Veränderungen in Sachen alles bleibt beim Alten

Fast hätte ich jungen Mann aus München bei dem versteckten Poeten übersehen. Er spielt den Blues rockighart oder samtweich so gekonnt, dass seine Scheibe im Ärmelhaus in Dauerrotation läuft: Jesper Munk – Claim (2CD Deluxe Edition 2015)…

Es regnet. Auf der Strasse und in den Rinnsteinen die aufgeweichten Reste der vorgestrigen Sylvesterknallerei. Im Kofferraum das Leergut, nicht von vorgestern. Auf dem Weg zum Getränkeheimer am Strassenrand ein grossformatiger Reklameschrei für eine Hochzeitsmesse. Für einen kleinen Moment hängt mir die Frage an der Windschutzscheibe, wen ich grotesker finden soll, die Veranstalter oder die Besucher solcher Ereignisse.
Schlangen vor dem Leerflaschenrücknahmeautomaten. Alles beim Alten. Der Kassierer wünscht mir keinen gedankenlos hingesprudelten Schönen Tag. Ich nehme es als gutes Zeichen, dass dies ein besseres Jahr werden wird.

Ich stelle den vollen Kasten in den Kofferraum und fahre weiter zum Bäcker. Im Nachbarort ist es keine abgedroschene Werbephrase; der dort ansässige Bäcker backt wirklich noch wie sein Grossvater schon. Das bonfortionösfamose Rosinenbrot ist leider schon ausverkauft. Also den Hefezopf, der ist ebenfalls einmalig und zwei Sünden wert. Vor dem Laden begegnen sich zwei Nachbarinnen.
„Ei! Unn seidEr gut ins neie Jahr kumme?“
„Och. – – – Unn bei Eisch?“
„Ei joh.“

Nachvollziehbare Strukturen geben Sicherheit und lassen keine Missverständnisse aufkommen. Weiter zum Landmetzger. Der hat geschlossen bis Mitte des Monats. Auch gut, das steigert meine Vorfreude. Zurück über die Dörfer zum Ärmelhaus. Am Ortsausgang wird per Grossanzeige zum Tannenbaumverbrennen eingeladen. Für Speisen und Getränke sei gesorgt. Der Wahnsinn hat weiterhin freien Auslauf. Hier wie im Folgenden.

Die CDU, so höre ich, will Campact den Gemeinnützigkeistsstaus aberkennen. Weil zu viele Menschen deren Aktionen gegen die irrsinnigen, sogenannten Freihandelsverträge unterstützen. Dem Parteieneinheitsbrei in Deutschland scheint es langsam mulmig zu werden. Immer mehr Menschen werden wach und kapieren, dass die von us-amerikanischer Seite stets weltweit betonte Freiheit immer nur die ganz eigene us-amerikanische Freiheit bedeutet. Da sind sie zuverlässig, die Möchtegernweltbeherrscher. Das wird so bleiben und wir müssen weiterhin wach bleiben.

Ändern wird sich jedoch einiges im Blog. Ich werde weniger aus und von anderen Ländern berichten. Dieses Jahr werde ich mich vorwiegend in Deutschland aufhalten. Ich hoffe dabei auf eine Intensivierung der Bloggerbegegnungen. Anfänge sind gemacht, die ersten Termine bereits vereinbart. Ein Bloggertreffen würde mir sehr gefallen.
Der Wind wird schärfer wehen, Blogger. Da ist es gut zu wissen, dass wir die Macht haben, ein Netz zu knüpfen. Man kann nie wissen, wie wir das vielleicht in nicht allzu ferner Zukunft brauchen werden.
Auch was die Fotografie betrifft wird sich einiges ändern. Davon demnächst mehr.

                                                               (Bei den Fotografien funktionierts wie gehabt – Foto anklicken und die Galerie öffnet sich)

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45 Gedanken zu „Veränderungen in Sachen alles bleibt beim Alten

  1. Lieber Herr Ärmel, es ist wohl in jedem ländlichen Gebiet das Gleiche, mir ist, als hätten sie von meiner heutigen Fahrt über die Dörfer gesprochen, nur der Metzger hat bei uns keinen Urlaub grad. Und was den Jesper Munk anbelangt, der sticht überall aus der Reihe und haut mich um, obwohl ich doch sonst diese wilden alten Männer so mag, hier hat ein sehr junger Wilder eine so alte Stimme, der kann was, der Bursche, da bin ich wie fast immer, Ihrer Meinung! Zu diesen Vernetzungsgedanken hätt ich schon Fragen, aber vielleicht werden die eh beantwortet, wenn jetzt noch mehrere Leute kommentieren. Und zu den Bloggertreffen: könntma das denn vielleicht mal in München… Und wissen Sie was, Herr Ärmel, diese Bilder da heute, die sind von so einer intimen Schönheit, die schon fast schmerzt im Herzen. Seien Sie inniglich gegrüßt von Ihrer alten Frau Graugans

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  2. Liebe Frau Graugans, lassen Sie sich von der intimen Schönheit der Fotografien nicht wegreissen. Die vierte ist ein etwa 0,5×1,0mm grosser Ausschnitt eines Hummelflügels *gg* – ja doch, in echt.
    Ihr begleitender Kommentar gefällt mir sehr gut, der Jesper Munk ist spitze und was ein Bloggertreffen im Bayernland betrifft, warten wirs ab…
    Abendschöne Grüsse aus dem schönen Bembelland, Ihr immerjunger Herr Ärmel

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  3. Ach, noch ein paar solcher Bilder und ich kauf mir eine sündteure Systemkamera mit Überdrübermakro !!! Sind die toll!! Und obendrein hat man auch noch einen Überraschungseffekt, weil das Aussehen der Welt im Kleinen nicht immer vorhersehbar ist …

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  4. Dieser junge Menschenmann ist ja eine Wucht! Ganz anders wie beispielsweise Bonamassa oder der alte Burdon. Danke für diese Entdeckung!
    Das vierte Foto ließ mich ein wenig schaudern beim ersten Anblick, erinnerte mich an mögliche Szenerie aus dem Pathologenarbeitsleben. Pflanzlich voll in Ordnung.
    Ein Bloggertreffen früher Jahre ließ mich leicht traumatisiert zurück, weil ich bei der nächtlichen Rückfahrt von DA nach Hause plötzlich den furchtbar gräßlichen Riesenkerl aus Wuppertal auf dem Rücksitz vermeinte. Das Auto roch nach ihm, neben dem ich beim Gruppenfoto leider stund….bäh. Mein Vernunftdenken schaltet sich mal kurz ein und sagt, so etwas muss sich durchaus nicht wiederholen. Hach.
    Gruß aus dem Vorfreudeland

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    • Der spielt schon wieder auf wegen seiner grossen Abwechslung macht das richtig Spass.
      Gibts eine Psychologen, die sich Bloggertreffentraumata spezialisiert.
      Sie, liebe Frau Wildgans, Sie auch mit Ihren Kommentar wieder. Sie ahnen garnicht, was Sie damit auszulösen imstande sind.
      Abendpsycholo.. ach was Abendschöne Grüsse aus dem psyc.. jesses aus dem prima Bembelland

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  5. Hochinteressantes Thema, die Hochzeitsmessen. Auch mir fiel heute ein Plakat auf, demnächst hier im Audizentrum! Eintritt frei!
    Da habe ich mal nachgeforscht. Interessanterweise machen diese Messen Pause von Anfang November bis Epiphanias, vermutlich weil sie so pietätvoll sind, um das Weihnachtsfest nicht zu stören.
    Jetzt aber wieder alle paar Tage an einem anderen Ort.
    Das Abgedrehteste sind die Hochzeitssänger, die kann man sich gleich in Kombination mit einem DJ mieten. Da mir der Sinn für Skurriles noch nicht ganz abhanden gekommen ist, überlege ich mir, ob ich nicht dieser Tage mal im Audizentrum vorbei schaue. Vielleicht nehme ich noch ein paar Alufelgen mit.
    Als ich da so so in mich dachte, fiel mir auf, dass für eine stilvolle Firmung noch gar nichts im Angebot ist. Oder Namenstage. Eine Servicewüste breitet sich da aus.
    Es gibt einfach noch zu wenige Events, die man aus einem simplen Ereignis herauskitzeln kann.
    Aber Hochzeitsmessen oder Weihnachtsbaumverbrennen (das ist besser noch als Knut von Ikea) zeigen uns den Weg auf, das Leben zu einer immer dichter werdenden Abfolge von hochkarätigen schweineorgeligen Events zu machen.

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    • Ihc habe sowas von schallend gelacht beim Lesen Deines Kommentars. Sofort gingen die Bilder los. Hochzeitstorte in Form und Aussehen einer Alufelge.
      Und in der Tat, man muss ihn festhalten, den Sinn für Skurriles, also wirklich Skurriles. Dann erträgt man den täglichen Wahnsinn erheblich besser …

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  6. Hach, ein Erfolgserlebnis 2016, den Herrn Ärmel zu lachen gebracht. Schallend noch und ohne Nebenwirkungen.
    In der Spur wird der erste gute Vorsatz aus der Taufe gehoben:
    10% mehr Leute zum Lachen bringen in diesem Jahr.
    Es ist ja nicht bewegend viel. Aber wenn dann die, die ich zum Lachen bringe wieder jemand zum Lachen bringen, dann wächst sich das schon aus.

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    • Moin moin, lieber Herr Autopict. Ich will Ihnen keinesfalls zu nahe treten, aber wenn Sie mir gestatten: Glauben Sie vor allem (an) sich selbst, dann beantworten sich viele Fragen des äusserlichen Glaubens von alleine. (Glauben Sie diese lebenserfahrenen Worte eines alten Mannes 😉 )
      Morgendlichschöne Grüsse aus dem glaubenskritischen Bembelland

      Ihnen natürlich auch einen vollwundervollen Sonntag

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  7. Der bestellte Expressschnellzeppelin mußte schnell zurück, ich habe Constanzen in Lipperlandien vergessen, so schnell sprang ich röckeraffend Ihrem Rufe hinterdrein, lieber Herr Ärmel. Und verplumpse natürlich gleich erstmal in bildlichterloher Schönheit ~~~~~~~~~~~~~~ …… ∞⇑⇓ Ã⇒⇑☼⇒∗∗∗∗∗∗ ~~~~~~ Huchhach…

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    • machen Sie doch schon – Sie sehen, mich ergreift eine gewisse Ungeduld. Versteht sich, dass Riechsalz bereitsteht und das feinseidene Plumpskisschen fein frischgelüftetaufgeschüttelt ist ~~~~~

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  8. Lieber Ärmel, hach, ist das schön wieder am Morgen durch Bloghausen zu schlendern und durch die eine und andere geöffnete Türe zu schauen. Ich bin dem Klang gefolgt und schwupps war ich schon bei Ihnen.
    Ja, wir müssen wach bleiben und uns weiterhin vernetzen und vielleicht sogar einmal sehen, wer weiss?! Und dann die Schönheit festhalten in Worten und Bildern, denn Schönheit braucht die Welt bei all dem Wahnwitz und den Furchtbarbildern …
    Eins muss ich noch loswerden, Sie haben mich durch Ihre Bilder ermuntert wieder einmal Makros zu machen, die weisse und die rote Amaryllis und das feine Licht im Hochtal luden dazu ein, wieso habe ich so lange gar keine Makros mehr gemacht, ach, ich weiss, es war der Weitblick, den ich nun zwei Jahre nährte, nun darf beides sein!
    Herzliche Grüsse und ich bin sehr gespannt auf Ihr Neu
    Ulli

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    • Werden Sie nur immer los, liebe Frau Ulli. Es ist mir das schönste Kompliment, wenn es mir gelingt, einen Menschen anzuregen, seine kreativen Energien, welche auch immer das sein mögen, sanft anzustossen aus ihrem Schlummer. Lichtbildnern Sie makrofotografisch und präsentieren Sie uns Ihre Fotografien auf Ihrem kunstreichen Blog. Ich freue mich schon jetzt darauf.
      Mittäglichschöne Grüsse aus dem Milchkaffeebembelland
      Herr Ärmel

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      • Das werde ich bestimmt einmal tun, aber ich will ja auch ein bisschen was an meinem Blogverhalten ändern: weniger ist mehr oder so … Sie wissen schon: die liebe Zeit!
        abendliche Grüsse
        Ulli

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  9. Nun erst die Gelegenheit Jesper Munk zu hören. ..überraschend überwältigend.

    Die feinen Netze spinne ich gerne mit, ob es dazu ein Treffen aller braucht…ich weiß nicht recht.

    Einen musikalisch genüßlichen Sonntagsgruß, Ihre Arabella

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    • Das freut mich natürlich, liebe Frau Arabella, dass Ihnen die Musik des jungen Mannes gefällt.
      Entscheidend ist das Netzeknüpfen, und vor allem, dass es wirklichen halt bietet wenns gebraucht wird. Das ist wichtiger als grosse Menschaufläufe.
      Apropos Auflauf – ich glaub´ ich hab´ Hunger 😉
      Nachmittäglichvordämmrigschöne Grüsse aus dem entenfütternden Bembelland, Ihr Herr Ärmel (Enten, die quaken bellen nicht. Oder so)

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  10. Ich mag ja das Zwiegespräch der Nachbarinnen, es erinnert mich an meine Kindheit etwas weiter nördlich. Ein unerwarteter Schaugenuss dagegen ist der Hummelflügel, den ich nie als solchen erkannt hätte … wie wunderbar.
    Werbung für die erste Hochzeitsmesse habe ich auch schon gehört, interessant, dass das flächendeckend zu sein scheint … *kopfschüttel*
    Herzliche Grüße aus dem frostigen Hamburg
    Christiane

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    • Liebe Frau Christiane, ich danke Ihnen für Ihren zustimmenden Kommentar. Der freut mich.
      Ich will an dieser Stelle nicht versäumen, Ihnen ein wundervolles Jahr zu wünschen. Dazu braucht es dann wahrlich keine Hochzeitsmessen 😉
      Abendschöne Grüsse aus dem munteren Bembelland
      Herr Ärmel

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  11. Sollte ich meinen momentanen Roxymusikalischen Taumel für den Blues eines (für den Blues) augenscheinlich viel zu jungen Mannes unterbrechen? Hm. Später vielleicht.
    Fürs neue Jahr wünsche ich Dir eine niemals versiegende Ebbelwoiquelle (falls Du unter immerwährendem Durst leiden solltest) und viele schöne Motive, damit wir weiter was zum guggen haben hier. Das Übliche (Glück, Gesundheit etc pp) versteht sich von selber.

    (Die Hummel hätte sich für das Fotoshooting durchaus mal rasieren können vorher. Unmöglich so etwas.)

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    • Ein wahrlich göttlicher Wunsch – ich danke dir dafür.
      Hör dir den und sein Spiel bald mal an, ich kann mir vorstellen, dass du den gute hören kannst.

      Tja, meines Wissens gibts es noch keine Unterflügelrasierer für Insekten. Ne echte Marktlücke… *ggg*

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  12. Apropos Hochzeitsmesse, ich bin ja für schräge Veranstaltungen durchaus zu haben, aber eine Hochzeitsmesse erscheint mir weder aus fotografischer noch aus humoristischer Sichtweise erfolgversprechend. Esoterikermessen hingegen sind sehr lustig, für so viel Bekloppte auf einem Haufen müsste man sonst in die Anstalt.

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    • Ach, in der Anstalt sind weniger Bekloppte, als man so denkt. Da werden oft die Falschen behandelt.
      Eine Esoterikmesse muss echt der Hammer sein. Sehr kontrastarme Bilder, bissi nachsättigen und alles 10 cm über dem Fussboden. 🙂
      Denn das dürfte es gar net geben, da muss man nur nur überlegen, was Esoterik vom Wort her bedeutet.
      Das wäre ja wie Tanzveranstaltungen im Vatikan.

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  13. Sollichoochnochirjendwatt üba Verkupplungsmessen schreim? Det politische schreibste umsonst. Hauptsache blüms-chen drunta: Sometimes flowers ain’t enough.(Ian Hunter)

    Erst attac dann campact dann … äh … schon Patteinvabote … oda erstma Bloggakopfjeld auslohm?

    (Wie ging der Spruch?) „Als sie attac niederrangen, war mir das egal. Ich war nicht attac. Als sie campact domestizierten, war mir das egal. Ich war nicht campact. Als sie (usw.) —- war niemand mehr da, der hätte protestieren können.“ Isnichvonmia. Habs nua aktualisiat.

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  14. Man kann den USA so einiges vorwerfen, ob im eigenen Land oder in der Welt, aber die machen kein Gewese um ihr Ziele. Die sagen ganz klar, dass sie sich nur für die USA interessieren und dann kommt lange nix. Die Augenwischerei wird ja durch unsere Regierung betrieben, weil die USA angeblich so ein wichtiger Partner wären. Ich bin fest überzeugt, dass die USA Europa nötiger hat, aber gerne gespalten und besser zu kontrollieren. Danke Herr Ärmel.

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