Gedankenhinundrückflüge

Nachdem dem interessanten Hinweis des musikallwissenden Herrn Zaphod auf die Galoppelmusikserie der Bear Family muss doch wieder was handfestes her: Zappa / Mothers – Roxy and Elsewhere (1974 / Remastered 2012)…

Ich staune als ein Eichhorn den Ärmelgarten durchquert, mich ansieht, dann jedoch geradenwegs unter dem Haselbusch verschwindet. Die tote Amsel habe ich hinter die Eibe getragen und dort mit einem Berglein Sägemehl bedeckt. Ob Maden Sägemehl vertilgen?
Mein rechter Fuss schimmert im Blauspektrum nachdem beim Zerlegen eines Elchbettes eine der Seitenstreben auf eben jenem Fuss gelandet ist. Und auch die rechte Wade ist noch taub vom Knierutschen letzte Woche. Ein ältere Nachbarin versichert, dass sich das von alleine regeln würde. In einer Zukunft, die sie jedoch nicht näher bestimmen will oder kann. Sie ist bereits über siebzig. Da hat Zukunft eine andere Bedeutung.
Ich genehmige mir eine Flasche feinen Rotweins. Uwe Johnson kippte sich ab 17:00 drei Flaschen rein. Täglich. Neunundvierzig Jahre ist er geworden, dann versagte der Körper weitere Flüssigkeitsaufnahmen.
Meine Gedanken ziehen inzwischen in andere Räume. Die Arbeiten werden körperlich nicht annähernd so anstrengend sein. Die Energie wird für kreative Anstrengungen benötigt. Die Küche wird einfachst werden und dennoch soll ein lustvoll praktisches Werkeln möglich sein.
Heute nachmittags ein geschenktes kleines Waschbecken in Empfang nehmen dürfen. Im Tausch gegen sechs Flaschen Mineralwasser. Ich schätze diese (an sich uralten) neuen Tauschformen. Auf der kurzen Fahrt zum edlen Geber der klarste Herbstsonnenschein. Die Musik ist laut und der Kopf hängt halb aus dem Fenster. Die alte, kleine silberne Creole glitzert im Sonnenlicht. Vor Jahrzehnten in Barcelona hatten wir uns die geteilt bei einem Juwelier, der auch gleich die Ohrläppchen perforierte. Männer mit Ohrringen zu jener Zeit. Aber der Opa meines Jugendfreundes hatte einen richtig grossen goldenen Ohrring. Das war unser Argument.
Der Freund ist nun auch schon seit siebenundzwanzig Jahren in anderen Welten. Mein Aschenbecher vom Kaffee Wacker in Bembelland ist vom Tisch und in Scherben gefallen. Er war einer meiner Heimwehanker für viele Jahre. Das Rauchen werde ich deshalb nicht sein lassen. Vorerst jedenfalls.
Noch zwei weitere Ölungen der Dielen im Zimmer nebenan, dann werden wir in Richtung Schwarzen Berg starten. Ich bin gespannt auf die Fahrt. Mehr noch auf den Menschen, mit dem ich diese Fahrt unternehmen werde. Gedanken auch daran, ob ich vielleicht reisefiebrig werden könnte mit zunehmendem Alter. Bis auf den Proviant ist alles soweit vorbereitet.
Derweil liegt „Herz über Kopf“ neben meinem Bett. Neben der Matratze auf dem Boden, um genau zu sein. Vor dem Einschlafen zwei, drei Gedichte mit der vierfachen Menge Veilchenpastillen als Beigabe. Wie ist der Marcel R-R damals auf die Ulla Hahn geflogen.
Hellmuth Karasek ist gestorben. Ich mochte seinen Humor.

                                 (Fotos kann man gerne anklicken. Die werden auch grösser dadurch. Verwandt bin ich mit keinem der Herren)

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28 Gedanken zu „Gedankenhinundrückflüge

  1. Ach, Sie gute Frau Lila, mit Ihnen immer gerne, aber ich hörte schon Jahren, dass es die alten Wacker Aschenbecher, die mit dem Signet innen drin nicht mehr gäbe. Und ich hatte meinen nach den Regeln der Kaufmannsehre gegen Bares erworben, bitte sehr!
    Wissen Sie etwas besseres?
    Nachmitternächtliche Grüsse aus dem bierseligen Bembelland

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  2. …ach ihre Zeilen sind fein zu lesen. Öffnen Sie doch lebendige Bildräume und geben neben Zappapralinen ein herrliches Denkraumscenario. Lg. ©lz

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  3. Zappa? Na immerhin nicht Blur.
    Ohrring? Ja, die Steigerung des Kreuzkettchens damals…
    Wie doch so schön normal im Vergleich zu den Fleischtunnels von heute…
    Ich trug mal Sicherheitsnadel im Ohrläppchen seinerzeit aus den damals“wichtigen Gründen“ aber immer nur Stundenweise…

    Ach ja, das mit dem Rauchen: Muss sich dein Mitreisender jetzt auf ein passiv erworbenes Raucherbein gefaßt machen?

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    • Oh, ich finde so etwas wie Milde (von Gnade nicht zu sprechen) vor den Ohren des HErrn BLudgeon 😉
      Was das Rauchen betrifft, kann ich mich gut zurückhalten, da muss sich niemand um seine Beine sorgen.

      Stundenweise Sicherheitsnadel sorgt natürlich für ein spontanes Prusten…

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  4. Vielleicht bringen Sie sich von der Fahrt einen Aschenbecher als neuen Heimwehanker mit.
    Dem Alten zerbrach wohl sein eherner Reifen um‘ s Herz, jetzt da er wieder in der Heimat ist.
    Veilchenpastillen lutschen wird meine Herbst- Winterlieblingsdroge.
    Sonniges

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  5. Ich mag das Bild am Elbstrand sehr und lache über den Geburtsnamen „Bier“- und sonst … da lese ich weiterhin von einem fleissigen Handwerkersein und schwelge mit Ihnen in Ihren Erinnerungen, ob nun Ohrring oder Zappa- mehr und mehr denke ich, dass wir zu ein und der selben Generation gehören- Nun aber wünsche ich Ihnen eine illustre Fahrt zum schwarzen Berg, einen angenehmen Aufenthalt mit wem auch immer noch …
    herzliche Grüsse vom herbstlichen Sonnenberg

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    • Ich gehöre zur sogenannten goldenen Gemeration. Oder was manche Soziologen so zu nennen belieben.
      Für die Gutefahrtwünsche danke ich Ihnen sehr, wir könnens brauchen.
      Nachmittäglichvollsonnige Grüsse aus dem herbststürmischen Bembelland

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  6. Es sind wahrliche Gedankenrundflüge, an denen Sie uns hier teilhaben lassen, lieber Herr Ärmel. Schier wird einem da loopingigschwindelig. Wo Antworten setzen, aber das ist wohl auch gar nicht nötig…
    Doch, eine ist nötig: Auf die taube Wade bitte eine Packung Chilizwiebeln legen. Also eine große Zwiebel in Ringen mit Heißwasser überbrühen, ein paar Chiliflöckchen dazu und möglichst warm auf die Wade. Den Blaufuß bitte aussparen, da ein Sandtkühltuch plazieren.
    Herzliche Grüße einstweilen, stets die Ihre, creolenentzückt.

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    • Werden Sie, meine liebste Frau Knobloch, werden Sie ein oder auch mehrere Kissen benötigen?
      Ich will es nicht hoffen, dennoch sind sie alleweil vorrätig und zur Hand.
      Man kann ja nie wissen.
      Erleichterteletzölungsgrüsse aus dem vollsonnigen Bembelland, Ihr Ihnen zugeneigter Herr Ärmel

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  7. Ist das jetzt reiner Zufall, dass ich nach dem Durchhören der Galoppelbox ebenfalls zu Zappa gegriffen habe, oder kann man daraus irgend etwas ableiten? *g*
    Über den König von Albanien musste ich mich natürlich sofort informieren und herzlich lachen, danke dafür.
    Gute Besserung & gute Reise!

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  8. Oh, Herr Ärmel. Meine größte Bewunderung an ihre inneren Selbststärke. Beim Rauchen zurückhalten? Wow…, so etwas lässt mein innerer Schweinehund derzeit noch nicht zu 🙂 Aber,- eines Tages……..

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  9. So. Da sitz ich nun und wollte was lustiges, was spannendes und was informatives zugleich kommentieren, aber ich bin heute so leer ausgesaugt, dass mir nichts einfallen will, was Sinn macht. Gleichzeitig aber fühle ich mich noch weit weg von Schlaf. Ihr Titel gefällt mir allerdings „Gedankenhinundrückflüge“. Manches Mal, so heute, da fliegen die Gedanken wild umher, wie eine aufgeschreckte Vogelschar. Und sie beruhigen sich kaum, finden die Formation nicht mehr. Wollen Sie nicht finden. Ist wohl noch ein Bier im Kühlschrank? Das würde passen. Vor mir eine offene Packung Erdnüsse und eine offene Packung Schoko-Gelee-Bananen. Das sind Aromen mit brauner Fassade umhüllt. Nicht politisch wohlgemerkt. Ich ess das im Wechsel, so spür ich den Kontrast am stärksten. Ich denke es liegt am Vollmilchschoko, warum sind die Geleebananen nicht mit Zartbitter umhüllt. Hm, da liegt ein Objektivdeckel. Das könnte bedeuten, dass er nicht auf dem Objektiv ist. Wenn ich den erwische… Ein Buch über Atstrofotografie liegt noch rum, rechts neben mir steht ein Fernglas und links 2 mobile Festplatten. Es ist nicht geordnet. Aber ich finde alles. Seit 2 Tagen suche ich verzweifelt einen elektronischen Schlüssel, ein Mitglied der Familie hat sich geopfert und gesucht und wurde fündig: im Schlüsselkasten… Ach wie nett, ein kleiner Entfernungsmesser liegt neben mir, mit Laseranzeige. Den hab ich Tage mal zweckentfremdet, da mein eigentlicher Laserpointer nicht mehr ging. Ich war begeistert. Ich stand einige Meter weit von der Leinwand weg, das Ding war hell wie Sau. A propos Sau, die Gedanken fliegen. Ich hab heute auch eine Bild bekommen. Und was soll ich sagen: ich hab sie durchgeblättert. Und so gelacht. Eine Seite VW-Werbung, großartig, unabhängig vom Inhalt. Und noch viele andere Firmen. Udo Lindenberg und Joachim Löw im Doppelportrait. Aber ich war fair, ich habe nicht gelesen, nur Bilder geschaut. Morgen geht sie in den Briefkasten, zurück an Absender, kann mich nicht erinnern, diese bestellt zu haben. Mein Tee wird kalt, der steht zwischen besagten kulinarischen Sauereien, Musik läuft, mein Allerweltssampler. Das ist eine Zusammenstellung aus 20-30 mp3s die seit etwa 7 Jahren lebt und Einzug auf den Player, ins Auto und aufs Handy hält. Ein kleiner musikalischer Fels in der Brandung. In unregelmäßigen Abständen kommt was neues dazu, fällt etwas weg, wird die Reihenfolge geändert. Und ich stelle fest, da sind 5 oder 6 Stücke noch dabei, seit Anbeginn. Und eines, das jetzt läuft, ist ein sehr stiller Begleiter geworde

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  10. jetzt gehts weiter:
    … geworden (South/Silver Sun). So gehts eben. Noch ein Banänchen weg und das wars aber auch. Jetzt hab ich die Kommis hier ziemlich zugemüllt aber sehen Sie es mir nach. Die Gedanken sind eben hin und her geflogen.
    🙂

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    • Ein supertoller Kommentar, Herr autopict, ich danke beeindruckt!
      Solcherart die Gedanken schweifen lassen und der Blick gibt den Rahmen. Da können die verrücktesten Geschichten daraus entstehen.
      Ich recherchiere inzwischen, warum Geleebananen keine bitterschokoladige Umhüllung haben.
      Überhaupt die Mischung Erdnüsse und Geleebananen erscheint mir kühn und ein ausserordentliches Erlebnis geschmacklicher Wahrnehmung.

      Auch heute war kein Exemplar des sattsam bekannten, vierbuchstabigen Skandalblattes im Briefkasten, vielleicht sollte ich jetzt doch mal am Schlüsselbrett nachsehen.
      Und South / Silver Sun kenne ich auch nicht. Aber was kenne ich schon?

      Frühnachmittägliche Grüsse aus dem herbstsonnenparadiesischen Bembelland

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      • Oh, danke, ich dacht schon, mei oh mei. Aber das Gedankengemetzele geht weiter. Nachschub der Geleebananen brachte zum Vorschein, es ist doch Zartbitter. Aber der Einkaufsort war ein anderer. Und nun? Die Sternkarte finde ich eben auch nicht, ich wollte doch etwas Wissen an die nachfolgende Generation weiterbegeistern, finde aber das Werkzeug nicht mehr. Da ist nur das Navi schuld.
        Sie könnten sich doch beim Skandalverein beschweren, das Blatt fehlt und Sie können es nicht der geforderten Nutzung zuführen?
        Vielleicht bekommen Sie zum Trost ein Abo über ein Probewoche.
        Ich geh mal weiter suchen, mit dem Kaffee in der Hand. Was tippen Sie, wie meine Kaffeetasse aussieht?
        .
        ..

        ….
        …..
        Es ist eine große Tasse ohne Untertasse, Hauptfarbe schwarz. Da sind viele Symbole wie Apps drauf unter denen die darauf abgebildeten Bezeichnungen stehen, alles essbare DInge, und auf französisch. Ein Mitbringsel von meinem letzten Korsikaurlaub. Die Sternkarte hab ich immer noch nicht. Vielleicht da???
        Ich bin dann mal weg…. Und der Kaffee ist auch zu heiß….
        Hab sie! Neben Anno’s Sonnenuhren im sortierten Buchstabenregal.
        Juhu! Uranus kann kommen, schön eingehüllt in Zartbitter mit umkreisenden Erdnussmonden wartet er auf die individuelle ENtdeckung…

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        • Ich bin beruhigt. Geleebananen in Zartbitterumhüllung.
          Ich werde mich beim Skandalblatt natürlich beschweren. Meine Fotografieridee wäre wahrscheinlich denn doch zu derb ausgefallen.

          Samstagnachmittägliche Grüsse aus dem reisevorbereitenden Bembelland

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  11. Gedichte lesen und Ehemalsalbanienkönigsgrabfoto machen – uih, mir bis dato unbekannte Seiten an Ihnen. Und dass der Chefkritiker Frau Hahn so hat erstrahlen lassen, lässt Ihnen keine Ruhe?
    Das zweite Foto findet man nicht noch einmal auf der Welt. In der Linienführung gänsehauterzeugend 🙂

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    • Och doch, Ruhe habe ich da schon. Aber jedes Mal wenn U.H.s Name fällt.
      Damals hatte ich noch Kontakt zu einigen Herren der schreibenden Zunft. Und da wurde das aufs köstlichste kolportiert.
      Aber nu ist unser Lautester hinnieden und sie auch schon über siebenzig…. (nichts bleibt)

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  12. Jaa, jetzt weiß ich auch,wer Otto Witte war ! Skurriles G´schichtl ! Bei der Gelegenheit habe ich auch erfahren, dass Vlora eine Stadt ist. Ich habe eine Schülerin dieses Namens und dachte immer, dass wäre eine eigenwillige Schreibung von „Flora“, aber nein, Nationalismus wohin man schaut !
    Der dandyhafte junge Mann an der Grenze zwischen Sand und Wasser könnte ja vielleicht der Enkel Witte sein, der jahrelang im Gefängnis verbracht hat ? 🙂
    Ach, und Herr Ärmel mit Creole, das finde ich bemerkenswert ! Zumal ich davon ausgehe, dass Sie die Zwanziger schon ein Weilchen hinter sich haben. Irgendwie haben sich die männlichen Ohrringe nicht durchgesetzt außer als Erkennungszeichen mancher Subkulturen. Da gibt es ja jetzt jene, die immer größer werdende Löcher in den Ohren erzeugen, die werden auch von Frauen getragen. Ich frage mich ja immer, ob die Fans dieser Ohrgehänge alle SM-ler sind

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    • Vlora liegt in Albanien? Die Vornamen in Südosteuropa haben oft national(istisch)e Bezüge…
      Sie habens getroffen, ich bin schon jenseits der zwanzig. Und die Creole ist ganz ganz.
      Die Ohrläppchendurchgugglöcher finde ich zutiefst unästhetisch. Von den möglichen gesundheitlichen Auswirkungen mal ganz abgesehen.

      Samstagnachmittägliche Grüsse aus dem reisevorbereitenden Bembelland

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