Dezembertraumgesichtnebel

Das Konzert letzthin habe ich leider verpasst. Für mich ist er beeindruckendste Komponist zeitgenössischer klassischer Musik:
Arvo Pärt – Tabula Rasa (1984)…

Das heutige Datum erinnert an jenen Tag, der feierlich zu begehen war jahraus jahrein.
Die Alten ruhten traumsanft im Leinenkreis, Wohlwollen in ihren schwieligen Händen, Zimbeln auf ihren Schultern.
Der Eine, der mit dem unsicheren Lachen aus nachtgrünem Federflachs versucht, in seiner Achselhöhle den Schwan mit dem Orangenschnabel zu verbergen. Dem fallen jedoch an jener Meerschaumküste die unausgesprochenen Worte unter dem Flügel heraus in den glitzernden Sand.
Der Andere sieht, wie die weichenden Wellen Silbenwortschlieren hinspülen zu der untergehenden Sonne weit hinten.
Hechte der Nacht treiben sie der anderen fernen Küste zu. Dort werden sie zu Feuerlilien aus Goldwachs.

Der König mit dem Rabenschnabel in der Nussschalenkrone lädt zum Bankett; Kreide und Lehm, Messing und Schere.
Die Mätressen der Pferdeknechte flechten unterdessen Rosmarinblätter und im Boudoir der Königin dirigiert eine Otter die Mandolinenfuge.

Fugenlos, so war der Plan. Unter dem wechselnden Mond aber verklang die Weise der Alten. Im Morgengrauen spannte der Pflüger an und pfiff dazu seine aschene Melodie. Die Herzklammern aus Kümmernis und Kandis, sagt man, liegen im Dezembernebel geborgen seitdem.

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49 Gedanken zu „Dezembertraumgesichtnebel

  1. Wahrscheinlich oute ich mich als totale Literaturbanausin, weil ich nicht weiß, worum es geht. Aber wissen Sie was, mein lieber Herr Ärmel?
    Ich finde, das haben Sie wundervoll da hin geschrieben. Zauberhaft, will ich meinen 🙂
    Herzlichst aus der Twilight Zone,
    Silvia Meerbothe

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  2. Wieso erniedrigen Sie sich zur Literaturbanausin?
    Das sind, wie Ihnen der Titel verrät meine Bilder, die ich unglücklicherweise nicht fotografieren kann, da sie lediglich innensichtig aufscheinen.
    Deshalb schreibe ich sie auf.
    Ich betrachte sie mir dann gerne ganz genau.
    Ein andermal gehe ich wieder wie gewöhnlich fotografieren…

    Abendschöne Grüsse aus hellklingenden Bembelland, Ihr Herr Ärmel

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  3. Die Stille von Schneelandschaften schenkt das was auf trubeligen Weihnachtsmärktem schon lange erschlagen unter kandierten Mandeln liegt.
    Innere Einkehr, die beste Gabe des Winters.
    Ich danke Ihnen von Herzen für Ihre Worte.

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  4. Mir scheint, da wurde musikalisch was angeregt durch Kommentare auf mein WdT vom 4. Dezember. Schön, wenn so etwas Fäden zieht, Brücken spannt…
    Fontane nicht, Walser nicht, Peter Huchel nicht, höchstens der Anrheiner von hinterm Damm bringt derart poetische Innenherbstworte hierher!
    Chapeau claque – oder wie das heißt! (Ach ne, das heißt ja Zylinder oder Angströhre- ich wollte was von „Beifall“ schreiben, nur dass Sie`s wissen!)
    Gruß von der Naturtraumpoesieliebhaberin

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    • Liebe Frau Wildgans, der Offenheit die Ehre, die Anregung hängt mit einem sehr persönlichen Erleben zusammen. Diese Bilder entstanden nicht in senilverursachter Schlaflosigkeit 😉
      Abendschöne Grüsse vom anderen Ufer des grossen Stromes hin gegen die fünfzig Millionen Jahre alte Tafelbergaufwerfung

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  5. So schöne Wortbilder, ein Winternachtstraum gewissermaßen ….. Und “ Die Herzklammern aus Kümmernis und Kandis … “ hmmm, die kann man sich auf der Zunge zergehen und weiterwirken lassen.
    Das Foto ist auch wahnsinnig schön ! Ein Beweis dafür, was s/w kann ……

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    • Sie schmeicheln mir, liebe Frau Myriade.
      Das Ihnen das Foto gefällt, freut mich.
      Ich habe vor, mehr schwarzweisse Fotografien hier im Blog zu zeigen.

      Ich frage mich, wie eine Kümmerniskandismsichung wohl schmecken mag 😉

      Nachmitternächtliche Grüsse aus dem souligklingenden Bembelland

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  6. Welch eine geheimnisvolle Gleichzeitigkeit, grad habe ich eine alte Seele erwähnt beim Öffnen der T.9, Sie werden sehen! Und Sie zum gleichen Zeitpunkt diese Geschichte, diese Bilder, und die Welten verschwimmen und mir ist, als ginge ich hinter dem Einen her, einen langen schweren Mantel trage ich mit Kapuze und ich sammle die ungesprochenen Wörter ein, die in den glitzernden Sand fallen…ja es ist gut, die Meerschaumküste und dazu diese Musik…haben Sie Dank von Herzen, daß Sie uns diese Bilder sehen lassen…was für ein Geschenk!

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    • Gerne stelle ich meine Bilder aus, seien sie innen gesehen verwortet oder in der Aussenwelt fotografiert.
      Und wenn jemand einen so schönen Kommentar schreibt, wie Sie, liebe Frau Graugans, das getan haben, dann wärmt Freude das Herz.
      Morgendlichherzliche Grüsse aus dem dezembergrauen Bembelland

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  7. Sehr, sehr schön, lieber Herr Ärmel, was Du hier an Bildern und Wortbildern zusammengetragen hast. Meine Lieblingsformulierung: Feuerlilien aus Goldwachs. Sehr, sehr schön. Herzlichen Dank dafür und liebe Grüße in den frühen Tag von Nebenan. Und Arvo Pärt macht wundervolle Musik, da stimme ich unbedingt zu.

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  8. Fremde Lande, in die Sie uns durch den Dezembernebel hindurch führen, lieber Herr Ärmel! Gehen Sie wieder einmal dorthin? – Auch in Ihrem Foto kann man schwelgen.
    Mittagsgrüße aus ganz diesseitigen Welten

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    • Lieber Zeilentiger, jene Lande sind wichtiger Bestandteil meiner Lebenswelt, insofern bin ich so oder so ständig auch dortigen Aufenthalts.
      Bilderschwelgen ist wohlig.
      Mir brachte der Bote heute Morgen einen lange ersehnten Band eines meiner Lieblingsfotografen. David Bailey schätze ich sehr.
      Von ihm lernte, mehr von anderen Künstlern als von Fotografen zu lernen.

      Mittäglichschöne Grüsse aus dem dunkelkammerpausierenden Bembelland

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  9. Zwischen zwei Außenatelierverblumigungsterminen eine schnelle Lesepause, um die Denkapparatur freizurütteln und die Pupillen vom angetragenen Blinkikitsch zu entschlacken und Bämmmmm! Nein, kein Bämmmmm im eigentlichen Sinne, eher ein Schönschock, so einer von der Sorte, wenn man trocken schlucken muß und erstmal um Worte ringt. Und sie nicht wirklich findet, aber die Pupillen sprechen leisetränflüsternd für sich selbst. Und mit dem leissalzigem Wangenstreicheln fließen dann doch die Finger ebenso sanft über die Tastatur…

    So ein Bämmmmm ist dieser Ihr Text und das Bild läßt den Wimpernvorhang flattern, lieber Herr Ärmel. Ich muß jeden Satz nochmals behutsam einzeln mir einverpupillieren, ihn behutsam aus seinem Seidenpapier wickeln, ihn schmecken und wirken lassen… auf bald, die Ihre, dankpausigverzückt.

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    • Iss schon wieder Mittwoch? Prima, dann stehts ja schon 3:2 für das Wochenende.
      Also nicht für Ihr Wochenende, meine hochwertgeschätzte Frau Knobloch, die Sie Ihr Floralabor ja doch aus tiefstem Herzensantrieb heraus betreiben.
      Schauen Sie gelegentlich wieder rein. Ich habe durch hilfreiche Hinweise neue Musiken entdeckt. Da ist mit Sicherheit was für Sie und Ihre Holdtanzfesseln dabei.
      Ihr Herr Ärmel (aus dem lautstark rhythmisch lärmenden Bembelland)

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