Adventsgangschaltung

„Was die Leute hören wollen oder nicht – wer weiß es schon?“ Hier und jetzt bin ich mir sicher: Erkki-Sven Tüür – Oxymoron (2007)…

Adventszeit. Zeit der Stille und der Einkehr. Ganze Industrien legen den Hebel am Maschinentelegraf auf volle Fahrt dagegen. Über alle Medien blasen sie uns das Horrido. Die Jagd nach den Konsumprodukten ist eröffnet. Jedes Jahr haben wir neue Strategien und Schlachtpläne parat und jedes Jahr schlagen Taktiken fehl. Wenigstens die Gans im Ofen soll knusprigkross gebraten sein. Und auch in diesem Jahr, wie schon zweitausendundvierzehnmal zuvor kommt Weihnachten schlagartig und überraschend. Wem geht dabei wann ein Licht auf?

Einige freie Tage gesteht man uns zu mit Gnadenmiene. Inzwischen werden die Lager der Hamsterräder abgeschmiert fürs kommende Jahr. Eine Urlaubsreise vielleicht, das Geld soll und muss in andere Taschen wandern. Der Stall als Urlaube, ein Illusionsgerippe in der Krippe.

Komm herein und setz´ Dich her an meinen Tisch. Hier bist Du sicher vor dem verlogenen Lamettalachen hinter den Schaufenstern. Eine Kerze mag sein statt Irrlichterflitterglanz. Krankheit, Geld und Politik verharren ohne Passierschein draussen auf dem Asphaltfeld.
Nimm´ Palette und Pinsel und male mir Deine Traumgesichte. Lass´, wenn dir danach ist, deine Sorgen von der Kette oder schweige nach Gutdünken. Nichts weiter wünsche ich von Dir.
Setz´ Dich her an den gedeckten Tisch und die Schale will ich Dir mit Tee befüllen.

                                                                        Ich wünsche allen Besuchern, Lesern und Guggern ein ruhies Wochenende.

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58 Gedanken zu „Adventsgangschaltung

  1. Solche Einladungen sind es, die das Leben gut machen.

    Mir fallen Ihre feinen „Untersetzer“ auf.
    Ich habe die Gleichen.
    Beim Umbau haben wir die inneren Fensterbretter erneuert.
    Sind Ihre Kacheln ebenso das abgeschnittene Zuviel?

    Genießen Sie Ihren Tee und die zu beneidenden Gäste.

    Ihre, selbst in Gastgeberstimmung schwelgende, Arabella.

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    • Liebe Frau Arabella, ich werde mich mühen, zukünftig bessere Fotografien anzufertigen, um den Blick der Gugger nicht irregehen zu lassen.

      Bei den von Ihnen so benannten Kacheln handelt es sich um quadratische Platten aus schwarzem Lack. Die wurden ebenso aufwändig wie meisterlich hergestellt in einer Lackmanufaktur in Japan, wo selbst ich sie erworben habe.
      Alleine das Ritual des Kaufs wäre eine Erzählung wert.

      Ich wünsche Ihnen stets angenehme Gäste.
      Ihr Herr Ärmel

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  2. Lieber Herr Ärmel, eine Kerze anzünden und Tee aufbrühen und uns zu erwarten, welche Geschenke wären größer? Käme ich des Nachts an diesem Licht in Ihrem Fenster vorüber, vielleicht würde ich mich trauen, leise anzuklopfen. Seien Sie gegrüßt, von Herzen.

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    • Is das nicht wunderbar, jetzt stehn wir also schon zu siebt vor Ärmels Fenster und ich sage Euch, ich fühle mich sauwohl in dieser illustren Gesellschaft, aber wenn er jetzt nicht bald aufmacht, dann gehn wir einen trinken, was haltet Ihr davon?

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        • Ach Her Ärmel, das sollte ein kleines Witzchen werden, aber ich habs versemmelt, naja, macht nix, wir sind alle ja so dezent…In anderer Angelegenheit ist scheint es sicher, daß die Satteltasche heut noch gepackt wird, damit Ross und Reiter morgen ihren Kurierdienst gen Nord-Nordwest antreten können, halten Sie ein Austauschpferd bereit! Gruß!

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          • Ach, liebe Frau Graugans ich hatts doch gerafft. Es liegt an mir heute. Bei dem feinen Herrn Zeilentiger habe ich auch schon einen Kommentar versemmelt.
            Ich werde schweigen heute Abend. (Ich kanns ja mal versuchen 😉 )
            Liebe Grüsse aus dem Bembelland.

            PS: reitende Kuriere werden hier generell abgepasst – man kann ja nie wissen 🙂

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  3. Was für eine großherzige Einladung. Ruheinseladvent, deucht es mich. Die nehme ich gerne an, ich habe auch eine schöne Geschichte für Sie, mein hochwertgeschätzter Herr Ärmel. Aber erlauben Sie mir erst die Benutzung Ihres Badezimmers, bitte? Schaun Sie meine Harzfingerchen, die passen nicht hierher. Haben Sie einen Bimsstein? Nein? Scheuerpulver tuts auch. Danke, ich bin gleich wieder da…
    ~~~~~Wasserfließgeräusche/Seufzen/unterdrücktes Stöhnen ~~~~~
    Sie, mein lieber Herr Ärmel, darf ich mal an die Kaufmann’s Dose? Meine eigene habe ich im Floratelier liegen lassen, konnte ja nicht wissen, daß ich zwischendrinnig so eine bonfortionöse Teepause einlegen darf? Wie bitte? Ach danke, Sie sind famos…
    ~~~~~Eincremegeräusche/erleichtertes Seufzen/Wohligkeitshachen ~~~~~
    So, da bin ich. Diese Creme ist wahrlich ein Segen. Ja, einen Assam kann ich jetzt gut vertragen, vielen Dank. Huch, bitte entschuldigen Sie mich nochmals. Wo kann ich denn meinen ledernen Wams ablegen? So arbeitsverschmutzt ziemt es sich nicht an solcher liebevoll arrangierten Tafel zu sitzen…
    ~~~~~Aufknöpfgeräusche/Stoffrascheln/leises Summen ~~~~~
    Verzeihen Sie bitte mein Rumgewusel, jetzt fühle ich mich aber wohl und angemessen. Ja, gerne, ein Kipferl darf es sein. Zwar bin ich keine Süße, aber heute, hier und zum Tee mundet er mir sicher. Ich danke Ihnen sehr…
    ~~~~~Mmmmmhgeräusche/Keramikküsse/lächelndes Stillschweigen ~~~~~
    ~~~~~Mmmmmhgeräusche/Keramikküsse/lächelndes Stillschweigen ~~~~~
    ~~~~~Mmmmmhgeräusche/Keramikküsse/lächelndes Stillschweigen ~~~~~
    Wie meinen? Ja, vorzüglich. Gerne nehme ich noch einen davon. Ach, tut das gut, mein Lieber. Meinen ergebensten Dank. Oh, ja natürlich, meine versprochene Geschichte! Noch einen Schluck, dann erzähle ich Ihnen von der wunderschönen Frau mit den traurigen Augen, die meinen Namen trägt. Ja, so heißt die Geschichte, sie ereignete sich gestrig des Nachmittags…
    ~~~~~Türschellengeräusche/Gutentagwünsche/unterdrücktes Stöhnen ~~~~~
    „Sie, was kosten denn Ihre Christrosen da draußen?“ „Kleinen Moment, ich eile gleich zu Ihnen.“
    ~~~~~Zuknöpfgeräusche/lautes Seufzen/Fußgetrappel ~~~~~

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    • Welch ein Kommentar – meine hochwertgeschätzte Frau Knobloch – -äähh, wo sind Sie denn nun schon wieder hin? Im Badezimmer nochmals? Oder im Floralabor etwa? Wie blitzwuseleilschaffen Sie das denn? Haben Sie denn den Eilturboschnellkompressorblitzzeppelin exklusiv für sich gebucht für die Strecke Lipperlandien – Bembelland?
      Nun nehmenSe doch mal in aller Ruhe Platz, Sie schnappatmen ja geradezu – – –

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          • Oh, dankefein, mein lieber Herr Ärmel. Heute bin ich eher ruhigschaffend. Nur noch die gesponserten Dankessträuße für die Ehrenamtlichen von Kinderheim und dann wird privatisiert.
            Ihnen wünsche ich einen Ebensolchenruhigadventstag und danke nochmals für die gestrige Inspiration. Wenn mich alle Pausen so beflügelten, mich deucht, ich könnte fliegen…
            Immer die Ihre, herzvoll zugeneigt.

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  4. Ein fein gedeckter Tisch ist das, eine feine Einladung dazu. Ach Herr Ärmel, Sie Guter, vielleicht kommt a heute Abend Schneeeue Vorbei und trägt mich an ihre equisite Tafel. Aber nun muss ich erst noch einmal in die Arbeitgeberküche verschwinden und 22 Menschen glücklich machen.
    Herzlichst grüsse ich Sie und wünsche ein feines Wochenende
    Ulli

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    • Liebe Frau Ulli, ich bin sicher, Ihre bekochten Gäste haben Ihr Mahl aufs Beste genossen. Schade, dass Sie nicht mal kurz vorbeigeschaut haben, hier gabs ein frugales Mahl nach süditalienischer Art, daran Sie auch gerne hätten teilnehmen können.
      Musik, ein wenig Wein und erbauliche Gespräche ohnehin…
      Ich wünsche Ihnen ein erholsamruhiges Restwochenende.
      Herr Ärmel

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      • Mmmh das klingt gut, wer weiss, vielleicht verschlägt es mich ja mal wieder ins Bembelland, hab da noch ein paar FreundInnen 🙂
        herzlichste Grüsse vom heute wieder sonnigen Berg
        Ulli und ja, die Gäste waren rundrum zufrieden, an allen drei Tagen, das ist leider nicht immer so … manche Leute kann man einfach nicht zufriedenstellen, aber das ist nun auch nicht mehr mein Problem, jetzt ist PAUSE, bis zum 03. Januar- JUCHHU!!!

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  5. Den weihnachtlichen Zwangsgefühlen entronnen trete ich gerne ein in die gute Stube. Ob Meister Ärmel wohl gerne Scrabble oder 5 äh 4 gewinnt spielt? Auf jeden Fall hält er es mit der Ordnung, auch wenn noch das Stativ des Lichtbildners neben dem Tisch und der japanischen Teekanne steht. Der Mondphasenteller wäre meiner, würde er mir in freier Natur begegnen. Nun ich setze mich gerne an den schönen Holztisch auf die passenden Stühle, deren offenen Rückenlehnen die Lichtdurchflutung des Raumes unterstützen, aber ich bin auch bei einem Lichtbildner zu Gast. Die Tasse schiebe ich nach Teebefüllung wieder zurück, an ihren Platz. Das Holz dominiert mit seiner Wärme den Raum und gibt mir das richtige Gefühl, das ich auf der Straße des himmlischen Einkaufs mit Bedingungen vermisse. Bedingungsloses Teetrinken mit den Keksen naschen. Nur wie bekomme ich die ohne Krümel auf meine Teller? Vorsichtig anheben – hepp – und da isser. Mmmpf.
    Wünsche einen wunderbaren Abend.
    (Und danke an die Frau Käthe für den Besuchsgedanken, den ich hier teile.)
    (Abed Azrié – Je vois vivre)

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    • Guten Morgen Herr autopict, welch ein grossartiger musikalischer Hinweis. Ich danke Ihnen dafür. Mir war sofort zehn Grad wärmer und ich sah mich mit einer Kamera (ab 9x12cm), das Dunkeltuch über dem Kopf in einer dieser bezaubernden arabischen Architekturen bei Anfertigen wunderschöner Aufnahmen. (Ich werde mich um ein Album dieses Herrn kümmern)

      Ihr Kommentar erstaunt mich angelegentlich. Wie können Sie die Stühle kennen, die doch nicht zu sehen sind und woher wissen Sie, dass da ein Stativ…
      Äähh, nehmen Sie noch eine Schale Tee? (Uupps, da ist ein Zuckerkörnchen von demVanillekiperl auf die Platte gefallen 😉 )

      Ich wünsche Ihnen ein erholsamruhigen Sonntag

      (ausser dem Tastaturgeklapper – Stille)

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    • Oh, da bin wohl zu früh wieder abgesaust… Naja, Teegesellschaften dürfen ja abwechslungsreich sein, lieber Herr Autopict. Und hätte ich gewußt, daß die anderen mit der famosen Graugans draußen warteten…
      Kichernde Grüße, natürlich auch nochmals an den lieben Gastgeber, Ihre Frau Knobloch, zugetan.

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  6. Ach, lassen wir sie doch wieder blasen zur Jagd, die Medien. Sie tun es jedes Jahr, ob wir es gut finden oder auch nicht. Wenn das Herz weit wird, dann öffnen sich die Brieftaschen und so manch einer muss eben leben vom Weihnachtsgeschäft. Welch ein schönes Wort.
    Diese ganze fein einstudierte Rhetorik – auf der anderen Seite auch die ewigen Kritiker eines durch und durch kommerzialisierten Rituals – gerne von der Kanzel – verblasst, wenn man sich mal vorzustellen versucht, dass es Weihnachten einfach gar nicht gäbe ……
    Ich glaube, da würde uns allen was fehlen.
    Ach, was wäre ich gerne dabei gewesen an so manchem Ereignis, das sich bald wieder jährt. Die Kaiserkrönung Karls der Großen oder die Ankunft Kaiser Sigismunds unter Hörnerschall mit dem Schiff in Konstanz im Jahre 1414. Da würde ich heute noch davon zehren.
    In diesem Sinne halte ich es mit Half Man Half Biscuit:
    http://www.youtube.com/watch?v=cxqQtUQErhQ

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    • Ein schöner Gedanke, auf den man sich einlassen sollte. Und wahrhaftig, es würde nicht bloss den Geschäftemachern etwas fehlen.
      Weihnachten wirkt!
      Das kann amn auch daran merken, wie viele Menschen, die mit Weihnachten scheinbar garnichts im Sinn haben, gerade um dieser Zeit herum zu den unglaublichsten Taten imstande sind.

      Die Musik ist natürlich ein Knaller!

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  7. Die Idee meines Vorkommentators „crownbender“ schlägt dem Fass den Boden aus, lässt ganze Teelichtalleen explodieren und Gewürzplätzchen in sich zusammenschnurren, die Idee, wenn es denn Weihnachten gar nicht gäbe! O mein Gott!
    Gruß ins gepflegte Adventssalönchen von
    Madame Ganskögler

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  8. Wie heißt es doch so schön bei Pavel Kosorin: Wenn Leute zwei Stunden lang Bier trinken, erzählen sie nur Blödsinn – wenn sie zwanzig Minuten lang Tee trinken, träumen sie …

    In diesem Sinne im Geiste an Ihrem wundervollen Tische … 🙂

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  9. Weihnachten seit der Wende: Da stört mich 2erlei:

    1. Dieses Westdeutsch, das sich leider durchsetzt: An Weihnachten, an Ostern usw. ZU WEIHNACHTÄÄÄÄN HEEST DET! ZU! ZU! ZU!
    2. Die Erfüllung des Vermächtnisses von Walter U: „Weihnachten ganz abschaffen – und statt dessen Jolkafest aus Russland übernehmen – spart Feierttage.“ Also das Jolkafest kommt zwar nicht, aber die Abschaffung beschaulicher Vorweihnachtszeit ist flächendeckend gelungen. Soviel Bürokratenscheiß wie im Dezember alljährlich abfällt, gibt es sonst im ganzen Jahr nicht.

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  10. Oh, wie schön! Das Foto, der gesamte Dialog bis hier runter, all die famosen Besucher mit und ohne Schnörkel, so einen Besuch hätte ich auch gerne mal. Helle Freude über „Keramikküssen“, sanften Ergänzungen, Fuhrknechten, reitenden Kurieren, Mondphasen Geschirr und – feinem Spott, der in seiner Würze jedem Zitronenaroma vorzuziiehen ist. Ach, ich sinke in die Winterkissen, Handrücken an die Stirn, tief seufzend und warte auf das Klingeln an der Tür mit dem Billett auf dem Silbertablett.

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  11. Herzlich willkommen, liebe Frau Blumentorte und meinen Feindank für Ihren komplimentierenden Kommentar.
    Vor allem anderen wünsche ich Ihnen trittfeste Wege für dieses Jahr.

    Für das Adventsbillett, fürchte ich, ist es bereits etwas zu spät. Aber wenn Sie sich bitte schon den 27. November dieses Jahres geflissentlich vormerken wollen, denn da wird erneut eine Adventszeit wiederkehren. Also bloss noch 342 Tage bis dahin.

    Wenn Sie sich in der Zwischenzeit doch bitte gelegentlich wieder von Ihrer wunderschönen Chaiselongue mit den blumigen seidenen Kissen erheben möchten, ich bin mir sicher, Ihr Publikum würde Ihre Künste nur allzu ungern entbehren.

    Morgendlichschöne Grüsse aus dem lebensfeierenden Bembelland
    Herr Ärmel

    PS: Dass ich mich über Ihre Blogverfolgung freue, versteht sich – schönen Dank für Interesse

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