Hammer Staubsauger und Parkticket – am Ende wird ein Schuh draus

Zum Ende der vorangegagenen Arbeit wähle ich zu einem Bier: Eric Burdon & The Animals – The Twain shall meet (1968)

Ein schönes psychedelisches Album mit überzeitlichen Texten. Ein echtes Ärmel Immergrün. Mit Sitar bei manchen Liedern, dem Zeitgeist verpflichtet, versteht sich. Fünf und einen halben Tag auf den Knien. Bewaffnet mit Hammer und Spachtel. Die Gegnerin braucht keine Waffen, die zähe Ausgleichsmasse ist ausdauernd und überaus widerstandsfähig.

Ich habe mich in den speziellen Heimwerkerforen kundig gemacht. Eventuell ist der Holzfussboden leidend. Um dies mit Sicherheit sagen zu können, muss er befreit werden. Und anschliessend versuchsweise geschliffen werden, erst dann kann ein sicheres Urteil gefällt werden. Was die Ausgleichsmasse angeht, kann in diesem Fall keine Estrichfräse oder dergleichen Grobwerkzeug verwendet werden, da dies dem Holz unter Umständen vollends das Ende bereiten würde. Das Fazit erfahrener Heimwerker lässt sich mit einem Wort auf den Punkt bringen: Wahnwitz.
Die allgemeine Empfehlung der Zunft der Selbermacher heisst daher, rausreissen, neu machen oder einen laminierten Boden drauflegen. Alles andere sei, wie gesagt, Wahnwitz. Einer hats wohl mal gemacht und er berichtete überhaupt nichts Schönes. Aber ich habe keine Wahl.
Montags, am Ende eines langen Tages war ich abends richtig fertig. Nein, nicht mit der Ausgleichsmasse, ich hatte etwa drei der sechzehn Quadratmeter geschafft.
Dienstags übernahm dann das wirkliche Leben die Regie. Verzweiflung über aufgeschrappte Finger und schmerzende Knie, bitterböse Flüche in die Richtung der Verursacher des möglichen Holzschadens. Und zwischendurch der knieende Freudentaumel, wenn sich vierzig bis fünfzig Quadratzentimeter in wenigen Minuten ablösen liessen. Die körperlichen Befindlichkeiten wegbeissen.
Auch diese Herausforderung funktioniert, wie alle im richtigen Leben. Irgendwann regiert der Durchhaltewille. Weiter, immer weiter, nur noch fertig werden. Gestern, am fünften Tag, verhiess morgens das zwei Quadratmeter verbliebene Stück ein baldiges Ende. Freude und Stolz über die bereits sichtbaren Fortschritte.
Eine heisse Dusche am frühen Nachmittag, dann aufs Fahrrad und hinaus in den Sonnenschein. So träumen die Einfältigen. Die Ausgleichsmasse machte eine andere Rechnung auf und gab erst nach acht Stunden bei einbrechender Dämmerung den letzten Widerstand auf. Zwischendurch Anfälle von Selbstmitleid. Dass es nichts bringt, ich weiss es nicht zuletzt durch ein feines Lied der erwähnten Scheibe von Eric Burdon: No Self Pity

Heute dann Besorgungen zur Wunscherfüllung auf dem Schwarzen Berg. Ich freue mich auf das anstehende Strassenkino mit meinem Mitfahrer. An der Kasse des Parkhauses stelle ich fest, dass ich den Parkschein verloren habe. Zum ersten Mal in meinem Leben. Normalerweise verliere ich nichts. aber irgendwann ist immer die Premiere eines Ereignisses. Sei es ein Gutes oder ein Schlechtes. Selbstmitleid ist kein konstruktives Werkzeug bei Tiefschlagerlebnissen. Die Krächzstimme aus dem Kassenautomat nennt den Preis. Zwanzig Taler kostet ein verlorenes Ticket. Bloss nicht jammern jetzt. Zahlen, fröhlich sein und nach vorne schauen. Deshalb haben wir die Augen auch vorne im Kopf..

Demnächst werde ich auch wieder sehenswerte Fotografien präsentieren, denn es gibt neue Guggereien.
Bis dahin wünsche ich allen Besuchern, Lesern und Guggern ein sonniges Herbstwochenende.

                                                                   (Foto anklicken oder nicht, es ändert nichts am derzeitigen Zustand der Dielen)

Freiheit für Holzdielen!

Freiheit für Holzdielen!

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32 Gedanken zu „Hammer Staubsauger und Parkticket – am Ende wird ein Schuh draus

  1. Ein tolles Foto, schon die Perspektive lässt die Knie schmerzen. Ich mag persönlich Selbstmitleid in Maßen, ist es überwunden, ist man Held für einen Tag.
    Hatte ich mal erzählt, dass ich meine Live-‚Karriere‘ (im Sinne von zahlendem Publikum) genau mit Eric Burdon begonnen habe? Ja, er war mein Einstand. So im Nachhinein ist das gut. Man muss nämlich damit leben, es wird zu einem Teil der Identität. Da muss man später kein schlechtes Gewissen haben. Überhaupt schlechtes Gewissen… Ich kannte nur das Haus der aufgehenden Sonne.
    Für Sie:
    „There is a house in Bembeltown
    They call the aching knee,
    And it’s been the ruin of many a poor boy.
    And God, I know I’m one.“
    Sie schaffen das!
    Frohe Wünsche (nach erfolgter Garagenumräumaktion (hust)).

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    • „Selbstmitleid in Maßen“ – We can be heroes just for one day, so sang David Bowie 1977 😉
      Lieber Autopict, ich danke Ihnen für Ihren feinen Kommentar. Die Dichtung nehme ich als Ehre – herzlichen Dank dafür!

      Und was Eric Burdon betrifft, halte ich ihn für einen der ganz Grossen, obwohl er ja eher etwas kurz geraten ist. Er begleitet mich seit fast einem halben Jahrhundert als ich als Ärmelbub das Lied vom Haus der aufgehenden Sonne zum erstenmal vernahm.

      Abendschöne Grüsse aus guggenden Bembelland – neue Fotos braucht der Blog ~~~

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  2. Wunderbare Sichtweise, lieber Herr Ärmel, „deshalb haben wir die Augen auch vorne im Kopf“.
    Und dass Selbstmitleid kein konstruktives Mittel bei Tiefschlagerlebnissen ist, da lassen sie eine gute Wahrheit sprechen und direkt tauchte das Wort Resilienz in mir auf.

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  3. Ei, ei, ei, das sieht ja gut aus ! Da können Sie RICHTIG stolz auf sich sein ! Alles weitere wird sich auch finden, nach so einer wilden Gewaltaktion kann einen ja im selben Zusammenhang kaum mehr etwas erschüttern 🙂 Das Holz hat eine seltsame Farbe, gut wahrscheinlich kein Wunder nach den diversen Prüfungen denen es unterworfen war 🙂
    „Am Ende wird ein Schuh draus“ ist auch ein netter Spruch. Habe ich noch nie gehört. Oder ist das eine Ärmel´sche Kreation ?
    So ein schöner positiver Text !! Wenn Sie mit dieser Einstellung on the road gehen, wird das sicher sehr fein werden.
    PS: Teuer sind die Parkgaragen im Bembelland 🙂

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    • Ich bin derzeit in der Tat (und für weitere taten) ziemlich erschütterungsfrei aufgestellt.
      Durch diverse Handschleifproben habe ich den Eindruck gewonnen, dass aus dem Boden zumindest farblich noch was zu machen ist.
      Ich werds sehen in der kommenden Woche.

      Der Schuhsatz ist nicht von mir und ich erkläre ihn mir so: Die Einzelteile eines Schuhs sehen so aus, alles würde da nie was draus werden.
      Verschiedene Aspekte mögen zunächst zusammenhanglos aussehen, aber richtig zusammengesetzt, kann am Ende ein „Schuh draus werden.“

      Ihr PS habe ich nicht gelesen 😉

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  4. Und jetzt bei der weiteren Bodenbearbeitung aufpassen, dass du nicht die falsche Lasur oder sowas benutzt; auch der inflationär verschleuderte „Blaue Engel“ schützt nicht vor Lungenkrebs durch hochgiftige Schmiersubstanz.
    Bei allem Hippie-Optimismus: It’s a mad world.

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  5. Das ist allerdings ein Schuh geworden, den man Ihnen gerne ein wenig bequemer einlaufen geholfen hätte. Oder statt der Stolperschnürsenkel einen ordentlichen Ratschreißverschluß eingearbeitet hätte. Oder wenigsten so glänzend weichpoliert hätte, daß der entstandene Glanz ein wahrer Augentrost gewesen wäre…
    Nun haben Sie ihn allein am Fuße und es bleibt nur, blasenfreies Weitergehen zu wünschen.
    Dies von ganzem Herzen tuend, Ihre Frau Knobloch, sonnenwiesentaumelig und nun zur Stichwahl eilend.

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    • Meine liebe Frau Knobloch, Ihr Kommentar rührt mich. Mitgefühl wird seltener auf der Welt, aber da, wo es aufflammt umso offener aufgenommen.
      Abendschöne Grüsse aus dem polizeirufenden Bembelland mit aller Hochwertschätzung, Ihr Herr Ärmel

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  6. Respekt, Respekt, werter Herr Ärmel … wenn ich mir das so vorstelle … 5 Tage auf den Knien herumrutschen … da tun mir allein schon bei der Vorstellung die Kniw und sämtliche anderen Knochen weh … vermutlichwäre ich dann jeden Abend in die Badewanne gekrabbelt … aber Sie hatte ja musikalisch hochwertige Ware zur Beschallung.

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  7. Sie sind ’n zäher Hund. Ihr Geständnis „Zwischendurch Anfälle von Selbstmitleid.“ ist sympathisch menschlich, Ihre eigene Antwort darauf gleich noch mehr. Glückwunsch, lieber Herr Ärmel, zu Ihrer durchgestandenen Prüfung, ach was, sagen wir es positiver: zu Ihrem Triumph! Kosten Sie es aus, das Gefühl, und seien Sie herzlich gegrüßt.

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  8. He, he… Ihre Unternehmung Wahnwitz baut mich auf. Vor allem die Passage mit dem Durchhaltewillen und immer weiter. Auch was die in der Front der Birne eingebauten optischen Sensoren betrifft. Alles richtig. Und jaaaaa, immer weiter. Ich danke vielmals für den textlich wieder wunderbar gemischten Aufbau Cocktail und verbleibe mit herzlichsten Grüßen aus dem Oberstübchen.
    Ihre Frau Zerberus

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    • *ggg* ich habs gesehen.
      Apropos, ich kann bei dir jetzt garnicht mehr kommentieren. D.h. kommentieren kann ich schon, aber wenn ich auf veröffentlichen klicke, dann kommt nicht das dümmliche „beweise, dass du kein Robot bist“, sondern die Seite reaktiviert sich und erscheint als sollte der Kommentar erst geschrieben werden.
      Schade.

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      • Hm, im Spamfolder hab ich was gefunden und freigegeben, also wech war nicht alles. Die Erfahrung mit im Nirvana verschwindenden Kommentaren habe ich allerdings auch schon woanders gemacht. Langsam hab ich aber die Faxen dicke und im offiziellen Gugelsupportforum einen geharnischten Kommentar zu dem Blödsinn hinterlassen, mal gucken wie lange es mit der Antwort dauert, falls ich überhaupt eine bekomme.

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        • Da habe ich seinerzeit auch schon hingschrieben und einen Kommentar hinterlassen und nie mehr was von denen gehört.
          Ich glaube mittlerweile, dass da guurgeleigene Filterregeln ausprobiert werden. (Für die spätere politisch korrekte Zensur *ggg* )

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  9. rinnert mich an die Tage, als ich meine Wände und Decken von Schichten Tapete befreite. Besonders hartnäckig waren die unteren Schichten aus DDR-Zeiten. Da habe ich mich Quadratzentimeter für Quadratzentimeter vor gearbeitet. Also, lieber Herr Ärmel! Nur Mut! Je härter die Arbeit jetzt, desto dankbarer und zufriedener wirst Du in der Zukunft sein, wann immer Du Dein Werk betrachtest. Und das ist ja, wenn man darinnen wohnt, recht häufig

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