Hellblau – dunkelblau. Ist das alles?

Ursprünglich wollte ich mir heute Abend eine Münchner Band anhören: Yggdrasil mit der gleichmaigen Scheibe von 1972. Nicht mehr zu finden. Der Nachbar winkt nur müde ab. Das kommt sehr selten vor. Also höre ich das Umfeld von Jefferson Airplane ab und mache dabei den Archivdarwin – was nicht mehr durch die Ohren ins Herz geht, muss weichen. So will es die Auslese. Zur Zeit läuft: Grootna – Grootna (1972). Die Scheibe darf noch bleiben…

Hier wird nicht blau gemacht. Ich bin schliesslich kein Gerber. Über die Herkunft des Blaumachens gibt es verschiedene Deutungen. Mir ist die hinsichtlich der Gerber am nächsten. Die haben mit ihrer Färbearbeit das Wasser der mittelalterlichen Städte dermassen verschmutzt, dass den anderen Bürgern ein Tag in der Woche zum Schöpfen sauberen Wassers zugestanden worden ist. Ob das nun in jedem Fall ein Montag gewesen ist, darüber geben die Quellen keine klare Auskunft.

Kobaltblau, Ultramarin hell, Delfter Blau, Phtaloblau, Smalteblau, Bayrischblau, Bergblau, Orientblau, Ultramarin dunkel, Azurblau, Pfauenblau, Blaugrün, Kornblumenblau, Byzanthinischblau,  Indanthrenblau, Taubenblau, Aztekenblau, Preussischblau, Lichtblau, Blauviolett, Mauve, Arubablau, Indigo dunkel, Helioblau rötlich, Eiswasserblau, Kobaltblau grünlich, Phtaloblau hell, Saphirblau, Türkis bläulich, Enzianblau, Chinesischblau, Diamantblau, Heliotürkis, Berliner Blau, Nachtblau, Eisenblau, Kobalttürkis, Hyazinthblau, Türkis, Ägytischblau, Färberwaidblau  … ?  – – Gauloisesblau gibts ja auch noch! (ob Boyardsblau auch zählt, oder Gitanesblau?)
Mehr fällt mir momentan nicht ein. Zugegeben, ich habe meinen Farbkasten zu Hilfe genommen für die obige Liste.

Ich habe den fachmännischen Rat ernst genommen; dass mir nur wenige Tage noch bleiben würden, dann würde sich die Farbe verabschieden auf lange Zeit. Aus diesem Grund präsentiere ich heute noch einige Fotografien.

                                                                                                         (Für die blauen Wunder: Foto anklicken)

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43 Gedanken zu „Hellblau – dunkelblau. Ist das alles?

  1. Die Geschichte ist auch eine interessante Variante. Ich kenne es nur als langwirige Blaufärberei, bei der die Gerber eine lange Pause hatten und deshalb der Begriff „Blaumachen“ entstand, der aber mit einem speziellen Wochentag nichts zu tun hatte 😉

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    • Wie gesagt, die Historiker sind – wie so oft – uneins in ihrer Bewertung.
      Was die Gerber und meine Meinung betrifft, so waren die Trocknungszeiten ziemlich kurz, wenige Stunden sind bekannt. Also keinesfalls einen ganzen Tag.
      Was den Montag als tag betrifft, muss man bedenken, dass bis vor wenigen Jahrzehnten noch der Samstag ein voeller Arbeitstag gewesen ist. Das Vergnügen im Wirtshaus und auf dem Tanzboden fand demzufolge sonntags nachmittags statt und konnte sich ziehen. Da brauchte sicherlich mancher Zeitgenosse den Montag zur Kur der Wirbelsäulenkrone 😉
      Aber wie bereits geschrieben, der genaue Ursprung ist bisher noch spekulativ.
      Abendschöne Grüsse aus dem keineswegs durchgebläuten Bembelland

      PS: ich werde mir erlauben, Sie wegen dieses Themas klanglich zu kontaktieren…

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  2. Nein, das ist nicht alles. Es sind die Nuancen, die Zwischentöne, die mal in die eine und in die andere Richtung kippen. Wie die Musik, sie passt mal und sie passt mal nicht, dieselben Takte können auch kippen. Aber man weiß, dass sie dennoch das Herz erreichen (schön geschrieben btw), auch wenn sie mal nicht direkt ankommen.
    Aber das haben Sie ja bewiesen.
    Sehr schön!

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  3. Über die vielen Blautöne wird sich eine Dame gewiss freuen (ich schenke Ihnen ein /p/ für das, was nach dem Türkis kommt 😉 ).
    Wieder wunderschöne Blauschwünge und Lichttunnel die auch rücklings zu betören wissen.

    Nochmals sehr angetan grüßt
    Silbia

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  4. Topasblau, Französischblau, Stahlblau, Toluidinblau, Marineblau, Vergissmeinnichtblau … ? vergessen? ein /p/? Oh, in der Tat. Das nehme ich gerne entgegen. Schönen Dank dafür! 😉
    Lavendelblau, Karibikblau, Cyan, Eisvogelblau, Lüscher-Blau ~~~~~~~~~~~~~~~~~

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  5. Wie groß muss nur Herrn Ärmels Farbkasten sein, wenn es schon diese Menge an Blautönen gibt? Beeindruckend. Genau wie diese wunderbaren Fotos!
    Eine Gute Nacht wünscht
    Frau Antje
    P.S.: Verkehrsblau gibt’s tatsächlich auch noch.

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  6. Ich stelle mir die Bilder mal auf 8×8 Meter Leinwand vor. Würde diese Halle, wo sie hingen dann „Tore zu Blauen Welten“ nennen und mich davor auf ein Canapé legen. So könnte ich dann den ganzen Tag und die ganze Nacht davon träumen, was passierte, wenn ich da hindurch ginge durch die Schichten…. Die Idee ist ausgesprochen reizvoll. (Ein Schelm, wer Böses dabei denkt. ;))

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    • Ein quadratisches Format? Eine famose Idee.
      Ihre Idee mit dem Betreten oder Durchschreiten von Räumen brachte wiederum mich auf eine Idee. Ich vermute stark, es wird eine weitere Präsentation in Blau geben…

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  7. Und wenn man sie mit Tinte königsblau gießt, Ihre Modelle?
    Ich hab`s mehr mit Rot.
    Bei blau kräuseln mir zu schnell verfrorene Schauer über die dem ausgesetzten Häute und Härchen. Es schüttelt mich.
    Wenn ich meinen Jetzt-aber-mal-Kunstmodus einschalte, gäbe es viel zu sagen. Ach ja, ein blaues Blumentuch mit tausend Schattierungen nenne ich mein eigen und das Reclam-Bändchen „Blaue Gedichte“ – das wohl bekannteste ist „Mein blaues Klavier“ von der Else Lasker-Schüler.
    Ihre Fotos wieder einmal sehr kühlschön!
    Gruß mit bisschen blauem Himmel

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    • Rote Hitze und blaue Kälte, so erleben wir Menschen das angeblich. Rot verstärkt den Schmerz, blau zieht ihn raus. Hat mir ein alter, weiser Mensch mal gesagt. Vor Zeiten als Ärmeljüngling aquarellierte ich zur Freude und zur Mädchenbeeindruckung. Jahre später, anlässlich jenes weisen Spruchs, sah ich mir die alten Aquarelle mal wieder an und stellte fest, dass etwa 80% der bemalten Flächen blau waren.

      Ich habe, ergänzend bemerkt, ein überaus interessantes Buch zum Blau, das werde ich hier mal vorstellen…
      Nachmittäglichschöne Grüsse aus dem graublauhimmlischen Bembelland,

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  8. Photographien? Sind das wirklich Photographien? Nein, das sind Puppilenpraliné, die sich dioptrenisch einschmeicheln und unterlidig Weichhaut verursachen. Der Wimpernvorhang senkt sich bebend, die Synapsen applaudieren stehend bei jedem neuen Akt. Und was für Bilder Sie da präsentieren:

    Den Schimmer des Eisvogels, kurz bevor er in kaltschaumendes Wasser eintaucht. Das Zappelschuppgeflimmer des Fischchens in seinem Schnabel. Das Himmelsgewölbe, welches sich überbäumt und den Blick zu der Wegwarte lenkt. Die im Verdunkeln der Dämmerung ihr Leuchten vertieft, bis sie mit der Sommernachtfarbe verschmilzt. Das Denken an die Wintereisigkeit, wo in Kaltglanzhöhlen die eine Farbe so sehr sich reflektiert, das man für immer bleiben möchte. Die doch dann schmelzend im uralten Zeitengelauf wieder zerrinnt zu Ewigleuchtwasser…

    Die Blaue Blume. Mich deucht, Sie haben sie gefunden. Danke für dieses hohe Geschenk. Und wiedermal die Erkenntnis: Man muß nur hinsehen, gerade bei Kleinstschönheiten.

    Von Herzen, die Ihre, augenwassernd zugeneigt.

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    • Sie vermögen es, meine höchstwertgeschätzte Frau Knobloch, mich auch ganz ohne Feinstdreherchen fast sprachlos zu machen. (Ähh, weilt Constanzen just bei Ihnen?). Ihr Kompliment reizt mich zur geziemenden Verboygung bei gleichzeitiger Herzzuneigung. Aber zum Glück ist ein wildseidenes Plumpskissen stets in greifbarer Nähe.
      Indem ich Ihnen mein Mouchoir reiche, grüsse ich herzlich dankend, Ihr Herr Ärmel (aus dem nachtschwarzen Bembelland)

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      • Was für ein reizender Dank, lieber Herr Ärmel! Mmmmh, so wohlbeduftet ~~~~~~~~~~~ Es soll mein linkes Handgelenk umschlingen, das vernarbte.
        Fast traue ich mich nicht, bei Ihnen virtuell weiterzublättern, Constanzen muß mir erst einen Lindenblütentee aufgießen, dann kann ich es vielleicht wagen. Bis dahin (Wenn es krachplumpst, habe ich den hiesigen Kissenberg dennoch verfehlt), zugetan die Ihre, handgelenkumschmeichelt.

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        • Ein vernarbtes Handgelenk – Oh weh und ach! Ich hoffe, Constanzen wartet Ihnen wohlgefällig auf.
          Derweil zieht hier ein Tee mit blauen Blüten.
          Ganze Kissenberge? Ich erstaune über die Maassen ~~~~
          Herzlichst, Ihr Herr Ärmel (und dermassen zugeneigt)

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          • Weh und Ach ist blasshautige Linienerinnerung, aber es wird aus Dankbarkeit besonders betüdelt, mein Wichtigstraußhaltegelenk. Der beste Platz für Ihren tuchigen Dank, mein Verärmeltster.

            Mit Rieslingschörlchen perlglast sich der Feierabend ein, was für ein Bonfortionöstag!
            Ihnen wünsche ich einen gleichfalls perlenden Samstagabend, immer die Ihre, nun nochmals Blauigkeit guggend und darum Kissenberge aufschüttelnd. Ach, natürlich auch schier nasendöppelig zugeneigt.

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            • Der gestrige Abend war eine Gefühlsachterbahn angesichts einiger Dokumentarfilme zur deutschen Geschichte. Aber – und genau in diesem Sinne – er war grandios. Insofern ist Ihr Gutwunsch angekommen, auch wenn hier bloss dunkles Bockbier perlte.
              Ich wünsche Ihnen einen famosen Sonntag, meine liebe Frau Knobloch.
              Ihr Herr Ärmel (…)

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    • Ihre Sicherheit ist mir wohleres Sinnen als jedwedes Mammonlob, mein Lieber. (Unter uns könnte ich Ihnen jetzt was von Sesselpupern und tausend verschiedenen Meinungen berichten, aber ich weiß ja, daß Sie wissen…)
      Wünschen wir Hyacint eine gute Heimreise in dunkelreife Erdung, sie hat mehr als nur einmalige Augenfreude verursacht und Ruhe verdient.
      Immer die Ihre, erbssüppchenschielend nun. Aber auch schielend zugeneigt.

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      • Ich kann das Kommentarstudio meines Blogs betreten wann ich will (das sowieso), aber jedes Mal (fast jedenfalls) finde ich einen Ihrer Allerherzlichlieblichkommentare vor. Meine höchstwertgeschätzte Frau Knobloch, satt wie ich jetzt vom Resteessen bin, verneige ich mich so tief wie es eben überundauslaufsicher gerade noch gehen will und geziemend zugeneigt dazu, Ihr Herr Ärmel ~~~~~

        Hyacinthe wird in der kommenden Woche endgültig abreisen,

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        • Mein Lieber, ich werde nicht müde werden, Sie allerherzlichlieblichzubeworten. Sie kennen ja den Wohlspruch vom zurückrufendem Schalle ~~~~~
          Grausanftgemüthlichgrüße aus dem entspannten Lipperlandien, stets die Ihre, ebenso geziemend zugeneigt.

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