Moschusmodrige Holzbodenbefreiung

Zum letzten Äppler und der letzten Zichte und überhaupt eine Empfehlung für die abendliche Begleitung ist:
Layla Zoe – Sleep little Girl (2011)…

Nach unzähligen Versuchen hätte ich fast aufgegeben. Normalerweise fällt mir für eine Rede immer etwas passendes ein. Aber diesmal. Für eine Festrede. Am Ende hats dann doch zum Glück hingehauen. Die Muse hat rechtzeitig geküsst.

Der Holzboden ist mit Hartöl versorgt, er spiegelt wie versiegelt. Und im winzigen Büro ist der Betonboden den Zwecken entsprechend lackiert (RAL 7035). Jetzt fehlen bloss noch einige Details. Es geht voran. In der Schlafstube ist der Teppichboden aus den 1970er Jahren und zeitgemäss widerlicher Farbe entfernt. Ich dachte das darunter liegende Linoleum aus den späten 1950er Jahren zu restaurieren. Das ist ja mittlerweile wieder in. Und wie ich gesehen habe auch ziemlich teuer. Und hier liegt mir das Original zu Füssen.
Leider entdecke ich beim Entfernen des Teppichbodens einige riesengrosse Brandflecke darauf. Irreversibel. Aber darunter befinden sich doch noch die Holzdielen aus dem vorvergangen Jahrhundert.
Mich schreckt nach dem letzten Erlebnis jedoch das Fräsen des Estrichs. Weniger das Fräsen als der Staub, der Wege im Haus gefunden hat, die ich mir trotz sorgfältigster Abkleberei nicht erklären kann. Aber, o Wunder, das Linoleum wurde direkt auf die Dielen geklebt. Das lässt sich doch ganz einfach mit der Bodenschleifmaschine wegschleifen.

Leider entdecke ich etliche Dielen, die verdächtig dumpf klingen beim Abklopfen. Feuchtigkeit ist noch der harmlosere Ausdruck für deren Aggregatzustand. Sie müffeln überdies modrig. Zum Glück hält der marokkanische Lebensmittelhändler Räucherstäbchen alter Machart in seinem Angebot. Ich entscheide mich für Mochus, das den unangenehmen Geruch tatsächlich neutralisiert.
Die Feuchtigkeit ist entstanden, da das Sandsteinfundament vor Jahrzehnten aussen gekachelt worden ist. Mir fällt dazu die momentan vielgepriessene Abdichterei vieler Häuser aus angeblichen Energiespargründen ein. Auch das wird für die Hausbesitzer dereinst ein böses Erwachen geben. Ökonomisch zahlt sich die Investition nach circa zwanzig Jahren erst aus, wenn überhaupt. Und im Brandfall ist die Hütte schneller abgefackelt als man seine Siebensachen noch in Sicherheit bringen kann. Aber das ist eine andere Geschichte.

Also abschleifen. Das ist schnell geschehen. Der Maschinenverleiher klärt mich allerdings darüber auf, dass man den Kleber vorher entfernen muss und keinesfalls mit der Maschine entfernt werden darf.. Er empfielt seine Estrichfräse. Nein, die kommt mir nicht mehr ins Haus. Bleibt nur die Handarbeit. Unterstützt von Hammer und Spachteln. Immer schön mit der Masserung arbeiten, um Kerben im Holz zu vermeiden. Das zieht sich in die Länge. Länger als die Holzdielen sind. Und immer auf den Knieen rutschen. Demut ist angesagt. Zum Eigentrost habe ich ein kleines Stück einer Diele von Hand vorgeschliffen. Dahin schweift der Blick wenn ich schwächle.

Diese Arbeiten – immer kommt etwas dazwischen – sind auch der Grund dafür, warum man weniger von mir lesen bekommt. Fotografieren? Ach ja, später kommt das auch wieder. Im Moment mache ich nur dokumentarische Aufnahmen von den verschiedenen Baustellen im Ärmelasühl.
Aus diesen Gründen besuche ich befreundete Blogs nur sporadisch und bitte um Nachsehen, wenn ich kaum kommentiere. Bald wieder – versprochen.
Und jetzt trolle ich mich bettwärts. Morgen werde ich eine Hochzeitsrede halten. Bis dahin sollen sich meine müden Knochen wieder erholt haben.
Allen Besuchern, Lesern und Guggern wünsche ich derweil eine gute Nacht.

(Fotos selbstsprechend. Direkt aus der Kamera)

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38 Gedanken zu „Moschusmodrige Holzbodenbefreiung

  1. Erster ! 😉
    Und der Fußboden scheint ein Fass ohne Boden zu sein. *fg*
    BTW, woher und von wem stammen denn die Brandflecken ?
    Doch nicht etwa vom -seinerzeit heranwachsenden- Ärmelherrchen ?

    ;-P

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  2. Die armen Ärmelkniee! Versuchen Sie es doch mal mit einer Heißluftpistole und ’nem Spachtel. Kommt natürlich auf die Dicke des Klebers an, aber ich habe damit die besten Erfahrungen gemacht, lieber Herr Ärmel. Geht schneller und schonender ab, das Verflixtdreckszeuchs, das biestige… Oh, die Erinnerung an den Florallaborboden und die Freilegung dessen kommt gerade durch…

    Flinkfleißige Freitagsgrüße und eine bonfortionöse Huxtfeierey, immer die Ihre.

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    • Ach ja, Heissluftgebläse. Habe ich, habe ich doch alles, meine hochwertgeschätzte Frau Knobloch. Aber hier handelt es sich nicht um Kleber, die Drecksäckin (oh pardongg) heisst Ausgleichsmasse. Nicht so zäh wie Estrich, aber hartnäckig wie Harry. Sie gibt sich, wenn überhaupt, nur quadratzentimeterweise geschlagen, die alte… naja, Sie ahnen es….
      Abendschöne Grüsse aus dem bluesigen Bembelland sende ich Ihnen zugeneigt wie stets. Morgen haue ich ab nach Norden, einskommafünf Tage Flucht. Dann wirds weitergehen.
      Ihr Herr Ärmel (ach ach ach)

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      • Pistole, mein Lieber. Heißluftpistole. Damit kriegt man jeden Kleber klein. Allerdings sieht nach großformatigem Ansehen Ihres Photos die Schicht eher nach Spachteldreck aus. Da bleibt wohl wirklich nur feinrohe Sanftgewalt gegen die Drecksäckin…

        Mitfühlende Sonntagsgrüße, die Ihre, nachfeierlichmüde.

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  3. Sandstein verkachelt, die Dielen mit Linoleum erstickt… so genau das richtige, um Feuchtgebiete zu schaffen.
    Eine unserer Kirchen ist ähnlich misshandelt worden: PVC-Fenster mit Doppelverglasung (in einem selten genutzten und damals bestenfalls per Holzofen geheizten Gebäude!), abgehängte Decke und Well-Eternit unter den Dachziegeln… Die ursprüngliche gewölbte Holzdecke ist still und heimlich weggefault, die tragende Konstruktion gleich mit…
    Das Gebäude ist in Kommunaleigentum, die Stadt hat allein für die Rettung des Dachstuhls über 15000€ ausgegeben. Leider mit einer Lösung, die die Wiederherstellung der Gewölbedecke nicht erlaubt… Und gegen das Wasser, das die Wand runterläuft, soll eine Belüftung mit Ventilator helfen…

    Guten Mut für die Restaurierung, das Bild verspricht ja viel Gutes!

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    • Ich danke Dir für den guten Wunsch. Aber hin&wieder habe ich Anfälle von Verzweiflung. Es geht nur quadratzentimeterweise vorwärts. Und das Holz leidet dabei. Und wäre doch so gerne von mir befreit…
      Dein Beispiel kann ich mir lebhaft vorstellen. Und wir Heutigen. Werden sich unsere Lösungen als besser erweisen?
      Abendschöne Grüsse aus dem bluesigen Bembelland

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      • Manches von heute ist jetzt schon idiotisch. Hochdicht bauen und dann Zwangsbelüftung einbauen. Oder hier eine Vorschrift, wonach die Fensterfläche eines Raums >80% der Grundfläche am Boden sein muß. Und das in sonnigen Gebieten, wo man nachher alles mühsam wider herunterklimatisieren muß… Ist ja jetzt nicht so, als würden wir hier im 200 Jahre alten Haus vor Düsternis verkümmern…

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    • Sie ahnen es. Nur die wichtigen Worte und Gedanken. Den allerersten Satz von sich selbst. Dann die Rede mit einer Frage eröffnen. Sehr persönlich, ohne verbalen Firlefanz. Um die Köpfe herum und direkt in die Herzen gesprochen.
      Keinesfalls Einleitungsfloskeln wie „ich wills kurz machen…“ oder „ich will nicht lange reden.“ die sind in aller Regel gelogen und es folgen dann zu lange und sehr langweilige Reden.

      Heute Abend bitte nicht mehr von der Baustelle sprechen, sonst werde ich wieder schlecht schlafen. Ihren guten Wunsch nehme ich derweil gerne an – vielen Dank dafür.
      Abendschöne Grüsse aus dem bluesigen Bembelland

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        • Ich kam gegen Mitternacht aus Hansa-Sibirsk (auch unter dem Namen Hamburg bekannt) zurück und war entsprechend platt.
          Insofern war der Schlaf tief und traumlos. Nicht mal von der Entfernung der Ausgleichsmasse wurde ich im Schlaf heimgesucht.
          Ich danke Ihnen für Ihre Anteilnahme, lieber Zeilentiger.

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    • Liebe Frau Wildgans, habe ich so verwirrend geschrieben?
      Die Räucherstäbe Provenienz Mochus glimmen oben im Raum während unten ein Heizlüfter die Bodenbretter entwässert.
      Ein sehr altes, kostbares Herrenparfüm würde ich mir für eine leibhaftige Begegnung mit Ihnen aufbewahren ~~~~
      Abendschöne Grüsse aus dem zunehmend bluesigen Bembelland

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  4. Ohhh, ich kann dich gut verstehen: Herzliches Beileid zu dem Sklavenjob der Dielen- befreiung. Ich würde in unserem fortgeschrittenene Alter aber doch Estrichfräse oder wenigstens Heißluftpistole einbeziehen. Somewhere in the 90s I was restaurating an old Coffin-Tischler-House at Restpreussen… Ich könnte glatt einen Roman starten: Neverending Tür-abbruzzel-tryings of an double-left-hander or so. – Cut it short. Wir hamm jetz chice Antiktüren und unsere Lebenserwartung via Heißluftpistolegasen um mindestens 5 Jahre verkürzt.

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  5. Die Diehlen mussten wir beim entfernen aus gleichem Grund entfernen.
    An der Decke erlebten wir die größte Überraschung. Unter Schichten von Platten verschiedenster Materialien versteckte sich ein Gewölbe.

    Eine Hochzeitsfeier die Erholung und eine Rede, die Applaus schenkt wünsche ich.

    Liebe Grüße, Ihre Arabella

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  6. Oh, das klingt ja wie bei einer Ausgrabung, eine Schicht unter der anderen Troja 1, Troja 2 🙂 Und das Feuchtigkeitsproblem erinnert mich heftig an die Geschichten meiner Freunde, die ein Häusl in Irland seit Jahren renovieren. Irgendwie kommt mir immer vor, dass es trotz jahrelanger Bemühungen da drinnen um nix trockener geworden ist. Aber gut, das ist schon ein anderes Klima…
    Dass Sie sich an dem vorgeschliffenen Stück Diele optisch anhalten, finde ich sehr weise. Welch andere Motivation als die zukünftigen ästhetischen Freuden könnte in solch einer Situation besser herhalten !
    Inzwischen kann ich Ihnen sicher schon zur gelungenen Rede gratulieren und eine gute Nacht wünschen

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      • Na sehen Sie, es gibt immer Schlimmeres zum aufmunternden Vergleich 🙂
        Die Drainage des irischen Häusls ist übrigens eine interessante Geschichte. Ursprünglich sollte es nach neuesten Methoden isoliert werden, wie sie der Schwager der Besitzer in der Schweiz anwendet. Dann haben sie aber zu ihrem Glück einen irischen Baumeister kennengelernt, der die Hände über dem Kopf zusammengeschlagen und gemeint hat, dass das im irischen Klima aber gar nicht geht.Nach Dichtung mit seiner traditionellen Methode rinnt jetzt immerhin nicht mehr das Wasser von den Wänden … In diesen alten irischen Gemäuern ist es üblich, dass mehr oder weniger den ganzen Tag lang ein Feuerchen brennt und dadurch hält sich die Feuchtigkeit dann auch in Grenzen.

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  7. Das sieht ja noch wesentlich übler aus als bei mir. Genauer gesagt sieht es bei mir inzwischen gar nicht mehr wirklich übel aus, im Gegenteil. Allerdings hatte ich auch fleißige Handwerker zu Gast 😀
    Mit Glück noch zwei Tage und ich kann anfangen das Zimmer zu bewohnen.

    Kleiner Tipp, Bear Family hat die Gründe zusammengefasst, die mich damals in die Welt der (xs würde sagen:Galoppelmusik) getrieben haben. Ganz und gar fantastische Zusammenstellung wie immer bei denen: Kickers, Truckers, Cowboy Angels – The Blissed-Out Birth of Country-Rock, Vol. 1 – 5 in Doppel CDs.

    Im Honky-Tonk Rhythmus schleifen sich Dielen ganz sicher besser. *g*

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