Bündelschnürvorbereitungen

Kaum ist das Wild erlegt, wird es ausgeweidet. Die Musik ist kurzweilig, dennoch wird das Werk einige Zeit in Anspruch nehmen: David Bowie – FiftyTwoYears. The Complete Singles (12CDs – 2016)…

Neugier und Interesse waren schon lange vorhanden. Allein durch meine Herkunft und Erziehung waren Wände von Vorurteilen zu beseitigen, die durch Medienarbeit und, zugegeben, eigene Erfahrungen gut verfugt waren.
Jetzt endlich der Entschluss und die Reisevorbereitungen. Zur Einstimmung etliche Dokumentarfilme. Einzigartig schöne Landschaften und einseitig dargestellte Kriegsgreuel. Dann die Auslegung des historischen Teppichs. Mit der Literatur zum Thema ist das so eine Sache. Seriöse Fachliteratur ging mir entschieden zu weit für den kurzen Aufenthalt.
Der üppige Rest der Publikationen ist reichlich prätentiös in jeder Hinsicht. Das meiste müffelt nach romantisierender Geschichtsklitterung. Also den direkten Weg nehmen zu einen kompetenten Gesprächspartner. Ein persönliches Gespräch kam dankenswerterweise zustande. Es öffnete mir die Augen in mancherlei Hinsicht. Zum Beispiel das grammatische Wunder, dass die Bevölkerung eines Landes grundsätzlich nur im Singular ausgesprochen wird: Der Russe. Ansonsten aber reich an verwertbaren Informationen. Inzwischen habe ich unterscheiden gelernt, denn mir stehen seit kurzem auch persönliche Aufzeichnungen zur Verfügung, Quellenmaterial aus erster Hand.
Heisse Planungsphase, Feinabstimmung der Reiseroute, wie immer mit grosser Hintertür versteht sich. Stets offen sein für unerwartete Entdeckungen und Erlebnisse unterscheidet den Reisenden vom Touristen. Dabei die bittere Erkenntnis, dass die Reisezeit viel zu kurz sein wird.
Normalerweise reise ich mit Meyers Reisebüchern aus den 1920er und -30er Jahren. Die angepriesenen Insidertipps neuerer Reiseführer sind meist schon bei der Drucklegung hinfällig geworden. Insider sind allenfalls die Einheimischen. Zu denen muss man gehen. Und das ist mein Bestreben auf jeder Reise. Und dafür findet man noch erstaunlich gute Hinweise gerade in den qualitativ hochwertigen alten Reiseführern. Man sieht daran, wie sich Schwerpunkte verändert haben.
Doch diesmal ist ein Besuch in der lokalen Bücherei unumgänglich für aktuelleres Material. Denn Namen, Strassen und Grenzen sind verändert worden durch das barbarische Wüten und Morden der braunen Unmenschen in Uniform. Gegen das Gejammer der Ewiggestrigen bin ich geimpft, mich bewegt ohnehin die Gegenwart, die heutigen Bewohner, die selbst als Vertriebene zwangsangesiedelt worden sind. Und nicht zuletzt die grossartige Schönheit der Landschaft. Darüber wird zu berichten sein.

Zur Einstimmung auf die zu erwartenden fantastischen Wasserlandschaften in der Ferne wurde in dieser Woche erst einmal die Saison am Rhein eröffnet. Wohl bekomms!

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33 Gedanken zu „Bündelschnürvorbereitungen

  1. Ich könnte sie mir sehr in der Mongolei vorstellen / doch wahrscheinlich irre ich / da ich im Gegensatz zu ihnen so gar keine ReiseHerzleidenschaft bis heute entwickelte / wohin es sie immer führen mag / ich bin überzeugt ihre Achtung und ihr Geist wird sie stets zu Menschen führen die dies in ebensolcher weise spiegeln.
    Ihnen einen feinjustierten Abend. Farbige Grüße aus der Dachkammer. L.

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    • In der Mongolei? So so, ich habe nach Ihrem freundlichen Kommentar sofort in den Spiegel geschaut. Nein, so weit ostwärts wird die Reise nicht führen, denn dort sind grosse offene Wasserflächen kaum findbar.
      Der Abend war in der Tat gut. Ich wünsche Ihnen einen freudvollen Tag, Herr Ärmel

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  2. Oh, am großen Fluß eine „Lyoner“ auf dem Teller und die Flüssigkeit erinnert mich verdächtig an das, was in unserem längst leergetrunkenen Ballon mal drin war! Lieber Herr Ärmel, ich wünsch Ihnen eine wunderbare Reise und freue mich sehr auf Ihre Impressionen, die sie mitbringen werden und hoffentlich hier vertexten! Ja, und dieser weitverbreitete Singular ist schlichtweg eine Sauerei, bei uns heißt es auch ständig: „Der Jud“, „der Pollack“, „der Asylant“ und „der Flüchtling“…bezeichnenderweise auch immer nur im Maskulinum, selbstredend. Möge es Ihnen gut ergehen und Sie wieder wohlbehalten heimkommen! Viele liebe Grüße von der Graugans

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    • Nach der Mongolei des Herrn L. also die Lyoner der Frau Graugans. Interessant.
      Diese handfeste Köstlichkeit nennt man im Bembellande schlicht Fleischwurst, also die in einen Darm gepressten, zuvor zusammengekehrten Reste aus dem Schlachthaus 😉
      Für die Reisewünsche danke ich Ihnen, aber bevor es losgehen wird, steht erst noch ein lange ersehnter Städtebesuch an.
      Herzliche Grüsse aus vollsonnigen Bembelland, Herr Ärmel

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  3. Picknick ohne Pappmüll ist großartig, wie immer wissen Sie zu leben, verehrter Herr Ärmel.
    Die Herkunft von “ der Russe “ hätte ich zu gern erklärt.
    Mein Großvater hat mit den Russen in den 50er Jahren zu gern Tauschgeschäfte gemacht.
    Benzin gegen Tomaten und so.
    Einmal hat er seinen Geburtstag mit seinen Russen gefeiert, die er oft arme Hunde nannte.
    Völlig blau ( was sonst nie seine Art war ) hat er meiner Großmutter den kalten, vorbereiteten Gulasch aufgefuttert und ist in sein Bett gefallen.
    Das entgeisterete Gesicht meiner Großmutter sehe ich heute noch vor mir.

    Viel Freude beim Reisen wünsche ich, Ihre Arabella

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    • Auch auf die mir persönlich bekannten Menschen russischer Nationalität passt dieser grammatische Fehlgriff keinesfalls.
      Im Gegenteil. Aber so weit wird die Reise nicht führen. Für den Freudewunsch danke ich Ihnen, Ihr Herr Ärmel

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  4. Ich habe nach Ihren vorbereitenden Worten so eine Ahnung, wo es hingehen könnte, und bin/wäre aus persönlichen Gründen schon interessiert. Wie dem auch immer sei, ich freue mich auf Ihre Eindrücke bildlicher und textlicher Natur und wünsche eine in jeder Hinsicht gelingende Reise.
    Herzliche Grüße
    Christiane

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    • Wenn das Herz voll ist, tippen die Finger schneller – oder so ähnlich.
      Ich werde sicherlich einiges schreiben und auch Fotografien präsentieren. Das wird aber noch dauern.
      Für Ihre Ahnung drücke ich Ihnen hiermit die Daumen 😉
      Schöne Bembellandgrüsse, Herr Ärmel

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  5. Kennen Sie, oder auch ein Besucher dieser Seite, zufällig eine „Hundewiese“ in Kelsterbach.? Ich bin auf der Suche nach einem Ort in Kelsterbach, an dem morgen ein Hundeherrchen und sein Hund, die dann gerade einen Interkontinentalflug hinter sich haben, bei einem Zwischenstopp einen ausgedehnten Spaziergang machen können, bei dem sie noch andere Hunde treffen könnten?
    Da ich sonst in Rheinmainien niemand kenne, versuche ich es, Ihr freundliches Einverständnis voraussetzend, einmal so.
    Danke!

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  6. Und schon rätsel ich weiter, wie wäre es mit der masurischen Seenplatte, jaja, ich weiss, die ist in Polen und Sie legen ja die Spur nach Russland, viel offenes Wasser, herrjeh, Sie machen es spannend. ich warte jetzt ab, freue mich auf Bilder und Texte, zuerst aus einer grossen Stadt und dann aber …
    gutes Reisen, viele Einheimischen, die Sie „ans Händchen“ nehmen, ach und überhaupt, Glück und Segen auf ihre Wege, die streue ich heute und grüsse herzlich vom unsäglichen Nebelberg – Frühling? der war vorgestern …
    herzlichst Ulli

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    • Die Stadt vorerst ist garnicht so gross. Ich bin selbst schon gespannt. Hach, Reiseungeduld. Mein wirkungsvollstes Gegenmittel ist der Gedanke ans Kofferpacken. Da komme ich ganz schnell wieder runter 😉
      Ich danke Ihnen, liebe Frau Ulli, für Ihre freundlichen Worte und die guten Wünsche.
      Frühling? der ist heute wieder hier ~~~ Hach ~~~~~
      Herzliche Grüsse aus dem Bembelland,
      Herr Ärmel

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  7. Na, da bin ich aber wieder mal sehr gespannte auf die Reiseberiche … klingt ja so, dass es da mit einem Bericht nicht getan wäre …. und wenn ich dann von der „grossartige Schönheit der Landschaft“ lese, wird meine Vorfreude gleich nochmals größer.

    Vielleicht gelingt es mir ja auch mal, mir einen Ruck zu geben, und meinen blog um „Reiseeindrücke“ zu erweiteren … Wie Sie ja wissen, bin ich demnächst (genauer gesagt: ab dem 1. Mai) für 14 Tage in Andalusien, auch dort werden sich bleibende Eindrück ergeben (vermute ich einfach mal aufgrund meiner bisherigen Reisevorbereitung mit dem Baedeker)

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    • Ich danke Ihnen für Ihren vorfreudigen Kommentar. Ich will sehen, was ich machen kann.
      Ich habe derzeit mindestens acht bis zehn Beiträge auf der Pfanne und bringe nicht einen zusammen.
      Heute beispielsweise entdeckte ich auf der anderen Seite des grossen Stroms sehr beeindruckende Orte. Jede Menge neue Fotos – z.Zt. liegen etwa 1.200 noch unentwickelt im Archiv – und neue Gedanken und Geschichten.
      Vielleicht können Sie mir eine Nachhilfestunden darin geben, wie man derart konsquent bloggt, wie Sie das tun….

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  8. Ach, da bedarf es so gar keines Nachhilfeunterrichtes … denn unsere blogs unterscheiden sich konzeptionell doch schon sehr stark. Ich stöber als Trödler meinen alten Kram durch, steige dazu auch immer wieder in meinen Keller, versuche dann nützliche Informationen zusammenzutragen und präsentiere die Dinge dann in meiner virtuellen Leihbücherei ..

    Sie hingegen sammeln Eindrücke und Begegnungen und präsentieren diese dann mit ihren jeweiligen Reflexionen und einem stets wohlfeilem Fotomaterial …

    Und sowas kann man ganz sicher nicht jeden Tag machen, denn da müssen die mitteilenswerten Erkenntnisse und Erfahrungen ja auch erstmal wachsen.

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