Ob Asterisk oder Obelisk – keineswegs nur Kinderkram

Zwei Tage lang Gegenstände auf dem Tisch aufbauen und ordentlich fotografieren, damit sich zukünftige Käufer ein besseres Bild davon machen können. Das artet irgendwann in eintönige Routine aus. Die richtige Musik hält bei Laune und die Aufmerksamkeit wach: A to Z Series – Kitty, Daisy & Lewis  – The Roots Of Rock ‚N‘ Roll…

Vielleicht hat die Eine oder der Andere trotz unserer schnelllebigen Zeit ihre oder seine Jugend noch nicht vergessen. Damals in der Schule, vielleicht auch im Schulbus auf dem Weg dorthin. Einer hatte den „neuen Asterix“ bereits. Grosses Hallo.
Man stand in der Pause und steckte die Köpfe überm neuen Heft zusammen. Ungeduld der Schnellleser, jetzt blätter doch endlich um. Die schwachen Lateiner mussten erst noch die Übersetzung eines Zitates lesen. Und die Gugger fielen tief in die Bilderwelten.

Es soll Lehrer geben, die von den ganz frühen Ausgaben noch einige Erstausgaben im Regal haben. Ohne Reue versteht sich, denn die Hefte wurden im Unterricht gnadenlos einkassiert. Heftchenleser?! Du solltest besser den Accusativus cum Inifinitvo lernen (a.c.i.). Ach, ein neues komisches Groschenheft? Herrschaften, Ihr solltet Euch besser die Schwefelsäureverbindungen ansehen für die nächste Klassenarbeit.
Alle diese Halbdrohungen verpufften angesichts des neuesten Abenteuers von Asterix und Obelix.
(Da fällt mir die Vogda ein. Unser Frl. Dr. Vogt, knapp über einsfuffzich hoch, dafür umso cholerischer, schmale Lippen. Etwa vierzig und solide vertrocknet. Latein, Geschichte und katholische Religion. Garniert mit einer Humorlosigkeit bis ins Mark. Die ertrug ich in Geschichte. Aber fähigere Geschichtspädagogen folgten ihr zu meinem Glück. Die Vogda, dieses unglückliche Aas.)

 Meine alte Asterixsammlung wurde muffig im Keller in all den Jahren. Eigentlich war sie schon für einen öffentlichen Bücherschrank bestimmt. Da brachte ein Gespräch die Wendung.
Seit etwa dreissig Jahren haben sich auch Historiker auf ihre wissenschaftliche Weise mit den Geschichten beschäftigt. Besonders Historiker für Alte Geschichte sind anfangs wohl eher zum Vergnügen den Inhalten nachgegangen und haben Erstaunliches dabei zu Tage gefördert. Inzwischen haben einige dieser Geschichtsschreiber ihre Forschungsergebnisse über die beiden Gallier und ihre Abenteuer in Büchern publiziert.

Es soll mittlerweile sogar aufgeklärte Geschichtslehrer geben, die bestimmte Epochen der Antike mithilfe der Asterixhefte ihren Schülern vermitteln. Davon haben wir damals nicht einmal geträumt.
In der Tat lassen sich viele Kenntnisse gewinnen, wenn man den Texten und Bildern die richtigen Fragen stellt. Das haben wir als Kinder natürlich weder getan noch hätten wir das gekonnt. Warum beispielsweise haben sich Teefax (von den Briten) auf Anhieb mit unseren Freunden ohne Schwierigkeiten verstanden? Bis auf das Unverständnis des Obelix dazu.

Ich stelle jetzt einige interessante Bücher vor, die ich erwachsenen und an Geschichte interessierten Asterixfans nur empfehlen kann.

Einen Namen unter den Asterixhistorikern haben sich Sunnya van der Vegt und René van Royen gemacht. Von diesem Autorenteam, beide sind Dozenten für klassische Philologie bzw. Alte Geschichte an der Universität Amsterdam, sind in der Beck´schen Reihe bislang drei Werke erschienen.
Ich zitiere: „Kurzweilig und kenntnisreich schildern die Autoren die geschichtliche Wirklichkeit hinter dem weltberühmten Comic. Sie zeigen, wieviel Detailwissen Uderzo und Goscinny liebevoll versteckt haben, und führen den Leser ein in die antike Welt der Gallier und Römer.“ Kurzweilig, um nicht zu sagen witzig, das macht für mich den positiven Effekt dieser Arbeiten aus.

Ebenfalls bei Beck (und schon das ist ein Qualitätsmerkmal) hat der Historiker Kai Broderson den Sammelband „Asterix und seine Zeit. Die grosse Welt des kleinen Galliers“ herausgegeben. Darin sind Aufsätze zum Thema von ganz verschiedenen Autoren versammelt worden. Auch hier sind die Texte, und vielleicht liegt das ja an den Quellen, durchweg amüsant und unterhaltend abgehandelt.

Eine eher kritische Untersuchung legte André Stoll bereits in den 1970er Jahren vor. Der Titel weist vielleicht schon darauf hin. Umrankt mit dem Edelefeu der kritischen Theorie setzt sich der Autor mit dem „[Das] Trivialepos Frankreichs. Bild- und Sprachartistik eines Bestseller-Comics“ auseinander. Der emanzipatorische Ansatz ist unverkennbar. Dennoch finde ich das Buch lesenswert, weil man daraus ersehen kann, wie viele tiefe Bedeutungen z.B. in den Namen der erzählten Figuren versteckt sind, von denen leider in den Übersetzungen in andere Sprachen zwangsläufig viel verloren gehen muss.

Gerade wurde ein neuer Band Asterix veröffentlicht. Ich werde ihn nicht mehr kaufen. Mir reichen meine alten Hefte. Aber die hier empfohlenen Bücher werde ich mir im anstehenden Winter wieder einmal vornehmen und dabei das eine oder andere alte Heft aus dem Regal ziehen (da liegen sie inzwischen wieder) und entdecken, was mir an Witz und Esprit als Jugendlicher so alles verborgen geblieben ist.

                                                                 (Fotos anklicken, Titel notieren, Buch & Hefte lesen und köstlich amüsieren)

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43 Gedanken zu „Ob Asterisk oder Obelisk – keineswegs nur Kinderkram

  1. Sofern die Bücher auf französisch verfaßt sind, werde ich mal sehen, ob ich des Originaltextes habhaft werden kann.
    Ein Baba au rhum kann jedenfalls einen petit bonhomme sehr erfreuen, auch wenn sein Hausdrachen gerade keine bonne mine macht. 😀

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  2. Same as in MOSAIK! Besonders die Ritter Runkel Serie Heft 90-151 steckt voller Anspielungen auf eine Großmacht im Untergang: Das Byzantinische Reich mit König Andronikos. Die Zeit eines jeden Großreiches ist einmal vorbei und leeres Androhen von Strafe ist die letzte Geste der Hilflosigkeit. Ham wir damals auch noch nicht so politisch interpretiert – aber inzwischen…. wächst der Sinn eher noch.

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  3. Mein erster waren die Normannen, darbt in tiefer Zerfledderung in autopict’schem Regal. Erwischte mich dieser Tage beim Lesen des Neuen im Laden, wie früher, hinter dem Regal. Nicht wie früher: hab ihn gekauft. Naja. Hab dann die Normannen rausgeholt.
    Normannische Grüße, beim Odin!

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    • Normannen? Aha, Band IX, 1971 für 3,00DM (Deutsche Mark/West).
      Sie sind ein junger Herr, mein lieber autopict. Aber immerhin, immerhin.
      Zerfelddert, sagen Sie? Meiner ist gelocht. So wird aus zwei angeschlagenen Heften kein Museumexemplar mehr werden.

      Knappnachmitternächliche Grüsse aus dem starkbeschwingten Bembelland

      (Leonard Cohen – Songs of Leonard Cohen [1968])

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  4. Ach, ich liebe Asterix ! Allerdings muss man leider sagen, dass bei der Übersetzung in welche Sprache auch immer sehr viel Wortwitz verlorengeht. Zum Beispiel ist es großartig komisch und völlig unübersetzbar, dass Obelix wegen des sprachlichen Einflußes seines britischen Cousins „mon chien petit“ statt „mon petit chien“ sagt. Das hat mich so amüsiert, dass ich es mir Jahrzehnte lang gemerkt habe ! Die Zeichnungen sind aber auch großartig ! A propos Alesia (was ist das überhaupt ?:) ) da gibt es eine Zeichnung in der Vercingétorix sich Caesar ergibt. Allerdings legt er ihm nicht seine Waffen zu Füßen sondern fetzt ihm seinen Schild auf die Füße ..
    Ach und die Schildträger des Chefs und die Piraten *schwärm* …

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    • Oh fein, endlich mal eine Dame, die Asterix mag. Ich kenne fast ausschliesslich Männer, die Asterixens Abenteuer mögen.
      Wie finden Sie den neuesten Band?
      Knappnachmitternächtliche Grüsse aus dem beseelten Bembelland

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      • Den kenne ich nicht. Meine Begeisterung gilt mehr den Klassikern, von Uderzo und Goscinny gemeinsam gemacht.Einen oder zwei von den“neuen“ habe ich gesehen, aber die kommen nicht im allermindesten an die alten heran.
        Hat Ihnen der neueste gefallen ?

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        • Sollte ich Ihren Kommentartext im Ansatz jetzt kopieren? (Merk=würdige Parallele)

          Ich mag die alten, die originalen, die echten ~~~~
          Den neuesten, wie im Beitrag beschrieben, werde ich mir nicht kaufen.

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          • Es ist wie mit mancher Musik, wenn man das Frühwerk nicht kennt, scheint das Spätwerk gut zu sein. Nach dem Vergleich fällt der neue ab, wegen der Genialität der alten, auch übersetzt.
            Der neue Humor ist zu plakativ, zu aufgesetzt, zu viel und teilweise zu dünn. Der Comic ist um eine Idee herumgewoben und fährt sich fest.
            Nicht wirklich schlecht, aber ich werde den Band an junge Menschen weitergeben die an dieses Kulturgut noch herangeführt werden müssen. Neugierig kann er schon machen.
            Zwischensonnige Zwischengrüße, ohne Taschen und Tüten, aus dem zwischenliegenden Wildsüdland.

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            • Lieber herr autopict, wie gehabt – ein aussagekräftige Kommentar. Ich danke Ihnen dafür.
              Meinen Nichtkaufentschluss bestätigen Sie mit Ihrer Bewertung. Fein!
              Und Ihre pädagogisch sinnstiftende Zielrichtung ist natürlich bewunderswert.
              Abendschöne Grüsse aus dem stillklingenden Bembelland

              (Paul Horn – Inside the Taj Mahal [das Original von 1968])

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              • Inside the Taj Mahal, eine der größten Wohltaten in meinem Leben! Hatte die Platte aber vergessen, weil der Plattenspieler kaputt ist, danke fürs Dranerinnern, ganz wunderbare Musik, Seelenschokolade!

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                • Guten Tag liebe Frau Wildgans, das freut mich, dass Sie diese grandiose LP kennen.
                  Ich weiss bis heute nicht, ob mir dieses zweite Werk besser gefällt oder sein erstes Werk: Inside the great Pyramid.
                  Das kennen Sie sicherlich auch.
                  Frühnachmitäglichschöne Grüsse aus dem besinnlichen Bembelland

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                  • Mir gehts genauso, in der Pyramide ist alles auch noch mit diesen Geheimnissen verbunden, hat er sich nicht sogar einsperren lassen in der Königskammer über Nacht? Wenn ich mir das nur vorstelle, krieg ich schon Beklemmungen, ich bin seinerzeit voller Panik und Platzangst auf halbem Weg wieder umgekehrt und hab mich an unzähligen amerikanische Touristen vorbeigequetscht, um hinauf ins Freie zu gelangen…Die Musik Paul Horns ist so märchenhaft schön, schicke Ihnen ganz versonnene Grüsse, augenglänzend!

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  5. All diese farbenprächtigen Kerle sind an mir vorbei gegangen.
    Selbst mit dem Mosaik ( Herr Bludgeon möge mir vergeben) konnte und kann ich nichts anfangen.
    Dabei sind sie wahrhaftig lehrreich.

    Besternte Grüße aus dem Fastweihnachtsland, Ihre auf der Post gewesene Arabella

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  6. Ach lieber Herr Ärmel, ob das was wäre für Sie, das kann ja wohl nur ein Witz sein, oder? Denn Sie als lebenskluger und weitgereister Mann wissen natürlich ganz genau, wann was für Sie gut ist und ob überhaupt, nicht wahr? Und da ich Sie ja nicht kenne, kann ich nur erahnen, daß Sie die Cheopspyramide nur dann aufsuchen würden, wenn eine starke Sehnsucht Sie antreiben täte, nach den Antworten zu den Fragen der Großen Mysterien zu forschen, wohl wissend, daß alle Fragen weitere Fragen nach sich ziehen würden… dieser Ort weist weit über ein Grab weit hinaus und wer sich fragt, was ist, wenn nichts mehr ist, der wird da wohl mal hinwollen. Aber vielleicht sind das nur meine Projektionen und meine Fragen, davon abgesehen, kommt man eh nur mit touristischem Brimborium hinein, was alles sehr erschwert. Da gäbe es noch viel zu sagen, auch über die sogenannten „Kraftorte“…Paul Horn (Fischegeborener!) jedenfalls, denke ich, hat Schwingungen aufgenommen von innen oder außen, und sie fließen durch die Flöte zu den Sternen und zurück…ich grüße Sie recht herzlich aus kalter, klarer Wintersnacht.

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    • Ich danke Ihnen, liebe Frau Graugans, für Ihre Antwort. Sie haben natürlich Recht, ich weiss schon, warum ich diese Orte bisher nicht aufgesucht habe. Aber ich bin doch interessiert, wie andere Menschen solche Ort einschätzen. Aus diesem Grund meine Frage.

      Ob allerdings das Taj Mahal ein Kraftort ist sei dahingestellt. Ein Kraftort der Liebe vielleicht, es geht ja die Legende vom Mann, der seine Frau so sehr liebte… (Aber wie sehr musste er sich selbst geliebt haben. um sich in einem solch monströsen Bauwerk zu präsentieren?).

      Die Cheopspyramide ist fraglos ein Kraftort von enormer Ausstrahlung. Inwieweit man davon (selbst als Fischegeborener) noch die reine Energie wahrnehmen kann… Ich weiss es nicht. „Touristischem Brimborium“, schon das ist eine Verunreinigung des Ortes.
      Fast so wie an vielen Orten Europas. Das muss man auf seinen Tascheninhalt mehr achten als auf die Besonderheiten / Kunstschätze des Ortes an sich.

      Morgengraue Grüsse aus dem spätnovembrigen Bembelland, Herr Ärmel

      (Ich fürchtete schon, die Auflistung hätte Sie erschlagen 😉 )

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  7. Lieber Herr Ärmel, kürzlich hatte ich bei einem Besuch die Gelegenheit, sowohl das neueste Asterix-Heft als auch – nach sehr langer Zeit wieder einmal – eines der alten zu lesen. Um es kurz zu machen, was den Papyrus betrifft: Ich fand ihn außerordentlich schal (hatte aber auch die zwei oder drei Hefte davor gar nicht gelesen). Das will ich nicht ausführen, sondern lieber von meiner – beinahe schon unerwarteten – Begeisterung an dem alten Heft, es waren die „Lorbeeren des Caesars“. Weniger die Historizität interessierte mich, sondern die unglaubliche Frische – das Äquivalent in Comicform zum französischen Film auf dem Gipfel seiner Kunst! Ein geradezu perfektes Drehbuch, szenisch großartig gestrickt, geschliffene Dialoge, eine Treffsicherheit und ein Humor, der mich (oh, das hatte ich schon vermisst) vor schierem Gelächter vom Sofa rutschen ließ. Der Gastgeber ermahnte mich taktvoll, die schlafenden Kinder nicht zu wecken.

    Spätabendgrüße aus dem Kessel

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