Staunen und wohlfühlen, aber nicht bei Vercingetorix

Durch meinen Tagesrhthymus bin ich an sich wenig geeignet zum Seriengugger. Aber wenn mir eine aus vertrauenswürdiger Quelle ans Herz gelegt wird, dann werde ich doch neugierig. Anfänglich will der Historiker in mir noch aufbegehren, aber dann ziehen mich die ziemlich spannend gemachten und mit guten Schauspielern besetzten sechs Teile um die Ereignisse im damals noch geteilten Deutschland doch in ihren Bann: Deutschland 83…

Wir brechen endlich auf und nehmen von der Abbaye de Fontenay aus die D980 Richtung Norden. Der Beschluss ist gefasst: keine weiteren Klöster auf dieser Kurzreise. Zu beeindruckend und erffüllend war der Tag in der Abtei. Mehr wäre in diesem Fall weniger.

Wir befinden uns im Kerngebiet der keltischen Gallier. In einem Museum in Châtillon sur Seine werden einzigartige Funde im Zusammenhang mit der keltischen Fürstin von Vix ausgestellt. Welch ein Zeitsprung zurück. Bewunderung für die Schönheit der gefundenen Arbeiten.

Hunger und Müdigkeit geben die weitere Richtung vor. Ganz in der Nähe finden wir das Sylvia Hotel. Eines dieser kleinen Hotels, die mich an viele französische Filme erinnern. Mann kommt in der Dunkelheit an. Stellt den Wagen neben einer alten Garage ab. Geht über den Kies ins Haus. Ebenerdiges Zimmer. Am nächsten Morgen scheint die Sonne. Das Frühstück wird an einem kleinen Tisch in der Sonne eingenommen bevor die Fahrt fortgesetzt wird. Das kleine Hotel wird von den beiden Messieurs André und Charles betrieben. Ihnen scheint die liebevolle Erhaltung und Ausgestalltung ihres Etablissements mehr am Herzen zu liegen als eine pompöse Restaurierung. Und gerade das macht den bezaubernden Charme des Hauses aus. Man kann im Wohnzimmer frühstücken und dabei die eindrucksvolle Sammlung der beiden Herren bestaunen. Sie sammeln Hühner. Der Einladung im Haus zu fotografieren und doch auch den Spielsalon im Obergeschoss abzulichten komme ich nur gerne nach.

Wenn wir schon hier sind in der Nähe von Alésia, könnten wir doch…
Die vielen Affichen, die für den Besuch des antiken Alesia werben, schrecken allerdings von einer Besichtigung ab.
„Alesia? Ich kenne kein Alesia, mein Herr.“ Der bekannte Satz aus dem Band Asterix und Vercingetorix (?). Hier wurden die Gallier von Cäsars Eroberungsarmeen unterworfen. An dem vermuteten Ort wird das damalige Geschehen heute multimedial freizeitparkähnlich vermittelt. Die Entscheidung fällt gegen den Kommerz und für die Landschaft. An einen derart farbentrunkenen Herbst können wir uns nicht erinnern.
Wir durchfahren die verlassene Hochebene und erreichen über die D21b Bussy-le-Grand, einen fast verlassenen kleinen Ort. Wie ein Magnet lässt das magische K.u.K. (Kirche und Kneipe) den Wagen anhalten.
St. Antonin ist eine überaus merkwürdige Kirche. Der Schmerzensmann in einer Seitenkapelle rührt geradezu an. Auf dem kleinen Friedhof pflegt ein älteres Paar ein Grab. Von hier aus hat man einen prächtigen Blick über die weite Landschaft. Links hinten taucht ein Schloss im Nebelsonnendunst auf. Zuvor jedoch muss auf das leibliche Wohl geachtet werden.

In dem einfachen Restaurant bedient ein Bär von einem Mann. Der lange Zopf und die tätowierten Arme lassen vermuten, dass die pralle Harley, die gegenüber an der Hauswand lehnt sein Gefährt ist.
Au pot verweist auf die schöne alte Tradition, dass hier das gegessen wird, was gerade im Topf zubereitet worden ist. Heute: Poulet au pot. Grobgeschnittes knuspriges Brot, eine Platte mit Suppengemüsen, daneben die Terrine mit der köstlichen Hühnerbrühe und eine satte Hühnerbrust als Beilage. Schade bloss, dass ich als Fahrer auf den Wein verzichten muss. Waren wir anfangs die einzigen Gäste, hat sich das Restaurant beim Verlassen bis zum letzten Platz gefüllt. Einen Pastis noch als Magenbesänftiger, um anschliessend gemächlich auf die andere Talseite zum Schloss derer von Raputin zu fahren.

Ich bin in Frankreich immer gastfreundlich behandelt worden.
Nach den ebenso feigen wie unmenschlich brutalen Anschlägen von religionsfaschistischen Terroristen in Paris gilt mein Mitgefühl der französischen Bevölkerung und ganz besonders den Opfern und deren Angehörigen.

                                                        (Die qualitativen Unterschiede der Fotos sind den verschiedenen Aufnahmegeräten begründet)

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35 Gedanken zu „Staunen und wohlfühlen, aber nicht bei Vercingetorix

    • Die Henderln waren in allen Formen und Materialien kreuz und quer im Haus verteilt. Fantastisch. Wer hätte das von aussen betrachtet erwartet? – Man lernt eben nie aus.

      Abendschöne Grüsse aus dem ruhigen Bembelland

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  1. „Glaubst du, ich weiß, was ich tue?
    Dass ich einen Atemzug lang oder einen halben mir selber angehöre?
    Nicht mehr, als eine Feder weiß, was sie schreibt,
    oder der Ball vermuten kann, wohin er gleich fliegt.“

    Von diesen, Ihren Bildern, wähle ich den Ahorn.
    Bäume sind wie das Leid der Welt, überall gleich groß.

    Gute Nacht, Ihre Arabella

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  2. Aleschia? Wasch wollt ihr mit Aleschia? Wir wischen nischt, wo dieschesch Aleschia ischt ! 😉
    Siehe auch „Asterix und der Arvernerschild“
    [https://de.wikipedia.org/wiki/Asterix_und_der_Arvernerschild]
    .
    .
    Ach, ähm… hab ich was in der NDR (Neue Deutsche Rechtschreibung) verpasst ?
    „Erfüllen“ jetzt mit Doppel-F (Abs. 2, Zeile 2) ?
    ;-P

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  3. Aaahh, der Avernerschild. Prima, zum Glück bist du um einiges jünger, da funzt das Gedächtnis noch besser 😉
    Ich bin ja quasi bei den Normannen schon fast ausgestiegen.
    Den neuen Band hast du auch bereits studiert?

    Du hasts bemerkt – klar tritt die NDR in diesem Fall nicht in Kraft, da eine starke Betonung des Verbums schon immer zwei Konsonanten fordert.
    Ähnlich ist dies im bembelländischen Idiom, bei dem sogar Vokale in diesem Kontext verdoppelt werden. Stell dir vor, wir beiden würde eine Äppelwoibeiz zwecks dringender Durstlöschungsarbeit aufsuchen müssen. Dann werden regelkonform selbstredend zwaa Äbbelwoi bestellt und nicht etwa zwah.
    Nur damit damit da Klarheit herrscht *ggg*

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  4. Auch hier hinterlege ich einen herzberuhigenden Dank für die geteilte Schönheit Ihrer Kurzreise. Man kann ihre kräftestabilisierende Wirkung nun nachvollziehen.
    Herzliche Fleißstillsonntagsgrüße, stets die Ihre und herzkraftvollgänzlichst zugeneigt.

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  5. Schön ist gut, aufs Leben bezogen. Fantastisch scheint mir saunabeheizt leicht hoch gegriffen. Aber gut.
    Wunderbar, diese Fotos aus dem Nachbarlande. Ich kannte mal einen Hühnermaler mit stets hochrotem Kopf aus hiesiger Gegend, von dem scheint das gerahmte Bild an der Wand über dem Rotsamtlehnenstuhl zu sein.
    Ihre Stellungnahme am Ende sagt, was ich, noch immer sprachlos vor Entsetzen, fühle! Danke.
    Gruß aus Windboeenland

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  6. Oho oho, ein Schattoh!
    Und Brocante irgendwo!
    Ganz entzückend, ebenso wie die restlichen Aufnahmen. Ich hab ja schon immer geahnt, dass Frankreich ganz doll fotogen ist, aber vom Land leider nur wenig auf der (oft nächtlichen) Durchreise gesehen und Dörfer meist nur, wenn man mal wieder Toutes Directions und Autre Directions verwechselt hat. Das hat mir immer außerordentlich gefallen alles, dass Frankreich nie zum Urlaubsziel auserkoren wurde lag ein wenig an meiner Unfähigkeit in der französischen Sprache zu kommunizieren und dem (angeblichen) Unwillen der Franzosen etwas anderes zu sprechen als ihre Muttersprache.

    Dabei wär ich auch gern mal in so einem Schattoh. Weine haben die da…

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    • Das is ja n dolles Ding dieser Krater, ich hab mir grad den Wikipediaeintrag durchgelesen, sehr interessant und eine fantastische Arbeit, das hätte ich der „frühen Eisenzeit“ gar nicht zugetraut, da dachte ich eher an „hat grad den Amboss erfunden“ oder so etwas in der Art. Voll das Bildungsblog hier.
      Leider ist von den feinen Details nur bei Dir etwas zu sehen, die Fotos bei Wiki sind eine Katastophe..

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      • Das Schattoh kommt heute erst dran *g*
        Frankreich ist ein tolles Land, nicht bloss zum fotografieren.
        Der Fremdsprachunwille vieler Franzosen ist mindestens so ungünstig wie oftmals die Beschilderung an den Strassen.

        Aber mit wenigen Worten und einer tauglichen Landkarte lässt sich schon viel ausrichten.

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    • Manchmal liegt es am nicht wollen. Oft auch am nicht können.
      Meine Erinnerungen an Frankreich-Urlaube der Kindheit (also vor 25-35 Jahren) ist die: mein Französisch war sehr ausbaufähig. Dann haben die Kameraden versucht, sich auf deutsch (selten) oder englisch (häufiger) verständlich zu machen, und dadurch hab ich erst recht nicht gewusst, was sie sagen wollten…
      Erst die Jugend von heute erfährt etwas besseren Sprachunterricht, der erstens an der Aussprache arbeitet und zweitens daran, in der Fremdsprache zu formulieren statt aus der Muttersprache zu übersetzen.

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          • Alles klar.
            Zum Glück scheint sich da einiges zum Besseren zu wenden. Das ist auch dringend nötig.

            Durch mein internationales Leben hatte ich gerade in den letzten Jahren viel mit Franzosen zu tun. Ich habe wieder angefangen mein grottenschlechtes Französisch aufzupolieren, denn die Gesprächspartner, gleichwohl mit wesentlich besseren englischen Wortschätzen, hatten eine derart miserable Artikulation, dass die vielen notwendigen Nachfragen zum Verständnis des Gesagten manchmal peinlich geworden sind.

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