Zwischen den Jahren : mich laust der Storch

Das passt zu einem frühlingssonnigen Dezembermorgen. Kraftvolles Gebläse und dazu sehr rhythmusbetont: Debo Band – Debo Band (2012)…

Am Ende fügt sich vieles, gibt nach und lässt sich begreifen. Unter den Gastgeschenken, welche der liebe Besuch vor zwei Wochen überreichte, war ein Buch von Dimitris Kisoudis. Der kurzen Nacht folgte am Morgen ein längeres Frühstück. Dem sich anschliessenden Wunsch meines Gastes entspreche ich gerne. Eine kleine Fixfahrt mit kurzen Zwischenaufenthalten rund um Lummerland. Dabei kommen wir auch an meinem Storchennest vorbei und wir staunen beide überrascht über die Anwesenheit eines Storches im Nest. Über die Störche berichtete ich bekanntlich öfter in diesem Jahr.

In seinem Buch „Goldgrund und Euroasien“ legt Dimitrios Kousidis seine Sicht der derzeitigen geoplitischen Lage dar. Er beleuchtet den neuen kalten Krieg von einer ganz anderen, vom landläufigen Bild der Mehrheit abweichenden Seite. Dabei zeigt er Facetten auf, welche in dieser Weise kaum publiziert werden. Denn spätestestens seit der Ukrainekrise, wird von den Medien geradezu gebetsmühlenartig eine scheuklappeneinseitige prowestliche Sichtweise propagiert.
Kisoudis schreibt brillant und stellenweise durchaus auch polemisch. Manche seiner Gedankenführungen sind gelegentlich sprunghaft, bleiben dabei aber immer nachvollziehbar. Viel wichtiger ist dabei, dass seine Zitate und Verweise nachprüfbar stichhaltig sind.
Ich rückversichere mich zunehmend bei Sachbüchern, denn ich bin vorsichtig geworden im Lauf der Zeit. Da wird inzwischen zuviel zusammengeschustert, sodass es am Ende zumindest so aussehen soll, als wäre jetzt ein Schuh draus geworden..
Wie brillant der Essay des schmalen Bändchens ist, lässt sich an der Rezension in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung ermessen. Sie gibt überdies ein klassisches Beispiel dafür, dass man den Denkenden angreift und herabsetzt wenn man seine Gedankengebäude nicht angreifen kann. Dies geschieht denn auch gleich im Zwischentitel, indem man den Autor als „Putin-Versteher“ bezeichnet. Dennoch empfehle ich diese Buchkritik als Appetithäppchen sozusagen. Wer sich für die Zukunft nicht nur unseres Landes und unserer Gesellschaft interessiert, wird mit einer spannenden Lektüre belohnt.
Dimitrios Kousidis: Goldgrund und Eurasien. Manuscriptum Verlagsbuchhandlung, Leipzig, 2015, 114S.

Die sonntagmorgendliche Storchenbegegnung fand ich doch zu merk=würdig. War der Storch im Nest einer von denen, die ich in diesem Jahr so oft beobachtet hatte. Und wenn ja, wo war dann der zweite, den wir nirgends sehen konnten.
Meine Neugier war geweckt und ich fuhr einige Tage später am vorgeschrittenen Nachmittag nochmals raus zu den Feldern hinter dem Rheindamm. Meine Hoffnung, Neues zu sehen war gering und ich hatte ohnehin lediglich das Immerdabeigeraffel zur Hand. Schon von weitem sah ich das leere Nest. Als ich mich jedoch zu Fuss näherte, entdeckte ich auf der Wiese gegenüber zwei Störche bei ihrer Abendmahlsarbeit. Für mich steht natürlich fest, dass es meine Störche sind, die auf der Wiese ihre Nahrung suchen.
Jetzt freue ich mich schon darauf zu erfahren, ob sie den Winter über ihr Nest besetzt halten und im nächsten Frühjahr auch wieder Nachwuchs haben werden.

Ich wünsche allen Besuchern, Lesern und Guggern ein sonnigschönes Wochenende.

                                                                                                               (Foto anklicken öffnet die Galerie)

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23 Gedanken zu „Zwischen den Jahren : mich laust der Storch

  1. Ich habe auch schon gehört, dass immer mehr Zugvögel nicht mehr ziehen wollen – die naheliegende unfeine Assoziation dazu übergehe ich 🙂
    Das ist wirklich ein negativ bemerkenswertes Phänomen ! Dazu fällt mir ein, dass in dem von mir hochgeschätzen Tiergarten Schönbrunn ein Zuchtprojekt für die beinahe ausgestorbenen Waldrappen läuft. Das sind unendliche unattraktive Vögel, aber dafür können sie ja nichts. Allein schon der Namen: geronticus eremita ….. Jedenfalls werden diese Zugvögel auf ein kleines Flugzeug geprägt, das ihnen dann als „Leitvogel“ die zu fliegende Zugstrecke zeigt, weil sie von selbst nicht in der Lage sind, den Weg zu finden.

    Ich muss Sie doch einmal über die genaue Bedeutung des Worts „Geraffel“ ausfragen. Ich kenne das in der österreichischen Version als „Graffel“ und das heißt so viel wie „unbrauchbares, minderwertiges Gerät“. Ich bin mir aber gar nicht sicher, ob das das gleiche Wort ist.

    Dimitrios Kousidis klingt auch spannend, aber ich muss mich erst einmal ernsthaft an die Verkleinerung meines Stoßes zu lesender Bücher machen. Ich habe ja gerade Zeit.

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    • Oh, da kommen sich das österreichische und das bembelländische Idoim doch ziemlich nahe beim Wort G(e)raffel. Hier wird es gleichbedeutend verwendet und scheint mir der treffende Ausdruck für meine fotografische Ausrüstung. Wobei mir das Aus ebenso wie die Rüstung irgendwie unangenehme Assoziationen wecken.
      Sollten Sie fürderhin hier bei mir auch über Metaphern wie das kleine Besteck oder das grosse Besteck stolpern, so bezeichnen auch diese mein Geraffel. Aber einen Unterschied vermeine ich da schon zu betonen.

      Ja, die Zugvögel. Das liest sich interessant, was Sie über die Waldrappen schreiben. Wir rotten eine Tierart fast aus, um Nachzüchtungen im letzten Moment anschliessend beizubringen, wie sie sich wieder ihrer Natur gemäss (die nicht mehr die ihre ist) zu verhalten haben.
      Hier in der Nähe gibt es eine riesige Müllhalde, die mittlerweile winters einer Storchenkolonie die weiten Weg in den Süden erspart. Zudem verlieren viele Zugvögel durch Strahlungen (Handfesseln, Satelliten etc.) ihre inneren Flugrouten und verirren sich zunehmend. Das lässt sich in der Umgebung von Grossstädten beobachten, wenn Scharen von Vögeln lange Zeit in zwar wunderschönen Formationen die Stadt umkreisen, aber offensichtlich weder geeignete Rastplätze finden oder aber ihren Wegweiser verloren haben.

      Zum Kousidis könnte der Grassegger so eine Art passendes Dessert sein 😉

      Mittäglichschöne Grüsse aus dem sonnigen Bembelland

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  2. Ah, die Sache mit dem großen und kleinen Besteck ist mir schon klar, abgesehen davon, dass ich natürlich nicht weiß, welche Kameras Sie verwenden.

    Der Grassegger kommt demnächst dran. Ob als Dessert oder Hauptspeise wird sich erst herausstellen. Das ist ja nicht immer so restlos klar ….

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  3. Das mit den Störchen gruselt, wenn man heute liest, wie sehr Rom z.Zt. von Milliarden von Staren zugeschissen wird, weil die es nicht mehr nötig haben, bis nach Nordafrika weiterzufliegen. Neulich sah ich einen Bericht über Ghana: Die Bauern wissen nicht mehr, was sie tun sollen: Trocken-und Regenzeit sind vollkommen aus dem Rhythmus.
    Mein Heuschnupfen meldet sich extrem, wie sonst zu Ostern… Ich schiebe das notwendig gewordene Rasenmähen vor mir her – ZU WEIHNACHTEN! Grund zur Freude über das „schöne“ Wetter? Das ist Natur-Agonie!

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  4. „…was mein Zeitplan so mit mir vorhat“ – woanders liest sich solches anders. Kaum wundert es. Was der Storchenplan wohl mit denen vorhat? Warum Pläne und Vorhaben und Zugrichtungen immer wieder gequert werden auf Erden – eine von vielen Fragen in diesen Tagen.
    Grüße aus dem schon leicht vorgeschrittenen Abend von der
    verqueren Wildgans

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    • Sie erweisen mir die Huld, liebe Frau Wildgans und erlauben mir, Ihre philosophischen Anmerkungen mit in den Schlaf zu nehmen.
      So erhoffe ich mir Erhellung um nicht zu sagen, ein klares Verständnis Ihrer kühnen Silbenwortsatztextur.
      Noch ists dunkel wie die Nacht über dem Ärmelhaus.
      Spätabendliche Grüsse aus dem sinnierenden Bembelland, Ihr Herr Ärmel (von jenseits der Fähre)

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  5. Ein wenig Recherche und das öffentlich rechtliche Fernsehen liefert Informationen zu den Störchen im Winter:
    Frau Mahlzahn empfiehlt das geflissentliche Anschauen des folgenden Videos ab Minute ca. 7 und dann sieht man die Störche in einem etwas anderen Blickwinkel ….http://www.ardmediathek.de/tv/alle-wetter/alle-wetter-ganze-Sendung/hr-fernsehen/Video?documentId=32491378&bcastId=3350202

    Viele liebe Grüße aus Mahlzahnhausen in dessen Luisenpark schon seit vielen Jahren eine Kolonie von Störchen überwintert.

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    • Meine liebe Frau Mahlzahn, welchen Freude, einen so seltenen Gast begrüssen zu können.
      Und obendrein haben Sie uns einen hilfreichen Hinweis mitgebracht. Ich habs mir gleich angeguggt und nicht gestaunt über den Zugtrieb… was rede ich, soll doch jeder selbst gugge.
      Ihnen einen schönen Abend und natürlich auch einen glanzvollen Schrott ins neue Jahr, das wieder eines mit zwölf Monden sein wird. (Hoffentlich merken wir was davon)
      Ganz herzlich, Ihr Herr Ärmel

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  6. Hoffe der Storch hat zu Ende gelaust, und ja, wer weiß was noch kommt, schaut man sich die derzeitige Wetterlage auf allen Kanälen an.
    Wenn ich hier mit meiner Generalaufräumaktion fertig bin, komm ich vielleicht auch mal wieder zum Lesen!
    😀
    Ansonsten wünsche ich Ihnen einen guten Jahreswechsel nach 2016. in welchem wir die Dramen einen Tag länger ertragen müssen. Dafür dauerts aber auch etwas länger bis zu nächsten Neujahrsansprache.
    Viele Grüße nach Bembeltown.

    (Radiohead / Spectre)

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  7. Generalaufräumaktionen fetzen ungemein.
    Und dass Sie, lieber Herr autopict dazwischen sich die Zeit nehmen, um mir Ihre Gutwünsche zu übermitteln, das freut mich sehr.
    Ach, die Neujahrsansprache |||| verderben Sie sich bloss nicht diesjahreseinmaligen Abend 😉
    Abendschönfetzende Grüsse in den Süden…

    (Jesper Munk – Claim (2015) / zumindest 1 Probeanhörung wird dringend empfohlen)

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  8. Ich hab’s versucht, lieber Ärmel, aber auf halber Strecke aufgegeben. Etwas sprunghaft, das haben Sie Kisoudis auch attestiert. Für mich war „sprunghaft“ der maßgebliche Eindruck – und der etwas gequälte Gedanke, was will er mir denn jetzt schon wieder sagen. Brillant kann ich es also ganz sicher nicht nennen, aber ob das an Kisoudis oder aber an mir liegt, sei dahingestellt. Ich danke Ihnen jedenfalls herzlich für den Versuch. Und hätte, falls Bedarf besteht, eine Ausgabe übrig.
    Herzliche Grüße aus dem Kesselabend

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    • Oh, der Herr Zeilentiger – vielen Dank für Ihre Rückmeldung. Auch hier hat sich einiges verändert im Bezug auf das Buch. Die von mir so bezeichnete Sprunghaftigkeit ist mir kein Kriterium mehr.
      Inzwischen wiegen seine Argumente schwer, wenn ich mir die politische Entwicklung ansehe.
      Mir fällt es vermutlich auch leichter, seine Darlegungen zum Goldgrund nachzuvollziehen, nachdem ich mich auf dem Schwarzen Berg intensiver mit dem Wesen der orthodoxen Kirche beschäftigt habe.
      Ich danke Ihnen für Ihren Kommentar und sende herzliche Grüsse aus dem gleichmässiggrauhimmlischen Bembelland

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