Grosser Belichter und kleine Ablichter

Ich bin nicht sicher, ob man mehr Stile origineller und hörbarer miteinander verbinden kann. Aus Ecuador: Ebano – Piscina con mulata (2002)…

Termine in der Bembelstadt. Zuerst zu dem, der mich am meisten reizt. Ich bin natürlich viel zu früh. Vielleicht möchten Sie noch etwas essen gehen. Was hätte die zuvorkommende Modellfigur an der Glastür auch anderes sagen sollen? Also aus der Innenstadt in Richtung Bockenheim zum Drucker. Besprechung des Drucks einer neuen Serie von Fotografien.
Als ich den U-Bahnschacht verlasse, regnet es unablässig. Auf der Leipziger ist ungewohnt wenig los. Beim Drucker sind die Fragen rasch geklärt. Bei diesem Wetter ist hier keine Frau in Lila unterwegs. Dann eben zum Stammmetzger für ein Fleischkäsebrötchen. Die köstliche Pâté de campagne wird leider erst in einigen Tagen wieder frisch verkauft werden.
Also gegenüber zum Käsehändler. Hier gibts alten Mimolette und der Tomme de Savoie lacht mich geradezu an. Draussen regnet es unvermindert. Eine Frau mit einem Afghanen an der Leine kommt mir entgegen. Nur für einen Moment verblüfft mich der ungemein ähnliche Gesichstausdruck zwischen dem Frauchen und ihrem Hund. Dann schiesst mir die Frage in den Kopf, wie lange es noch dauern mag, bis diese edle Hunderrasse aus Gründen politischer Korrektheit umbenannt werden muss. Im U-Bahnschacht dröhnt ein südosteuropäisches Akkordeon.

An der Hauptwache steht ein Aufgebot der Polizei wie ich es schon länger nicht gesehen habe. Rundum ist nichts zu sehen, alles ist ruhig. Auch auf der Zeil ist wenig los. Die Armut liegt derweil in Schlafsäcken und Plastikplanen verpackt in den Portalen der Konsumtempel. In den teuren Geschäften rund um den Römer ist China unterwegs. Im Treppenhaus des Frankfurter Fotografie Forums hat sich inzwischen eine Schlange gebildet.

Ich habe eine Einladung vom Veranstalter erhalten. Als persönliches Präsent erhalten Sie auch eine Fotografie des Fotografen. Mehr interessiert mich allerdings der Fotograf selbst. Als die Tür geöffnet wird, strömt das Publikum zur Präsentation des neuen Kameramodells. Ich entdecke den Fotografen, der etwas abseits in einem Sessel sitzt. Tourneen sind anstrengend. Für mich zählt er zu den besten Aktfotografen, die ich kenne. Ich spreche ihn an. Wir unterhalten uns kurz miteinander. Den frühen Band mit seinen Aktfotografien habe ich (rein zufällig) dabei. Signieren, aber gerne, wenn Sie einen Stift zur Hand haben, meiner ist abgebrochen. Habe ich. Viel bedeutender aber sind mir einige Sätze zum Thema Fotografie, die er ruhig und überaus liebenswürdig sagt. Diese werden mir dankbar in Erinnerung bleiben.

Andere Besucher sprechen ihn an. Einer der Sponsoren reicht ihm ein Mikrofon. Er geht von Bild zu Bild, die Besucher folgen, und er gibt Erklärungen zu den einzelnen Fotografien. Vier Wochen war der Mann mit der neuen Kamera des Herstellers unterwegs. Wien, Paris, Atlantikküste. Und nun die Tournee durch einige europäische Grossstädte.
The (sales)show must go on..

                                                         (Foto anlicken und die Galerie betreten. Die Fotos wurden mit einer kleinen Taschenkamera aufgenommen)

29 Gedanken zu „Grosser Belichter und kleine Ablichter

    • Die alten Meister waren noch viel abhängiger.Das Patronagesystem, nach dem Künstler ihre Aufträge erhielten und ausführen mussten, hielt bis ins 19. Jahrhundert.
      Erst danach wurden sie (wirtschaftlich) freie Künstler und konnten freier arbeiten.
      Der Bitesnich könnte nein zu solchen Anfragen sagen – warum macht er mit? Seine alltägliche Arbeit macht er nämlich mit ganz anderen Ausrüstungen.

      Gefällt mir

        • Den selbstständigen Künstler wie wir ihn heute kennen, gibt es erst seit dem 19. Jahrhundert.
          Davor waren Künstler von den Aufträgen abhängig, die ihnen von Adel und Klerus zugeteilt worden sind. Ausnahmen waren reiche Bürgerfamilien, die sich den Erwerb von Kunstwerken leisten konnten. Erst in der bürgerlichen Gesellschaft wurde dieses alte System abgelöst.

          Wenn heute berühmte Künstler neben ihrem Kunstschaffen auch noch Reklame, für wen oder was auch immer machen, dann obliegt das ihrer freien Entscheidung. Niemand zwingt sie dazu.
          Die Gründe mögen unterschiedlich sein, aber sie laufen am Ende auf den Gelderwerb hinaus.

          Entwirrt nun?

          Gefällt 1 Person

  1. Die Frau in Lila positioniert sich irgendwann stand- und dauerhaft vor dem Bücherschrank und wartet…. Zur Not auch im Regen…. Wenn Sie das nächste Mal zu Besuche sind, seien Sie mal neugierig und gehen zu dem neuen persischen Lädchen, eher auf der unteren Leipziger – vom Bücherschrank rechter Hand Richtung Bockenheimer Warte … Betrieben von 2 Schwestern, authentischer geht es kaum noch… 🙂

    Die Bilder von Ihnen mag ich ja sowieso, wer braucht einen Monet an der Wand, wenn er einen Ärmel haben kann ? Die Tiefe der Bilder und das Farbspiel selbst in „Grau“ finde ich klasse.

    Genauso wie bei dem gefeierten Fotografen – ich finde der spielt ein sehr gutes Spiel mit meinen Augen und macht mich neugierig auf seine „Objekte“ … so soll es sein… finde ich 😉

    Gefällt 1 Person

    • Ach Frau Lila, und ich wenn denn wider Erwarten wieder mal die Leipziger ohne Lilaglanz erblicken müsste, haben Sie mir einen Primatrost hinterlassen. Die beiden persischen Schwestern können sie zwar nicht ersetzen, aber vielleicht mir eine tröstende Leckerei zubereiten.

      Sollte ich Ihnen jetzt eine Lilafotografie zubereiten?
      Abendschöne Grüsse aus dem vielfarbigen Bembelland

      Gefällt mir

  2. Ihre feinste Musikempfehlung, beim Betrachten der wunderbaren Aufnahmen des Herrn Bitesnich, lassen mich abtauchen.
    Auch tolle Protraits – Jane Goodall … .-)
    So gibt es noch viel feinstes Pupillenfutter dort, was ich mir bestimmt gönnen werde – danke!

    Beste Grüße aus der Silbenkemenate,
    bei strömendem Regen,
    Silbia

    Gefällt mir

  3. Lieber Herr Ärmel, die Tube gibt nur wenig her von Ebano, aber diese Appetithäppchen machen Lauschläppchenlust. Dafür schonmal herzlichsten Dank. Apropos Lust, ich werde mir jetzt mal den Herrn Bitesnich einpupillieren, Akt können meines laienhaften Erachtens nach nur sehr wenige…

    Feinstabendgrüße sendet Ihre Frau Knobloch, aktuell berichterfreut zugeneigt aber nicht n-akt, sondern behauskleidet.

    Gefällt mir

    • Ebano ist ziemlich unbekannt, meine Meistverehrteste, wenn Ihnen der Sinn nach noch grösseren Seltenheiten aus jener Weltgegend stehen sollte… wie wärs mit etwas Blues von den Galapagosinseln?
      (Ich bereite schon mal das Geraffel)
      Pupillieren Sie nur fleissig
      (eine Makrolinse noch)
      Behauskleidet kniefrei? Ja, das sieht gut aus. Nein, dort noch etwas höher. Vielleicht drehen Sie sich bitte etwas nach links… guuut
      Klick!
      Im Kasten, Ihr Herr Ärmel, zugeneigt und für die Positur gratulierend (nein, nicht ich, ich bin derzeit noch im Bembelland)

      Gefällt mir

      • Blues von den Galapagosinseln? Sie sind wahrlich ein Neugiersschräubchendrehmeister, mein lieber Herr Ärmel. Wie bitte? Stillhalten bei derley Sinnenanstupserey? Lufthol ~~~~~~~~
        Spitzensaum noch etwas höher? Jepp. Linksseitig eindrehend? Klaro.

        Bei der passenden Musik könnte ich Ihnen auch tanzwirbelnde Rockschwingigkeit antragen, mein Lieber. Nur mit der Kunstkörperförmlichkeit mancher der gesehen Akte nicht. Obwohl die Floravelowaden… ich halte ja schon still!

        Justamente sprang ich doch gleich wieder auf, kastwärtsstrebend, der sich als leer erwies. Im Gegensatz zu meinem Herzen.
        Feierabendvorfreudig, stets die Ihre und natürlich haltunghaltend zugeneigt.

        Gefällt mir

  4. Ah, die OlyConnection. Tststs. Aber schöne Foddos. Sie als Autogrammjäger. Klasse. Ich hab eins von Ulf Merbold. Das ist aber schon lange her und mitfliegen durfte ich trotzdem nicht. Vielleicht auch gut so…
    Schönwindige Grüße aus dem Waschmaschienen-piepsenden Schwabenland.

    Gefällt mir

  5. Ein Projekt könnte sein: Das Gefolge von Herrn Ärmel. Schöne Aktfotografien in stimmigem Ambiente. Zur gefälligen Betrachtung in geselliger Runde. Ein Extratexter wird einen Beitrag schreiben über die wundersame Entstehung des Bildbandes, der wüsten Gelage mit herrlichen Speisen, dem Drapieren samtiger oder kratziger Decken und Stoffe – Versinnlichung des Lebens. Unendlich kostbar!

    Gefällt mir

  6. Wunderbarer Hinweis auf Herrn Beißtnicht, vielen Dank, auch für den Spaziergang durch die Stadt. Was die Aktfotos der Ärmelmusen angeht, wäre ich gerne die blaue Hyazinthe, ob ich dafür einen Rock anhaben sollte, kann ich mir ja noch ausdenken. Ich finde, sie sah ohne aus wie ein Hamilton Modell, ganz zärtliche Cousine, pastellumschleiert. Das sollte gehen.

    Gefällt 1 Person

Kommentare, Gedanken + Hinweise bitte hier abgeben

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.