit mir nach Panama gehen – und wärs bloss für drei Tage?

      Morgendlichfrischluftiggutausgeschlafene Grüsse aus dem frühstückenden Bembelland

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  4. Orrr, neeee, nich‘ diese Platte! Die Feuervögel hab ich auch, aber wenn’s hoch kommt nur 2x in 10 Jahren durchgehalten. Vielleicht zu spät kennengelernt. Mag sein. Aber die „Emerald beyond“ find ich deutlich besser, weil erträglicher.

    Aber mit den Zeppelinen hab ich’s nun ja ooch nicht so, wie Zaphod anbietet. Hach. Kein Wunschsound zur Zeit – ich müsste schon wieder auf Reisen gehen, aber die Arbeit – tja, die Kleeche, die verdammte; versaut das halbe Leben, wie man weiß.

    Also Bowie und Elvis rauf und runter und bissl Danzer dazwischen „Futta for the Kopp“, weil sonst die Alternative wäre… äh… Fußball. Ächz.

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